Marktbreite statt Mega-Hype: Equal-Weight- und Dividenden-ETF balancieren den S&P 500 aus

Weniger Klumpenrisiko im Portfolio mit den Alternativen zum S&P 500 Index. (Foto: Freepik, tongpatong)

Die Wall Street ist nervös – und das ausgerechnet in einem Jahr, das eigentlich gut begonnen hat. 7 der 11 Sektoren im S&P 500 notieren seit Jahresanfang im Plus, Energie-, Industrie- und Basiskonsumwerte teils zweistellig. Und dennoch kommt der US-Leitindex kaum vom Fleck. Was paradox klingt, ist in Wahrheit reine Mathematik.

Der Index krankt nicht an mangelnder Marktbreite – sondern an seiner Konstruktion. Anleger, die das Klumpenrisiko einzelner Tech-Giganten reduzieren wollen, finden mit dem Xtrackers S&P 500 Equal Weight UCITS ETF und dem SPDR S&P US Dividend Aristocrats UCITS ETF zwei klare Alternativen, um breiter und ausgewogener zu investieren.

Das Klumpenrisiko im XXL-Format

Technologieaktien haben seit Jahresbeginn mehr als 5 Prozent verloren. Das allein wäre verkraftbar. Doch sie machen rund 30 Prozent des Index aus. Wenn ein Sektor so dominant ist, reicht schon ein moderater Rückgang, um die Gesamtbilanz zu verhageln.

Ein Schwergewicht wie Microsoft wiegt im Index schwerer als komplette Branchen. Während Industriegase-Spezialist Linde, Kupferförderer Freeport-McMoRan oder Goldriese Newmont zweistellig zulegen, bleibt ihr Einfluss auf das Gesamtbarometer überschaubar. Energie kommt auf rund 5 Prozent Indexgewicht, Basic Materials auf etwa 3 Prozent. Selbst starke Kursgewinne verpuffen damit im Schatten der Mega-Caps.

Jahrelang war genau diese Dominanz ein Performance-Turbo. Apple, Nvidia, Microsoft und Co. zogen den Index nach oben und bescherten passiven Investoren komfortable Renditen. Wer den Markt kaufte, kaufte in Wahrheit vor allem Big Tech – und lag damit richtig.

2026 ist das anders. Die Investoren schauen genauer hin. Hohe Investitionen in KI-Infrastruktur, steigende Kapitalkosten und ambitionierte Bewertungen treffen auf einen Markt, der nicht mehr jede Wachstumsstory blind honoriert. Gute Zahlen reichen nicht mehr. Die Relation von Capex, Margen und Monetarisierungspfad rückt ins Zentrum. Das Ergebnis: Der Index tritt auf der Stelle, obwohl große Teile des Marktes durchaus florieren.

Xtrackers ETF: Gleichgewicht statt Gigantendominanz

Wer in den USA investiert bleiben möchte, aber das strukturelle Klumpenrisiko reduzieren will, findet eine naheliegende Alternative: Gleichgewichtung.

Der Xtrackers S&P 500 Equal Weight UCITS ETF 1C (ISIN: IE00BLNMYC90) kehrt die Logik des klassischen Index um. Nicht Marktkapitalisierung entscheidet über das Gewicht, sondern ein schlichtes Prinzip: Jede der 500 Aktien erhält denselben Anteil. Regelmäßige Rebalancings sorgen dafür, dass Überflieger zurückgestutzt und Nachzügler aufgestockt werden.

Das verändert die Statik des Portfolios grundlegend. Industrie- und Finanzwerte gewinnen deutlich an Bedeutung, während Technologie nur noch gut 13 Prozent ausmacht – statt mehr als 30 Prozent im kapitalisierungsgewichteten Pendant. Der Einfluss einzelner Mega-Caps schrumpft drastisch.

