Zugfertigung in der Sparte Siemens Mobility ist eines der Standbeine des deutschen Technologie-Konzerns. (KI-Symbolbild: ftd.de-Redaktion, Codex-Bildmodell)
München – Siemens gewinnt einen milliardenschweren Bahnauftrag bei wachsenden Industriegeschäften. Für den Technologiekonzern mit Hauptsitz in München steht zugleich eine Veränderung an: Die geplante Abspaltung von Aktien der Medizintechniktochter Healthineers soll 2027 den Konzernumfang verändern.
Jefferies nennt 300 Euro als Kursziel, stuft die Aktie aber nur noch mit Hold ein. Unsere eigenen Szenarien gelten für den 29. Januar 2027, vor der für Februar geplanten Hauptversammlungsentscheidung zur Abspaltung. Sie bewerten Siemens unter der Voraussetzung eines bis dahin unveränderten Konzernumfangs. Faktenstichtag ist der 29. Oktober 2026 um 14.13 Uhr (MEZ).
Am 28. Oktober 2026 schloss die Siemens-Aktie auf Xetra bei 270,05 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs von 266,20 Euro am 27. Oktober ist das ein Plus von 1,45 Prozent.
Wie hat sich der Siemens-Kurs zuletzt entwickelt?
Die historischen Xetra-Kurse bei Investing.com zeigen eine Erholung über eine Woche, aber Verluste über 2 und 4 Wochen. Seit dem 30. September beträgt das Minus 1,98 Prozent. Der jüngste Anstieg hat den Rückgang seit Ende September damit noch nicht ausgeglichen.
Alle Zeiträume enden am 28. Oktober 2026. Berechnet wird der Endschlusskurs geteilt durch den Startschlusskurs, abzüglich 1 und multipliziert mit 100. Die Tabelle zeigt reine Kursrenditen; Dividenden sind nicht enthalten.
Siemens: Kursrenditen bis zum 28. Oktober 2026
| Zeitraum | Startschlusskurs | Endschlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 1 Woche | 266,75 Euro am 21. Oktober 2026 | 270,05 Euro | plus 1,24 Prozent |
| 2 Wochen | 275,05 Euro am 14. Oktober 2026 | 270,05 Euro | minus 1,82 Prozent |
| 4 Wochen | 275,50 Euro am 30. September 2026 | 270,05 Euro | minus 1,98 Prozent |
Gegenstand ist die Siemens-AG-Stammaktie auf Xetra, Kürzel SIE, Handelswährung Euro, ISIN DE0007236101. Ein ftd.de-Beitrag zu Siemens Healthineers behandelt die separat börsennotierte Medizintechniktochter.
Aktuelle Kursziele der Siemens-Aktie
Jefferies stufte Siemens am 15. Oktober von Buy auf Hold ab, erhöhte das Ziel aber von 277 auf 300 Euro. Analyst Lucas Ferhani sieht eine starke Ausgangslage und bessere Sichtbarkeit durch den Auftragsbestand. Die Vorteile seien jedoch bereits weitgehend in den Markterwartungen enthalten. Zudem sieht Jefferies Risiken für die Auftragsdynamik von Digital Industries im Geschäftsjahr 2027.
Bernstein bestätigte 330 Euro und Outperform. Die Studie stammt vom 14. Oktober und wurde am 15. Oktober verbreitet. Alasdair Leslie ordnet den Aufschwung der europäischen Investitionsgüterindustrie als noch vergleichsweise früh ein. RBC blieb am 9. Oktober bei 280 Euro und Sector Perform; Mark Fielding nennt eine bessere Umsatzdynamik und eine gute Entwicklung bei Siemens‘ Industrie- und Infrastrukturgeschäften.
Die 3 Ziele sind datierte Einzelbewertungen, kein vollständiger Analystenkonsens. Ihre Spanne beträgt 280 bis 330 Euro, entsprechend 3,68 bis 22,20 Prozent über dem Referenzkurs. Die Meldungen nennen keinen exakten Zieltermin. Deshalb werden die Institutsziele weder als Januar- noch als Jahresendziele 2027 behandelt.
