Ranking Inflation: Diese 10 EU-Länder trifft die Teuerung besonders

Die Verbraucher spüren den Preisanstieg an der Supermarktkasse: Die Teuerungsrate unterscheidet sich innerhalb der EU-Staaten massiv (KI-Bild: ftd.de-Redaktion, Codex-Bildmodell)

Rumänien erreicht im August 2026 eine Rate von 6,3 Prozent und führt damit das Ranking an. Platz 1 steht für die höchste harmonisierte Jahresinflation unter allen 27 EU-Ländern.

Grundlage sind die am 17. September veröffentlichten Eurostat-Daten zu den Verbraucherpreisen. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) macht die Preisentwicklung zwischen Ländern vergleichbar. Er misst Veränderungen über die Zeit, nicht das absolute Preisniveau. Ein höherer Rang bedeutet deshalb nicht, dass ein Land insgesamt teurer ist.

Die Länderberichte zeigen unterschiedliche Belastungen bei Energie, Dienstleistungen und Lebensmitteln. Auch für die Geldpolitik ist der Preisdruck entscheidend. Ein ftd.de-Beitrag zum Zinsbeschluss im September erläutert die Reaktion der Europäischen Zentralbank auf die Inflation.

Rang Land Inflation im August 2026 zum Vorjahr
1 Rumänien 6,3 Prozent
2 Litauen 5,6 Prozent
3 Zypern 5,2 Prozent
4 Bulgarien 5,0 Prozent
5 Spanien 4,6 Prozent
6 Belgien 4,2 Prozent
7 Luxemburg 4,0 Prozent
8 Griechenland 3,7 Prozent
8 Kroatien 3,7 Prozent
10 Portugal 3,6 Prozent

EU-Länder mit der höchsten Jahresinflation im August 2026

Quelle: Eurostat

Platz 10: Portugal – Diesel und Mieten erhöhen die Ausgaben

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 3,6 Prozent

Portugal verzeichnet eine harmonisierte Jahresrate von 3,6 Prozent. Der nationale Index stieg um 3,3 Prozent, nach 3,0 Prozent im Juli. Diese Beschleunigung führt das portugiesische Statistikamt fast vollständig auf höhere Dieselpreise zurück.

Energie kostete im nationalen Warenkorb 12,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Juli hatte die Rate 8,7 Prozent betragen. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 3,4 Prozent, nach 3,7 Prozent im Vormonat. Die Kerninflation ohne diese beiden Bereiche blieb bei 2,6 Prozent.

Beim Wohnen wirken weitere Belastungen. Die tatsächlich gezahlten Mieten lagen im August landesweit 5,2 Prozent über dem Vorjahr.

Platz 8: Kroatien – Verkehr und Wohnen belasten das Budget

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 3,7 Prozent

Kroatien erreicht ebenfalls 3,7 Prozent harmonisierte Inflation. Die ergänzende nationale Statistik weist 4,2 Prozent aus. Darin verteuerten sich Verkehr um 13,5 Prozent sowie Wohnen, Wasser und Energie um 10,8 Prozent. Zusammen trugen diese Gruppen nach Angaben des kroatischen Statistikamts erheblich zum Gesamtanstieg bei.

Dem standen günstigere Lebensmittel und alkoholfreie Getränke gegenüber: Ihre Preise sanken um 0,6 Prozent zum Vorjahr. Bekleidung und Schuhe wurden um 5,1 Prozent günstiger. Auch bei Einrichtungsgegenständen und Haushaltsausstattung lag das Preisniveau etwas unter dem Vorjahr. Trotz dieser Entlastungen blieben energie- und verkehrsbezogene Ausgaben deutlich teurer.

Platz 8: Griechenland – Wohnen und Gastronomie fallen auf

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 3,7 Prozent

Griechenlands harmonisierte Jahresrate beträgt 3,7 Prozent. Im Warenkorb fallen Wohnen, Wasser und Energie mit einem Anstieg um 9,5 Prozent auf. Restaurant- und Beherbergungsleistungen verteuerten sich um 8,1 Prozent, wie die griechische Statistikbehörde ELSTAT ausweist.

Lebensmittel und alkoholfreie Getränke kosteten dagegen lediglich 0,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Information und Kommunikation wurden um 2,4 Prozent günstiger. Das erklärt, weshalb einzelne stark gestiegene Ausgaben nicht mit der gesamten Inflationsrate gleichgesetzt werden können: Sie gehen mit unterschiedlichen Gewichten in den Index ein.

Für Restaurants und Beherbergung beträgt dieses Gewicht 177,45 von insgesamt 1.000 Gewichtspunkten. Der harmonisierte Warenkorb berücksichtigt auch Ausgaben ausländischer Besucher. Preisänderungen bei touristisch genutzten Dienstleistungen sind deshalb Teil der Messung, selbst wenn sie im persönlichen Budget eines Haushalts nur eine kleine Rolle spielen.

