SpaceX: Warum der größte IPO der Geschichte Anleger in Space-ETFs treibt

Der geplante SpaceX Börsengang lenkt das Interesse der Finanzmärkte verstärkt auf die kommerzielle Nutzung von Satelliten und orbitaler Infrastruktur. (Foto: Magnific.com, 3DSculptor)

Es ist der Börsengang, auf den die Finanzwelt seit Jahren wartet. Wenn SpaceX am 12. Juni tatsächlich unter dem Kürzel „SPCX“ an die Nasdaq geht, wäre das nicht nur der größte Börsengang der Geschichte. Es wäre möglicherweise der Moment, in dem die Raumfahrt endgültig vom Science-Fiction-Thema zum institutionellen Anlagesektor aufsteigt.

SpaceX baut das Betriebssystem des Orbits

Die angepeilte Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar erscheint einerseits absurd hoch, andererseits aber auch beinahe logisch. Denn SpaceX ist schon lange mehr als ein reiner Raketenbauer. Hinter dem Unternehmen entsteht ein gigantisches Infrastruktur-Ökosystem aus Satelliteninternet, KI, militärischer Kommunikation, Datenverarbeitung und perspektivisch sogar orbitalen Rechenzentren.

Die eigentliche Cashmaschine heißt dabei nicht Falcon oder Starship, sondern Starlink. Inzwischen umkreisen mehr als 10.000 Satelliten die Erde. Kein anderes Unternehmen kontrolliert mehr Infrastruktur im Orbit. Die Ukraine zeigt zugleich, welche geopolitische Macht darin steckt: Ohne Starlink wären Kommunikation, Drohnensteuerung und Aufklärung an der Front massiv eingeschränkt.

Gleichzeitig beginnt ein globales Wettrennen um die Vorherrschaft im All. Jeff Bezos investiert mit Amazons Projekt „Leo” Milliarden in konkurrierende Satellitennetze. Unternehmen wie Rocket Lab, OHB oder Safran arbeiten an Europas Antwort auf Musks Dominanz.

All das verändert die Investmentlogik. Raumfahrt ist nicht mehr nur ein Zukunftsthema. Sie wird zur Infrastruktur des digitalen Zeitalters – ähnlich wie einst Eisenbahnen, Glasfasernetze oder Mobilfunkmasten.

Warum Anleger plötzlich Milliarden in Space-ETFs pumpen

Die Kapitalmärkte haben die Story längst entdeckt. Nach Daten von Morningstar flossen allein binnen eines Monats rund 1,3 Milliarden Dollar in Space-ETFs. Das verwaltete Vermögen der Branche explodierte auf mehr als 3,3 Milliarden Dollar.

Der Grund ist offensichtlich: Viele Anleger wollen am SpaceX-Boom partizipieren, obwohl die Aktie bislang gar nicht börsennotiert ist. Deshalb fließt das Kapital in Unternehmen, die vom gleichen Trend profitieren: Satellitenbetreiber, Raketenbauer, Kommunikationsspezialisten, Triebwerkshersteller oder Verteidigungstechnologie.

Genau hier setzen zwei ETFs an, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Der Turbo auf den Space-Boom: Der VanEck Space Innovators UCITS ETF

Der VanEck Space Innovators UCITS ETF (ISIN: IE000YU9K6K2) ist vermutlich das reinste Börsenvehikel für Anleger, die an die Kommerzialisierung des Weltraums glauben. Der Fonds investiert gezielt in Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihres Geschäfts direkt im Space-Sektor erwirtschaften. Das Spektrum reicht von Satellitenkommunikation über Raketen- und Antriebssysteme bis hin zu orbitaler Datentechnologie und spezialisierter Infrastruktur.

 


Eine konzentrierte Wette auf die Kommerzialisierung des Weltraums

Abgebildet wird der MVIS Global Space Industry ESG Index. Die Konstruktion des ETFs ist dabei bemerkenswert fokussiert: Unternehmen müssen mindestens 50 Prozent ihrer Umsätze mit weltraumbezogenen Aktivitäten erzielen, um aufgenommen zu werden. Das macht den Fonds deutlich spezialisierter als viele andere Technologie- oder Zukunfts-ETFs. Der Fonds hält aktuell lediglich rund 25 Aktienpositionen und ist damit hoch konzentriert.

