Biontech Hauptversammlung 2026: sinkende Umsätze, radikaler Umbau, Abschied der Gründer

Biontech: Die Forschung an Krebsmedikamenten steht jetzt im MIttelpunkt. (Foto: Freepik, PlaceboPill)

Mainz – Ein harter Sparkurs, gekappte Jobs und ein Paukenschlag in der Chefetage: Biontech lädt zur Hauptversammlung in einem Jahr des Umbruchs. Das Vorzeigeunternehmen kämpft mit dem Schrumpfen seines Corona-Geschäfts. Es schließt Standorte und muss Investoren auf eine risikoreiche Onkologie-Pipeline einschwören.

Als wäre das nicht Zündstoff genug, überschattet der Rückzug des Gründerduos Ugur Sahin und Özlem Türeci das Treffen. Die brennende Frage lautet: Kann Biontech rechtzeitig die Wende zum Krebsmedikamenten-Konzern vollziehen oder verpuffen die Milliardenreserven in der Forschung?

Aktienkurs im Dauertief – auch dieses Jahr keine Dividende

Der Aktienkurs spiegelt die wachsende Nervosität der Anleger wider. Das Papier erlebte seit der 2. Aprilhälfte einen spürbaren Ausverkauf. Im gesamten Jahr 2026 verzeichnete die Aktie starke Volatilität und ist diese Woche unter die 80-Euro-Marke gerutscht.

+++ Virtuelle Hauptversammlung der Biontech SE +++

Datum und Uhrzeit: 15. Mai 2026, 14 Uhr (MESZ)
Format: rein virtuelle Hauptversammlung ohne physische Präsenz der Aktionäre

Auf der Website der Biontech SE unter „Hauptversammlung“ finden Sie unter anderem die Tagesordnung. Dort gibt es auch den Zugang zum Aktionärsportal sowie zur öffentlichen Live-Übertragung.

Der Vorstand schlägt vor, den gesamten Bilanzgewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 in Höhe von knapp 6,9 Milliarden Euro vollständig auf neue Rechnung vorzutragen. Demzufolge gibt es keine Dividenden-Ausschüttung.

Die jüngsten Quartalszahlen belegen den enormen Druck auf das Management. Der Umsatz implodierte im ersten Quartal auf 118,1 Millionen Euro, während der Verlust pro Aktie auf minus 2,10 Euro absackte. Einzig das gewaltige Finanzpolster von 16,8 Milliarden Euro an liquiden Mitteln beruhigt die Gemüter. Es verschafft die nötige Beinfreiheit für teure Onkologie-Studien.

Prognose für 2026 beibehalten – Behandlung von Krebs im Fokus

Trotz des schwachen Auftaktquartals peilt Biontech für das Gesamtjahr 2026 weiterhin einen Umsatz zwischen 2 und 2,3 Milliarden Euro an.

Helmut Jeggle, Aufsichtsratsvorsitzender der Biontech SE, verbreitet in seiner vorab veröffentlichten Brief an die Aktionäre Zuversicht und untermauert die strategische Ausrichtung: „Biontech ist heute hervorragend aufgestellt, um seine Mission zu verwirklichen. Wir werden die Behandlung von Krebs sowie anderen schweren Krankheiten grundlegend verändern.“

 


Werksschließungen und Abschied von Sahin und Türeci

Biontech baut derzeit operativ massiv um. Das Impfstoffgeschäft bricht weiter ein, zudem wurde eine große US-Corona-Studie mit Pfizer mangels Teilnehmern abgebrochen. Die Reaktion aus Mainz: Mehrere Produktionsstandorte in Deutschland schließen, bis zu 1.860 Stellen fallen weg. Um Anleger bei der Stange zu halten, kauft Biontech bis Mai 2027 eigene Aktien für bis zu eine Milliarde US-Dollar zurück.

Den größten Schock müssen die Aktionäre jedoch auf personeller Ebene verdauen. Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Management bis Ende 2026. Sie wechseln in die Führung eines neuen Unternehmens. Biontech hält an diesem eine Minderheitsbeteiligung. Der Aufsichtsrat sucht fieberhaft nach Nachfolgern. Dies stellt eine historische Zäsur dar. Investoren müssen das Unternehmen nun komplett neu bewerten.

Diese Gemengelage birgt Konfliktpotenzial für das virtuelle Aktionärstreffen. Kritik entzündet sich primär an der schrumpfenden Kapitaldecke. Auch die massiven Einschnitte im Inland sorgen für Unmut. Der Abgang der Gründer erzeugt zusätzlich Nervosität. Aktionäre hoffen nun auf schnelle, greifbare klinische Erfolge bei Impfstoffen gegen Krebs.

 

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