Der EZB Zinsentscheid steht im Fokus der Märkte: Ein höherer Leitzins verteuert Kredite, bringt aber mehr Zinsen für Sparer. (Foto: Magnific.com, snupdoo)
Frankfurt am Main – Angesichts des Energiepreisanstiegs und des Inflationstrends hatte es sich abgezeichnet: Der Rat der Europäischen Zentralbank hat heute die Leitzinsen im Euroraum um 25 Basispunkte nach oben gesetzt. Der erste Zinsschritt seit Juni 2025 könnte sich auf Tagesgeld, Kreditkosten und Bauzinsen auswirken.
“Durch den Krieg im Nahen Osten entsteht Druck auf die Inflation“, schreibt der EZB-Rat in seinem Statement zur Zinsentscheidung. “Im Basisszenario der neuen Projektionen gehen die Fachleute des Eurosystems davon aus, dass die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 3,0 Prozent, 2027 bei 2,3 Prozent und 2028 bei 2,0 Prozent liegen wird.”
Der für Verbraucher wichtige Einlagensatz steht nun bei 2,25 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken Geld bei der EZB leihen können, liegt bei 2,4 und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.
Energiepreise als Inflationstreiber – Konjunktur in Europa schwächelt
Getrieben wird die Euro-Teuerung aktuell von den Energiepreisen, die im Mai um 10,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen sind. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel legte um 0,3 Punkte auf 2,5 Prozent zu. Sie spiegelt präziser den Preisauftrieb im Euroraum an der Basis der Volkswirtschaft.
Dabei kommen höhere Zinslasten zur Unzeit: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Eurozone war im 1. Quartal 2026 rückläufig: minus 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Jahresvergleich meldeten die Statistiker ein saisonbereinigtes Plus von 0,3 Prozent. Ein Grund dafür ist ein Einbruch der irischen Pharma-Exporte, doch auch insgesamt zeigt sich die Euro-Konjunktur wenig robust.
USA: Zinsentscheid der Fed – EZB-Entscheider pro Zinsanstieg
Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kämpft mit den Folgen des Irankriegs. Die US-Energiepreise sind hochgeschnellt. Seit Monaten hält die Fed den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent stabil. Für die Sitzung am 17. Juni erwarten die Märkte eine weitere Zinspause, trotz einer Mai-Inflation von 4,2 Prozent.
In Europa hatten die EZB-Entscheider die Märkte bereits im Vorfeld auf eine wahrscheinliche Zinsanhebung eingestimmt. „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig“, sagte etwa die EZB-Direktorin Isabel Schnabel Ende Mai. Der Iran-Schock treibe die Inflation vom Zielwert weg.
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Geopolitische Lage bleibt entscheidend
Entscheidend bleibt, was im Iran-Konflikt passiert und ob die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Auch ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski verweist auf die Bedeutung der geopolitischen Lage. “Sollte der Inflationsdruck nicht nachlassen und die EZB nachlegen müssen, könnten auch die Kapitalmarktzinsen weiter steigen”, heißt es in seinem Statement in einer Interhyp-Umfrage.
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung am 11. Juni 2026 um 15.30 Uhr (MESZ).
Der Beitrag EZB Leitzins aktuell: Zinsentscheid für die Eurozone nach Anstieg der Inflation erschien zuerst auf ftd.de.