Der Kernenergie-Boom: Warum diese Uran-Fonds und ETFs plötzlich wieder strahlen

Kühltürme eines Atomkraftwerks: Kernenergie erlebt eine Renaissance (Foto: Freepik, montypeter8)

Krieg im Nahen Osten, eine beschädigte LNG-Infrastruktur und steigende Energiepreise setzen das Energiesystem Europas erneut unter Druck. Gleichzeitig erlebt ein lange unterschätzter Energieträger eine überraschende Renaissance: die Kernenergie. Damit rückt auch Uran wieder stärker in den Fokus der Kapitalmärkte.

Anlegern bieten spezialisierte Strategien wie der Uranium Resources Fund oder der breit aufgestellte VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF einen direkten Zugang zu diesem hochvolatilen, aber potenziell lukrativen Markt.

Politische Börsen haben diesmal Beine

„Politische Börsen haben kurze Beine“ – ein Sprichwort, das in Zeiten steigender Energiepreise nicht mehr gilt. Seit Israel das größte Gasfeld der Welt, das South Pars Gas Field im Iran, angegriffen hat, eskaliert die Lage im Nahen Osten. Die Reaktion des Iran folgte prompt: Der Ras-Laffan-LNG-Komplex in Katar wurde schwer beschädigt. Diese Anlage gilt als die weltweit größte Exportdrehscheibe für verflüssigtes Erdgas und deckt rund 17 Prozent der globalen LNG-Exporte ab. Laut QatarEnergy-Chef Saad Sherida Al-Kaabi könnte die Reparatur 3 bis 5 Jahre dauern.

Die Folge sind steigende Gaspreise und ein erneuter Druck auf die europäischen Energiemärkte. Während europäische Börsen seit Beginn der Eskalation rund zehn Prozent verloren haben, hielten sich die US-Märkte stabiler.

Notenbanken zwischen Zinsdruck und Rezessionsgefahr

Die Zentralbanken reagieren vorsichtig. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Federal Reserve (Fed) haben ihre Leitzinsen bislang unverändert gelassen. EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel deutete jedoch an, dass eine Zinswende bereits im Frühjahr möglich sei, falls die Inflationslage durch die Energiekrise weiter angespannt bleibt. Anleger müssen sich somit wohl auf eine höhere Volatilität und Nervosität einstellen.

Atomkraft im Comeback-Modus

Parallel zur geopolitischen Krise verändert sich auch die energiepolitische Debatte in Europa. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Ausstieg aus der Kernenergie als möglicherweise strategischen Fehler. Frankreich liefert das beste Beispiel für die Stabilität der Nuklearenergie: Rund 67 Prozent des Stroms werden dort aus Atomkraft gewonnen. Auch in Deutschland deutet sich eine Kehrtwende an, wie die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder nach Mini-AKWs zeigt.

Global wird der Ausbau der Kernenergie indes weiter vorangetrieben. Die USA sind der größte Atomstromproduzent, während China massiv neue Reaktoren baut. Laut World Nuclear Industry Status Report befanden sich Anfang 2026 66 Reaktoren im Bau, mehr als die Hälfte davon in China. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert eine weltweite Atomstromproduktion von rund 2.900 Terawattstunden, was etwa zehn Prozent des globalen Strommixes entspricht.

Uran: Der Rohstoff der Stunde

Die steigende Zahl von Reaktoren treibt auch die Uranpreise in die Höhe. Laut der World Nuclear Association wird der globale Uranbedarf von 62.500 Tonnen im Jahr 2021 auf rund 79.400 Tonnen im Jahr 2030 steigen. Gleichzeitig hinkt die Minenproduktion hinterher, da viele Projekte nach dem Fukushima-Unglück gestoppt oder reduziert wurden.

Neue Minen benötigen häufig mehr als 10 Jahre, bis sie produktiv sind – ein strukturelles Defizit, das den Nährboden für einen Uran-Superzyklus schafft. Anleger, die von dieser Entwicklung profitieren möchten, können über Fonds und ETFs investieren. Beispiele sind der aktiv gemanagte Uranium Resources Fund oder der passive VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF.

Fonds: Uranium Resources Fund – hochkonzentrierte Strategie

Der Uranium Resources Fund (ISIN: LI0224072749) ist ein aktiv gemanagter Fonds, der von der Dynamik des Uranmarktes profitiert. Er investiert weltweit in Unternehmen, deren Geschäft direkt oder indirekt vom Uran abhängig ist. Dazu zählen klassische Produzenten wie der kanadische Branchenriese Cameco oder der kasachische Staatskonzern Kazatomprom. Das Portfolio wird durch Entwickler und Explorer wie NexGen Energy oder Paladin Energy ergänzt, die aufstrebende Lagerstätten erschließen. Darüber hinaus sind börsennotierte Vehikel enthalten, die physisches Uran halten und somit direkten Zugriff auf den Rohstoff bieten.

