(Foto: Magnific.com, designhut1983)
Washington – Am US-Arbeitsmarkt war zuletzt keine klare Richtung erkennbar: Im Februar fielen 133.000 Stellen weg, im März entstanden 178.000 neue – was bringen die April-Daten? Der heutige Arbeitsmarktbericht dürfte auch für die US-Notenbank Federal Reserve und ihren neuen Präsidenten Kevin Warsh wegweisend sein.
Die Erwartungen für den April fallen gedämpft aus. Volkswirte rechnen laut FactSet mit 70.000 neuen Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft. Im März verbuchten die Statistiker noch 178.000 frische Jobs. Die Arbeitslosenquote soll laut Konsens bei 4,3 Prozent verharren.
Analysten beobachten einen engen Branchenfokus. Shruti Mishra von der Bank of America erwartet neue Jobs „größtenteils im Bildungs- und Gesundheitswesen konzentriert“. Das Risiko durch den Konflikt in Nahost könnte laut der Ökonomin den Personalaufbau in anderen Sektoren belasten.
ADP-Privatsektor schlägt Erwartungen – offene Stellen unverändert
Der Job-Bericht des privaten Dienstleisters ADP vom Mittwoch zeichnet ein etwas freundlicheres Bild. Private Unternehmen schufen im April 109.000 neue Arbeitsplätze. Das bedeutet das stärkste Wachstum seit Januar 2025. Vor allem das Gesundheitswesen und der Transportsektor trieben die Zahlen an. Die Löhne für Jobwechsler stiegen um 6,6 Prozent im Jahresvergleich, für Jobverbleibende um 4,4 Prozent.
Trotz des Job-Plus zeigt sich ein gespaltenes Bild. „Kleine und große Arbeitgeber stellen ein, aber wir sehen eine Schwäche in der Mitte“, analysiert Nela Richardson. Die Chefökonomin von ADP sieht große Konzerne mit ihren Ressourcen in diesem komplexen Umfeld im Vorteil.
Der aktuelle Jolts-Bericht für März 2026 zeichnet ein ernüchterndes Bild. Die Zahl offener Stellen in den USA blieb demnach nahezu unverändert bei 6,9 Millionen. Deutlich weniger als im Januar 2026 mit rund 7,24 Millionen und als im Jahresmittel 2025.
Leitzins eingefroren – Fed kämpft mit Iran-Schock
Für die US-Notenbank Federal Reserve sind die Arbeitsmarktdaten die eine Seite ihres dualen Mandats. Die andere – Preisstabilität – liegt derzeit weit entfernt vom Zielwert 2 Prozent. Die US-Verbraucherpreise kletterten im März auf 3,3 Prozent im Jahresvergleich; allein die Energiepreise gingen 12,5 Prozent nach oben, befeuert durch den Irankrieg. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel liegt bei 2,6 Prozent – ebenfalls über dem 2-Prozent-Ziel der Notenbank.
Nach 3 Zinssenkungen um je 25 Basispunkte im 2. Halbjahr 2025 pausiert die Fed seit Januar. Der Leitzins liegt bei 3,5 bis 3,75 Prozent – und wurde auch beim letzten Entscheid am 29. April bestätigt. Die OECD hat ihre US-Inflationsprognose für 2026 auf 4,2 Prozent nach oben korrigiert, weit über der Fed-Prognose von 2,7 Prozent (PCE-Index). Der Spielraum für Zinssenkungen ist geschrumpft.
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Williams: keine klare Richtung – Prognose des FedWatch Tools
„Die Zukunft ist schwer zu erkennen, und die Risiken auf beiden Seiten unseres Mandats haben zugenommen”, sagte John C. Williams, Präsident der New Yorker Federal Reserve und stimmberechtigtes FOMC-Mitglied, diese Woche: Die hohe Inflation, gemischte Arbeitsmarktsignale und der anhaltende Nahostkonflikt bildeten ein ungewöhnliches Umfeld.
Williams vermied jede Festlegung zum Zinspfad: Er sehe keine Daten, die eine baldige Zinserhöhung rechtfertigten – Senkungen stünden erst wieder an, wenn der Inflationsdruck nachlasse.
Was sagen die Märkte? Laut FedWatch-Tool der CME beträgt die Chance für eine Zinspause beim nächsten Fed-Treffen am 17. Juni 94,1 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für eine unveränderte Zinsspanne bei der darauffolgenden Sitzung am 29. Juli beläuft sich auf 86 Prozent. (Stand: 7. Mai, 16.45 MESZ)
Der Beitrag US-Arbeitsmarkt aktuell: Stellenzuwachs im April und Fed-Zins-Prognose erschien zuerst auf ftd.de.