Die Aktienmärkte weltweit deckt der MSCI World nicht ab. (Foto: Magnific.com, wasanchy)
Kaum ein Index ist der breiten Masse heute so bekannt wie der MSCI World. Wer in ihn investiert, glaubt oft, damit ein diversifiziertes Portfolio zu besitzen, das die gesamte Weltwirtschaft repräsentiert. Diese Vorstellung ist verständlich, aber trügerisch. Tatsächlich handelt es sich beim MSCI World um eine Konstruktion, die erhebliche geografische und strukturelle Lücken aufweist. Damit einher geht ein Klumpenrisiko, das vielfach unterschätzt wird.
Amerika dominiert mit weitem Abstand
Im MSCI World sind rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern vertreten. Das klingt zunächst viel. Doch allein die USA stellen mit einer Gewichtung jenseits der 70 Prozent den mit Abstand größten Block. Darauf folgt Japan mit etwa 6 Prozent, während Großbritannien und Frankreich auf jeweils gut 3 bis 4 Prozent kommen. Von einer ausgewogenen globalen Abbildung ist der Index damit weit entfernt.
Ebenso auffällig ist die Dominanz einiger weniger US-Technologiegiganten. So machen Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon und Alphabet gemeinsam einen zweistelligen Prozentanteil des gesamtem MSCI World aus. Mit dem Kauf eines entsprechenden ETFs setzen Anleger also in erheblichem Maße auf die Performance dieser ausgewählten Konzerne und somit faktisch auf einen Ausschnitt des amerikanischen Technologiesektors. Insofern erscheint der Vergleich mit einem verkappten S&P-500-Fonds nicht sehr weit hergeholt.
Was der ETF schlicht ignoriert
Gravierender noch als die Übergewichtung der USA ist das, was im MSCI World fehlt. Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Südkorea sind hier vollkommen ausgeschlossen. Und das, obwohl sie für einen beträchtlichen Teil der globalen Wirtschaftsleistung stehen. China allein ist gemessen am BIP sogar die nach Kaufkraftparität größte Volkswirtschaft der Welt und beheimatet bedeutende Technologie- und Konsumkonzerne. Trotzdem ist das Land im MSCI World nicht vertreten.
Hinzu kommt auch, dass der MSCI World ausschließlich Mid- und Large-Caps berücksichtigt. Kleinere Unternehmen, sogenannte Small-Caps, bleiben ungeachtet ihrer historisch betrachtet nicht selten höheren Renditen sowie ihrer Relevanz für den Kapitalmarkt außen vor. Sie sehen bereits an dieser Stelle: Mit dem Erwerb eines MSCI World erhalten Sie in Wirklichkeit nur einen Ausschnitt der ganzen Welt.
Echte Alternativen: breiter, ausgewogener, vollständiger
Wer für sein Portfolio eine tatsächliche globale Streuung anstrebt, sollte sich mit Indizes auseinandersetzen, die konzeptionell weiter als der MSCI World gedacht sind. Der naheliegendste Schritt ist der Wechsel zum MSCI All Country World Index (ACWI). Dieser umfasst zusätzlich 24 Schwellenländer und bringt es insgesamt auf mehr als 2.800 Titel. Zwar bleibt die USA-Lastigkeit auch hier erhalten, doch zumindest sind Märkte wie Indien, Taiwan oder Südkorea an Bord.
ETFs auf den MSCI ACWI sind kostengünstig und bieten sich insbesondere für Anleger an, die Investments in Schwellenländer nicht separat managen möchten.
Anleger, die noch stärker diversifizieren wollen, finden im FTSE All-World eine interessante Alternative. Dieser Index der Indexfamilie von FTSE Russell deckt sowohl Industrie- als auch Schwellenländer ab und kommt auf rund 4.000 Unternehmen, also fast dreimal so viele wie der MSCI World. Vanguard setzt auf diesen Index für seinen populären FTSE All-World ETF, der zu einem der meistgehandelten ETFs in Europa avanciert ist.
Schließlich bleibt der MSCI ACWI IMI (Investable Market Index) für solche Anleger, die auch auf Small Caps nicht verzichten möchten. Er ergänzt das Spektrum der Mid- und Large-Caps um kleinere Firmen und enthält dadurch annähernd 9.000 Titel weltweit. ETFs auf diesen Index sind aktuell noch selten, aber zum Beispiel schon bei Amundi oder SPDR verfügbar.
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Die klassische 70/30-Lösung
Unter erfahrenen Privatanlegern beliebt ist auch die eigenhändige Kombination aus einem MSCI World ETF und einem MSCI Emerging Markets ETF. Dabei lautet die häufig verwendete Aufteilung 70 Prozent Industrie- und 30 Prozent Schwellenländer. Ein solcher Ansatz erlaubt es, die Schwellenländerquote nach eigenem Ermessen zu justieren und dabei auf besonders günstige ETFs in beiden Segmenten zurückzugreifen.
Allerdings ist diese Vorgehensweise mit einem höheren Aufwand beim Rebalancing verbunden. Wer es sich einfach halten will, dürfte mit einem „Komplett-Produkt“ wie zum Beispiel dem FTSE All-World ETF die unkompliziertere Wahl treffen.
Augen auf beim MSCI World
Natürlich ist der MSCI World an sich kein schlechtes Investment. Er ist günstig, liquide und hat in den vergangenen Jahren ansehnliche Renditen erwirtschaftet. Aber: Wirklich breite Diversifikation, wie sie meist angepriesen wird, kaufen sich Anleger mit ihm nicht ins Depot. Dafür ist der MSCI World geographisch zu stark auf die USA konzentriert und lässt zu große Teile der Weltwirtschaft außer Acht. Indizes wie der FTSE All-World oder eines der umfassenderen ACWI-Produkte können diese Schwäche kompensieren.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Der Beitrag MSCI World: Ist der beliebte ETF eine Mogelpackung? Diese Alternativen gibt es! erschien zuerst auf ftd.de.