Amazon Quartalszahlen aktuell: AWS am Limit – Prognose und Überblick

(KI-Symbolbild: Magnific.com)

Seattle – Andy Jassy hat ein Luxusproblem: Die Cloud-Sparte AWS ist für 2026 ausverkauft, 2027 weitgehend auch. Zugleich verschlingen die Investitionen, vor allem in den KI-Ausbau, in diesem Jahr rund 220 Milliarden US-Dollar. Am Abend muss der Amazon-Chef zeigen: Füllt der Ansturm die Kasse – oder reißt er ein Loch?

Die Börse hat ihr Urteil vertagt. 251,87 US-Dollar zeigte tradingview.com am Donnerstag um 12.30 Uhr MEZ vorbörslich für die Amazon-Aktie, der US-Handel ruhte da noch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 10 Prozent. Zum Rekordhoch von 287,20 US-Dollar vom 3. August fehlen rund 14 Prozent – reichlich Luft nach oben, falls die Zahlen überzeugen.

Rekordquartal mit Sondereffekt: Was Amazon zuletzt lieferte

Im 2. Quartal 2026 sprang der Umsatz um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie schoss auf 5,75 US-Dollar – befeuert von 53,4 Milliarden US-Dollar Buchgewinn vor Steuern, überwiegend aus der Anthropic-Beteiligung. AWS wuchs um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten laut finanzen.net nur 1,82 US-Dollar je Aktie und 197,03 Milliarden Umsatz erwartet. Die Aktie zog um mehr als 15 Prozent an.

Für das 3. Quartal stellt Amazon 197 bis 202 Milliarden US-Dollar Umsatz in Aussicht, ein Plus von 9 bis 12 Prozent. Die Bremsspur hat einen Grund: Der Prime Day fiel diesmal ins 2. Quartal. Ohne diesen Effekt läge das Wachstum knapp 4 Prozentpunkte höher. Beim operativen Ergebnis peilt der Konzern 22,5 bis 26,5 Milliarden US-Dollar an, nach 17,4 Milliarden im Vorjahr.

Jassy: KI-Nachfrage übersteigt Rechenzentren, Strom und Chips

Andy Jassy lässt keinen Zweifel am Hunger der Kunden. Trotz 220 Milliarden US-Dollar Investitionen bleibe Geschäft liegen: „Wir lassen einen beträchtlichen Teil der Nachfrage ungenutzt“, sagte der Amazon-Chef am 23. Oktober im a16z-Podcast. Engpässe bei Bauteilen wie Speicherchips erwartet er über mehrere Jahre.

Der Investitionsrausch hat seinen Preis. Auf 12 Monate gerechnet drehte der freie Cashflow bis Ende Juni auf minus 7,6 Milliarden US-Dollar. Laut Berichten bremsen zudem Stromengpässe die Inbetriebnahme eines Teils der Nvidia-Serverracks für AWS. Wie nervös Anleger sind, zeigte der 22. Oktober: Nach den Zahlen von Meta verlor die Amazon-Aktie 4,57 Prozent.

 

Wo Amazon Chancen sieht und wo Risiken lauern

Den Schlüssel zur Rendite sieht Jassy in eigenen Chips. KI-Inferenz sei für den Masseneinsatz in Firmensoftware noch rund 10-mal zu teuer, Amazons Trainium-Prozessoren sollen die Kosten drücken. Schon im 2. Quartal knackte das Chipgeschäft eine Jahresrate von 25 Milliarden US-Dollar – mit Anthropic und OpenAI als Großkunden.

Die Statistik spricht für Amazon: In 9 der letzten 10 Quartale übertraf der Konzern die Gewinnschätzungen. Analyst Justin Post von der Bank of America erwartet für AWS 40 Prozent Wachstum und 39 Prozent Marge, der Markt nur 38 und 34,7 Prozent. Die Kehrseite: Höhere Benzinpreise belasten die Handelsmarge. Der Optionsmarkt preist Kurssprünge von rund 7 Prozent ein.

Analysten-Prognose: Umsatz und Gewinn bei Amazon

Der Gewinn pro Aktie soll nach der mittleren Schätzung von 48 Analysten auf finanzen.net im 3. Quartal von Juli bis September 2026 bei rund 1,97 US-Dollar liegen. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorquartal, für das Amazon dank des Anthropic-Sondergewinns 5,75 US-Dollar meldete. Rund 1,95 US-Dollar betrug der Gewinn pro Aktie im Vorjahresquartal von Juli bis September 2025.

Solides Wachstum verheißen die Umsatzprognosen – rund 202,22 Milliarden US-Dollar schätzen 50 Analysten im Mittel für das 3. Quartal. Das ist mehr als im Vorjahresquartal (rund 180,17 Milliarden US-Dollar) und im 2. Quartal (rund 200,61 Milliarden). Das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember.

 

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