Das Fonds-Duell: Schroders gegen SPDR – Wer hat das bessere US-Small-Caps-Paket?

Ring frei: Wer holt in unserem Fonds-Duell den Titel im Small-Cap-Sektor? (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Jahrelang standen US-Nebenwerte im Schatten der Mega-Caps. Jetzt dreht sich das Bild: Die Bewertungen sind vergleichsweise günstig, die Gewinnschätzungen verbessern sich und die Börsenrally wird breiter. Doch wie greift man am besten zu? Der Schroder ISF US Smaller Companies Impact setzt auf konzentrierte Managerauswahl, der SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted ETF auf mehr als 1.600 Aktien und einen systematischen Value-Faktor. Mensch gegen Maschine – wer schnürt das bessere Small-Cap-Paket?

Die zweite Reihe meldet sich zurück

Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon – jahrelang spielte die Musik an der Wall Street fast ausschließlich auf der großen Bühne. Während die Mega-Caps von Rekord zu Rekord eilten, fristeten amerikanische Nebenwerte eher ein Mauerblümchendasein. Doch 2026 hat sich das Bild zumindest zeitweise gedreht.

Der Russell 2000 hatte bis Ende Juni bereits rund 20 Prozent zugelegt und den S&P 500 in der ersten Jahreshälfte um fast 10 Prozentpunkte geschlagen. Zuletzt haben die großen Standardwerte zwar wieder aufgeholt, doch der Small-Cap-Case bleibt intakt: Die Gewinnrevisionen verbessern sich, Investitionen rund um künstliche Intelligenz erreichen zunehmend Industrie- und Zulieferunternehmen, und die Bewertungen bleiben gegenüber den Mega-Caps attraktiv.

J.P. Morgan spricht inzwischen sogar von einer Wiederbelebung der Small und Mid Caps und verweist auf bessere Fundamentaldaten, niedrige Positionierungen und historisch hohe Bewertungsabschläge. Dabei ist die Geschichte längst mehr als nur eine Wette auf sinkende Zinsen. Im September hob die US-Notenbank den Leitzins sogar um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Trotzdem haben Small Caps Boden gutgemacht. Das macht die Ausgangslage spannend: Die Bewertungen sind niedriger, die Erwartungen geringer – und damit möglicherweise auch die Fallhöhe.

Small Caps: Paradies für Stockpicker?

Gerade bei Nebenwerten klingt die Argumentation für aktives Management überzeugend. Kleinere Unternehmen werden von weniger Analysten beobachtet, Geschäftsmodelle unterscheiden sich stärker und zwischen Bilanzperlen und hoch verschuldeten Problemfällen liegen oft Welten.

Ein Manager kann genau dort ansetzen: Welche Firma wächst profitabel? Wer verfügt über Preissetzungsmacht? Welche Bilanz hält höhere Zinsen aus? Und welches Unternehmen ist zwar billig – aber aus gutem Grund?

Doch die Gegenseite hat ein starkes Argument. Statt einen Fondsmanager dafür zu bezahlen, gute und günstige Unternehmen zu finden, kann man die Auswahl auch einer systematischen Faktorstrategie überlassen. Genau das macht der SPDR.

Das Duell auf einen Blick

Kennzahl Schroder ISF US Smaller Companies Impact C Acc State Street SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted ETF
ISIN / WKN LU0106262180 / 933428 IE00BSPLC413 / A12HU5
Manager Robert Kaynor / Joanna Wald Indexstrategie
Ansatz aktiv / Impact / Qualität regelbasiert / Small Cap Value
Laufende Kosten 1,13 % 0,30 %
Benchmark Russell 2000 Lagged Net TR MSCI USA Small Cap Value Weighted
Positionen ca. 57 ca. 1.636
Anteil Top 10 ca. 28 % ca. 5 %
Performance 1 Jahr* +31,31 % +23,07 %
Performance 3 Jahre* +59,05 % +60,78 %
Performance 5 Jahre* +44,05 % +64,85 %
Performance 10 Jahre* +152,44 % +194,77 %
Volatilität 3 Jahre* 19,10 % 18,31 %
Sharpe Ratio 3 Jahre* 0,61 0,68
*Wertentwicklung kumuliert; Performance- und Risikodaten von FWW. Keine Anlageberatung.

