US-Midterms: Wenn Washington blockiert, jubelt die Wall Street – 3 Investments für die USA

Die Balance des Profits: Blockade in Washington, Wachstum an der Wall Street. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Am 3. November wählen die Amerikaner einen neuen Kongress. Für Donald Trump könnte die Macht schrumpfen, für Anleger eine Chance wachsen. Nach den Zwischenwahlen stiegen US-Aktien historisch auffällig zuverlässig. Ein Fonds für die Großen, ein Spezialist für die Kleinen und eine günstige ETF-Alternative.

An der Wahlurne zählt jede Stimme. An der Börse zählt, was danach noch durchsetzbar ist. Darin liegt die eigentümliche Hoffnung vor den amerikanischen Zwischenwahlen: Je weniger Washington zustande bringt, desto mehr könnte die Wall Street aufatmen. Wenn sich Präsident und Kongress gegenseitig ausbremsen, werden überraschende Eingriffe in Steuern, Regulierung und Staatsausgaben schwieriger. Für Unternehmen kann diese Berechenbarkeit wertvoller sein als das nächste Wahlversprechen.

Am 3. November 2026 stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Senatssitze zur Wahl. Trumps Republikaner verteidigen knappe Mehrheiten. Erobern die Demokraten mindestens eine Kammer, wird der politische Spielraum des Präsidenten enger.

Washington wackelt – die Statistik macht Hoffnung

Die amtierende Regierung hat ein Problem: Viele Amerikaner spüren steigende Lebenshaltungskosten stärker als politische Erfolgsmeldungen. In der am 8. Oktober veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage lag Trumps Zustimmung bei 32 Prozent. Zugleich zeigten sich 48 Prozent der früheren Harris-Wähler sehr motiviert, an den Midterms teilzunehmen – gegenüber 30 Prozent der Trump-Wähler. Die Demokraten gelten als Favoriten für das Repräsentantenhaus; der Kampf um den Senat bleibt offen.

Anleger müssen daraus keine Parteiwette machen. Das bemerkenswerte Muster liegt im Kalender: Seit 1950 gewann der S&P 500 in den 12 Monaten nach jeder der 19 Zwischenwahlen. Der durchschnittliche Kursgewinn betrug laut Capital Group 15,4 Prozent – ohne Dividenden. Auch das kürzere Zeitfenster überzeugt. Nach Berechnungen von Charles Schwab stieg der Index seit 1974 in den 6 Monaten nach den Midterms durchschnittlich um 12,4 Prozent. Alle 13 untersuchten Zeiträume endeten im Plus. Zwischen Anfang August und dem Wahltag waren es dagegen im Schnitt lediglich 1,7 Prozent.

Die Erklärung liegt nahe: Vor der Wahl wird über mögliche Belastungen spekuliert, danach können Unternehmen und Investoren konkreter kalkulieren. Eine geteilte Regierung erschwert zudem große, umstrittene Gesetzesvorhaben. Was politisch nach Stillstand aussieht, kann an der Börse Unsicherheit abbauen. Das klingt nach einer Gelddruckmaschine mit Wahlkalender. Doch 19 Beobachtungen sind kein Naturgesetz. Auch Zinsen, Bewertungen und Unternehmensgewinne haben diese Börsenphasen geprägt. Haushaltsstreit kann neue Unruhe schaffen, und bei vielen handelspolitischen Entscheidungen bleibt Trump auch ohne Kongressmehrheit handlungsfähig. Ein Wahlzettel senkt keine Finanzierungskosten und erhöht keinen Unternehmensgewinn.

Wer auf eine Fortsetzung des historischen Musters setzen möchte, hat dennoch interessante Möglichkeiten: einen Fonds, der Amerikas Börsenschwergewichte mit Optionsprämien verbindet, einen Nebenwertespezialisten auf der Suche nach unterschätzten Unternehmen – und einen ETF für die breite zweite Reihe.

