Anleihen von Schwellenländern erfordern Geduld und Vertrauen, versprechen aber Renditepotenzial. (Foto: Freepik KI Suite)
Wer heute Rendite sucht, landet schnell dort, wo es weh tut. Nicht in Palo Alto oder Paris, sondern in Mexiko-Stadt, Buenos Aires oder Lagos. Schwellenländer- und Frontier-Anleihen feiern ausgerechnet jetzt ein Comeback – nach Jahren der Enttäuschung, Krisen und politischen Fehltritten. Der Grund ist einfach und zwingend zugleich: In einer Welt teurer Aktien und schmaler Kupons liefern sie etwas, das Investoren fast verlernt haben zu erwarten – laufende Erträge. Üppige Erträge. Doch der Preis dafür ist hoch. Wer hier investiert, kauft Volatilität, politische Risiken und Währungsstress gleich mit. Diese Anlageklasse ist kein Spielfeld für Autopiloten, sondern für Fondsprofis. Wir stellen 3 Fonds vor, die zeigen, wie man in diesen Märkten erfolgreich navigiert.
Wo andere flüchten, beginnen Spezialisten zu rechnen
Schwellenländeranleihen sind kein Markt für Nervenschwache. Kapitalverkehrskontrollen, Staatspleiten, Währungsabwertungen und abrupte politische Kurswechsel gehören zur Tagesordnung. Während Anleger in Frankfurt oder Zürich bei minus 2 Prozent nervös werden, beginnen Manager wie Jean-Jacques Durand oder Luc Dhooge erst, ihre Modelle hochzufahren. Denn dort, wo Panik regiert, entstehen Preise, nicht Meinungen.
Mexiko, Brasilien, Türkei, Argentinien, Ukraine – das sind Länder, die regelmäßig für Schlagzeilen sorgen, aber selten für Vertrauen. Und dennoch fließt wieder Geld. Viel Geld. Allein im ersten Halbjahr 2025 nahmen Schwellenländer rund 350 Milliarden US-Dollar über den Anleihemarkt auf – so viel wie seit 2021 nicht mehr. Die Emissionen wurden problemlos absorbiert. Das ist mehr als ein Strohfeuer, es ist ein Signal.
Treiber sind ein schwächerer Dollar, die Aussicht auf fallende Leitzinsen sowie Renditeniveaus, von denen Investoren in Industrieländern nur träumen können. Während einjährige Staatsanleihen in Europa oder den USA um die 2,5 Prozent abwerfen, bieten EM-Anleihen in Hartwährung oft das Doppelte. In Lokalwährungen wie Real, Peso oder Rupiah liegt die Renditelatte noch höher. „Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen liefern mit Abstand die höchsten Renditen“, sagt Pascal Kielkopf von HQ Trust. Selbst nach Inflation bleibt etwas übrig – ein seltenes Gut.
Disziplinierte Schuldner, verwöhnte Industrieländer
Der schlechte Ruf der Emerging Markets ist hartnäckig, aber zunehmend überholt. Viele Länder haben aus früheren Krisen gelernt. Die durchschnittliche Schuldenquote liegt bei rund 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In den USA, Frankreich oder Italien gelten Quoten jenseits der 100 Prozent hingegen längst als Normalzustand – begleitet von politischer Lähmung und strukturellen Defiziten.
Hinzu kommt ein strategischer Umbau. Immer mehr Schwellenländer emittieren Anleihen in lokalen Währungen und reduzieren damit ihre Abhängigkeit vom Dollar. Das senkt nicht nur das Refinanzierungsrisiko, sondern auch die geopolitische Verwundbarkeit. Wie schnell Dollarfinanzierung zur politischen Waffe werden kann, zeigte sich Anfang 2025 in Kolumbien, als ein diplomatischer Konflikt mit den USA unmittelbar Druck auf Währung und Anleihemarkt auslöste. In vielen Hauptstädten wurde das als Warnschuss verstanden.
Hohe Renditen, harte Realität
Natürlich bleibt diese Anlageklasse riskant. Währungen brechen ein, Regierungen scheitern, Reformen verlaufen im Sand. Der Rückblick ist ernüchternd: Über 10 Jahre hinweg war die Performance breiter EM-Anleiheindizes enttäuschend. China litt unter der Immobilienkrise, die Türkei unter Dauerinflation, Südafrika unter politischer Erosion. Hinzu kamen Pandemie und die brutale Zinswende ab 2022.
Doch genau hier liegt die Chance. Die Renditen sind hoch, obwohl kein globaler Boom in Sicht ist. Aktien wirken ambitioniert bewertet, Anleihen hingegen wieder kalkulierbar. Schwellenländer wachsen im Schnitt um rund 4 Prozent und profitieren überproportional von einem schwächeren Dollar, der Importe verbilligt und den Schuldendienst erleichtert. Risiko ja – aber Risiko mit Bezahlung.
Warum passiv hier gefährlich ist
Schwellenländeranleihen sind kein Markt für Indextreue. Passive Produkte gewichten nach Schuldenstand – nicht nach Reformfortschritt oder politischer Stabilität. Wer am meisten Schulden macht, bekommt das größte Gewicht. Aktive Manager können dagegen Länder meiden, die auf eine Restrukturierung zusteuern, und antizyklisch dort investieren, wo zwar Panik herrscht, aber Substanz vorhanden ist. 3 Fonds zeigen exemplarisch, warum aktives Management in dieser Anlageklasse kein Luxus, sondern Pflicht ist:
- Der Vontobel Emerging Markets Debt (ISIN: LU0926439562) gibt Stabilität durch Streuung.
- Der Maunakea Emerging Markets Debt Recovery (ISIN: LU2444190461) ist nichts für schwache Nerven und setzt dort an, wo andere aufgeben.
- Der abrdn Frontier Markets Bond (ISIN: LU0963865083) setzt auf Rendite aus der zweiten Reihe.
Fazit: Rendite gibt es nicht ohne Reibung
Schwellenländer- und Frontier-Anleihen sind kein Wohlfühlprodukt. Sie verlangen Risikobewusstsein, Geduld und Vertrauen in erfahrene Manager. Doch in einer Welt niedriger Realrenditen bieten sie etwas, das selten geworden ist: laufende Erträge, Diversifikation und echtes Kurspotenzial.
Der aktuelle Boom hat Substanz. Ein schwächerer Dollar, hohe Zinsen und diszipliniertere Finanzpolitik sprechen dafür, dass die Anlageklasse attraktiv bleibt. Wer investiert, sollte allerdings nicht blind dem Index folgen. In diesen Märkten gewinnt nicht der Mutigste – sondern der Beste im Selektieren.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Der Beitrag Emerging Markets und Frontier Bonds: Warum aktive Fonds jetzt überzeugen erschien zuerst auf ftd.de.