Schroders: Der Qualitätsprüfer

Der Schroder ISF US Smaller Companies Impact (ISIN: LU0106262180) ist kein Fonds für Anleger, die einfach den Russell 2000 besitzen wollen. Er sucht bewusst die Nadel im Small-Cap-Heuhaufen. Mindestens 2 Drittel des Fondsvermögens fließen in kleinere US-Unternehmen. Als Small Cap gelten beim Kauf Unternehmen aus den unteren 30 Prozent des amerikanischen Aktienmarktes gemessen an der Marktkapitalisierung. Typischerweise hält das Management lediglich 40 bis 60 Titel.

Doch der Fonds legt noch einen zweiten Filter über das Anlageuniversum: Impact. Die Unternehmen sollen nicht nur finanziell überzeugen, sondern mit ihren Produkten oder Dienstleistungen einen positiven sozialen oder ökologischen Beitrag leisten. Der Fonds ist deshalb als Artikel-9-Produkt eingestuft.

Das verändert das Portfolio erheblich. Industrie, Gesundheit und Technologie dominieren. Energie, Immobilien oder klassische zyklische Value-Titel spielen dagegen eine wesentlich kleinere Rolle als im breiten Small-Cap-Markt. Zu den größeren Positionen zählten zuletzt Repligen, Balchem, Lincoln Electric, ICU Medical, Cavco Industries, Novanta und Clean Harbors. Schroders kauft also nicht den Markt. Schroders trifft Entscheidungen.

 


2 Manager, 57 Aktien

Verantwortlich für den Fonds sind Robert Kaynor und Joanna Wald. Kaynor managt die Strategie seit Januar 2018 und ist zugleich Research Director für US Small & Smid Cap Equities bei Schroders. Wald kam im November 2022 als Co-Managerin hinzu.

Die C-Anteilklasse existiert bereits seit Januar 2000, der zugrunde liegende Fonds sogar seit 1989. Wichtig für die historische Einordnung ist allerdings eine Zäsur: Im August 2022 wurde aus dem bisherigen US Smaller Companies Fund der heutige US Smaller Companies Impact. Die längerfristige Performancehistorie stammt deshalb nicht vollständig aus dem heutigen Impact-Mandat. Das muss man im Hinterkopf behalten, wenn man 5- oder 10-Jahres-Zahlen vergleicht.

SPDR: Die Faktor-Maschine

Der State Street SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted UCITS ETF (ISIN: IE00BSPLC413) geht den exakt entgegengesetzten Weg. Keine Unternehmensbesuche. Keine Managementgespräche. Keine Überzeugung eines Portfoliomanagers. Stattdessen Regeln.

Ausgangspunkt ist der MSCI USA Small Cap Index. Anschließend werden die Aktien neu gewichtet. Unternehmen mit günstigeren fundamentalen Bewertungen erhalten mehr Gewicht. Dabei fließen unter anderem Umsatz, Gewinn, Cashflow und Buchwert in die Methodik ein.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem normalen Small-Cap-ETF. Der SPDR bildet nicht einfach den Markt nach. Er wettet systematisch auf Value. Passiv ist hier also nur die Umsetzung. Die Entscheidung für den Faktor ist ausgesprochen aktiv.

 


1.636 Aktien gegen 57

Der Unterschied der beiden Konzepte wird an keiner Stelle so deutlich wie im Portfolio. Schroders konzentriert sich auf rund 57 Unternehmen, wobei die 10 größten Positionen etwa 28 Prozent ausmachen. Der SPDR hingegen verteilt das Geld auf mehr als 1.600 Aktien. Selbst die 10 größten Positionen kommen zusammen lediglich auf rund 5 Prozent.

Das ist Diversifikation mit eingebautem Value-Filter. Zu den größeren Positionen gehören Unternehmen wie TD Synnex, die Reinsurance Group of America, RenaissanceRe sowie klassische Werte aus den Bereichen Industrie, Finanzen, Konsum und Energie. Kein Nvidia. Kein Microsoft. Wenig Glamour. Dafür sind es viele Unternehmen, deren Börsenstory weniger von großen Zukunftsversprechen als von Cashflows, Substanz und Bewertung lebt. Schroders sucht Qualität. SPDR sucht günstige Preise. Genau hier liegt der Kern des Duells.

