Sich nicht verunsichern lassen: Echte Überzeugung ist ein wichtiger Faktor beim Aktienkauf. (Foto: Magnific.com, drobotdean)
Die Auswahl von Aktien ist oft der einfachste Teil beim Investieren. Die Herausforderung beginnt meist nach dem Kauf, wenn die Kurse aufgrund von geopolitischen Unsicherheiten oder unternehmensspezifischen Schlagzeilen schwanken, oder andere Aktien einfach den eigenen davon zu laufen scheinen.
Ruhe, eine gewisse Distanz zum Tagesgeschehen und wahre Überzeugung sind der Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Echte Überzeugung entscheidet darüber, ob bei Rücksetzern panisch verkauft wird oder mit der nötigen Gelassenheit gehalten und bei Bedarf nachgekauft wird. Echte Überzeugung resultiert in Standhaftigkeit. Sie unterscheidet sich von der gefährlichen Scheinüberzeugung, die beim ersten Gegenwind in sich zusammenbricht.
Echte Überzeugung hat 2 Standbeine
Überzeugung beim Investieren ergibt sich aus harten Fakten und qualitativen Ergebnissen. Die rationale Überzeugung basiert auf harten Fakten und logischen Ableitungen. Hierzu gehören die detaillierte Analyse von Marktanteilen, Margenausweitungen und klaren Wettbewerbsvorteilen. Ein Anleger erstellt eine logische These, definiert einen fairen Wert und leitet daraus seine Investmententscheidung ab. Diese Form der Sicherheit ist wertvoll, da sie sich schwarz auf weiß belegen lässt.
Parallel dazu existiert eine abstrakte Überzeugung, die sich kaum in Excel-Tabellen fassen lässt. Sie ist aber oft das wichtigere Fundament. Es geht um die „weichen“ Faktoren, die meist über den langfristigen Erfolg eines Unternehmens entscheiden. Ein zentraler Punkt ist die Qualität des Managements. Handeln die Verantwortlichen im Sinne der Aktionäre? Wie sieht ihre Bilanz bei der Kapitalallokation aus? Investieren sie Gewinne sinnvoll in Wachstum oder verschwenden sie Kapital für teure Prestigeprojekte und kurzfristige Schlagzeilen?
Diese Art der Überzeugung fühlt sich eher wie das Vertrauen an, welches ein Freund erfährt. Diese Art der Überzeugung ist nicht in Zahlen fassbar, aber oft der wichtigere Teil. Es geht um Qualitätsfaktoren wie Managementqualität, Aktionärsfreundlichkeit und Fokus auf den langfristigen Erfolg anstatt auf die nächsten Quartalsergebnisse.
Achtung Falle: Die Scheinüberzeugung
Das größte Risiko für einen langfristigen Vermögensaufbau ist die Scheinüberzeugung. Sie entsteht oft schleichend. Medien haben die Tendenz, Anleger immer wieder aufs Neue mit ultimativen Anlageideen zu fluten. Hinzu kommen Meldungen, dass Großinvestoren gekauft haben oder Finfluencer eine besondere Chance in einem Investment sehen. In diesen Fällen laufen Anleger Gefahr, eine geliehene Meinung zu übernehmen, ohne die zugrunde liegenden Mechanismen des Unternehmens wirklich verstanden zu haben.
Die Geschichte stimmt, die Zusammenfassung die einem aufbereitet wurde, wirkt schlüssig. Das Vertrauen beruht weniger auf dem Unternehmen aus eigener Recherche, sondern versteckt sich hinter anderen Einflussgrößen. Diese Form der Sicherheit ist extrem fragil. Sobald die Kurse fallen oder die Stimmung am Markt kippt, verschwindet diese Scheinüberzeugung sofort. Bekannte Beispiele sind die Aktien von Paypal oder Novo Nordisk.
Da das eigene Fundament aus rationaler und abstrakter Überzeugung fehlt oder Brüche hat, wird jede Marktschwankung und Nachricht zu einer emotionalen Zerreißprobe. Ein Anleger, der nicht weiß, warum er das Unternehmen besitzt, wird beim kleinsten Anzeichen von Unsicherheit zum Verkauf gedrängt. Echte Überzeugung hingegen wächst gerade in schwierigen Zeiten, da dieser Anleger den Unterschied zwischen dem Preis an der Börse und dem echten Wert des Unternehmens kennt. Er hat die Ruhe, diese Phasen für sich langfristig zu nutzen.
Die Dynamik: Wann Überzeugung weichen muss
Echte Überzeugung bedeutet keinesfalls, eine Aktie blind für immer zu halten. Das Investment muss ein lebendiger Prozess sein und ständig am Prüfstand der Realität gemessen werden. Ein Investor muss dabei lernen, zwischen vorübergehendem Marktlärm und strukturellen Problemen zu unterscheiden. Kurzfristig schwache Quartalszahlen aufgrund externer Effekte oder allgemeine Korrekturen am Gesamtmarkt stellen oft nur ein Rauschen dar.
Wenn die fundamentale Qualität des Unternehmens intakt bleibt und die Wettbewerbsvorteile nicht gefährdet sind, sollte eine solche Phase die Überzeugung eher stärken und kann als Chance für Nachkäufe dienen.
Gefährlich wird es hingegen, wenn sich die Investitionsthese als falsch erweist oder das Fundament aus rationaler und abstrakter Überzeugung wegbricht. Manche Anleger blenden kritische Entwicklungen aus und beharren auf ihrer ursprünglichen Investitionsentscheidung.
Anzeige
Bei anderen Depots investieren Sie in Ordergebühren, bei Smartbroker+ in Ihren Vermögensaufbau.
-
kostenlose Depotführung -
Ordergebühren ab 0€ -
kostenlose ETF-Sparpläne
Doch es sind Alarmsignale, wenn etwa dauerhaft Marktanteile verloren gehen, das Management strategisch falsche Entscheidungen trifft und Aktionäre geschädigt werden. In solchen Fällen ist das Festhalten an einem Investment kein Zeichen von Stärke, sondern von gefährlicher Sturheit.
Ein Investment wird zwar grundsätzlich langfristig geplant, doch diese Zeitspanne ist nur solange gültig, solange das Fundament stabil ist. Wenn das Fundament bricht, ist es richtig, sich von diesen „faulen Eiern“ zu trennen, bevor der Schaden noch größer wird. Es gibt am Markt immer andere Opportunitäten.
Investieren in Einzelaktien ist ein aktiver Prozess
Echte Überzeugung ist das Ergebnis harter Arbeit, einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Portfolio und Ergebnis eines persönlichen Reifeprozess. Echte Überzeugung schützt vor teuren Fehlern und hilft dabei, langfristig Vermögen aufzubauen. Viele Entscheidungen eines Investors sind falsch, doch sich diese einzugestehen und daraus zu lernen untermauert wahre Stärke.
Wer lernt sich nicht auf Scheinüberzeugung einzulassen, sondern eine echte Überzeugung zu entwickeln, wird erfolgreicher sein. Am Ende gewinnt an der Börse nicht derjenige, der die meisten Aktientipps besitzt oder der am schnellsten Buchgewinne macht, sondern derjenige, der die besten Unternehmen mit einer Überzeugung auf einem stabilen Fundament über Jahre hinweg hält.
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Der Beitrag Echte Überzeugung bei Aktien: So schützen sich Anleger vor Marktlärm und Verlusten erschien zuerst auf ftd.de.