Preiskampf bei Welt-ETFs: Diese Strategien schlagen den MSCI World über 5 Jahre

Nicht mehr unantastbar: Wie clevere Strategien den Weltindex-Klassiker MSCI World abhängen. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

0,07 Prozent Kosten, binnen weniger Wochen ein Milliardenvermögen: Vanguards neuer Welt-ETF trifft den Nerv der Anleger. Doch der günstigste Zugang zum globalen Aktienmarkt ist nicht automatisch der renditestärkste. Value, Momentum und fundamentale Gewichtungen zeigen, was jenseits der Standardindizes von MSCI oder FTSE möglich ist – und welchen Preis Anleger dafür zahlen.

7 Euro im Jahr. So niedrig sind die laufenden Fondskosten, um mit 10.000 Euro über Vanguards neuen FTSE Global All-Cap ETF an der Weltwirtschaft beteiligt zu sein. Große Konzerne, mittelgroße Unternehmen, Nebenwerte, Industrie- und Schwellenländer: ein globales Aktienpaket zum Preis eines einfachen Mittagessens. Seit dem Börsenstart am 20. August 2026 ist das Fondsvermögen bereits auf rund 2,57 Milliarden Dollar angewachsen.

Der Erfolg ist verständlich. Global investierende ETFs machen aus einer komplizierten Aufgabe einen einfachen Sparplan. Anleger müssen weder den nächsten Börsenstar entdecken noch Bilanzen durcharbeiten. Sie kaufen Unternehmensbeteiligungen, streuen ihr Geld mit einem Klick breit und halten die Gebühren niedrig. Für den Einstieg in den Vermögensaufbau ist das ein überzeugendes Angebot. Doch die Preisschlacht verdeckt eine wichtigere Frage: Welche Welt kauft sich der Anleger eigentlich ins Depot?

Die Welt eines kapitalgewichteten Index ist keine gleichmäßig verteilte Landkarte. Sie ist eine Rangliste der Börsenwerte. Große Unternehmen bekommen große Gewichte. Nach starken Kursanstiegen werden sie noch wichtiger. So kann selbst ein Portfolio mit mehreren 1.000 Aktien erheblich von amerikanischen Technologiekonzernen abhängen.

Andere ETFs stellen andere Fragen: Was ist günstig? Welche Aktien steigen besonders stark? Welche Unternehmen verdienen genug, um verlässlich auszuschütten? Und wie sähe ein Weltportfolio aus, wenn wirtschaftliche Größe statt Börsenwert über das Gewicht entscheidet?

Der 5-Jahresvergleich liefert eine bemerkenswerte Antwort: Value besetzt die Spitzenplätze dieser Auswahl. Der klassische MSCI World bleibt dahinter. Doch wer das Zeitfenster verschiebt, bekommt eine andere Siegergeschichte.

Die Rangliste: Günstige Aktien, üppige Renditen

Rang ETF 5 Jahre p. a. 1 Jahr Volat. 1 Jahr
1 iShares Edge MSCI EM Value Factor Acc 19,23 % 60,81 % 28,01 %
2 Xtrackers MSCI World Value 1C 17,93 % 54,21 % 19,17 %
3 iShares Edge MSCI World Value Factor Dist 17,75 % 53,19 % 19,08 %
4 iShares Edge MSCI World Value Factor Acc 17,75 % 53,21 % 19,07 %
5 State Street SPDR MSCI World Value Acc 14,71 % 35,68 % 12,19 %
6 Amundi MSCI World Climate Paris Aligned Umweltzeichen 14,21 % 23,97 % 16,36 %
7 Amundi MSCI World Swap II USD Hedged Dist 14,05 % 23,77 % 9,85 %
8 iShares MSCI World Quality Dividend Advanced Acc 13,96 % 31,00 % 10,38 %
9 Invesco RAFI All-World Fundamental Value 13,95 % 31,26 % 10,31 %
10 Xtrackers MSCI World Momentum 1C 13,59 % 28,65 % 22,97 %
Vergleich Xtrackers MSCI World 1D 12,87 % 22,73 % 10,22 %
Quelle: Fondsweb. Ranking der betrachteten Auswahl. Portfolioangaben beziehen sich auf die jeweils genannten Stichtage.

