Ranking Mindestlohn: Diese 10 EU-Länder zahlen die höchsten Beträge

Erfassung von Arbeitszeit im Hotelalltag (KI-Bild: ftd.de-Redaktion, Codex-Bildmodell)

Luxemburg liegt mit 2.771 Euro brutto im Monat vorne, Deutschland erreicht 2.343 Euro. Das Mindestlohn-Ranking zeigt zugleich, warum der Monatsbetrag allein wenig über Stundenlohn und Kaufkraft aussagt.

Platz 1 steht für den höchsten nominalen Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent unter den EU-Ländern mit nationaler Lohnuntergrenze. Grundlage ist die Eurostat-Auswertung zum 1. Juli 2026. Aus den 22 erfassten Ländern zeigt die Rangliste die 10 höchsten Werte. Stundenlöhne und zusätzliche jährliche Zahlungen werden dabei in Monatsbeträge umgerechnet.

Rang Name Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent
1 Luxemburg 2.771 Euro
2 Irland 2.391 Euro
3 Deutschland 2.343 Euro
4 Niederlande 2.338 Euro
5 Belgien 2.234 Euro
6 Frankreich 1.867 Euro
7 Slowenien 1.482 Euro
8 Spanien 1.425 Euro
9 Litauen 1.153 Euro
10 Polen 1.119 Euro

EU-Länder mit den höchsten Bruttomindestlöhnen je Monat im Juli 2026

Quelle: Eurostat

Platz 10: Polen – Landesweit einheitlicher Betrag

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 1.119 Euro

Polen erreicht umgerechnet 1.119 Euro monatlich und schließt damit die Top 10 ab. In der Landeswährung beträgt der Mindestlohn seit Januar 2026 genau 4.806 Zloty. Das bestätigt das polnische Ministerium für Familie, Arbeit und Sozialpolitik.

Der Betrag gilt landesweit einheitlich. Er unterscheidet sich nach der Ministeriumserläuterung nicht nach Region, Branche, Beruf oder Qualifikation. In die Prüfung fließen mehrere Entgeltbestandteile ein, darunter Grundvergütung und bestimmte Prämien. Ausgenommen sind beispielsweise Überstunden- und Nachtarbeitsvergütung sowie Jubiläumszahlungen.

Eurostat wandelt den nationalen Monatsbetrag zum Wechselkurs am Ende des Vormonats in Euro um. Dadurch hängt die Position im Eurovergleich auch vom Wechselkurs ab. Ein anderer Eurobetrag muss also nicht auf eine Änderung der polnischen Lohnregel zurückgehen. Für einen Vertrag in Polen bleibt die bestätigte Summe in Zloty der maßgebliche nationale Bezugspunkt.

Platz 9: Litauen – Die Regierung entschied nach Verhandlungen

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 1.153 Euro

Litauen kommt auf 1.153 Euro brutto im Monat. Die Regierung billigte nach Mitteilung des Sozialministeriums diesen Betrag für 2026 bereits im Oktober 2025. Gegenüber den zuvor geltenden 1.038 Euro waren das 115 Euro beziehungsweise 11,1 Prozent mehr. Gleichzeitig wurde der Mindeststundenlohn auf 7,05 Euro angehoben.

Der Entscheidung gingen Verhandlungen der Sozialpartner voraus. Im Dreiparteienrat kam im September 2025 keine Einigung zustande. Arbeitnehmervertreter hatten 1.198 Euro vorgeschlagen; auf Arbeitgeberseite gab es unterschiedliche Positionen zur Höhe einer Anhebung.

Das Ministerium schätzte damals, dass rund 120.000 Beschäftigte in Voll- und Teilzeit von der Erhöhung betroffen sein würden. Diese Angabe beschreibt die erwartete Reichweite des Beschlusses. Sie ist keine im Juli 2026 neu gemessene Beschäftigtenzahl.

Platz 8: Spanien – 14 Zahlungen auf 12 Monate verteilt

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 1.425 Euro

Spanien weist im Eurostat-Vergleich 1.425 Euro brutto je Monat aus. Die spanische Regierung nennt für 2026 einen Mindestlohn von 1.221 Euro bei 14 Zahlungen. Der höhere Tabellenwert entsteht, weil Eurostat diese Zahlungen auf 12 Monate verteilt.

Rechnerisch ergeben 1.221 Euro mal 14 einen Jahresbetrag von 17.094 Euro. Geteilt durch 12 sind das 1.424,50 Euro, in der Vergleichstabelle gerundet 1.425 Euro. Die Abweichung ist somit eine Frage der Zahlungsperioden und kein zweiter spanischer Mindestlohnsatz.

Das Kabinett beschloss den Betrag am 17. Februar 2026 rückwirkend zum Jahresbeginn. Die Untergrenze erfasst Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen. Für Teilzeitarbeit gilt ein proportionaler Betrag. Sachleistungen dürfen nach der Regierungserläuterung den in Geld zu zahlenden Mindestbetrag nicht vermindern. Beim Vergleich eines Arbeitsvertrags müssen deshalb sowohl die Zahl der Zahlungen als auch die vereinbarte Arbeitszeit erkennbar sein.