 


Der 2014 aufgelegte ETF verwaltet rund 10 Milliarden Euro, repliziert physisch und thesauriert Erträge. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,15 Prozent bewegt er sich auf attraktivem Niveau. In der aktuellen Marktphase zahlt sich der Ansatz aus: Während der klassische S&P 500 im laufenden Jahr kaum vorankommt, liegt die Equal-Weight-Variante spürbar mit 4 Prozent im Plus.

Doch der Preis für diese Robustheit ist offensichtlich. In ausgeprägten Tech-Haussephasen bleibt der Ansatz zurück. 2023 und 2024, als KI-Fantasie und Mega-Caps dominierten, war der klassische Index deutlich überlegen. Equal Weight bedeutet nicht höhere Rendite um jeden Preis – sondern eine bewusst andere Risikostruktur.

SPDR ETF: Qualität statt Kursrakete

Noch einen Schritt weiter geht ein Ansatz, der Wachstumstitel strukturell untergewichtet und stattdessen auf Ausschüttungsdisziplin setzt.

Der SPDR S&P US Dividend Aristocrats UCITS ETF (ISIN: IE00B6YX5D40) investiert in US-Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 20 Jahren stabil gehalten oder erhöht haben. Grundlage ist der S&P High Yield Dividend Aristocrats.

Diese Hürde ist hoch – und sie wirkt. Viele große Technologiekonzerne scheiden automatisch aus, weil sie entweder gar keine Dividendenhistorie haben oder erst spät mit Ausschüttungen begonnen haben. Stattdessen dominieren Industrie, Basiskonsum, Versorger und Finanzwerte. Geschäftsmodelle mit belastbaren Cashflows, nicht mit visionären Präsentationen.

 


Der ETF existiert seit 2011, repliziert physisch und schüttet quartalsweise aus. Die laufende Dividendenrendite liegt bei rund 2 Prozent. Historisch lieferte der Fonds solide Renditen bei tendenziell geringerer Schwankung als der breite Markt. 2026 gehört er zu den klaren Gewinnern des bisherigen Jahres, weil defensive Sektoren und Substanzwerte gesucht sind. Das Plus seit Jahresbeginn: Mehr als 11 Prozent.

Doch auch hier gilt: Wer die nächste explosive Tech-Rally 1 zu 1 mitnehmen will, wird enttäuscht. Der Aristokraten-Ansatz ist keine Wette auf die Gewinner von morgen, sondern auf die Überlebenskünstler von gestern – Unternehmen, die über Jahrzehnte hinweg bewiesen haben, dass sie Krisen überstehen und dennoch Dividenden zahlen können.

Diversifikation neu denken

Die vergangenen Jahre haben viele Anleger in Sicherheit gewiegt. Ein ETF auf den S&P 500 schien gleichbedeutend mit breiter Streuung. Tatsächlich bedeutete er vor allem eines: eine massive Konzentration auf einige wenige Tech-Giganten. Das Jahr 2026 zeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Eine Phase der Marktverbreiterung, steigende Skepsis gegenüber Bewertungsfantasie und strengere Maßstäbe bei Investitionen setzen neue Akzente. Industrie, Energie, Finanzwerte und sogar klassische Substanzbranchen rücken wieder in den Fokus.

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Das heißt nicht, dass Big Tech ausgedient hat. Die strukturelle Bedeutung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz bleibt unbestritten. Doch wer heute investiert, sollte wissen, worauf er setzt.

Ein Teil im klassischen S&P 500, ergänzt um Equal Weight oder Dividendenaristokraten, kann helfen, das Kräfteverhältnis im Depot auszubalancieren. Nicht als Abgesang auf Technologie – sondern als Versicherung gegen Übergewicht.

2026 könnte das Jahr werden, in dem Diversifikation wieder mehr bedeutet als nur 500 Namen im Portfolio. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Titel, sondern ihre Gewichtung. Und genau dort entscheidet sich, ob ein Index trägt – oder bremst.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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