Rheinmetall Hauptversammlung 2026: Papperger will Cruise Missiles bauen

Rheinmetall plant die Produktion von Marschflugkörpern. (Symbolbild, Foto: Magnific.com, user33056036)

Düsseldorf – Rheinmetall profitiert stark von der neuen Sicherheitspolitik. Die Aufträge steigen auf Rekordwerte. Vorstandschef Armin Papperger baut den Konzern zum Vollsortimenter um. Das Angebot reicht von Marschflugkörpern über Kriegsschiffe bis zu militärischen Satelliten. Doch die aktuellen Quartalszahlen zeigen auch Risiken. Hohe Investitionen verbrauchen viel Liquidität. Das Management hofft bei der Hauptversammlung auf Rückendeckung von den Aktionären.

An der Börse ist der Überschwang einer nüchternen Realität gewichen. Die Rheinmetall-Aktie notierte am 11. Mai um 12.30 Uhr (MESZ) bei etwa 1.178 Euro, verzeichnete einen Tagesverlust von über 3 Prozent. Seit den Höchstständen Anfang des Jahres hat die Aktie rund 25 Prozent an Wert verloren. JPMorgan senkte zuletzt das Kursziel auf 1.500 Euro. Das drückt auf die Stimmung der Investoren.

+++ Ordentliche Hauptversammlung der Rheinmetall AG +++

Datum und Startzeit: Dienstag, 12. Mai 2026, ab 10 Uhr MESZ
Format: Virtuelle Hauptversammlung (ohne physische Präsenz der Aktionäre)

Zugang zum Aktionärsportal mit Webcast, zur Tagesordnung und allen relevanten Dokumenten bietet der Hauptversammlungsbereich auf der Rheinmetall-Website.

Anstieg der Dividende – Quartalszahlen mit Schattenseiten

Trotz des jüngsten Kursrücksetzers nach den Quartalszahlen sollen die Anteilseigner üppig am operativen Erfolg teilhaben. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung eine Dividende von 11,50 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Das entspricht einem satten Sprung gegenüber den 8,10 Euro aus dem Vorjahr. Die Aktie wird voraussichtlich am Tag nach der Hauptversammlung mit Dividendenabschlag gehandelt, der tatsächliche Zahltag für die Ausschüttungssumme ist auf den 15. Mai 2026 terminiert.

Der letzte Blick in die Bücher lieferte ein gemischtes Bild. Im 1. Quartal 2026 erzielte Rheinmetall einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro. Der Konzern verfehlte die Erwartungen der Analysten, obwohl der Auftragsbestand bei rund 73 Milliarden Euro liegt. Der Gewinn je Aktie (unverwässert) stieg von 1,92 Euro im Vorjahr auf 2,42 Euro. Der freie Cashflow fiel jedoch auf minus 285 Millionen Euro. Hohe Investitionen und geringere Anzahlungen von Kunden verursachten diesen Rückgang. Der Kapitalmarkt reagierte negativ auf dieses Signal.

Jahresprognose bestätigt – Papperger selbstbewusst

Der Vorstand hält trotz der Dellen in der Bilanz an seinen Zielen fest. Der Konzern rechnet für 2026 mit einem organischen Umsatzwachstum von 28 bis 31 Prozent. Das entspricht Erlösen zwischen 14 und 14,5 Milliarden Euro. Die operative Marge soll auf 19 Prozent steigen. Die volle Auslastung und der Ausbau der Kapazitäten stützen diese Prognose. Besonders Artilleriegeschosse sind stark gefragt.

CEO Armin Papperger sieht Rheinmetall im Zentrum einer neuen europäischen Verteidigungsarchitektur. In seiner vorab veröffentlichten Rede an die Aktionäre formuliert er diesen Anspruch klar. Er sagt: „So unterstützen wir Deutschland und Europa dabei, sicherheitspolitisch erwachsen zu werden“. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz fordere den schnellen Ausbau der Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas. Rheinmetall liefere dafür die Basis.

 


Vom Panzer bis zur Kamikaze-Drohne: Rasante Expansion

Das Düsseldorfer Unternehmen expandiert stark. Neben dem Kerngeschäft mit Landfahrzeugen wie dem Schützenpanzer Lynx erschließt Armin Papperger neue Bereiche. Rheinmetall hat die Militärsparte der Lürssen-Gruppe gekauft und daraus die Division Naval Systems geformt. In Weeze fertigt das Unternehmen Rumpfteile für das Kampfflugzeug F-35. In Unterlüß startet die Produktion von Marschflugkörpern. Autonome Drohnen treiben das Wachstum weiter an. Die Bundeswehr bestellte kürzlich die Drohne FV-014 für eine Milliardensumme.

Im Kontrollgremium stehen punktuelle Erneuerungen an. Die Aufsichtsratsmandate von Klaus Draeger und Eva Louise Helen Öfverström enden turnusgemäß, wobei Letztere zur Wiederwahl aufgestellt ist. Neu in den Aufsichtsrat der Anteilseigner soll der ehemalige Befehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, Frederick Benjamin Hodges, einziehen. Er bringt dringend benötigtes geopolitisches Gewicht in das Gremium. Im Vorstand hat zudem Vera Saal als frisch gebackene Arbeitsdirektorin die Verantwortung für das Personalressort übernommen.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Gegenwind: Kritische Aktionäre hinterfragen Knowhow-Export Export

Die vollen Auftragsbücher verbergen nicht, dass der Vorstand auch Gegenwind hat. Investoren bemängeln den Liquiditätsabfluss im 1. Quartal. Sie befürchten, dass das globale Wachstum die finanzielle Effizienz schwächt. Zusätzlich kritisieren Nichtregierungsorganisationen die Exportstrategie. Dass Rheinmetall Fabriken für Munition an Staaten wie Saudi-Arabien liefert, rücken das Unternehmen in ein negatives Licht.

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, dem Vorstand die Entlastung für 2025 zu verweigern. Die Initiative wirft dem Management eine verantwortungslose Strategie vor. Rheinmetall liefere Waffen an Staaten, die Menschenrechte verletzen. Das Unternehmen helfe autoritären Regimen, eigene Rüstungsindustrien aufzubauen.

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