US-Wirtschaft vs. Deutschland – Vergleichs-Check! Der Hellmeyer der Woche KW43

 

Beim russischen Krieg in der Ukraine gibt es etwas Bewegung, im Gespräch ist jetzt ein Treffen zwischen Trump, Putin und dem chinesischen Machthaber Xi Jinping. Unterdessen steht die EU finanziell unter Druck, die Verhandlungen für das nächste 7-Jahres-Budget werden kontrovers geführt. In der laufenden Woche stehen unter anderem die Einkaufsmanager-Indizes in den führenden Industriestaaten im Fokus. Zudem schauen Anleger auf die ZEW-Konjunkturerwartungen sowie auf neue Daten zum Verbrauchervertrauen aus den USA und der Eurozone.

Geopolitische Risiken und Energiemärkte: Eskalation im Nahen Osten

Die Geopolitik bleibt ein dominanter Belastungsfaktor für die Wirtschaft. Im Nahen Osten setzt sich die Zerstörung von Schiffstonnage fort, da Tanker vermehrt Seeminen und Angriffen zum Opfer fallen. Diplomatische Vermittlungsversuche, brachten bislang keine spürbare Entspannung. Am Montag wurde gemeldet, dass der russischen Außenminister in den Iran reist.

Infolgedessen kletterten die Rohölpreise auf fast 110 US-Dollar pro Barrel. Gravierender ist die Lage bei den Destillaten: Wegen knapper Raffineriekapazitäten weisen verarbeitete Treibstoffe enorme Aufschläge auf, was den industriellen Kostendruck massiv verschärft.

Parallel bahnt sich im Ukraine-Konflikt eine heikle Phase an. US-Außenminister Marco Rubio forderte einen Friedensschluss, wobei ein von Putin vorgeschlagenes trilaterales Treffen zwischen Donald Trump, Xi Jinping und Wladimir Putin ohne Wolodymyr Selenskyj debattiert wird.

Zudem verlangt Kiew von der Europäischen Union für 2027 zusätzliche Hilfen über 70 Milliarden Euro, nachdem bereits 90 Milliarden Euro für 2026/2027 vereinbart wurden.

Makroökonomie: Europa verliert im Standortwettbewerb den Anschluss

Die Finanzforderungen treffen die Europäische Union inmitten ungelöster Beratungen über das nächste siebenjährige Budget. Friedrich Merz lehnt irische Vorschläge ab, da Deutschlands jährlicher Beitrag von 40 Milliarden auf über 60 Milliarden Euro steigen könnte. Zugleich entlädt sich der Unmut der Bürger in Unruhen in Frankreich sowie Protesten in Spanien, Portugal, Italien und Belgien.

Laut IWF-Prognose wachsen die USA 2026 und 2027 um jeweils 2,3 Prozent, während Deutschland nur 1,3 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent erreicht – gestützt allein durch staatliche Hilfen. Ohne diese läge das Wachstum laut Hellmeyer im laufenden Jahr bei lediglich 0,3 Prozent.

Alarmierend sind auch die Realzinsen: Während die USA am Geldmarkt plus 0,18 Prozent aufweisen, liegen deutsche Realzinsen mit minus 0,8 Prozent tief im Minus.

Auch die Investitionen brechen ein: Private Investitionen stiegen in den USA seit 2019 um 54 Prozent, sanken in Deutschland aber um 10 Prozent. US-Industriestrom kostet 8 Cent pro Kilowattstunde gegenüber 18 Cent in Deutschland. Erdgas an der TTF-Börse ist in Europa rund achtmal so teuer wie in den USA. Eine Staatsquote von 52 Prozent sowie steigende Steuern und Abgaben belasten die Wirtschaft zusätzlich.

Konjunkturdaten: Divergenz zwischen USA, Europa und China

Die Konjunkturdaten der Vorwoche verdeutlichen die globale Spaltung. In den USA wuchs die Industrieproduktion um 0,7 Prozent im Monatsvergleich und um 2,25 Prozent im Jahresvergleich, während die Eurozone um 0,5 Prozent im Monatsvergleich und 1,1 Prozent im Jahresvergleich schrumpfte. Der US-Einzelhandel legte real um rund 2,5 Prozent zu.