Performance: Der Manager sprintet – der Faktor läuft länger

Auf Sicht eines Jahres hat der aktive Manager klar die Nase vorn. Der Schroder-Fonds kommt auf plus 31,31 Prozent, der SPDR auf plus 23,07 Prozent. Punkt für den Manager. Doch bereits über 3 Jahre dreht sich das Bild. Schroders erreicht plus 59,05 Prozent, der ETF plus 60,78 Prozent. Noch deutlicher wird der Unterschied über 5 Jahre: plus 44,05 Prozent beim Fonds stehen plus 64,85 Prozent beim SPDR gegenüber. Über 10 Jahre wächst der Vorsprung weiter: Schroders erreicht plus 152,44 Prozent, der ETF plus 194,77 Prozent.

Die jüngste Stockpicker-Bilanz überzeugt also. Langfristig hat bislang jedoch die regelbasierte Value-Maschine mehr geliefert. Allerdings gilt auch hier: Wegen der Umstellung des Schroder-Fonds auf das heutige Impact-Konzept im Jahr 2022 ist der lange Rückspiegel kein perfekter Vergleich des aktuellen Managementansatzes.

Performance-Sieger: SPDR – aber der jüngste Punkt geht klar an Schroders.

Kosten: 1,13 gegen 0,30 Prozent

Beim Preis wird es eindeutiger. Die laufenden Kosten der Schroder-C-Anteilklasse liegen bei rund 1,13 Prozent pro Jahr. Beim SPDR beträgt die TER lediglich 0,30 Prozent. Damit startet Schroders jedes Jahr mit einem Kostennachteil von 0,83 Prozentpunkten. Für einen aktiven Small-Cap-Fonds sind 1,13 Prozent zwar keineswegs exorbitant. Doch über 10 oder 20 Jahre summiert sich selbst ein vermeintlich kleiner Gebührenunterschied gewaltig. Der Manager muss also nicht nur gute Aktien finden. Er muss jedes Jahr zuerst seine höhere Rechnung verdienen.

Kosten-Sieger: klar SPDR.

Risiko: Überraschend eng

Wer nun erwartet, dass das konzentrierte 57-Aktien-Portfolio automatisch deutlich riskanter sein muss, erlebt eine Überraschung. Über 1 Jahr liegt die Volatilität bei Schroders bei 14,47 Prozent, beim SPDR sogar nur bei 11,21 Prozent. Über 3 Jahre sind es 19,10 zu 18,31 Prozent – ebenfalls ein kleiner Vorteil für den ETF. Doch über längere Zeiträume dreht sich das Bild. Über 5 Jahre schwankt Schroders mit 18,15 Prozent weniger als der SPDR mit 19,12 Prozent, über 10 Jahre stehen 19,12 Prozent sogar 21,87 Prozent beim ETF gegenüber.

Das zeigt: Mehr Positionen bedeuten nicht automatisch weniger Risiko. Der Value-Tilt des SPDR führt bewusst in zyklischere und teilweise wirtschaftlich empfindlichere Unternehmen. Bei der Sharpe Ratio liegt der ETF über die längeren Zeiträume allerdings knapp vorne. Über 3 Jahre stehen 0,68 zu 0,61, über 5 Jahre 0,45 zu 0,30 und über 10 Jahre 0,47 zu 0,46. Nur über 1 Jahr gewinnt Schroders mit 1,99 zu 1,73.

Risiko-Rendite-Sieger: SPDR nach Punkten.

Aktiv gegen passiv? So einfach ist es nicht

Genau deshalb ist dieses Duell interessanter als die übliche Frage „Fonds oder ETF?“. Denn auch der SPDR ist keine neutrale Marktlösung. Wer ihn kauft, entscheidet sich bewusst für Small Cap und Value. Wenn günstige, zyklische Unternehmen führen, dürfte die Strategie Rückenwind bekommen. Wenn hochprofitable Qualitäts- und Wachstumsunternehmen dominieren, kann sie zurückfallen.