Platz 7: Slowenien – Deutlicher Anstieg gegenüber 2025

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 1.482 Euro

Slowenien liegt mit gerundet 1.482 Euro monatlich vor Spanien. Der genaue Bruttobetrag für 2026 beträgt nach Angaben der slowenischen Regierung 1.481,88 Euro. Im Jahr 2025 waren es 1.277,72 Euro. Daraus ergibt sich rechnerisch ein nominaler Anstieg um 16,0 Prozent.

Die Untergrenze gilt für Arbeit in Vollzeit; bei kürzerer Arbeitszeit besteht ein anteiliger Anspruch. Gesetzliche und tarifliche Zulagen sowie bestimmte Leistungszahlungen dürfen nicht in den Mindestlohn eingerechnet werden. Auch Erstattungen für Mahlzeiten oder den Weg zur Arbeit gehören nicht dazu.

Bei der Festsetzung werden die Sozialpartner angehört. Zuständig ist der Arbeitsminister, der den Betrag spätestens bis zum 31. Januar im Amtsblatt veröffentlicht. Hinzu kommt eine jährliche Anpassung mindestens entsprechend der maßgeblichen Verbraucherpreisentwicklung. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt damit einen höheren Bruttobetrag, aber noch keinen gleich großen Zuwachs der realen Kaufkraft.

Platz 6: Frankreich – Der Smic reagiert auf die Inflation

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 1.867 Euro

Frankreich erreicht 1.867 Euro brutto im Monat. Der nationale Mindestlohn heißt Smic. Das staatliche Informationsportal Service Public nennt seit dem 1. Juni 2026 genau 12,31 Euro pro Stunde beziehungsweise 1.867,02 Euro monatlich bei 35 Wochenstunden. Die Eurostat-Zahl entspricht dem auf ganze Euro gerundeten Monatsbetrag.

Die Anpassung folgt mehreren Regeln. Jährlich zum Januar berücksichtigt sie die Preisentwicklung der einkommensschwächsten 20 Prozent der Haushalte sowie die Hälfte des realen Zuwachses eines maßgeblichen Stundenlohnindex für Arbeiter und Angestellte.

Steigt der relevante Preisindex seit der letzten Festsetzung um mindestens 2 Prozent, kann die Untergrenze auch innerhalb des Jahres automatisch angehoben werden. Dadurch bleibt sie nicht zwingend ein ganzes Kalenderjahr unverändert. Für die Rangliste zählt der im Juli geltende Stand. Überstundenzuschläge werden laut dem Portal bei der Prüfung, ob der Smic erreicht ist, nicht angerechnet.

Platz 5: Belgien – Tarifregeln prägen die Untergrenze

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 2.234 Euro

Belgien steht mit 2.234 Euro brutto im Monatsvergleich auf Platz 5. Für die konkrete Lohnuntergrenze spielen kollektiv vereinbarte Entgelttabellen eine zentrale Rolle. Die belgische Arbeitsverwaltung erläutert die Vergütungsregeln im Zusammenhang mit Arbeitsverträgen.

Arbeitgeber und Beschäftigte können die Bezahlung vereinbaren, müssen aber allgemeinverbindliche tarifliche Mindestentgelte beachten. Ist im Vertrag keine ausdrückliche Vergütung festgelegt, gilt die verbindliche Entgelttabelle. Fehlt eine solche Tabelle für die Branche oder das Unternehmen, greift das garantierte monatliche Mindesteinkommen.

Der nationale Vergleichswert ist daher ein Ausgangspunkt für die Einordnung. Welcher Mindestbetrag für eine bestimmte Stelle gilt, hängt auch von den anwendbaren tariflichen Regeln ab. Ein einzelner EU-Rang ersetzt diese Prüfung nicht.

Platz 4: Niederlande – Der Stundenlohn entscheidet

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 2.338 Euro

Die Niederlande kommen auf ein Monatsäquivalent von 2.338 Euro. Maßgeblich ist der seit Juli 2026 geltende Stundenlohn von 14,99 Euro für Beschäftigte ab 21 Jahren. Diesen Betrag bestätigt die niederländische Regierung in ihrer Mindestlohntabelle.

Seit 2024 gibt es dort keinen festen gesetzlichen Mindestbetrag je Monat, Woche oder Tag mehr. Die tatsächliche Bezahlung hängt von der Zahl der vergüteten Stunden ab. In den Eurostat-Vergleich gehen 36 Wochenstunden ein; multipliziert mit 52 Wochen und geteilt durch 12 ergeben sie vor Rundung 2.338,44 Euro.

Für jüngere Arbeitnehmer gelten eigene Sätze. Die Tabelle nennt beispielsweise 11,99 Euro pro Stunde für 20-Jährige und 8,99 Euro für 19-Jährige. Wer ein konkretes Arbeitsangebot betrachtet, muss deshalb Alter und Arbeitszeit zusammen lesen. Auch die niedrigere Monatsposition gegenüber Deutschland erklärt sich nicht durch einen niedrigeren allgemeinen Stundenbetrag: Der niederländische Satz liegt darüber.