Zwischen 19,23 und 12,87 Prozent jährlicher Rendite liegen 6,36 Prozentpunkte. Über mehrere Jahre macht das einen erheblichen Unterschied. Allerdings führt hier ein reiner Schwellenländer-ETF eine Liste überwiegend auf Industrieländer ausgerichteter Produkte an. Und 2 Tabellenzeilen gehören zu unterschiedlichen Anteilsklassen desselben iShares-Fonds. Eine Rangliste sortiert Ergebnisse. Sie erklärt noch keine Risiken.

Der MSCI World: Ein starkes Fundament mit amerikanischer Schlagseite

Der Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1D (ISIN: IE00BK1PV551) bildet den klassischen Industrieländeraktienmarkt ab. Per Ende September enthielt der Referenzindex 1.249 Unternehmen. Rund 73 Prozent entfielen auf die USA, knapp 6 Prozent auf Japan. Nvidia, Apple und Microsoft führten die Positionsliste an; die 10 größten Indexpositionen vereinten knapp 28 Prozent.

Für den ETF sprechen niedrige Kosten, die breite Beteiligung an etablierten Unternehmen und eine Gewichtung, die erfolgreiche Konzerne mitwachsen lässt. Die laufenden Kosten liegen bei 0,13 Prozent jährlich. Über 5 Jahre erzielte der Indextracker 12,87 Prozent pro Jahr – durch den Zinseszinseffekt rund 83,23 Prozent insgesamt.

Die Kehrseite ist die Konzentration. „World“ klingt ausgeglichener, als das Portfolio tatsächlich ist. Schwellenländer und kleine Unternehmen fehlen. Wer amerikanische Großkonzerne bereits über andere Fonds hält, kauft mit dem MSCI World womöglich noch mehr vom Gleichen.

Fazit: Ein starkes Fundament. Aber auch ein Fundament hat eine Statik, die Anleger kennen sollten.

Platz 1: EM Value – der Renditesieger trägt Halbleiter im Gepäck

Der iShares Edge MSCI EM Value Factor UCITS ETF USD Acc (ISIN: IE00BG0SKF03) führt das Ranking mit 140,94 Prozent über 5 Jahre an – das entspricht 19,23 Prozent jährlich. Über 1 Jahr stehen 60,81 Prozent zu Buche. Der zugrunde liegende Index sucht Schwellenländeraktien mit günstigen Bewertungen, relativ zu erwarteten Gewinnen, Buchwert und operativem Cashflow. Ende September gehörten TSMC mit 13,17 Prozent, Samsung Electronics mit 9,42 Prozent und SK Hynix mit 7,89 Prozent zu den Top-Holdings. Dazu kamen Samsung-Vorzugsaktien mit 3,17 Prozent. Fast die Hälfte des Portfolios steckte in den 10 größten Positionen.

Dabei muss Value nicht nach Stahlwerk und staubiger Bilanz aussehen. Es kann auch nach modernster Chipfertigung aussehen. Der Ansatz eröffnet die Chance, am Technologieboom teilzunehmen, ohne die Bewertung aus dem Blick zu verlieren. Hinzu kommt Neubewertungspotenzial, wenn die Marktteilnehmer bislang vernachlässigte Unternehmen wiederentdecken. Die Kehrseite: China, Südkorea und Taiwan vereinen rund 76 Prozent des Portfolios auf sich. Damit hängen große Teile des Investments an asiatischen Märkten und Lieferketten. Halbleiterzyklus, chinesische Politik, Spannungen rund um Taiwan und Wechselkurse können die Rendite empfindlich treffen. Die Einjahresvolatilität von 28,01 Prozent ist die höchste im Vergleich.

Fazit: Ein renditestarker Satellit für Anleger mit Nerven. Als alleinige Weltanlage fehlen ihm die Industrieländer.

Plätze 2, 3 und 4: World Value – günstiger einkaufen, neue Klumpen akzeptieren

Der Xtrackers MSCI World Value UCITS ETF 1C (ISIN: IE00BL25JM42) erreicht 128,10 Prozent (17,93 Prozent jährlich) über 5 Jahre. Der iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF USD Acc (ISIN: IE00BP3QZB59) und der iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF USD Dist (ISIN: IE00BFYTYS33) folgen mit jeweils 126,37 Prozent (17,75 p.a.).