Genau diese Konzentration erklärt allerdings auch die enorme Performance. Während viele klassische Aktienindizes zuletzt solide, aber unspektakuläre Renditen lieferten, entwickelte sich der VanEck-ETF zu einem der spektakulärsten Themenfonds am Markt. Auf Sicht von 3 Jahren legte der Fonds um aktuell mehr als 364 Prozent zu. Allein im vergangenen Jahr betrug das Plus deutlich über 200 Prozent. Selbst für 2026 steht bereits ein Gewinn von rund 73 Prozent auf dem Papier.

Diese Zahlen wirken fast absurd – sie spiegeln aber die Dynamik wider, die aktuell in die gesamte Branche hineinläuft. Anleger kaufen hier letztlich eine Wette auf einen neuen industriellen Superzyklus. Während klassische Tech-Konzerne inzwischen vielerorts reife Geschäftsmodelle darstellen, befindet sich die Raumfahrtindustrie aus Sicht vieler Investoren noch ganz am Anfang einer potenziell jahrzehntelangen Wachstumsphase.

Raketen, Satelliten und extreme Schwankungen

Besonders spannend ist dabei die Zusammensetzung des Portfolios. Zu den größten Positionen gehören Unternehmen wie Rocket Lab, Planet Labs, AST SpaceMobile oder Globalstar. Viele dieser Firmen sind noch keine hochprofitablen Konzerne, sondern aggressive Wachstumsunternehmen mit teilweise enormen Kursschwankungen.

Gerade Rocket Lab gilt inzwischen als einer der spannendsten SpaceX-Herausforderer. Das Unternehmen hat mit seiner Electron-Rakete bereits Hunderte Satelliten ins All gebracht und arbeitet mit der wiederverwendbaren Neutron-Rakete an einer direkten Konkurrenz zur Falcon 9 von SpaceX. Gleichzeitig expandiert Rocket Lab aggressiv durch Übernahmen und baut seine Position im Satelliten- und Raumfahrtsystemgeschäft aus.

Hinzu kommen Satellitenspezialisten wie Planet Labs, die hochauflösende Erdbeobachtungsdaten liefern – ein Geschäftsfeld, das mit KI-Anwendungen, Klimaanalysen und militärischer Aufklärung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Andere Unternehmen im ETF setzen wiederum auf satellitengestützte Mobilfunknetze oder Kommunikationslösungen für abgelegene Regionen.

Der ETF ist damit weniger ein klassischer Fonds als vielmehr ein konzentriertes Zukunftsportfolio. Genau darin liegt allerdings auch das Risiko. Viele der Unternehmen schreiben noch keine stabilen Gewinne. Bewertungen basieren häufig stärker auf Zukunftserwartungen als auf aktuellen Cashflows. Kommt es zu Verzögerungen bei Raketenprogrammen, staatlichen Aufträgen oder Satellitenprojekten, reagieren die Aktien oft extrem empfindlich.

Hinzu kommt die hohe thematische Abhängigkeit. Der ETF ist letztlich eine einzige große Wette darauf, dass die Kommerzialisierung des Weltraums tatsächlich ähnlich bedeutend wird wie einst das Internet oder der Mobilfunkboom. Wer investiert, braucht daher starke Nerven und einen langen Zeithorizont.

Die defensivere Wette: Der iShares Global Aerospace & Defence ETF

Wer die Weltraumfantasie spannend findet, aber nicht ausschließlich auf junge Space-Player setzen möchte, landet schnell beim iShares Global Aerospace & Defence UCITS ETF (ISIN: IE000U9ODG19). Der ETF verfolgt einen deutlich breiteren Ansatz. Statt auf kleine, hochvolatile Zukunftsunternehmen setzt er vor allem auf etablierte Luftfahrt-, Verteidigungs- und Raumfahrtkonzerne mit stabilen Geschäftsmodellen, hohen Cashflows und jahrzehntelanger Industrieerfahrung.

