Seltene Erden: Dauer-Stresstest für Europa und die USA – diese Aktie profitiert

Die geopolitische Abhängigkeit von China treibt die Volatilität bei Seltene-Erden-Aktien wie MP Materials merklich an. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Am 10. November 2026 läuft die chinesische Aussetzung strengerer Exportkontrollen für Seltene Erden, die gar nicht selten sind, aus. In der Zwischenzeit konnte China seine strategischen Allianzen ausbauen. Die Verteidigungsfähigkeit Europas und der USA hängt an diesen Exportkontrollen.

Im Fokus stehen nicht die Seltenen Erden selbst, sondern vielmehr die Tatsache, dass China 70 Prozent der Seltenen Erden produziert, 85 Prozent der Raffination und über 90 Prozent der Magnetfertigung kontrolliert. Rund 91 Prozent der Permanentmagnete kommen aus China. Sie werden vor allem für Elektromotoren und Windturbinen, aber auch für Radar, Raketensteuerung und Drohnen benötigt.

Japan hat reagiert – Europa und die USA haben Abhängigkeit zugelassen

China war für den Westen immer der beste Weg, um kostengünstig zu produzieren. In den 1990er-Jahren verlagerten Europa und die USA die Raffination und Magnetfertigung nach China, um Kosten deutlich zu senken und toxisches Abwasser bei der Trennung sowie teils auch radioaktive Rückstände zu vermeiden. 2010 spielte China in einem Territorialkonflikt im Ostchinesischen Meer mit Japan erstmals seine Macht aus und verhängte ein Ausfuhrverbot für Seltene Erden.

Japan verstand die Gefahr und die Abhängigkeit und setzt seither auf eine konsequente Industriepolitik, sodass die Importabhängigkeit von 90 Prozent auf nun 60 Prozent zurückging. Japan hat neben China die einzige relevante Magnetindustrie mit 15 Prozent Marktanteil. Sie wird durch Shin-Etsu, TDK und Proterial repräsentiert. Europa schweigt und die USA bemühen sich seit Kurzem um eigene Lösungen. In all den Jahrzehnten konnte China hingegen Prozesswissen für Seltene Erden, Sinterpressen, Strip-Casting-Anlagen und Beschichtungssysteme aufbauen, das heute in Europa und teils auch in den USA fehlt.

Die USA dünnen aus und China bildet eine Allianz mit dem Iran

2023 nahm der Konflikt um Seltene Erden erneut Fahrt auf, nachdem Europa den Export hochmoderner Halbleiter nach China aus Sicherheitsgründen eingeschränkt hatte. Mit den US-Zöllen gegenüber China verschärfte sich die Lage weiter. Heute braucht der Export bestimmter Seltener Erden eine Ausfuhrlizenz; für Rüstungszwecke ist er vollständig verboten. Das trifft vor allem die USA, denn gerade ihre Verteidigungsindustrie ist auf diese Materialien angewiesen. Zusätzlich untersagt China den Export von Know-how, Patenten und Maschinen zur Trennung, Raffination und Magnetfertigung. Damit kontrolliert Peking auch die Verarbeitungsschritte, die der Westen dringend selbst aufbauen müsste.

MP Materials als Aktien-Spielball

Die USA versucht sich nun mit aller Dringlichkeit von dieser drohenden Versorgungslücke zu entkoppeln und eine eigene Wertschöpfungskette aufzubauen. Ein „Profiteur“ ist MP Materials. Bis 2023 waren sie ein reiner Minenbetreiber, doch nun verfügt das Unternehmen mit dem Standort Mountain Pass über eine eigene Trenn- und Raffinerieanlage und verkauft eigenständig getrenntes Neodym-Praseodym-Oxid (NdPr-Oxid).

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Ende 2025 stieg MP dank massiver staatlicher Absicherung, etwa durch Abnahmegarantien und Preisuntergrenzen, auch in die finale Magnetverarbeitungsstufe ein. Doch das Projekt offenbart die Probleme. Das Geschäftsmodell ist kapitalintensiv, stark von staatlicher Unterstützung abhängig, und technologisches Know-how fehlt. Solange diese Wissenslücke nicht geschlossen werden kann und die neuen Kapazitäten nicht zuverlässig laufen, bleiben auch die USA hochgradig von China abhängig. MP Materials bleibt daher trotz politischer Rückenwinde ein mehrfach abhängiger und riskanter Investmentcase.

Die eigentlichen Technologie-Player: Shin-Etsu und TDK

Shin-Etsu Chemical zählt neben Linde und L’Air Liquide zu den größten Chemiekonzernen der Welt. Das Segment Electronics Materials reicht von Siliziumwafern bis zu Spezialchemikalien und umfasst auch Seltene-Erden-Magnete. Aufgrund der Größe des Gesamtkonzerns machen diese Magnete jedoch nur rund 5 Prozent des Umsatzes aus.

Bei TDK zeigt sich ein ähnliches Bild: Das Unternehmen stellt mit den Produktlinien Neorec und Neodelta ebenfalls Sintermagnete her. Im Segment Magnetic Application Products entfallen jedoch nur rund 2 bis 3 Prozent des Gesamtumsatzes auf Seltene-Erden-Produkte. Damit sind Shin-Etsu und TDK zwar technologisch relevante Anbieter, doch aus Sicht des geringen Umsatzanteils der relevanten Bereiche, bieten auch diese Aktien aus Sicht der geopolitischen Brisanz keinen Investmentcase.

Fazit: Für welchen Anlegertyp passt das Thema

Für spekulative Anleger, die kurzfristige Volatilität rund um politische Ereignisse wie den 10. November handeln wollen, bietet der Sektor rund um Seltene Erden eine gewisse Chance auf Volatilität. Ein belastbarer Investmentcase aus rein fundamentaler Betrachtung entsteht daraus jedoch nicht.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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