3 datierte Analystenurteile zu Siemens
| Institut | Kursziel | Urteil | Datum und Kernaussage |
|---|---|---|---|
| Jefferies | 300,00 Euro | Hold | 15. Oktober 2026; Ziel angehoben, Urteil gesenkt |
| Bernstein | 330,00 Euro | Outperform | Studie 14. Oktober, verbreitet 15. Oktober 2026; früher Industrieaufschwung |
| RBC | 280,00 Euro | Sector Perform | 9. Oktober 2026; bessere Umsatzdynamik |
Prognose: Wo steht die Siemens-Aktie 2027?
Der von Siemens am 29. Oktober bereitgestellte Analystenkonsens nennt für das Geschäftsjahr 2027 einschließlich Healthineers rund 13,34 Euro Gewinn je Aktie. Gemeint ist das Ergebnis vor Effekten aus der Kaufpreisallokation, kurz EPS pre PPA, ohne Innomotics-Gewinn. Das ist eine Analystenschätzung, keine Unternehmensprognose.
Die Kennzahl bereinigt nach Siemens’ Definition Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus Übernahmen und die zugehörigen Steuereffekte. Innomotics ist das veräußerte Motoren- und Großantriebsgeschäft. Sein Verkaufsgewinn bleibt in der verwendeten Konsensreihe außen vor.
Auf dieser Basis beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 20,24. Unsere Rechnung verwendet die auf 13,34 Euro gerundete Gewinnschätzung aus 18 Analystenbeiträgen. Sie bewertet die Aktie zum 29. Januar 2027, vor der geplanten Abstimmung über die Healthineers-Abspaltung. Der Gewinnansatz bezieht sich auf das gesamte Geschäftsjahr bis zum 30. September 2027; er ist die Bewertungsgrundlage, nicht der bis Januar erzielte Gewinn.
Der Basisfall setzt den Konsens und ein KGV von 19 bis 21 an. Die Multiplikation ergibt 253,46 bis 280,14 Euro. Diese Bandbreite liegt um die Bewertung zum Faktenstichtag auf den erwarteten Gewinn. Der Konzern müsste die erwartete Ertragskraft stützen, ohne dass Anleger einen deutlich höheren Aufschlag zahlen.
Im Bull-Fall liegt der Gewinn 10 Prozent über dem Konsens, also bei 14,674 Euro. Ein KGV von 22 bis 24 ergibt 322,83 bis 352,18 Euro. Dieses Szenario setzt sowohl höhere Gewinne als auch eine höhere Bewertung voraus. Eine stärkere Erholung der Fabrikautomation und weiter gute Infrastrukturgeschäfte könnten die Gewinnseite tragen.
Der Bear-Fall rechnet mit 15 Prozent weniger Gewinn, also 11,339 Euro, und einem KGV von 16 bis 18. Daraus folgen 181,42 bis 204,10 Euro. Hier treffen enttäuschte Gewinnerwartungen auf einen Bewertungsabschlag. Das ist eine Sensitivität für schwächere Industrienachfrage und eine höhere Risikoprämie, keine Vorhersage eines solchen Rückgangs.
Gewinnfaktoren und KGV-Bänder sind redaktionelle Annahmen. Wir vergeben keine Eintrittswahrscheinlichkeiten. Die Kursgrenzen werden erst am Ende auf 2 Nachkommastellen gerundet. Sämtliche Szenarien setzen einen unveränderten Konzernumfang voraus; auf einen Siemens-Kurs nach der Abspaltung lassen sie sich nicht übertragen.