US EquityFlex: Die Großen kaufen, Nervosität vergüten lassen

Der US EquityFlex (ISIN: LU1138399024) von Feri verbindet ein passives Investment in den S&P 500 mit einer aktiven Optionsstrategie. Die Aktien liefern die Beteiligung an Amerikas Börsenschwergewichten, die Optionen sollen zusätzliche Erträge bringen. Dahinter steht das Team um Rico Höntschel und Lead-Portfoliomanager Horst Gerstner.

 


Das Prinzip ähnelt einem Versicherungsgeschäft: Wer Optionen verkauft, übernimmt Risiken und kassiert Prämien. Fallen die tatsächlichen Schwankungen geringer aus als eingepreist, kann nach Absicherungskosten ein zusätzlicher Ertrag bleiben. Der Fonds streut die Optionspositionen über unterschiedliche Laufzeiten und Ausübungspreise. Dauerhafte Absicherungen sollen die Folgen extremer Marktbewegungen begrenzen.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Im laufenden Jahr gewinnt der Fonds rund 23 Prozent und liegt damit 3 Prozentpunkte vor dem S&P 500. Über 10 Jahre stehen 368 Prozent einem Indexplus von 311 Prozent gegenüber – ein Vorsprung von 57 Prozentpunkten.

Gerade vor den Midterms hat der Ansatz seinen Reiz: Wahlkampfnervosität könnte Optionsprämien verteuern. Beruhigt sich der Markt anschließend, kann sich das übernommene Risiko auszahlen. Steigen zugleich die Aktienkurse, profitiert auch das S&P-500-Portfolio. Allerdings sind die Prämien kein Gratisgeld. Ein heftiger Kurseinbruch kann die Strategie trotz Absicherungen belasten. Der US EquityFlex ist ein offensiver US-Kern mit zusätzlicher Ertragsquelle – und entsprechend zusätzlichen Risiken.

Royce: Amerikas übersehene Unternehmen

Während Feri die großen Namen abdeckt, sucht der FTGF Royce US Small Cap Opportunity Fund (ISIN: IE00B23Z8S99) nach Chancen in der zweiten Reihe. Das Managertrio Brendan Hartman, Jim Stoeffel und Kavitha Venkatraman investiert in kleine und sehr kleine Unternehmen, deren Potenzial die Börse unterschätzt. Ihr Jagdgebiet umfasst Turnarounds, übersehene Vermögenswerte, unterbewertetes Wachstum und Unternehmen mit vorübergehenden Gewinnproblemen. Billig allein reicht nicht. Neues Management, bessere Produkte oder steigende Margen müssen eine Neubewertung plausibel machen.

 


Ein Blick ins Portfolio zeigt, wie weit dieser Ansatz von den üblichen Technologiegiganten entfernt ist. Zu den größten Aktienpositionen gehörten Ende September der Boots- und Yachthändler MarineMax sowie die Mistras Group, die Industrieanlagen und Pipelines auf Schäden prüft. Select Water Solutions organisiert die Wasserversorgung, Aufbereitung und Wiederverwendung für die Öl- und Gasindustrie. Bioventus entwickelt Medizinprodukte gegen Gelenkschmerzen und zur Unterstützung der Knochenheilung. Cohu liefert Test- und Inspektionssysteme für die Halbleiterindustrie – verdient also an der Qualitätskontrolle von Chips. Insgesamt hielt der Fonds 206 Positionen; Industrie und Informationstechnologie bildeten die größten Sektoren. Auch die Renditebilanz überzeugt: Der Fonds liegt seit Jahresbeginn rund 25 Prozent und über 1 Jahr 28 Prozent im Plus. Über 3 Jahre summiert sich der Gewinn auf 61,7 Prozent – jährlich rund 17,38 Prozent.