Alle 3 Produkte setzen auf den MSCI World Enhanced Value Index. Dieser sucht Aktien, die relativ zu Buchwert, erwarteten Gewinnen und operativem Cashflow günstig bewertet sind – jeweils im Branchenvergleich. Die geografische Verschiebung gegenüber dem klassischen MSCI World ist erheblich. Beim Xtrackers entfielen Ende August rund 46 Prozent auf die USA und gut 20 Prozent auf Japan. Großbritannien kam auf gut 8 Prozent, Frankreich auf knapp 6 Prozent. Micron dominierte mit 13,72 Prozent, gefolgt von Cisco, Verizon, AT&T und Toyota. Beim iShares lag Micron Ende September sogar bei 15,75 Prozent. Die unterschiedlichen Stichtage erklären allerdings einen Teil der Abweichungen; die Aktienauswahl folgt denselben Indexregeln.

Weniger US-Dominanz bedeutet also nicht automatisch weniger Konzentration. Wer Nvidia im Standardindex für zu mächtig hält, sollte den noch größeren Micron-Anteil im Value-Portfolio nicht übersehen. Für den Ansatz spricht die Bewertungsdisziplin: Anleger kaufen Gewinne und Substanz zu vergleichsweise günstigen Preisen. Werden diese Unternehmen wiederentdeckt, winkt zusätzliches Neubewertungspotenzial. Die Kehrseite ist die Geduldsprobe. Wenn die Börse jahrelang hohe Preise für Wachstum bezahlt, kann Value zurückfallen. Und manche Aktie ist billig, weil ihr Geschäft schlechter wird. Ein niedriges KGV allein macht noch kein Schnäppchen. Zwischen Xtrackers und iShares entscheiden deshalb vor allem Kosten, Handelsbedingungen und Qualität der Indexnachbildung. Bei den beiden iShares-Anteilsklassen kommt die Ertragsverwendung hinzu: Acc legt Erträge wieder an, Dist schüttet sie aus.

Fazit: Für diesen Value-Ansatz reicht eines der Produkte. Alle 3 zu kaufen schafft mehr Produktnamen als neue Renditetreiber.


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Platz 5: SPDR Value – der günstige Preis bekommt eine Qualitätskontrolle

Der State Street SPDR MSCI World Value UCITS ETF Acc (ISIN: IE00BJXRT813) folgt dem MSCI World Value Exposure Select Index. Er sucht günstig bewertete Aktien, prüft aber zugleich die wirtschaftliche Qualität der Unternehmen. Eigenkapitalrendite, Verschuldung und Gewinnschwankungen sollen helfen, echte Chancen von vermeintlichen Schnäppchen zu unterscheiden.

Ende August führten Micron mit 6,36 Prozent, Cisco mit 4,44 Prozent und Lam Research mit 3,68 Prozent die Positionsliste an. Die USA stellten rund 48 Prozent, Japan knapp 18 Prozent und Großbritannien gut 7 Prozent. Damit ähnelt die geografische Ausrichtung den Enhanced-Value-Produkten. Micron hat hier allerdings deutlich weniger Gewicht.

Billig allein reicht nicht. Das Unternehmen muss auch wirtschaftlich überzeugen. Darin liegt die Stärke des Ansatzes: Der Qualitätsfilter soll das Risiko reduzieren, günstig in ein dauerhaft schwaches Geschäft einzusteigen. Er kostet aber auch Chancen. Wenn angeschlagene Unternehmen plötzlich ein Comeback feiern, können ausgerechnet die spektakulärsten Gewinner fehlen oder niedriger gewichtet sein.

Mit 98,63 Prozent über 5 Jahre beziehungsweise 14,71 Prozent jährlich liegt die Strategie deutlich hinter den Enhanced-Value-Produkten. Dafür fällt die Einjahresvolatilität mit 12,19 Prozent ebenfalls deutlich niedriger aus. Der jüngste Verlauf war damit ruhiger – eine Garantie für den nächsten Abschwung ist das nicht.

Fazit: Value mit Qualitätsanspruch. Anleger verzichten möglicherweise auf einen Teil der Aufholjagd, um weniger wirtschaftlich schwache Unternehmen im Portfolio zu halten.