Schroders macht im Grunde etwas Ähnliches – nur nicht über einen Algorithmus. Kaynor und Wald entscheiden selbst, welches Geschäftsmodell attraktiv ist, welche Bilanz überzeugt und welcher Kurs gerechtfertigt erscheint. Zusätzlich schränkt das Impact-Mandat das Anlageuniversum ein. Der eigentliche Wettkampf lautet deshalb: Fundamentale Managerauswahl gegen systematisches Factor Investing.

Wann spricht mehr für Schroders?

Der aktive Fonds ist interessant für Anleger, die bewusst Qualität vor maximaler Breite stellen. 57 Titel ermöglichen echten Stockpicking-Mehrwert. Problematische Bilanzen können gemieden, strukturelle Gewinner höher gewichtet und Risiken bewusst reduziert werden. Hinzu kommt der Impact-Ansatz. Wer Nachhaltigkeit nicht nur als Ausschlussliste, sondern als festen Bestandteil der Aktienauswahl verstehen möchte, findet hier etwas, das der SPDR nicht bieten kann. Und die jüngste Performance zeigt: Wenn die Manager richtig liegen, kann die konzentrierte Auswahl einen erheblichen Mehrwert liefern.

Wann spricht mehr für den SPDR?

Wer dagegen möglichst breit an einem Comeback günstiger US-Nebenwerte partizipieren möchte, bekommt beim SPDR ein äußerst schlagkräftiges Paket. Mehr als 1.600 Aktien, 0,30 Prozent TER und ein klar definierter Value-Mechanismus reduzieren Einzelaktien- und Managerrisiken erheblich. Vor allem langfristig sprechen die Zahlen bislang für diese Lösung. Der Anleger muss allerdings eine Überzeugung mitbringen: Value muss funktionieren. Denn wer diesen ETF kauft, kauft eben nicht „US-Small-Caps pur“, sondern US-Small-Caps mit kräftigem Value-Turbo.

Das Urteil

Schroders setzt auf Spürsinn. SPDR auf Mathematik. Robert Kaynor und Joanna Wald wollen aus Tausenden kleinen US-Unternehmen rund 50 besonders überzeugende Kandidaten herausfiltern. Der Fonds ist konzentriert, qualitätsorientiert und durch sein Impact-Mandat eigenständig positioniert.

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State Street braucht dagegen keinen Star-Manager. Die Faktor-Maschine verteilt das Kapital auf mehr als 1.600 Unternehmen und verschiebt die Gewichte systematisch dorthin, wo fundamentale Kennzahlen im Verhältnis zum Aktienkurs attraktiver erscheinen.

Beide Wege haben Charme. Doch wenn es um das Gesamtpaket aus langfristiger Wertentwicklung, Kosten, Diversifikation und risikoadjustierter Rendite geht, liegt der SPDR derzeit vorne.

Unser Sieger: der State Street SPDR ETF

Nicht durch K.o., sondern nach Punkten. Der State Street SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted UCITS ETF war über 5 und 10 Jahre deutlich stärker, kostet nur rund ein Viertel so viel wie der aktive Konkurrent und liegt bei der Sharpe Ratio über mehrere längere Zeiträume vorn.

Aber der Sieg hat einen wichtigen Zusatz. Der Schroder-Fonds schlägt den ETF im jüngsten 1-Jahres-Zeitraum deutlich und zeigt, warum gerade Small Caps ein interessantes Jagdrevier für gute Stockpicker sein können. Zudem wurde das heutige Impact-Konzept erst 2022 etabliert – die langen Performancezeiträume erzählen deshalb nicht vollständig die Geschichte der heutigen Strategie.

Für Anleger, die einen breit diversifizierten US-Small-Cap-Baustein mit Value-Tilt suchen, schnürt SPDR derzeit das überzeugendere Paket. Wer dagegen bewusste Aktienauswahl, Qualität, Impact und die Chance auf echtes Manager-Alpha sucht, findet bei Schroders die spannendere aktive Alternative. Die Maschine gewinnt das Duell. Aber der Manager hat gerade mächtig aufgeholt.

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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