Szenarien für die Siemens-Aktie 2027
| Szenario | Kurskorridor 29. Januar 2027 | Voraussetzungen | Risiken |
|---|---|---|---|
| Bull | 322,83 bis 352,18 Euro | Gewinn 10 Prozent über Konsens; KGV 22 bis 24; stärkere Fabrikautomation; 29. Januar 2027; bisheriger Konzernumfang einschließlich Healthineers | Markt hat operative Verbesserungen bereits eingepreist; Veränderter Konzernumfang erfordert neue Bewertung |
| Basis | 253,46 bis 280,14 Euro | Konsensgewinn 13,34 Euro; KGV 19 bis 21; 29. Januar 2027; bisheriger Konzernumfang einschließlich Healthineers | Gewinnschätzungen werden nicht erreicht; Veränderter Konzernumfang erfordert neue Bewertung |
| Bear | 181,42 bis 204,10 Euro | Gewinn 15 Prozent unter Konsens; KGV 16 bis 18; 29. Januar 2027; bisheriger Konzernumfang einschließlich Healthineers | Stärkeres Wachstum widerlegt den Gewinnabschlag; Veränderter Konzernumfang erfordert neue Bewertung |
Das Industriegeschäft liefert den Gewinn, Infrastruktur hebt den Ausblick
Im Bericht zum 3. Quartal vom 6. August meldet Siemens 27,9 Milliarden Euro Auftragseingang und 20,8 Milliarden Euro Umsatz. Vergleichbar, also ohne Währungs- und Portfolioeffekte, stiegen die Bestellungen um 14 Prozent und die Erlöse um 8 Prozent. Der Gewinn des industriellen Geschäfts erreichte 3,5 Milliarden Euro, die Marge 17,3 Prozent. Der Free Cash Flow, der freie Mittelzufluss, lag bei 4,1 Milliarden Euro.
Für das Geschäftsjahr 2026 hob Siemens das Ziel für EPS pre PPA auf 11,20 bis 11,50 Euro an. Zuvor waren 10,70 bis 11,10 Euro vorgesehen. Das vergleichbare Umsatzwachstum soll weiterhin 6 bis 8 Prozent erreichen. Bei Smart Infrastructure, dem Siemens-Geschäft für Gebäude und Energieinfrastruktur, stieg die Wachstumsprognose auf 10 bis 11 Prozent und die erwartete Marge auf 18,5 bis 19,5 Prozent.
Digital Industries bündelt die Fabrikautomation und Industriesoftware. Für 2027 ist entscheidend, wie stark sich die industrielle Nachfrage in Gewinne übersetzt. Der neue Konzernkonsens setzt auf weitere Ertragsverbesserungen; die Auftragsentwicklung und die Margen müssen diese Erwartungen tragen.
Der hohe Mittelzufluss stärkt die Finanzierung des laufenden Geschäfts. Für die Bewertung zählt deshalb neben dem Gewinn auch, wie gut Siemens seine Bestellungen in Umsatz und anschließend in Zahlungsmittel umsetzt. Bei langfristigen Projekten können diese Größen zeitlich deutlich auseinanderliegen.
Renfe bestellt 30 Züge für 1,218 Milliarden Euro
Die spanische Bahngesellschaft Renfe vergab am 27. Oktober einen Auftrag an Siemens über 30 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro Novo. Das Volumen beträgt 1,218 Milliarden Euro und umfasst auch die für die Wartung notwendigen Elemente. Hinzu kommt eine Option auf 10 weitere Züge.
Siemens Mobility ist das Bahngeschäft des Konzerns. Renfe verlangt die ersten 5 Einheiten innerhalb von 40 Monaten nach Vertragsunterzeichnung; die vollständige Lieferung soll innerhalb von 62 Monaten erfolgen, ausgeschrieben waren höchstens 78 Monate. Der Auftrag reicht damit deutlich über den Prognosehorizont dieses Artikels hinaus. Er verbessert die längerfristige Auslastungsperspektive; der gesamte Bestellwert ist kein Umsatz des Geschäftsjahres 2027.
Cinco Días berichtet, dass Siemens sich gegen Hitachi durchsetzte. Das ist ein konkreter Vertriebserfolg im Wettbewerb um Hochgeschwindigkeitszüge. Für Aktionäre folgt daraus eine operative Prüfaufgabe: Entscheidend werden der Produktionsanlauf, die Einhaltung der Lieferfristen und die Wirtschaftlichkeit während der Projektabwicklung.