Platz 6: Amundi Climate – Klimaschutz beseitigt keinen Tech-Klumpen

Der Amundi MSCI World Climate Paris Aligned Umweltzeichen UCITS ETF (ISIN: FR0014003FW1) richtet sein Portfolio nach Klimakriterien aus und verfolgt über seinen Referenzindex das Ziel, Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Die größten Positionen lesen sich dennoch wie ein Treffen amerikanischer Börsengiganten: Microsoft, AMD, Apple, Amazon und Nvidia gehörten Ende August zur Spitze. Die USA stellten gut 75 Prozent, die 10 größten Beteiligungen rund 36 Prozent. Wer hier eine Alternative zur Dominanz amerikanischer Technologiekonzerne sucht, bekommt sie nicht.

Für die Strategie spricht, dass Anleger ihre globale Aktienanlage mit konkreten Klimavorgaben verbinden können. Diese Regeln verändern jedoch auch die Branchen- und Unternehmensgewichte. Das eröffnet Chancen, wenn die bevorzugten Unternehmen profitieren, kann aber Rendite kosten, wenn ausgeschlossene oder geringer gewichtete Titel die Börse anführen.

Mit 94,36 Prozent über 5 Jahre beziehungsweise 14,21 Prozent jährlich liegt der ETF vor dem klassischen MSCI World. Daraus lässt sich allerdings keine dauerhafte Überlegenheit der Klimastrategie ableiten. Ein geringerer CO₂-Fußabdruck schützt weder vor hohen Bewertungen noch vor enttäuschenden Gewinnen.

Fazit: Ein Weltportfolio mit Klimavorgaben, aber ausgeprägter US-Konzentration. Klimakriterien können zur persönlichen Anlageüberzeugung passen – als Risikobremse taugen sie allein nicht.

Platz 7: Amundi USD Hedged – abgesichert, aber nicht zum Euro

Der Amundi MSCI World Swap II UCITS ETF USD Hedged Dist (ISIN: FR0011669845) bildet den MSCI World mit Währungsabsicherung zum US-Dollar ab. Die wirtschaftliche Aktienexponierung bleibt die des klassischen Weltindex: starke US-Prägung, große Gewichte in Nvidia, Apple und Microsoft. Die Indexrendite liefert ein Swap. Die tatsächlich gehaltenen Wertpapiere müssen deshalb nicht der Aktienliste des Referenzindex entsprechen.

Die entscheidende Frage lautet: Gegen welche Währung wird abgesichert? Hier werden die Währungsrisiken der nicht auf Dollar lautenden Indexaktien gegenüber dem US-Dollar weitgehend neutralisiert. Für Anleger, die in Euro rechnen, bleibt dagegen das Dollar-Euro-Risiko bestehen. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, kann das ihre Rendite belasten – trotz „Hedged“ im Namen.

Für den Ansatz spricht die gezielte Steuerung der Währungsexponierung zum Dollar. Die Kehrseite: Die Absicherung kann je nach Zinsunterschieden und Marktbedingungen Kosten verursachen oder Erträge liefern. Zudem entfällt weitgehend die Chance, von einer Aufwertung der übrigen Aktienwährungen gegenüber dem Dollar zu profitieren.

Mit 92,97 Prozent über 5 Jahre beziehungsweise 14,05 Prozent jährlich liegt der ETF vor dem ungesicherten MSCI-World-Vergleichsprodukt. Dieser Vorsprung ist jedoch keine feste Eigenschaft der Strategie. Wechselkurse und Absicherungsergebnisse können die Rangfolge drehen.

Fazit: Ein Instrument für eine bewusst gewählte Dollar-Exponierung. Wer seine Anlage zum Euro absichern möchte, greift hier zum falschen Hedge.

Platz 8: Quality Dividend – Dividenden treffen auf Technologie

Der iShares MSCI World Quality Dividend Advanced UCITS ETF USD Acc (ISIN: IE00BKPSFC54) verbindet höhere Dividendenrenditen mit Qualitätsmerkmalen und ESG-Vorgaben. Ende August gehörten Nvidia, Microsoft, Apple, Merck und Applied Materials zu den größten Positionen. Auch SAP und Novartis waren prominent vertreten. Knapp die Hälfte des Portfolios entfiel auf die USA, gut 8 Prozent auf Japan und jeweils rund 6,5 Prozent auf Deutschland und die Schweiz. Ein Dividendenportfolio muss also keineswegs aus Versorgern, Ölkonzernen und Versicherern bestehen. Hier treffen Technologieunternehmen auf etablierte Ausschütter aus anderen Branchen.

