Small Cap ETFs: Comeback der Nebenwerte – darum ist die zweite Börsen-Reihe interessant

Die historische Bewertungslücke zwischen hoch bewerteten Mega-Caps und günstigeren Small Caps eröffnet langfristigen Anlegern attraktive Einstiegschancen. (Bild: Magnific AI)

Jahrelang kannten Anleger bei Aktien fast nur eine Richtung: nach oben – vor allem bei den großen Gewinnern der Künstlichen Intelligenz. Während Nvidia, Microsoft und Apple die Börsenrally anführten, geriet die zweite Reihe der Börse zunehmend in Vergessenheit. Doch genau daraus könnte jetzt eine neue Chance entstehen: Globale Nebenwerte sind günstiger bewertet, breiter diversifiziert und bieten Zugang zu den Hidden Champions von morgen. Mit Robeco und Jupiter bringen 2 etablierte Fondshäuser neue aktive ETFs auf den Markt, die Anlegern einen frischen Zugang zu diesem lange vernachlässigten Segment ermöglichen.

Die zweite Reihe der Börse ist zurück auf dem Radar

Die Börsenwelt der vergangenen Jahre hatte klare Gewinner: große US-Technologiekonzerne. Der MSCI World wurde immer stärker von wenigen Mega-Caps geprägt. Anleger, die breit diversifiziert investieren wollten, kauften damit zunehmend die gleichen Unternehmen. Die Kehrseite: Viele spannende Firmen aus der zweiten Reihe blieben unbeachtet.

Globale Small und Mid Caps bieten Zugang zu einer anderen Börsenwelt. Hier finden sich spezialisierte Technologieanbieter, innovative Industrieunternehmen und regionale Marktführer – häufig Unternehmen mit starken Nischen, hohen Wachstumsraten und wenig Beachtung durch internationale Anleger. Genau darin liegt die langfristige Chance.

Warum Nebenwerte in jedes globale Portfolio gehören

Historisch konnten kleinere Unternehmen langfristig häufig höhere Renditen erzielen als große Konzerne. Dahinter steckt die sogenannte Size-Prämie. Kleinere Unternehmen können schneller wachsen, neue Märkte erschließen und flexibler auf Veränderungen reagieren. Während ein Milliardenkonzern wie ein Tanker nur langsam seinen Kurs ändern kann, können kleinere Firmen ihren Umsatz und Gewinn noch deutlich steigern.

Natürlich hat diese Renditechance ihren Preis: Nebenwerte schwanken stärker und reagieren empfindlicher auf Konjunkturabschwünge oder steigende Zinsen. Doch genau diese höhere Unsicherheit ist langfristig der Grund, warum Anleger mit einer zusätzlichen Risikoprämie belohnt werden können.

Ein weiterer Vorteil ist die Diversifikation. Während große Weltindizes heute stark von wenigen US-Giganten abhängen, investiert ein globaler Small-Cap-Ansatz in Tausende Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen. Viele dieser Firmen sind klassische Hidden Champions: Marktführer in kleinen Nischen, oft mit hoher Preissetzungsmacht und attraktiven Übernahmechancen.

Bewertungslücke im Juli 2026: Einstiegschancen bei Small Caps

Nebenwerte hatten in den vergangenen Jahren einen schweren Stand. Steigende Zinsen und die Flucht vieler Anleger in vermeintlich sichere Qualitätsunternehmen belasteten die Anlageklasse besonders stark. Während große Technologie-Konzerne von der KI-Euphorie profitierten, blieben viele kleinere Unternehmen hinter dem Gesamtmarkt zurück.

Das Ergebnis: Small Caps werden heute deutlich günstiger bewertet als viele Large Caps. Der MSCI World Small Cap kommt aktuell auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18, während der MSCI World mit knapp 27 bewertet wird. Die Bewertungslücke zwischen großer und kleiner Börsenwelt ist damit ungewöhnlich groß.

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Während bei vielen KI-Gewinnern bereits hohe Erwartungen an zukünftiges Wachstum eingepreist sind, steckt in zahlreichen kleineren Unternehmen noch viel Skepsis. Genau darin könnte die Chance liegen.

Historisch waren Phasen, in denen Nebenwerte gegenüber den großen Aktien deutlich zurückgefallen sind, häufig interessante Einstiegszeitpunkte. Dreht der Zinszyklus und verbessert sich das wirtschaftliche Umfeld, könnten Small Caps überproportional profitieren. Denn sinkende Finanzierungskosten und eine anziehende Konjunktur wirken sich besonders positiv auf kleinere Unternehmen aus.