Verantwortlich für die Anlage ist die Liechtensteiner Investmentboutique Incrementum AG, die für ihre Expertise in Realwerten und Edelmetallen bekannt ist. Das Fondsmanagement liegt in den Händen von Dr. Christian Schärer und Hans G. Schiefen, die den Uranmarkt seit Jahren intensiv verfolgen und sich selbst als strategische „Uran-Bullen“ bezeichnen.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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„Die unvermeidlichen Produktionsschwankungen bei den alternativen Energieträgern Sonne und Wind müssen ausgeglichen werden, damit das Stromnetz jederzeit stabil bleibt. Da Atomstrom CO₂-arm produziert wird, sind Atomkraftwerke ein möglicher Lösungsansatz für die Bereitstellung der Grundlast im Stromnetz. Vor diesem Hintergrund können alternative Energieträger und die Atomkraft eine „grüne” Symbiose eingehen. Wir sehen in der Energiepolitik nicht den Gegensatz ‚Alternativ‘ versus ‚Atomenergie‘, sondern ‚CO₂-arm‘ versus ‚Fossil‘“, argumentiert Schärer.

Die Strategie des Fonds ist bewusst konzentriert und nicht auf Diversifikation um jeden Preis ausgelegt. Dies ermöglicht eine hohe Hebelwirkung auf steigende Uranpreise, bedeutet aber auch, dass die Volatilität sehr hoch ist. Zwar lag die Einjahresrendite zuletzt bei über 50 Prozent, doch zwischenzeitliche Rücksetzer von 30 bis 40 Prozent und mehr sind nicht ungewöhnlich. Der Fonds ist für Anleger daher kein Ruhepol, sondern ein hochspekulatives, aber potenziell sehr lukratives Investment in den Rohstoff der Energiezukunft.

ETF-Porträt: VanEck Uranium and Nuclear Technologies – breit, physisch, transparent

Wer den Nukleartrend breiter streuen möchte, findet mit dem Vaneck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF (ISIN: IE000M7V94E1) eine interessante Alternative. Dieser passiv gemanagte ETF bildet den MarketVector Global Uranium and Nuclear Energy Infrastructure Index ab und investiert somit nicht nur in Uranminen und Explorer, sondern auch in Unternehmen, die Kernkraftwerke bauen, ausstatten oder mit Technologie und Infrastruktur versorgen.

Zu den größten Positionen zählen Produzenten wie Cameco oder NexGen Energy, aber auch Industriekonzerne wie Mitsubishi Heavy Industries oder Fuji Electric. Das Portfolio wird durch Vehikel mit physischem Uran ergänzt, wie den Sprott Physical Uranium Trust. Diese Mischung sorgt dafür, dass Anleger sowohl vom Rohstoffpreis als auch von Investitionen in neue Kernkraftwerke profitieren können.

 


Der im Februar 2023 in Irland aufgelegte ETF erfüllt die UCITS-Richtlinien, arbeitet physisch replizierend und hält die Indexwerte direkt. Die Gesamtkostenquote liegt bei moderaten 0,55 Prozent pro Jahr und das Fondsvolumen beträgt rund 2,1 Milliarden US-Dollar. Die Anzahl der enthaltenen Unternehmen schwankt zwischen 25 und 35. Die Basiswährung ist der US-Dollar ohne Währungsabsicherung.

Die Wertentwicklung unterstreicht die Dynamik des Nuklearmarktes: Seit Auflage hat der ETF annualisiert rund 40 Prozent pro Jahr erzielt, die Einjahresrendite liegt bei etwa 72 Prozent. Im Jahr 2024 erzielte der ETF ein Plus von rund 29 Prozent, 2025 sprang er um 69 Prozent nach oben und auch 2026 setzt sich die positive Performance fort. Die Volatilität ist hoch und Rückschläge sind möglich, doch langfristig profitiert der ETF von der strukturellen Expansion des Sektors.

Im Vergleich zum Uranium Resources Fund wirkt der ETF breiter und weniger konzentriert, bietet aber weiterhin eine starke Exposition gegenüber dem Nuklearsektor. Er eignet sich für Anleger, die den Trend zur Kernenergie in ihrem Depot abbilden möchten, ohne auf einzelne, stark schwankende Minenwerte setzen zu müssen.

Fazit: Strahlende Chancen für risikobereite Anleger

Uran ist plötzlich wieder auf der Investmentagenda. Geopolitische Krisen, ein steigender Strombedarf und politische Neubewertungen der Kernenergie sorgen für Rückenwind. Wer in den Uran-Superzyklus einsteigen möchte, kann entweder auf die konzentrierte, aktive Strategie des Uranium Resources Fund setzen oder auf die breitere, physisch replizierende Lösung des Vaneck Uranium and Nuclear Technologies ETF.

Beide Wege sind volatil und bieten die Chance auf überdurchschnittliche Renditen. Anleger, die bereit sind, das Risiko auszuhalten, könnten Teil eines der spannendsten Rohstoffzyklen der kommenden Jahre werden. Aufgrund der hohen Volatilität eignen sich die Anlagevehikel gut als Option für einen Sparplan.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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