Eine Entspannung nach den Midterms könnte solchen Unternehmen zusätzlichen Rückenwind geben. Wenn Anleger wieder stärker abseits der Börsenschwergewichte zugreifen, profitieren möglicherweise auch bislang übersehene Firmen. Für Royce zählt dabei die operative Wende: Erholen sich Gewinne und Margen, bekommt die Börse einen handfesten Grund, ihre bisherige Bewertung zu überdenken. Die kräftigen Kursgewinne zeigen allerdings: Der Fonds wartet längst nicht mehr im Startblock. Hohe Finanzierungskosten, schwache Nachfrage und die geringere Handelbarkeit kleiner Aktien bleiben Risiken. Royce ist eine offensive Ergänzung für mehrere Jahre – kein Kurzzeitgeschäft bis zur Wahlnacht.

Russell 2000: Die zweite Reihe zum kleinen Preis

Wer Amerikas Nebenwerte breit und günstig kaufen möchte, kann zum State Street SPDR Russell 2000 U.S. Small Cap UCITS ETF (ISIN: IE00BJ38QD84) greifen. Er bildet den Index durch optimierte physische Nachbildung ab, reinvestiert die Erträge und hat eine jährliche Gesamtkostenquote von 0,30 Prozent. Die Wertentwicklung liegt bei rund 18 Prozent auf Jahressicht und 57 Prozent über 3 Jahre.

Der Russell 2000 ist gewissermaßen das Unterhaus der amerikanischen Börse. Ausgangspunkt ist der Russell 3000, der den US-Aktienmarkt nahezu vollständig abdeckt. Dessen kleinere rund 2.000 Unternehmen bilden den Nebenwerteindex; die großen gehören zum Russell 1000. Gewichtet wird nach dem Börsenwert der frei handelbaren Aktien. Größere Unternehmen haben damit mehr Einfluss als kleinere – jeder Titel bekommt also keineswegs dieselbe Stimme.

Das macht den Index zu einer Ergänzung für Anleger, deren US-Depot bislang vor allem aus Börsengiganten besteht. Hier bestimmen nicht dieselben Technologiekonzerne den Takt wie im S&P 500. Allerdings ist „klein“ relativ: Bei der Indexüberprüfung im Frühjahr 2026 lag die Größengrenze zwischen Russell 1000 und Russell 2000 bei rund 5,7 Milliarden US-Dollar Börsenwert. Auch Amerikas zweite Reihe besteht also keineswegs nur aus Zwergunternehmen.

 


Während Royce gezielt nach unterschätzten Unternehmen sucht, nimmt der ETF das breite Feld mit – Aufstiegskandidaten ebenso wie schwächere Firmen. Er passt deshalb zu Anlegern, die auf eine allgemeine Nebenwerterally setzen möchten. Die optimierte Nachbildung bedeutet dabei: Der Fonds muss nicht jederzeit sämtliche Indexwerte halten, sondern bildet dessen Eigenschaften mit einer geeigneten Auswahl möglichst genau ab.

Viele Aktien verteilen das Einzelrisiko, beseitigen aber nicht das gemeinsame Konjunkturrisiko. Hohe Finanzierungskosten und schwache Nachfrage können zahlreiche Nebenwerte gleichzeitig treffen. Wer auf eine Erholung setzt, bekommt hier einen breiten Zugang. Die erfolgreiche Auswahl einzelner Gewinner muss er dafür niemandem zutrauen.

Fazit: Der Wahlkalender liefert die Chance, die Gewinne müssen folgen

Das Midterm-Muster macht US-Aktien interessant. Der US EquityFlex bietet Zugang zu den Großen plus Optionsprämien, Royce sucht Neubewertungschancen bei den Kleinen. Der Russell-2000-ETF liefert die breite Nebenwertewette zu niedrigeren Kosten. Für Euro-Anleger kommt bei ungesicherten Anlagen das Dollar-Risiko hinzu. Entscheidend bleibt, was nach dem Wahlkampf passiert: Politische Entspannung kann Kurse anschieben. Steigende Gewinne müssen sie tragen.

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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