Für die Strategie spricht der Qualitätsanspruch. Eine hohe Dividendenrendite allein wäre ein schlechter Kompass: Sie kann auch entstehen, weil der Aktienkurs abstürzt und der Markt bereits eine Kürzung erwartet. Entscheidend ist, ob das Unternehmen seine Ausschüttungen wirtschaftlich tragen kann. Die Kehrseite: Stark wachsende Unternehmen ohne passende Dividendenmerkmale können durchs Raster fallen. Dominiert diese Gruppe die Börse, droht ein Rückstand. Und auch ein verlässlicher Dividendenzahler kann teuer bewertet sein und erhebliche Kursverluste erleiden.

Mit 92,22 Prozent über 5 Jahre beziehungsweise 13,96 Prozent jährlich liegt der ETF vor dem klassischen MSCI World. Die Einjahresvolatilität von 10,38 Prozent bewegt sich zuletzt allerdings auf einem ähnlichen Niveau wie beim Vergleichsprodukt. Die betrachtete Anteilsklasse thesauriert: Erträge werden wieder angelegt. Wer laufende Auszahlungen möchte, findet die ausschüttende Anteilsklasse unter ISIN: IE00BYYHSQ67.

Fazit: Dividenden mit Qualitätsfilter und Technologieanteil. Ein eigener Anlagestil – aber kein Ersatz für sichere Zinsen.

Platz 9: RAFI – wirtschaftliche Größe statt Börseneuphorie

Der Invesco RAFI All-World Fundamental Value UCITS ETF (ISIN: IE00B23LNQ02) reiht sich mit 92,17 Prozent über 5 Jahre beziehungsweise 13,95 Prozent jährlich hauchdünn hinter der Dividendenstrategie ein. Sein Ansatz setzt bei einer Grundentscheidung an: Wie viel Gewicht verdient ein Unternehmen im Portfolio?

RAFI orientiert sich dafür an fundamentalen Größen wie Umsatz, Cashflow, Buchwert und Ausschüttungen. Seit März 2026 folgt der ETF dem RAFI Fundamental Global Index; zuvor war es der FTSE RAFI All-World 3000. Die Fünfjahresbilanz umfasst damit 2 Indexkonzepte.

Ende August standen Apple, Alphabet, Samsung, Microsoft und Amazon an der Spitze. Die 10 größten Positionen vereinten nur rund 13 Prozent. Die USA machten etwa die Hälfte aus, Japan gut 8 Prozent. Anders als beim MSCI World gehören auch Schwellenländer zum Anlageuniversum.

Die bekannten Börsengiganten bleiben im Depot. Aber der Aktienkurs allein bestimmt nicht ihre Bedeutung. Steigt eine Aktie kräftig, ohne dass die fundamentalen Größen entsprechend wachsen, steigt ihr Zielgewicht nicht automatisch mit. Bei der Neugewichtung kann das Verkäufe relativ teuer gewordener und Käufe relativ günstiger gewordener Aktien begünstigen.

Für den Ansatz sprechen diese Bewertungsdisziplin und die geringere Konzentration auf wenige Spitzenpositionen. Die Kehrseite: Die Börse kann Wachstum und künftige Gewinne jahrelang höher bewerten, als die fundamentale Gewichtung ihnen Platz einräumt. Dann bleibt RAFI hinter einem kapitalgewichteten Index zurück. Historische Geschäftszahlen erfassen zudem nicht jede Zukunftschance – und nicht jeden drohenden Niedergang.

Fazit: Ein breit angelegtes Weltportfolio mit Value-Neigung. Wer Börseneuphorie weniger Gewicht geben will, muss aushalten, dass sie gelegentlich die bessere Rendite liefert.

Platz 10: Momentum – über 5 Jahre hinten, über 10 Jahre vorn

Der Xtrackers MSCI World Momentum UCITS ETF 1C (ISIN: IE00BL25JP72) erreicht über 5 Jahre 89,11 Prozent beziehungsweise 13,59 Prozent jährlich. Über 10 Jahre stehen dagegen 322,70 Prozent zu Buche – mehr als bei allen anderen Kandidaten mit entsprechender Historie. Schon ein anderes Zeitfenster macht aus dem hinteren Platz den Spitzenrang.

