Korn Ferry Aktie: Kündigungswellen als Rückenwind in der Transformationsphase

Der demografische Wandel und KI verändern die Anforderungen an die professionelle Personalvermittlung nachhaltig. (Foto: Magnific.com, pressfoto)

Der Personalmarkt durchläuft derzeit eine tiefgreifende Umstrukturierung. Viele Großkonzerne reduzieren ihr Personal, um finanzielle Mittel für den Aufbau von künstlicher Intelligenz freizumachen. In diesem anspruchsvollen Marktumfeld erweist sich Korn Ferry als erstaunlich robust. Das Unternehmen vollzieht aktuell eine Transformation vom zyklischen Personalvermittler zum technologiebasierten Plattformbetreiber, was erhebliches Kurspotenzial eröffnet.

Das Geschäftsmodell im Wandel

Korn Ferry zählt nach rund 60 Jahren zu den größten Unternehmens- und Personalberatungsfirmen der Welt. Der Fokus liegt heute nicht mehr auf der Personalvermittlung, sondern auf der Optimierung von Unternehmensstrukturen, der Suche nach Führungskräften (Professional Search) und dem umfassenden Talentmanagement.

Die Aktivitäten teilen sich in die 5 Bereiche Beratung, Digitales, klassische Führungskräftesuche, Fachkräftesuche auf Zeit sowie die komplette Auslagerung von Rekrutierungsprozessen (RPO) auf. Nachdem Korn Ferry 2020 erfolgreich mit der Korn Ferry Intelligence Cloud und Korn Ferry Lean in die Digitalisierung investiert hat, folgt nun mit der anrollenden Talent Suite der nächste digitale Schachzug.

Der Rückenwind kommt in doppelter Form

Korn Ferry profitiert von einer historisch einmaligen Dynamik am globalen Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite erzeugt der demografische Wandel durch das Ausscheiden der Boomer-Generation einen anhaltenden Fachkräftemangel. Korn Ferry füllt diese Lücke, indem es den massiven Verlust an Know-how bei seinen Kunden durch gezielte Personalrekrutierung mit Hilfe einzelner KI-gestützten Hilfstools kompensiert.

Auf der anderen Seite erzwingt der zunehmende wirtschaftliche Druck und das neue KI-Zeitalter eine deutlich schärfere Personalpolitik. Die Nachfrage nach agilen, hochqualifizierten Talenten steigt spürbar, während Low-Performer ersatzlos entlassen werden. Arbeitgeber stehen der Herausforderung gegenüber, die wettbewerbsentscheidenden, leistungsstärksten Schlüsselkräfte zu identifizieren und im Unternehmen zu halten. Gleichzeitig müssen interne Prozesse und Arbeitsabläufe kontinuierlich neu strukturiert, digital ausgerichtet und weiterentwickelt werden.

Die „Talent Suite“ als Werkzeug für Reorganisation und Zyklusbruch

Die neue Talent-Suite setzt nun bei den Herausforderungen der Personalbesetzung und Reorganisation an. Die Plattform verknüpft die über Jahrzehnte gesammelten Daten von Korn Ferry. Dazu gehören Milliarden von Datenpunkten aus über 100 Millionen Personalbewertungen und Vergütungsdaten von zehntausenden Firmen. Die Software ermöglicht den Kunden nun Hierarchien abzubauen, neue Arbeitsplätze zu definieren, Gehaltsanalysen durchzuführen, die besten Leistungsträger zu identifizieren und Investitionsfelder für Up-Skilling und Reskilling zu erkennen.

 


Gerade weil die Talent Suite so tief bei der Reorganisation ansetzt, bricht sie die historische Zyklizität des Geschäftsmodells auf. Wenn der Arbeitsmarkt schwächelt und Unternehmen weniger neue Leute einstellen, sondern ihre bestehenden Strukturen radikal umbauen und effizienter aufstellen müssen, steigt die Nachfrage nach den Analyse- und Restrukturierungswerkzeugen der Plattform.

Das Management strebt im Zuge dieser Transformation langfristig mehr als 60 Prozent der Erlöse im Digitalsegment über wiederkehrende Abonnements an. Dieser Wandel sichert wiederkehrende Umsätze und verbesserte Margen auch in Zeiten, wenn das klassische Headhunting-Geschäft pausiert.

Starkes Wachstum und Dividendenerhöhung

Erste Erfolge werden bereits sichtbar: Das Neugeschäft mit Lizenzen und Abonnements stieg im jüngsten Quartal um 30 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die gesamten Honorarerlöse währungsbereinigt um 7 Prozent, was auf Marktanteilsgewinne hindeutet. Auch das Segment Professional Search unterstreicht die anhaltende Knappheit bei Schlüsselkräften und wuchs um 15 Prozent. Großkunden steuern inzwischen 38 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Ebenso zeigt sich die stärkere Verzahnung der Geschäftsbereiche: Der Cross-Selling-Anteil liegt bereits bei 26 Prozent.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Neben dieser operativen Dynamik überzeugt Korn Ferry auch finanziell. Das Unternehmen ist nettoschuldenfrei und verfolgt eine aktionärsfreundliche Kapitalallokation. Die freie Cashflow-Marge liegt seit Jahren bei rund 10 Prozent. Da die Investitionen in die Softwareplattform nun planmäßig zurückgehen dürften, entsteht zusätzlicher Spielraum für Aktienrückkäufe und Dividenden. Im März wurde die Quartalsdividende bereits um 15 Prozent auf 0,55 US-Dollar angehoben. Daraus ergibt sich eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent bei einer soliden Ausschüttungsquote von 38 Prozent.

Korn Ferry Aktie: Finale Einschätzung

Korn Ferry hat gezeigt, dass sich das Unternehmen auch in einem schwachen Arbeitsmarktumfeld behaupten kann, weil es frühzeitig in zukunftsweisende Trends investiert hat. Die Transformation hin zu einem Software- und Beratungshaus reduziert die frühere Zyklizität des Geschäftsmodells spürbar und eröffnet zusätzliche Marktanteilschancen, die sich bereits in den jüngsten Quartalszahlen andeuten.

Chancen ergeben sich aus der steigenden Relevanz von Personal- und Reorganisationsfragen, den margenstarken Abo-Erlösen sowie dem demografischen Wandel, der die strukturellen Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt weiter verschärft.

Risiken bestehen vor allem dann, wenn die neue Plattform nicht die vom Management erhoffte Akzeptanz erreicht oder Wettbewerber technologisch aufschließen. In diesem Fall könnte die klassische Zyklizität des Geschäftsmodells wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 12 und einer Dividendenrendite von 3,3 Prozent ist die Aktie für ein defensiv ausgerichtetes Portfolio solide, aber nicht ausgesprochen günstig bewertet. Gelingt jedoch der Wandel zur digitalen Plattform, bietet sie neben der laufenden Dividende erhebliches Kurspotenzial. Genau auf diese Option stützt sich die Investitionsthese einiger erfolgreicher Marktteilnehmer.

 

Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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