Aktive ETFs erobern die zweite Reihe

Der ETF-Markt verändert sich. Klassische Fondsgesellschaften entdecken zunehmend das ETF-Format und verbinden die Vorteile eines ETFs – Börsenhandel, Transparenz und tägliche Liquidität – mit aktivem Management. Gerade bei Small Caps kann dieser Ansatz interessant sein. Der globale Nebenwerte-Markt umfasst tausende Unternehmen. Eine vollständige fundamentale Analyse aller Titel ist kaum möglich.

Hier können quantitative Modelle, künstliche Intelligenz und erfahrene Stockpicker einen Mehrwert liefern. 2 neue Produkte zeigen diesen Trend besonders deutlich.

Robeco NextGen Global Small-Cap Equity ETF: Künstliche Intelligenz als Aktienanalyst

Der niederländische Asset Manager Robeco setzt seit Jahren auf quantitative Investmentstrategien und erweitert diesen Ansatz nun mit dem Robeco NextGen Global Small-Cap Equity UCITS ETF USD (ISIN: IE000OHXGWO8).

Der ETF wurde am 24. Februar 2026 aufgelegt und investiert in kleinere Unternehmen in Industrieländern. Statt einfach den MSCI World Small Cap Index nachzubilden, nutzt Robeco ein KI-gestütztes Auswahlmodell.

Dabei analysiert das System eine Vielzahl von Faktoren wie Bewertung, Qualität, Momentum, Gewinnrevisionen und alternative Datenquellen. Die künstliche Intelligenz soll Muster erkennen, die klassische Modelle möglicherweise übersehen.

Dabei bleibt der Mensch weiterhin entscheidend. Robeco setzt auf das Prinzip „Human in the Loop“: Die Modelle liefern Signale, die finale Verantwortung liegt beim Investmentteam.

Der ETF hält rund 400 Unternehmen statt der fast 4.000 Titel im zugrunde liegenden MSCI World Small Cap Index und setzt damit auf ein konzentriertes Portfolio.

Zu den aktuellen Positionen gehören unter anderem SanDisk, MaxLinear, nVent Electric und Generac Holdings. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,50 Prozent pro Jahr. Die Dividenden werden automatisch wieder angelegt.

Robecos Idee: Gerade im Small-Cap-Bereich entstehen durch die enorme Zahl an Unternehmen Chancen für datengetriebene Strategien. Wo klassische Analysten an Grenzen stoßen, können Algorithmen neue Zusammenhänge entdecken.

Jupiter Origin Global Smaller Companies ETF: Qualität statt Börsen-Hypes

Einen stärker fundamental orientierten Ansatz verfolgt der britische Vermögensverwalter Jupiter mit dem Jupiter Origin Global Smaller Companies Active UCITS ETF (ISIN: IE000AN3AFZ1).

Der ETF wurde am 11. November 2025 aufgelegt und wird von einem Team verwaltet, das bereits seit 2010 eine globale Strategie für kleinere Unternehmen verfolgt. Die Philosophie ist klar: Nicht kurzfristige Börsengeschichten kaufen, sondern Unternehmen mit nachhaltiger Qualität finden.

Das Team analysiert Aktien anhand von 4 entscheidenden Kriterien: Profitabilität, Bewertung, Gewinnentwicklung und Kursdynamik.

Gesucht werden Unternehmen mit hoher Kapitalrendite, starken Cashflows und einem Geschäftsmodell, dessen Qualität vom Markt noch nicht vollständig erkannt wurde. Gleichzeitig soll die Bewertung attraktiv bleiben.

Das Portfolio umfasst typischerweise 150 bis 200 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Der Schwerpunkt liegt aktuell auf Industrieunternehmen, Technologie und Finanzwerten. Zu den größten Positionen zählen unter anderem MKS, BuySell Technologies, Popular und TD Synnex. Auch deutsche Unternehmen wie flatexDEGIRO und Nordex sind vertreten.

Der Ansatz von Jupiter ist damit weniger technologiegetrieben als bei Robeco: Während Robeco auf Datenmodelle und künstliche Intelligenz setzt, vertraut Jupiter auf einen disziplinierten, faktenbasierten Stock-Picking-Prozess.

Fazit: Die nächste Börsenchance könnte abseits der Mega-Caps liegen

Globale Nebenwerte sind kein kurzfristiger Trend, sondern ein wichtiger Baustein für langfristige Anleger. Sie erweitern das Anlageuniversum, reduzieren die Abhängigkeit von wenigen Mega-Konzernen und bieten Zugang zu Unternehmen, die noch am Anfang ihrer Wachstumsgeschichte stehen.

Nach Jahren der Dominanz großer Technologiewerte könnte die zweite Reihe der Börse vor einem Comeback stehen. Die neuen aktiven ETFs von Robeco und Jupiter zeigen dabei einen größeren Wandel: Der ETF wird zunehmend vom reinen Indexprodukt zum intelligenten Anlagewerkzeug. Für Anleger eröffnet das neue Möglichkeiten – gerade dort, wo der Markt noch nicht genau hinschaut.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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