Platz 7: Luxemburg – Tankkunden verändern die Gewichtung

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 4,0 Prozent

Luxemburg kommt im EU-Vergleich auf 4,0 Prozent. Der nationale Index zeigt dagegen nur 2,2 Prozent. Das Statistikamt STATEC erklärt den Abstand mit unterschiedlichen Gewichten: Der harmonisierte Index berücksichtigt auch Käufe von Menschen, die nicht im Land wohnen. Kraftstoffe und Tabak haben darin ein höheres Gewicht.

Kraftstoffe verteuerten sich gegenüber August 2025 um 23,2 Prozent. Diese Verteuerung wirkt sich im harmonisierten Index stärker aus. Die nationale Messung bezieht sich auf die Konsumausgaben der Wohnbevölkerung im Inland und dient zugleich als Grundlage der Lohnindexierung.

Bei Haushaltsenergie wirkten staatliche Entlastungen. Strom wurde gegenüber Juli um 13,9 Prozent günstiger, Gas um 14,3 Prozent. STATEC führt dies auf Maßnahmen des Resilienzpak zurück. Dennoch lag Energie insgesamt noch 5,8 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Platz 6: Belgien – Energie verteuert sich schneller

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 4,2 Prozent

Belgien meldet 4,2 Prozent harmonisierte Inflation. Die Statistikbehörde Statbel zeigt, wie stark Energie den August prägt: Ihre Preise lagen 21,9 Prozent über dem Vorjahr (HVPI). Im Juli hatte die Energierate 15,1 Prozent betragen, im Juni 12,8 Prozent.

Die Kerninflation ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel blieb hingegen bei 2,8 Prozent (HVPI). Dienstleistungen verteuerten sich um 3,7 Prozent, nach 4,1 Prozent im Juli. Diese Entwicklung bremste den allgemeinen Preisdruck, konnte die Beschleunigung bei Energie aber nicht ausgleichen.

Auch innerhalb eines Monats verteuerte sich Energie deutlich, um 4,5 Prozent gegenüber Juli. Wer viel für Strom, Heizung oder Kraftstoffe ausgibt, spürt solche Veränderungen unmittelbarer als es die Gesamtzahl erkennen lässt. Die stabile Kernrate zeigt zugleich, warum sich aus dem Energieanstieg keine gleichmäßige Verteuerung sämtlicher Waren und Dienstleistungen ableiten lässt.

Platz 5: Spanien – Kraftstoffe verstärken den Jahresvergleich

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 4,6 Prozent

Spanien verzeichnet eine harmonisierte Jahresrate von 4,6 Prozent. Im nationalen Verbraucherpreisindex beträgt die Teuerung 4,3 Prozent. Dessen Anstieg gegenüber Juli erklärt das spanische Statistikamt vor allem mit Verkehr sowie Lebensmitteln und alkoholfreien Getränken.

Die Verkehrspreise lagen im nationalen Index 9,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Kraftstoffe verteuerten sich im August, während sie im gleichen Monat des Vorjahres billiger geworden waren. Beide Bewegungen verstärken den aktuellen Jahresvergleich. Bei Lebensmitteln und alkoholfreien Getränken erhöhte sich die jährliche Rate auf 2,3 Prozent.

Die Kerninflation ging hingegen leicht zurück. Ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel lag sie bei 2,9 Prozent, nach 3,0 Prozent im Juli. Der kräftigere Gesamtanstieg ging damit nicht mit einer Beschleunigung dieser engeren Messgröße einher. Der Abstand zwischen Gesamt- und Kernrate verdeutlicht, wie wichtig Energie und unverarbeitete Lebensmittel für die Einordnung sind.

Platz 4: Bulgarien – Der kleine Warenkorb zeigt weniger Teuerung

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 5,0 Prozent

Bulgariens harmonisierte Inflationsrate liegt bei 5,0 Prozent. Gegenüber Juli stiegen die Preise um 0,8 Prozent. In der harmonisierten Aufschlüsselung des bulgarischen Statistikamts verteuerte sich Verkehr innerhalb eines Monats um 4,3 Prozent. Restaurants und Beherbergung legten um 1,1 Prozent zu.

Andere laufende Ausgaben bewegten sich kaum. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke blieben im Monatsvergleich unverändert. Bekleidung und Schuhe wurden um 1,8 Prozent günstiger, Gesundheitsleistungen um 0,4 Prozent. Diese Monatswerte zeigen die Veränderung seit Juli, nicht die Teuerung eines ganzen Jahres.

Eine ergänzende nationale Kennziffer untersucht einen kleinen Warenkorb mit 100 grundlegenden Gütern und Dienstleistungen. Seine Gewichte orientieren sich an den Ausgaben der 20 Prozent einkommensschwächsten Haushalte. Dieser Index lag im August 1,7 Prozent über dem Vorjahr. Der Unterschied zum breiten harmonisierten Index zeigt, wie stark die Auswahl und Gewichtung der Ausgaben das Ergebnis beeinflusst.