Platz 3: Deutschland – Bei Kaufkraft liegt Deutschland vorne

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 2.343 Euro

Deutschland erreicht im nominalen Monatsvergleich 2.343 Euro und liegt damit knapp vor den Niederlanden. Der Abstand der veröffentlichten Werte beträgt 5 Euro. Diese Nähe darf nicht als gleich großer Unterschied beim Stundenlohn gelesen werden: Eurostat verwendet für beide Länder unterschiedliche Arbeitszeitfaktoren.

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit Januar 2026 laut Bundesregierung 13,90 Euro pro Stunde. Für den Monatswert setzt Eurostat 38,8 Wochenstunden und den Faktor 4,345 an. Daraus entstehen rund 2.343 Euro. Eine andere vereinbarte Stundenzahl führt entsprechend zu einem anderen Monatsverdienst.

Nach Berücksichtigung nationaler Preisniveaus steht Deutschland in der Eurostat-Auswertung an erster Stelle. Der Wert beträgt 2.164 Kaufkraftstandards (KKS). Diese künstliche Recheneinheit gleicht Preisunterschiede aus; sie ist kein zusätzlicher Eurobetrag auf der Lohnabrechnung. Der nominale Rang und der Kaufkraftrang beantworten somit unterschiedliche Fragen.

Ein ftd.de-Beitrag zur deutschen Mindestlohnerhöhung erläutert die nationale Entwicklung. Der bereits festgelegte nächste Schritt auf 14,60 Euro je Stunde gilt ab Januar 2027. In die vorliegende Rangfolge geht er noch nicht ein: Sie bildet den gemeinsamen Stichtag 1. Juli 2026 ab.

Platz 2: Irland – Der volle Satz gilt ab 20 Jahren

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 2.391 Euro

In Irland entspricht der Mindestlohn 2.391 Euro brutto pro Monat. Hinter diesem Vergleichswert steht ein Stundenlohn von 14,15 Euro. Eurostat rechnet mit 39 Wochenstunden und verteilt 52 Arbeitswochen auf 12 Monate. Das ergibt vor der Rundung 2.391,35 Euro.

Die irische Workplace Relations Commission weist den vollen Satz seit Januar 2026 für Beschäftigte ab 20 Jahren aus. Mit 19 Jahren sind es 12,74 Euro, mit 18 Jahren 11,32 Euro pro Stunde. Unter 18-Jährige erhalten nach der Tabelle mindestens 9,91 Euro.

Grundsätzlich erfasst die Regelung auch Teilzeitkräfte, befristet Beschäftigte und Saisonkräfte. Ausnahmen nennt die Behörde unter anderem für bestimmte Ausbildungsverhältnisse. Bei der Prüfung des Mindestlohns zählt zudem nicht jede Zahlung gleichermaßen: Überstundenvergütung, Auslagenerstattungen und Trinkgeld werden nicht als anrechenbarer Mindestlohn behandelt. Der Vergleich betrifft damit eine definierte Lohnuntergrenze, nicht sämtliche Einnahmen aus einem Arbeitsverhältnis.

Platz 1: Luxemburg – Die höchste nominale Untergrenze

  • Bruttomindestlohn als Monatsäquivalent: 2.771 Euro

Luxemburg führt mit 2.771 Euro brutto je Monat. Der höchste nominale Mindestlohn unter den 22 erfassten EU-Ländern bezieht sich auf die allgemeine Untergrenze für erwachsene, nicht qualifizierte Beschäftigte. Die genaue Abgrenzung ist hier besonders wichtig, weil das Land daneben einen höheren Satz für qualifizierte Arbeitnehmer ausweist.

Seit dem 1. Juni 2026 beträgt der soziale Mindestlohn laut den amtlichen Sozialparametern der luxemburgischen Regierung genau 2.771,33 Euro monatlich. Eurostat rundet diesen Betrag in seiner Vergleichstabelle auf ganze Euro. Der entsprechende nationale Stundenbetrag liegt gerundet bei 16,02 Euro.

Für qualifizierte Beschäftigte ab 18 Jahren nennt das amtliche Blatt 3.325,59 Euro monatlich. Dieser Satz entspricht 120 Prozent der allgemeinen Untergrenze. Ein höherer Qualifikationssatz wird also nicht in den Spitzenwert der Rangliste hineingerechnet.

Auch das Alter verändert den Anspruch: Für 17- bis unter 18-Jährige gelten 80 Prozent, für 15- bis unter 17-Jährige 75 Prozent des allgemeinen Satzes. Die Zahl an der Spitze ist deshalb kein einheitlicher Lohn für jede beschäftigte Person. Als nominale Untergrenze ist sie hoch; über den Lebensstandard entscheidet zusätzlich, was sich vor Ort damit bezahlen lässt.

 

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