Aufgrund der eingeschränkten internationalen Handelbarkeit des südkoreanischen Won verbleibt das Land vorerst im MSCI Emerging Market Index. (Bild: Magnific AI)
Vor einem Jahr haben wir über die ambitionierten Reformpläne des neu gewählten südkoreanischen Präsidenten Lee für Aktionäre berichtet. Sein Plan war es, den strukturellen Bewertungsabschlag südkoreanischer Aktien zu beseitigen und den Leitindex Kospi auf 5.000 Punkte zu heben.
Der Index hat dieses Ziel längst übertroffen und erreichte in der Spitze über 9.000 Punkte. Das ist jedoch nicht Lees Erfolg, sondern das Ergebnis des Halbleiterbooms. Zeit daher für eine Zwischenbilanz: Welche Reformen wurden bisher umgesetzt, wie viele Aktien wurden zurückgekauft, und wie präsentiert sich der Leitindex Kospi aktuell?
Zwischenbilanz der Marktreformen: Auf Worte folgten Taten
3 von 4 großen Reformen wurden umgesetzt. Im Juli 2025 trat die Reform des Handelsgesetzes in Kraft, damit Aktionäre mehr Rechte und Transparenz erhalten. Verwaltungsräte schulden seither ihre Treuepflicht ausdrücklich auch den Aktionären, während die Gründerfamilien in ihrer Macht zurückgedrängt wurden. Um gegen Marktmanipulation besser geschützt zu sein, wurden Leerverkäufe mit einem verschärften Compliance-Regelwerk versehen.
Ein weiteres Versprechen für Aktionäre wurde im Dezember 2025 umgesetzt, indem die Dividendensteuer von bis zu 45 Prozent auf bis zu 30 Prozent gesenkt wurde. Damit fällt ein Fehlanreiz weg, Gewinne zu bunkern statt auszuschütten. Seit Februar 2026 sind günstigere Steuersätze von nur noch 14 Prozent an die Offenlegung des geforderten Value-Up-Plans gebunden. Seit März 2026 gilt zudem eine neue Regel für Aktienrückkäufe: Unternehmen müssen zurückgekaufte Aktien tatsächlich vernichten, statt sie als stille Reserve zu verbuchen. Ziel ist es, den Spielraum der Gründerfamilien zu senken, während die Aktionäre unumkehrbar mehr Anteile am Unternehmen erhalten.
Südkorea bleibt vorerst im MSCI Emerging Market
Offen bleibt jedoch das Ziel, in den MSCI Developed Market Index aufgenommen zu werden. Bei der letzten Überprüfung im Juni 2026 scheiterte Südkorea daran, dass die südkoreanische Währung Won international nur eingeschränkt handelbar ist. Aus diesem Grund gibt es keine Statusanpassung von Emerging auf Developed. Südkorea hofft nun mit einem Dollar-Won-Handel rund um die Uhr dieses Hindernis zu beseitigen. Eine Indexanpassung bleibt jedoch ungewiss.
Value-Up-Plan wirkt: neuer Aktionärswert entsteht
Der Value-Up-Plan schafft nach Jahrzehnten des Stillstands eine aktionärsfreundliche Transformation. Alleine im Jahr 2025 wurden eigene Aktien im Wert von 20,1 Billionen Won freiwillig zurückgekauft, während 2020 marginale 4 Billionen eingezogen wurden. Im März, seitdem die Pflicht zur Vernichtung besteht, wurden sogar in einem einzigen Monat 15,8 Billionen Won eingezogen.
Ein weiterer Indikator, dass der Kospi abseits von Halbleiterprofiteuren an Wert gewinnt, lässt sich am Buchwert vieler Unternehmen erkennen. Während vor der Reform mehr als 70 Prozent der südkoreanischen Aktien unter Buchwert gehandelt wurden, lag der Anteil zu Jahresbeginn nur noch bei 62 Prozent. Doch neben dem Value-Up-Plan muss auch das Wachstum vieler Unternehmen angekurbelt werden, damit weiter Wert für Aktionäre entstehen kann.
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Kospi: Halbleiter-Schwergewichte zerstören den Diversifikationseffekt
Während Samsung Electronics und SK Hynix Ende 2025 erst 23 Prozent des Leitindex Kospi ausmachten, hat der KI-getriebene Boom bei Speicherchips die beide Aktien nun auf ein Indexgewicht von 46 Prozent getrieben. In Summe legte der Kospi seit Jahresbeginn um rund 77 Prozent zu. 225 Prozent gehen auf die beiden Schwergewichte zurück, während auf den restlichen Index nur 25 Prozent Kurswachstum entfällt. Die Gewichtung und der Kursverlauf des Kospi zeigen, wie fragil und schwierig die Neubewertung des breiten Marktes aufgrund dieses Ungleichgewichts ist.
Allein an einem volatilen Tag im März 2026 stürzte der Index 12 Prozent ab. Die Ausschläge werden durch Hebelprodukte auf die 2 Chip-Werte verstärkt. Mehrfach musste bereits der Handel durch automatische Notbremsen gestoppt werden. Vom Höchststand über 9.000 Punkte ist der Index nun wieder weit entfernt, doch der Kospi ist zu einem schwer kalkulierbaren Anlagevehikel geworden.
Fazit: Wenn der Index keine Option mehr ist
Eine breite Beteiligung am Value-Up-Plan durch eine „einfache“ Index-Investition ist mit der aktuellen Zusammensetzung nicht gegeben. Eine Alternative könnte aber die Investition in Einzelwerten sein, die vom Value-Up-Plan bereits profitieren, wie etwa KB Financial und Shinhan Financial.
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Der Beitrag Aktien Südkorea: Momentum des Kospi-Index untergräbt den Value-Up Plan erschien zuerst auf ftd.de.