Eurozeichen im Bankenviertel in Frankfurt. (Bild: Magnific.com, Mark Mainka)
Frankfurt am Main – Der Ölpreis klettert, die Krisen im Nahen Osten schwelen, die Teuerung flackert auf. Die EZB mit Präsidentin Christine Lagarde an der Spitze steht am Donnerstag vor einer wegweisenden Entscheidung. Wird die Notenbank die geldpolitischen Zügel weiter anziehen?
Zuletzt drückten die Währungshüter auf die Bremse. Im Juli legte der EZB-Rat eine Pause ein und beließ den entscheidenden Einlagensatz bei 2,25 Prozent. Die Notenbanker wollten weitere Wirtschaftsdaten abwarten und sich nicht auf einen starren Zinspfad festlegen. Dennoch schlossen Beobachter eine baldige Wende am Kapitalmarkt nicht aus.
Ökonomen erwarten Zinsschritt – Inflation im Euroraum ist hartnäckig
Für die aktuelle Sitzung zeichnet sich nun ein klarer Konsens ab. Ökonomen rechnen fest mit einer Leitzinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. Der Vermögensverwalter PGIM erwartet, dass die Notenbank mit diesem Schritt ihren aktuellen Zinserhöhungszyklus beendet. Damit erreiche das Zinsniveau den oberen Rand der neutralen Spanne.
Der Druck auf die Entscheider wächst, denn die Teuerung trotzt den bisherigen Maßnahmen. Im August kletterte die Inflationsrate im Euroraum auf 3,3 Prozent. Preistreiber bleibt vor allem die Energie, die sich im Jahresvergleich drastisch verteuerte. Die Europäische Zentralbank verfehlt ihre eigene Inflationsprognose von 2 Prozent für das aktuelle Jahr damit deutlich. Das zwingt die Währungshüter voraussichtlich zum sofortigen Handeln.
Energiepreise belasten die Wirtschaft – Notenbanker fordern Straffung
Das wirtschaftliche Umfeld präsentiert sich äußerst fragil. Ein massiver Anstieg der Ölpreise auf über 90 US-Dollar und die jüngste Eskalation im Nahen Osten verschärfen die Inflationsrisiken massiv. Gleichzeitig schwächt sich das wirtschaftliche Wachstum ab. Die Notenbank bewegt sich folglich auf einem schmalen Grat zwischen Preisstabilität und drohender Rezession.
Führende Köpfe im EZB-Rat lassen kaum Zweifel an der künftigen Marschroute. Die Inflation verharrt auf einem erhöhten Niveau. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel betonte jüngst gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg die Notwendigkeit des Eingreifens: „Daher wird eine weitere Straffung notwendig sein.“ Der Markt wertet dies als unmissverständliches Signal.
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Tagungsort Berlin – Prognose der Terminmärkte
Abseits der reinen Zahlen rückt auch das Personal in den Fokus. Präsidentin Lagarde soll Gerüchten zufolge vor einem vorzeitigen Wechsel an die Spitze des World Economic Forum stehen. Zudem tagt der EZB-Rat diesmal nicht in Frankfurt am Main. Die Währungshüter treffen sich auf Einladung der Bundesbank in Berlin, um die neuen Prognosen vorzustellen.
Was sagen die Märkte? Laut ECB-Watch-Tool beträgt die Chance für eine Zinsanhebung um 0,25 Prozent bei der nächsten EZB-Sitzung 99 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Anhebung um 0,25 Prozent bei der Sitzung am 29. Oktober liegt bei 22,6 Prozent. (Stand: 9. September, 15.39 Uhr MESZ)
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Der Beitrag EZB Zinsentscheid aktuell: Leitzins für die Eurozone steht vor Anhebung erschien zuerst auf ftd.de.