Abbott Laboratories Aktie: Zahlreiche Innovationen beim Dividendenaristokraten

Person in Arztkittel hält Medikamentenpackung (Foto: Freepik, The Yuri Arcurs Collection) Abbott Laboratories Aktie: Zahlreiche Innovationen beim Dividendenaristokraten

Abbott Laboratories: Wachstumspotenzial durch gezielte Akquisitionen und Diversifikation im globalen Gesundheitsmarkt (Foto: Freepik, The Yuri Arcurs Collection)

Wer an Gesundheitsaktien denkt, landet oft bei Pharma-Riesen, die auf den nächsten Blockbuster-Wirkstoff hoffen. Das US-Unternehmen Abbott Laboratories verfolgt einen anderen Ansatz als hybrider Gigant. Abbott kombiniert Stabilität mit den Segmenten Etablished Pharmaceuticals (12 Prozent, Generika für Schwellenländer) und Nutrition (20 Prozent; Säuglings-/Trinknahrung) mit dynamischen Segmenten Medizintechnik (45 Prozent) und Diagnostik (22 Prozent). Dass dieses diversifizierte Modell funktioniert, zeigt die Unternehmenshistorie. Abbott liefert seit Jahrzehnten verlässliche Ergebnisse, obwohl sich der globale Gesundheitsmarkt strukturell und technologisch stark verändert hat.

Der Dual-Sensor als Gamechanger

Der derzeit wichtigste Wachstumstreiber ist kein neues Medikament, sondern ein kleines Stück Hardware. Mit der FreeStyle-Libre-Plattform hat Abbott den Markt für kontinuierliche Glukosemessung maßgeblich geprägt. Der nächste logische Entwicklungsschritt ist der Dual-Sensor, der gleichzeitig Glukose- und Ketonwerte misst.

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes stellt diese Innovation einen erheblichen Fortschritt dar. Steigende Ketonwerte sind häufig ein Frühindikator für gefährliche Stoffwechselentgleisungen. Der Dual-Sensor liefert somit nicht nur zusätzliche Daten, sondern erhöht die Sicherheit im Alltag erheblich. Da die Messwerte kontinuierlich erhoben werden, bindet das System die Nutzer langfristig an das Abbott-Ökosystem. Dies schafft wiederkehrende Umsätze und bietet zugleich Potenzial für eine schrittweise Margenverbesserung.

Technologisch verschafft sich Abbott damit einen Vorsprung gegenüber dem Hauptwettbewerber Dexcom, der ein marktreifes Multi-Analyte-System voraussichtlich erst mit Verzögerung auf den Markt bringen wird. Abbott dürfte 1 bis 2 Jahre früher skalieren können und profitiert dabei von seiner Kostenführerschaft und globalen Produktions- und Vertriebsstruktur.

Strategische Zukäufe: Der Fall Exact Sciences

Abbott wächst trotz seiner Größe organisch weiterhin 5 bis 10 Prozent pro Jahr, doch macht vor Akquisitionen keinen Halt, wenn es strategisch erforderlich ist. Die Führungsebene nutzt die starke Bilanz selektiv für Akquisitionen. Ein Beispiel ist der Kauf von Exact Sciences Ende 2025 für die Diagnostiksparte. Der strategische Sinn: Die Früherkennung und Überwachung von Krankheiten, welche zu einem Billionenmarkt heranwachsen wird.

Durch die Übernahme von Exact Sciences sichert sich Abbott nun eine führende Position bei nicht-invasiven Krebstests. Dieser Deal reiht sich in andere Akquisitionen ein, die das Portfolio kurz vor dem globalen technologischen Durchbruch erweitern (zum Beispiel Herzschrittmacher 2010, Schnelltests 2017, Bohrer für verkalkte Blutgefäße 2023). In Kombination mit der Präsenz in 160 Ländern und dem Vertriebsteam werden aus Nischenprodukten schnell globale Marktführer.

 


Licht und Schatten im jüngsten Zahlenwerk

Trotz der starken Pipeline war das operative Umfeld zuletzt nicht frei von Gegenwind. Das Diagnostiksegment leidet unter einem deutlichen Nachfragerückgang nach dem Ende der pandemiebedingten Sonderkonjunktur bei Covid-Tests. Dieser Effekt belastet die Vergleichszahlen, war jedoch absehbar. Der Zukauf von Exact Sciences dürfte diese temporäre Delle mittelfristig ausgleichen.

Herausfordernd verlief zudem die Entwicklung im Nutrition-Segment. Produktrückrufe bei Säuglingsnahrung sowie Probleme in der Lieferkette führten zu Vertrauensverlusten und Marktanteilseinbußen. Das Wachstum der Sparte lag zuletzt bei lediglich 3,2 Prozent. Aufgrund der breiten Diversifikation stellen diese Probleme jedoch keine existenzielle Bedrohung dar.

Insgesamt erzielte Abbott ein organisches Umsatzwachstum von 7,5 Prozent. Besonders stark entwickelte sich erneut das Geschäft mit Glukosemesssystemen, das ein Umsatzwachstum von 17 Prozent erreichte – obwohl der Dual-Sensor als zentraler Wachstumstreiber erst in den kommenden Quartalen auf den Markt kommt. Auch die Profitabilität entwickelte sich positiv: Die bereinigte operative Marge stieg im Jahresvergleich um 1,5 Prozentpunkte auf 25,8 Prozent, während der Gewinn um 12 Prozent zulegte.

Anzeige

Bei anderen Depots investieren Sie in Ordergebühren, bei Smartbroker+ in Ihren Vermögensaufbau.

Abbott Laboratories als Stabilität für das Depot

Abbott wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 bewertet und liegt damit etwa 10 Prozent unter seinem historischen Durchschnitt. Ergänzt wird die Bewertung durch steigende Margen, eine Free-Cashflow-Rendite von 4,6 Prozent und eine Dividendenrendite von 2,3 Prozent.

Besonders hervorzuheben ist die Dividendenhistorie: Abbott zählt zu den Dividendenaristokraten und hat seine Ausschüttung seit über 50 Jahren kontinuierlich erhöht. Die Ausschüttungsquote von 46,6 Prozent unterstreicht die finanzielle Disziplin des Managements.

Die Risiken bleiben überschaubar. Zwar sind regulatorische Anforderungen und der Wettbewerbsdruck insbesondere in der Medizintechnik hoch, doch die Innovationsgeschwindigkeit von Abbott ist bemerkenswert. Mit einem moderat hohen erwarteten Wachstum, solider Bilanzqualität und fairer Bewertung eignet sich die Aktie besonders für Depots, die Stabilität mit technologischer Weiterentwicklung kombinieren möchten.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Der Beitrag Abbott Laboratories Aktie: Zahlreiche Innovationen beim Dividendenaristokraten erschien zuerst auf ftd.de.