Big Tech und das Daten-Paradigma: Warum Alphabet und Co. dauerhaft dominieren

Meta, Alphabet und Co.: Daten als unendliche Ressource bilden die immateriellen Vermögenswerte der Tech-Giganten. (Foto: Freepik KI Suite)

Seit über einem Jahrhundert basiert unser wirtschaftliches Denken auf einer zentralen Annahme: Wachstum stößt in einer endlichen Welt zwangsläufig an Grenzen. Rohstoffe gehen zur Neige, fossile Brennstoffe sind erschöpft und jede physische Ressource, die wir heute verbrauchen, fehlt uns morgen. Doch während die traditionelle Industrie mit Knappheit kämpft, hat sich im Stillen ein fundamentaler Wandel vollzogen.

Bisher waren Ressourcen limitiert und wurden verbraucht, Öl geht etwa bei der Verbrennung verloren. Doch Daten besitzen eine Eigenschaft, die das Paradigma ändert, denn sie sind unendlich erneuerbar, generieren sich selbst und nutzen sich nicht ab. Jedes Mal, wenn wir unser Smartphone nutzen, produzieren wir neue, monetarisierbare Daten. Zum ersten Mal gibt es eine Ressource ohne physische Limits.

Die Daten-Explosion: Ein Rohstoff wie kein anderer

Daten haben sich über die Jahre von einem reinen Nebenprodukt zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt. Die Datenmenge die in den letzten 5 Jahren generiert wurde, stellt den überwiegenden Teil aller bisher verfügbaren Unternehmensdaten dar. Ein klarer Hinweis für die exponentielle Beschleunigung. Die monetäre Verwertung dieser Daten gewinnt an Dynamik und verbessert die Margen der Unternehmen.

Unsere Daten werden beispielsweise für algorithmische und individuelle Preisgestaltung im Onlinehandel, Betrugserkennung im Zahlungsbereich oder personalisierte Werbung genutzt. Damit geht eine steigende Nachfrage nach Analyse-Tools, Clouds und Softwarelösungen einher. Analystenschätzungen zufolge wird der adressierbare Markt für datengetriebene Geschäftsmodelle bis zum Ende des Jahrzehnts auf mehrere hundert Milliarden US-Dollar anwachsen. Unternehmen, die nicht nur Daten sammeln, sondern diese effizient in Cashflows umwandeln können, verfügen damit über einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Die Bedeutung des immateriellen Vermögenswert

Während früher der Unternehmenswert hauptsächlich physischer Natur war, besteht heute global betrachtet der Großteil des Unternehmenswerts aus immateriellen Vermögenswerten. 8 der 10 weltweit wertvollsten Unternehmen nach immateriellem Wert sind amerikanische Technologiegiganten. Sie fördern keine Ressourcen, die endlich sind, sondern generieren Datenströme, die unendlich sind. Der Halbleitersektor, angetrieben durch die Revolution der künstlichen Intelligenz, verzeichnete hierbei die größten Zuwächse. Die generierten und erhaltenen Daten sind zum wahren Motor für den Unternehmenswert geworden.

Schwungradeffekt: Alphabet als Paradebeispiel

Alphabet gilt als das Paradebeispiel einer Datenkrake. Der Konzern erzielt gigantische Umsätze mit der Sammlung und Nutzung von Daten. Das Such- oder Transaktionsverhalten liefert Einnahmen über Werbung, die Konsum- und Streamingpräferenzen werden über Videoplattformen monetarisiert, Mobilitäts- und Standortdaten können über Cloud- oder Google-Maps die Umsätze antreiben.

Als datengetriebenes Unternehmen funktioniert Alphabet nicht wie ein Rohstoffunternehmen, das in seinen Ressourcen begrenzt ist, sondern vielmehr agieren ihre Ressourcen als Verstärker. Je mehr Menschen die Dienste nutzen, desto mehr Daten entstehen. Diese Daten verbessern die Algorithmen und somit auch das Produkt. Ein besseres Produkt lockt wiederum neue Nutzer an und am Ende steigen die Einnahmen fast von allein.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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US-Big-Tech: Konzentration als logische Folge

Immer wieder wird kritisiert, dass die US-Giganten Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Nvidia in einer Bewertungsblase stecken und sich nicht ewig an der Spitze des S&P 500 halten werden. Historisch gesehen verändern sich die Top-Unternehmen regelmäßig. Was die heutigen Techgiganten von den alten Riesen wie Exxon, Procter & Gamble oder Citigroup unterscheidet, ist die Art des Wettbewerbsvorteils, der auf dauerhaften, sich selbst verstärkenden Netzwerkeffekten und Daten beruht. Historische Rotation zeigt, dass Märkte sich verändern, aber diese neuen „digitalen Burggräben“ sind deutlich schwerer angreifbar. Das Hindernis für Herausforderer ist der exponentiell wachsende Informationsvorsprung von US-Big-Tech.

Der Kampf zwischen Knappheit der Ressourcen und unendliche Daten

Der Markt wird dominiert von Unternehmen die gegen die Endlichkeit kämpfen und von Daten-Giganten, deren Grenzkosten gegen Null gehen. Anleger müssen lernen, zwischen knappen Ressourcen mit Preissetzungsmacht, Unternehmen mit Abhängigkeiten und Margenverfall sowie Techgiganten mit Schwungradeffekt zu unterscheiden. Ein gesundes Portfolio braucht Schwungräder. Daten versiegen niemals. Wer sein Kapital in Unternehmen investiert, die diese unendliche Ressource nutzen und durch Netzwerkeffekte schützen, positioniert sich auf einer aussichtsreichen, profitablen Seite.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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