Platz 3: Zypern – Übernachtungen und Essen außer Haus kosten mehr

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 5,2 Prozent

Auf Zypern beträgt die harmonisierte Jahresrate 5,2 Prozent. Besonders deutlich verteuerten sich Restaurantbesuche und Übernachtungen: Die gemeinsame Kategorie lag 13,3 Prozent über August 2025. Für Verkehr meldet die zyprische Statistikbehörde einen Anstieg um 9,8 Prozent.

Das trifft einen Warenkorb, der ausdrücklich auch Ausgaben von Touristen umfasst. Die harmonisierte Messung bezieht sich auf Konsum innerhalb des Landes; sie bildet nicht ausschließlich das Budget dauerhaft ansässiger Haushalte ab. Dienstleistungen insgesamt kosteten 7,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Energie 15,0 Prozent.

In einzelnen Bereichen sanken die Preise. Bekleidung und Schuhe wurden gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent günstiger, Information und Kommunikation um 1,6 Prozent. Der Gesamtanstieg verteilt sich also sehr ungleich auf einzelne Ausgaben. Für einen Aufenthalt sind Unterkunft, Essen außer Haus und Mobilität deshalb besonders relevante Teile der Preisentwicklung.

Platz 2: Litauen – Steuern und Wärme erhöhen den Preisdruck

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 5,6 Prozent

Litauen erreicht im harmonisierten August-Vergleich 5,6 Prozent. Die litauische Zentralbank beschreibt mehrere Ursachen des überdurchschnittlichen Preisdrucks. Energie und Steueränderungen spielen eine zentrale Rolle, daneben beeinflussen steigende Arbeitskosten die Preise von Dienstleistungen.

Besonders konkret wird die Belastung beim Heizen. Seit Januar beträgt der Mehrwertsteuersatz auf Wärmeenergie 21 statt 9 Prozent. Zusammen mit gestiegenen Brennstoffkosten trug der Wegfall der Ermäßigung dazu bei, dass Wärmeenergie im Juli 42 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor. Dieser Teilwert bezieht sich auf Juli, während der Rang auf dem gesamten August-Warenkorb beruht.

Die Analyse blickt außerdem auf April bis Juli. In diesen 4 Monaten stiegen die Energiepreise im Jahresvergleich durchschnittlich um 21,5 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich im Mittel um 6,6 Prozent. Nach Berechnung der Zentralbank erhöhten indirekte Steuern die jährliche Gesamtinflation in diesem Zeitraum um etwa 1,3 Prozentpunkte.

Beim täglichen Einkauf war der Druck geringer: Lebensmittel ohne Getränke waren von April bis Juli durchschnittlich 0,4 Prozent günstiger als im Vorjahreszeitraum. Ein Haushalt mit hohen Heiz- und Dienstleistungsausgaben kann deshalb eine andere Preisentwicklung spüren als jemand, dessen Budget stärker durch Lebensmittel geprägt ist.

Platz 1: Rumänien – Dienstleistungen bleiben deutlich teurer

  • Inflation im August 2026 zum Vorjahr: 6,3 Prozent

Rumäniens Verbraucherpreise lagen im August nach harmonisierter Messung 6,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das ist die höchste Rate unter allen 27 EU-Ländern. Gegenüber Juli ging die Jahresrate allerdings deutlich zurück: Damals hatte sie 8,2 Prozent betragen. Die niedrigere Jahresrate bedeutet keinen allgemeinen Preisrückgang. Innerhalb des August stieg der harmonisierte Index nochmals um 0,3 Prozent.

Wie unterschiedlich die Belastung ausfällt, zeigen die nationalen Daten des rumänischen Statistikamts, die die Nachrichtenagentur Agerpres wiedergibt. Dienstleistungen verteuerten sich im Jahresvergleich um 11,28 Prozent. Nichtlebensmittel kosteten 6,36 Prozent mehr, Lebensmittel 2,62 Prozent. Unter diesen 3 Hauptgruppen stiegen damit die Dienstleistungspreise am stärksten.

Der nationale Gesamtindex weist eine Jahresrate von 6,17 Prozent aus. Seit Dezember 2025 legte er um 4,6 Prozent zu. Diese Angaben haben unterschiedliche Vergleichszeiträume: Die Jahresrate misst August gegen August, die Veränderung seit Jahresbeginn August gegen Dezember.

Auch der längerfristige Durchschnitt bleibt hoch. Für die 12 Monate von September 2025 bis August 2026 meldete das Statistikamt beim harmonisierten Index einen Anstieg um 8,6 Prozent gegenüber den vorherigen 12 Monaten. Die niedrigere aktuelle Jahresrate macht den bereits aufgelaufenen Preisanstieg somit nicht rückgängig.

 

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