Der Bahnauftrag schafft längerfristige Beschäftigung für die Zugfertigung. Für das Bull-Band sind zusätzlich höhere Gewinne in der Fabrikautomation und der Infrastruktur nötig. Erst die gemeinsame Ertragsentwicklung dieser Geschäfte würde den unterstellten Bewertungsaufschlag tragen.
Healthineers verändert 2027 die Grundlage des Kursvergleichs
Laut dem von Siemens veröffentlichten Zeitplan soll die Hauptversammlung im Februar 2027 über die direkte Abspaltung von Healthineers-Aktien entscheiden. Die Siemens-Aktionäre sollen dabei Aktien der Medizintechnikgesellschaft erhalten; geplant ist die Abgabe von rund 30 Prozent der Anteile, sodass Siemens seine Mehrheit von bisher rund 67 Prozent aufgibt, aber beteiligt bleibt. Im August erklärte Siemens, die relevanten Steuerfragen seien verbindlich geklärt.
Der neue Konsens enthält bereits eine gesonderte Spalte für 2027 ohne Healthineers. Dort stehen rund 10,68 Euro EPS pre PPA ohne Innomotics-Gewinn aus 11 Schätzungen. Für den gesamten Konzern sind es 13,34 Euro aus 18 Schätzungen. Weil auch die Teilnehmerkreise abweichen, ist die Differenz kein exakt bezifferter Gewinnverlust durch die Trennung.
Nach dem Vollzug hielten Aktionäre neben Siemens unmittelbar Healthineers-Aktien. Ein Vergleich des späteren Siemens-Kurses mit den Kurs zum Faktenstichtag müsste den Wert der zusätzlich erhaltenen Aktien berücksichtigen. Allein den aktuellen Kurs durch die kleinere Gewinnzahl zu teilen, würde unterschiedliche Konzernumfänge gegenüberstellen.
Unser Januarhorizont liegt daher vor der geplanten Abstimmung und gilt für Siemens einschließlich der bisherigen Healthineers-Beteiligung. Für eine Bewertung nach dem Vollzug wären die konkrete Zuteilung und die künftige Ergebnisabgrenzung gesondert einzurechnen. Die ausgewiesenen Szenariobänder sind ausdrücklich keine Prognose für den Restkonzern zum Jahresende 2027.
Fazit: Der Jahresausblick muss die Gewinnschätzungen stützen
Auf der Siemens-Seite zu den Finanzergebnissen ist der 12. November 2026 als Termin für die Ergebnisse des 4. Quartals und des Geschäftsjahres angegeben. Das ist der nächste konkrete Prüfpunkt für den Gewinnansatz: Wie entwickelt sich die Fabrikautomation, hält die Infrastruktur ihre Margen und welchen Ausblick gibt Siemens für 2027?
Der Basisfall bis zum 29. Januar 2027 liegt bei 253,46 bis 280,14 Euro. Er verlangt keinen großen Bewertungsaufschlag, setzt aber die erwartete Ertragskraft des bisherigen Konzerns voraus. Der Renfe-Auftrag stärkt die längerfristige Geschäftsbasis. Kurzfristig wiegt schwerer, ob Siemens die Gewinnerwartungen bestätigt.
Das Gegenargument liefert Jefferies: Viel von der guten Ausgangslage könnte bereits erwartet sein. Für das Bull-Band müssten Gewinn und Bewertung gleichzeitig steigen. Bleiben neue Gewinnprognosen hinter den Schätzungen zum Faktenstichtag zurück, wirkt der im Bear-Fall abgebildete doppelte Druck. Die Hauptversammlungsentscheidung im Februar setzt anschließend eine neue Grenze für jeden Kursvergleich.
Disclaimer:
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und vor Veröffentlichung durch die Redaktion geprüft. Alle Angaben ohne Gewähr auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität. Der Text stellt keine Handelsempfehlung oder Anlageberatung dar.
Der Beitrag Siemens-Aktie: Die Prognose für 2027 im Check erschien zuerst auf ftd.de.