Momentum setzt auf ausgeprägte, risikobereinigte Kursstärke über 6 und 12 Monate. Die Idee: Trends halten häufig länger an, als Anleger erwarten. Seit August 2025 wird vierteljährlich statt halbjährlich neu gewichtet. MSCI passte die Umsatzgrenzen je Überprüfung so an, dass das jährliche Umschichtungsbudget unverändert blieb.

Ende September führten Micron, AMD, Intel und ASML die Positionsliste des Referenzindex an. Der US-Anteil betrug rund 61 Prozent, Japan kam auf gut 11 Prozent und Kanada auf knapp 7 Prozent. Informationstechnologie dominierte mit rund 40 Prozent, gefolgt von Finanzwerten. Die Branchengewichte sind jedoch keine feste Überzeugung: Sie verändern sich mit den Kurstrends.

Momentum braucht keine Geschichte darüber, wer morgen gewinnt. Es kauft, wer bereits gewinnt. Darin liegt die Stärke: Die Strategie kann etablierte Trends begleiten, ohne aus Bewertungsgründen frühzeitig auszusteigen. Dafür nimmt sie in Kauf, auch teuer gewordene Aktien zu halten.

Die Schwäche zeigt sich beim Richtungswechsel. Wenn bisherige Verlierer plötzlich durchstarten und die Gewinner abstürzen, besitzt das Portfolio zunächst die Aktien des alten Trends. Die vierteljährliche Anpassung ermöglicht häufigere Korrekturen, macht aus Trendfolge aber keine Früherkennung. Mit 22,97 Prozent Einjahresvolatilität verlangt die Strategie Nerven. Wer sie kauft, muss sowohl kräftige Schwankungen als auch zeitweilige Rückstände aushalten.

Fazit: Ein möglicher Partner für Value, weil Kursstärke und Bewertung unterschiedliche Auswahlregeln liefern. Ob daraus zusätzliche Streuung entsteht, entscheiden allerdings die tatsächlichen Positionen – Micron steht derzeit bei beiden Ansätzen weit oben.

Der heilige Gral bleibt ein Rückspiegelprodukt

Über 5 Jahre führt Value dieses Ranking an. Über 10 Jahre liegt der klassische MSCI World mit 13,08 Prozent jährlich dagegen vor dem Xtrackers World Value mit 12,23 Prozent. Momentum zieht mit 15,51 Prozent an beiden vorbei. Wer das Zeitfenster verschiebt, verschiebt auch das Siegerpodest.

Vanguards neuer Welt-ETF macht den Zugang zur Kapitalanlage beeindruckend günstig. Doch 0,07 Prozent Kosten beantworten eine Gebührenfrage, keine Zukunftsfrage. Welche Länder, Unternehmen und Anlagestile die nächsten 5 Jahre gewinnen, steht auf keinem Preisetikett.

Deshalb kann eine Kombination verschiedener Stile sinnvoll sein. Ein breiter Welt-ETF bildet das Fundament. Value ergänzt Bewertungsdisziplin, Momentum folgt starken Trends, Qualität prüft die wirtschaftliche Belastbarkeit. So hängt das Portfolio weniger davon ab, dass ein einziges Erfolgsrezept dauerhaft funktioniert.

Der Preis dieser Mischung: Anleger werden selten vollständig beim jeweiligen Sieger investiert sein. Dafür können sich unterschiedliche Renditetreiber ergänzen. Entscheidend sind die tatsächlichen Positionen. Micron steckt prominent in Value und Momentum; mehrere ETFs auf denselben Index schaffen kaum zusätzliche Streuung. Und die Kombination verlangt Konsequenz: Wer jeden schwächelnden Stil gegen den jüngsten Gewinner austauscht, kauft am Ende doch wieder die Vergangenheit.

Der heilige Gral glänzt vor allem im Rückspiegel. Ein belastbares Portfolio braucht mehrere Ideen – und die Geduld, ihnen auch dann treu zu bleiben, wenn gerade eine andere gewinnt.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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