 


Etablierte Industriekonzerne statt reine Zukunftsfantasie

Der Fonds bildet den S&P Developed BMI Select Aerospace & Defence Index ab und investiert weltweit in große Konzerne aus den Bereichen Luftfahrt, Verteidigung, Satellitentechnik, Triebwerke und Sicherheitsinfrastruktur. Insgesamt umfasst das Portfolio rund 77 Aktienpositionen und ist damit wesentlich breiter diversifiziert als der Vaneck Space Innovators ETF.

Die größten Positionen lesen sich wie das Who’s who der globalen Luftfahrt- und Rüstungsindustrie. Dazu zählen Boeing, GE Aerospace, RTX, Lockheed Martin, Airbus oder Safran. Gerade Safran profitiert dabei von mehreren Trends gleichzeitig. Der Konzern baut nicht nur Satelliten und Raumfahrtsysteme, sondern verdient vor allem am boomenden Wartungs- und Ersatzteilgeschäft für Flugzeugtriebwerke. Gleichzeitig ist Safran über die Ariane Group direkt in Europas Raumfahrtprogramme eingebunden.

Solideres Risikoprofil mit geopolitischem Rückenwind

Die Kursentwicklung des ETFs fällt naturgemäß deutlich weniger spektakulär aus als beim VanEck-Fonds. Dennoch kann sich die Performance sehen lassen. Auf Sicht eines Jahres legte der ETF rund 20 Prozent zu. 2025 gewann er zeitweise mehr als 36 Prozent, nachdem bereits 2024 ein Plus von knapp 17 Prozent erzielt worden war. Seit der Auflage im Februar 2024 summiert sich die Performance inzwischen auf rund 78 Prozent.

Der entscheidende Unterschied liegt jedoch weniger in der Rendite als im Risikoprofil. Während der VanEck-ETF stark von Visionen und Zukunftserwartungen lebt, basiert der iShares-ETF auf etablierten Geschäftsmodellen. Viele Unternehmen verfügen über milliardenschwere Auftragsbücher, langfristige Regierungsverträge und hohe Eintrittsbarrieren.

Hinzu kommt geopolitischer Rückenwind, der vermutlich noch Jahre anhalten dürfte. Die weltweiten Verteidigungsausgaben steigen massiv. Europa rüstet auf, die USA modernisieren ihre Militärsysteme und gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen klassischer Verteidigung, Satellitenkommunikation und Weltrauminfrastruktur zunehmend.

Der ETF wird damit zu einer Art Mischform aus Rüstungs-, Luftfahrt- und Raumfahrtinvestment. Genau das macht ihn für viele Anleger deutlich robuster. Wer an den langfristigen Ausbau von Luftfahrt-, Sicherheits- und Weltrauminfrastruktur glaubt, aber die extremen Ausschläge spezialisierter Space-Aktien vermeiden möchte, findet hier den deutlich defensiveren Ansatz.

Zwischen Zukunftsvision und Realität

Durch den möglichen Börsengang von SpaceX könnte sich die Bewertung der gesamten Branche ändern. Ähnlich wie das Internet könnte der Weltraum vom Prestigeprojekt weniger Staaten zur globalen Infrastrukturplattform werden.

Doch Anleger sollten den Unterschied zwischen Vision und Realität nicht unterschätzen. Viele Space-Unternehmen befinden sich noch immer in der frühen Wachstumsphase. Technologische Rückschläge, regulatorische Probleme oder ausbleibende Gewinne können jederzeit für heftige Kurskorrekturen sorgen.

Genau deshalb unterscheiden sich die beiden ETFs fundamental voneinander. Der VanEck Space Innovators ETF ist eine aggressive High-Beta-Wette auf den Weltraumboom. Er bietet hohe Chancen, aber auch extreme Schwankungen. Der iShares Aerospace & Defence ETF ist dagegen die deutlich stabilere Variante mit etablierten Industriekonzernen, geopolitischem Rückenwind und geringerer Abhängigkeit von Zukunftsfantasien.

Oder anders formuliert: Der eine ETF setzt darauf, dass der Weltraum die nächste große Revolution wird. Der andere verdient bereits heute sehr gut daran, dass die Welt unsicherer geworden ist.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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