Digitale Infrastruktur wie Mobilfunkmasten und Rechenzentren treibt das Wachstum im Sektor voran. (Foto: Freepik KI Suite)
Während viele Anleger nach wie vor auf große Tech-Unternehmen oder schwächelnde Anleihen setzen, wächst im Hintergrund ein anderer Investmenttrend: Infrastrukturaktien. Stromnetze, Pipelines, Mautstraßen oder Funkmasten liefern stabile Einnahmen, profitieren von staatlichen Milliardenprogrammen und können sogar einen gewissen Inflationsschutz bieten.
Doch der Sektor hat auch seine Tücken: Steigende Zinsen oder Regulierung können die Kurse schnell bewegen. Wer langfristig denkt, findet hier dennoch eine der interessantesten Anlageklassen der kommenden Jahre.
Der große Infrastruktur-Boom hat gerade erst begonnen
Die Kapitalmärkte stehen vor einem paradoxen Problem: Noch nie war so viel Geld im System, doch gleichzeitig wurde so wenig in reale Infrastruktur investiert.
Stromnetze müssen modernisiert werden, da die Energiewende die Integration gigantischer Mengen an erneuerbarer Energie erfordert. Die digitale Infrastruktur, bestehend aus Glasfaser, Rechenzentren und Mobilfunkmasten, wächst rasant. Gleichzeitig erfordern Urbanisierung, alternde Gesellschaften und zunehmende Mobilität massive Investitionen in Transportnetze, Flughäfen und Bahnstrecken.
Infrastruktur ist dabei eine ganz eigene Anlageklasse. Es geht um reale und unverzichtbare Vermögenswerte wie Stromnetze, Pipelines, Mautstraßen, Flughäfen oder Funktürme. Viele dieser Geschäftsmodelle sind reguliert oder durch langfristige Verträge abgesichert – ein Vorteil, den kaum eine andere Branche bietet.
Rebecca Sherlock vom Global Listed Infrastructure Team von First Sentier Investors bringt es auf den Punkt: Infrastruktur bestünde aus greifbaren Vermögenswerten, die grundlegende Dienstleistungen für die Gesellschaft erbringen. Regulierte oder vertraglich vereinbarte Geschäftsmodelle ermöglichten vielen Unternehmen stabile Einnahmen und eine teilweise Weitergabe der Inflation.
Das Wachstum des Sektors ist deshalb weniger zyklisch als strukturell. Infrastruktur wird immer gebraucht – unabhängig davon, ob die Wirtschaft boomt oder schwächelt.
Stabile Renditen – aber sensibel für Zinsen
Ein Blick auf die historischen Daten zeigt, warum dieser Sektor so beliebt ist. So erzielte der S&P Global Infrastructure Index seit 2002 eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 7,6 Prozent bei moderater Volatilität. Damit lag er leicht über dem globalen Aktienmarkt. Allerdings verlief die Entwicklung nicht linear. So litten Transport- und Versorgerunternehmen etwa in der Corona-Krise besonders stark unter Lockdowns und Mobilitätsbeschränkungen. In der Inflationsphase 2022 erwies sich der Sektor dagegen als erstaunlich robust, da viele Unternehmen ihre Preise an die Inflation koppeln können.
Der entscheidende Faktor bleibt jedoch das Zinsniveau. Infrastrukturprojekte sind kapitalintensiv und werden oft über Fremdkapital finanziert. Steigende Zinsen können deshalb die Finanzierungskosten erhöhen und die Bewertungen belasten.
Innerhalb des Sektors gibt es zudem große Unterschiede. Die Pipeline- und Energieinfrastruktur profitiert häufig von hohen Öl- und Gaspreisen. Die Transportinfrastruktur, beispielsweise Mautstraßen oder der Schienenverkehr, wächst mit der Urbanisierung. Kommunikationsinfrastruktur, etwa in Form von Funkmasten, gehört seit Jahren zu den dynamischsten Teilsegmenten.
Stabilität ins Portfolio mit diesen 4 Produkten:
- Aktiv gemanagt: Der BNY Mellon Global Infrastructure Fund (ISIN: IE00BZ18VT34)
- Nachhaltig und global: Der Raiffeisen Infrastruktur-ESG-Aktienfonds (ISIN: AT0000A09ZJ4)
- Qualitätsfokus: Der Lazard Global Listed Infrastructure Equity Fund (ISIN: IE00BX9C2459)
- Für passive Anleger: Der globale Infrastruktur-ETF von Xtrackers (ISIN: LU0322253229)
Diversifikation gegen die Dominanz der Tech-Giganten
Ein weiterer Grund für die wachsende Beliebtheit dieses Sektors ist die extreme Konzentration vieler Aktienindizes. Ein großer Teil der Kursgewinne im US-Aktienmarkt entfällt inzwischen auf wenige Technologieunternehmen. Wer breit diversifizieren möchte, stößt damit schnell an Grenzen.
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Genau hier setzt Infrastruktur an. Brock Campbell, Manager des BNY Mellon Global Infrastructure Fund, sieht darin einen entscheidenden Vorteil. Infrastrukturunternehmen hätten meist lokal ausgerichtete Geschäftsmodelle. Mautstraßen, Pipelines oder Kraftwerke seien deutlich weniger anfällig für Handelskonflikte oder Zölle als globale Industrieunternehmen.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Staaten investieren wieder massiv in Infrastruktur. Nach Jahrzehnten der Unterinvestition fließen weltweit Billionenbeträge in Stromnetze, Verkehrswege oder digitale Infrastruktur. Für börsennotierte Betreiber eröffnen sich dadurch enorme Chancen.
Infrastruktur: Langweilig – und gerade deshalb spannend
Infrastrukturaktien verzeichnen selten derart spektakuläre Kursgewinne wie Technologieunternehmen. Doch genau darin liegt ihr Reiz. Stabile Cashflows, Inflationsschutz durch Tarife, die an die Inflation gekoppelt sind, und ein strukturell wachsender Investitionsbedarf machen den Sektor zu einer der interessantesten Anlageklassen der kommenden Jahrzehnte.
Wer sein Portfolio breiter aufstellen möchte und sich nicht ausschließlich auf die großen Tech-Gewinner der vergangenen Jahre verlassen will, findet hier eine oft unterschätzte Alternative. Denn ohne Stromnetze, Pipelines, Straßen oder Datennetze funktioniert keine moderne Wirtschaft. Und genau deshalb bleiben diese Geschäftsmodelle an der Börse so wertvoll.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Der Beitrag Stabile Cashflows in unsicheren Zeiten: Infrastruktur-Fonds-und ETFs sind gefragt erschien zuerst auf ftd.de.