Die US-Erzeugerpreise kletterten um 6,3 Prozent bei einer Inflationsrate von 3,7 Prozent. Der Empire State Index sprang auf 25,5 Punkte, während der Philly Fed Index bei 20,9 Punkten notierte. In der Eurozone betrug die Teuerung final 3,8 Prozent und in Deutschland 3,3 Prozent. Die europäische Handelsbilanz rutschte mit einem Defizit von minus 6,8 Milliarden Euro tief ins Minus.

Demgegenüber überzeugt China im 3. Quartal mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent zum Vorquartal und 4,5 Prozent zum Vorjahr. Die Industrieproduktion legte um 5,5 Prozent zu, der Einzelhandel wuchs um 1,1 Prozent und die Handelsbilanz wies einen Überschuss von 133,5 Milliarden US-Dollar bei nur 0,9 Prozent Inflation auf.

Börse und Finanzmärkte: Analyse warnt vor Euro-Risiken

An den Finanzmärkten brachte die Vorwoche eine Beruhigung der europäischen Rentenmärkte, doch strukturell droht weiterer Vertrauensverlust. Verdeckte Notenbankinterventionen könnten möglicherweise den Zinsanstieg dämpfen, da die aktuellen Kurse die realen Risiken der politischen Unruhen kaum widerspiegeln.

Für die Gemeinschaftswährung Euro zeichnen sich gravierende Risiken ab. Mangels einheitlicher Fiskalpolitik droht die Währungsunion auseinanderzudriften. Nach Hellmeyers Einschätzung ist das Risikopotenzial für den Euro gegenwärtig bedrohlicher als während der Euro-Schuldenkrise Anfang der 2010er-Jahre, weil mit Deutschland und Frankreich beide wirtschaftlichen Schwergewichte schlecht dastehen.

Ausblick auf die Berichtswoche: Wichtige Termine an den Finanzmärkten

Am Dienstag stehen die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland an: Die Erwartungen dürften von 34,7 auf 32 Punkte nachgeben, während die Lage bei minus 45 Punkten erwartet wird. In den USA rücken die anhängigen Hausverkäufe in den Fokus, die mit 71,2 Punkten nahe dem Allzeittief notieren.

Am Donnerstag folgen das Verbrauchervertrauen der Eurozone mit einem erwarteten Rückgang auf minus 17 Punkte sowie die US-Frühindikatoren.

Am Freitag erscheinen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes: Für die Eurozone wird beim Gesamtindex ein Rückgang von 53,1 auf 52,7 Punkte prognostiziert, während der US-Index trotz leichter Abschwächung auf hohem Niveau um 58,4 Punkte verharrt. Zudem wird das US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan erwartet, das bei 46,3 Punkten verharrt.

Der Hellmeyer der Woche: Kernaussagen der Analyse

  • Geopolitik und Energie: Angriffe im Nahen Osten treiben Destillat- und Ölpreise; Friedensgespräche für die Ukraine drohen ohne Kiew stattzufinden.
  • Standortkrise Europa: Extreme Energiekosten, negative Realzinsen und 52 Prozent Staatsquote beschleunigen die Deindustrialisierung Deutschlands.
  • Makro-Divergenz: Starke US-Industrie und stabiles Wachstum in China stehen schrumpfender Produktion und Handelsdefiziten in Europa gegenüber.
  • Finanzmärkte im Stresstest: Rentenmärkte und der Euro stehen vor Zerreißproben, die jene der Staatsschuldenkrise der 2010er-Jahre übertreffen könnten.

Fazit und Relevanz für Anleger

Für Anleger erfordert dieses makroökonomische Umfeld eine defensive Ausrichtung. Die Mischung aus geopolitischer Unsicherheit, hohen Energiekosten und erodierender europäischer Wettbewerbsfähigkeit belastet europäische Aktienwerte. Investoren sollten Schwerpunkte auf international diversifizierte Konzerne mit solider Preissetzungsmacht legen.

An den Rentenmärkten entwerten negative deutsche Realzinsen das Anlagekapital, während US-Papiere stabilere Erträge bieten. Solange in Berlin und Brüssel keine nachhaltigen Strukturreformen zur Senkung von Kosten und Abgaben greifen, bleibt das Potenzial für eine Erholung der europäischen Börsen und des Euro eng begrenzt.

Der Wirtschaftsüberblick mit aktueller Einschätzung kurz und prägnant – nur hier beim Hellmeyer der Woche.

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Disclaimer:
Dieser Artikel basiert ausschließlich auf dem Transkript der Sendung Hellmeyer der Woche, Kalenderwoche 18. Die Inhalte dienen der journalistischen Information und stellen keine Anlageberatung dar.

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