Bill Anderson ist seit Juni 2023 Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. (Foto: Bayer AG)
Leverkusen – Bill Anderson hebt bei Bayer die Erwartungen an das Geschäftsjahr an. Die Zahlen vom 3. November 2026 geben dem Konzernchef Rückenwind: Im 3. Quartal steigt der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent auf 10,053 Milliarden Euro. Vor allem neue Medikamente treiben das Geschäft.
Anderson sieht im Pharmageschäft einen Wendepunkt. Neue Medikamente sollen den Rückgang älterer Produkte auffangen, deren Patentschutz ausläuft. Zugleich belasten Rechtsstreitigkeiten und Wertminderungen das Ergebnis. Der Konzernchef hebt die Erwartungen für das Gesamtjahr an, während das Agrargeschäft im Quartal schwächer abschneidet.
Vom Chemieingenieur zum Pharmachef: Anderson bringt Erfahrung aus mehreren Konzernen
Der offizielle Lebenslauf von Bill Anderson beginnt 1966 in Ohio. Er studiert Chemieingenieurwesen an der University of Texas und am Massachusetts Institute of Technology (MIT). An dessen Sloan School erwirbt er auch einen Managementabschluss. 1989 startet er beim Spezialchemieunternehmen Ethyl Corporation, mit Stationen in Belgien und den Niederlanden. Über Raychem kommt er 1997 als Finanzmanager zu Biogen.
Dort führt sein Weg über die britische Tochter in die Leitung des Neurologiegeschäfts. 2006 wechselt er zu Genentech und verantwortet später das Onkologiegeschäft. Nach Aufgaben in der globalen Produktstrategie von Roche wird er 2017 Genentech-Chef, 2019 Chef von Roche Pharmaceuticals. Bevor er zu Bayer kommt, hat er damit sowohl Finanzaufgaben als auch das Geschäft mit Medikamenten geführt.
Weniger Vorgesetzte, mehr Verantwortung: Wie Anderson die Arbeit bei Bayer verändert
Im Interview mit t-online.de vom Juni 2026 beschreibt Anderson seinen Anspruch: Entscheidungen sollen zu den Menschen wandern, die die Arbeit erledigen. Führungskräfte sollen das System gestalten. Er verweist auf Bereiche mit 70 direkten Mitarbeitern je Manager. Wer so viele Menschen führt, kann kaum noch jede Entscheidung vorgeben. Teams müssten sich selbst organisieren und Prioritäten setzen.
Bayer nennt das Modell Dynamic Shared Ownership, also gemeinsam getragene Verantwortung in beweglichen Teams. Nach Unternehmensangaben arbeitet die Organisation in 90-Tage-Zyklen. Hierarchieebenen seien halbiert, Managementstellen um 2 Drittel reduziert worden. Das verändert auch die Rolle der Chefs: Sie sollen stärker unterstützen, statt Arbeit über viele Ebenen zu kontrollieren. Bayer will ab dem Jahr 2026 organisatorische Einsparungen von 2 Milliarden Euro realisieren.
Anderson verbindet diesen Umbau mit einer deutlichen Kritik am Standort Deutschland. Im selben Interview nennt er hohe Stromkosten und Bürokratie als Belastungen. Die Mitbestimmung als gemeinsame Gestaltung durch Management und Beschäftigte befürwortet er. Das deutsche Regelwerk hält er hingegen für zu starr.
Neue Medikamente stärken die Bilanz, doch der Roundup-Vergleich bleibt offen
Das jüngste Quartal zeigt Fortschritte und Grenzen. Nubeqa gegen Prostatakrebs und Kerendia für Nieren und Herz wachsen stark. Gleichzeitig sinkt das bereinigte operative Ergebnis im Agrargeschäft. Unter dem Strich verliert Bayer im 3. Quartal 672 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro im Vorjahr. Abschreibungen auf Marken und Rechtskosten belasten das Ergebnis. Der Konzern meldet zudem einen freien Mittelabfluss von 293 Millionen Euro.
Beim glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Roundup setzt Anderson auf einen Vergleich. Nach einem Reuters-Bericht vom 3. November erwartet er die Entscheidung über die Vereinbarung im Umfang von 7,25 Milliarden US-Dollar noch vor Weihnachten. Sie liegt bei einem Gericht in St. Louis und soll Zehntausende Klagen beilegen. Die Kläger führen Krebserkrankungen auf das Mittel zurück; Bayer weist einen solchen Zusammenhang unter Verweis auf Studien zurück. Anderson stellt danach deutlich weniger Einzelverfahren in Aussicht. Ob das Gericht dem Vergleich zustimmt, bestimmt seinen Spielraum für den weiteren Umbau mit.
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