Die Null als Werbebotschaft: Auch bei ETFs ohne Verwaltungskosten verdienen die Beteiligten im Hintergrund an dem Produkt. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)
Janus Henderson bietet einen US-Aktien-ETF mit null Prozent laufenden Verwaltungskosten an. Für Anleger klingt das verlockend. Tatsächlich zeigt das Produkt vor allem, wie wenig die Gesamtkostenquote inzwischen über das ganze Geschäft verrät.
3 Euro im Jahr verlangt der günstige SPDR S&P 500 ETF (ISIN:IE00B6YX5C33) für die Verwaltung von 10.000 Euro. Janus Henderson unterbietet selbst das: Der neue Janus Henderson US Large Cap Equity Core UCITS ETF (ISIN: IE0005ZIBSW1) weist eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,00 Prozent aus. Der Preiskampf hat damit eine magische Grenze erreicht. Unter null geht es nur noch, wenn Anbieter ihren Kunden Geld mitgeben. Die interessante Frage lautet deshalb: Wer bezahlt den Betrieb?
Die Null steht vorne, die Rechnung dahinter
Der thesaurierende ETF ist auf Xetra unter J5E1, in London unter J501 handelbar. Er bildet den US-Aktienmarkt synthetisch ab. Swaps sind dabei bewährtes Handwerkszeug der ETF-Branche: Der Fonds hält einen Aktienkorb und tauscht dessen Wertentwicklung mit einer Bank gegen die vereinbarte Indexrendite. Bemerkenswert ist die Wahl der Indizes. Der offizielle Vergleichsmaßstab ist der Solactive GBS United States 500. Nach Informationen des Portals ETF Stream liefern die Tauschgeschäfte dagegen die Gesamtrendite des S&P 500. Solactive dient als günstigere Benchmark, der S&P 500 letztlich als Renditequelle. Das spart nach dem Bericht Lizenzkosten.
Janus Henderson weist allerdings auch eine Swap-Gebühr von jährlich 0,145 Prozent aus. Gleichzeitig trägt die Gegenpartei 0,08 Prozent des Fondsvermögens zu bestimmten Betriebskosten bei. Als Swap-Partner nennt der Anbieter Citicorp Inc. Die Null bei der TER ist also korrekt. Die Behauptung, das gesamte Produkt koste nichts, wäre es nicht.
Breiter US-Markt, konzentrierte Gewichte
Der Solactive-Index wählt Unternehmen nach Börsenwert aus und gewichtet sie nach dem frei handelbaren Aktienkapital. Vierteljährliche Überprüfungen und Pufferregeln sollen unnötige Wechsel begrenzen. Ein spezieller Investmentansatz steckt dahinter nicht: Anleger bekommen Amerikas große Unternehmen, mit entsprechend großem Einfluss der Börsenriesen.
Nvidia, Apple und Microsoft vereinen zum 28. Oktober 20,68 Prozent des Vergleichsindex auf sich. Die 10 größten Aktienpositionen kommen auf 37,61 Prozent. Technologie stellt nach Solactives Brancheneinteilung 45,7 Prozent, Finanzen folgen mit 12,8 Prozent und Gesundheit mit 9,8 Prozent. Das sind Indexgewichte, keine Angaben zum tatsächlich gehaltenen Ersatzkorb. Die Vergangenheit zeigt, was dieses Aktienpaket leisten oder auch anrichten kann: 2022 verlor der Index 21,12 Prozent, anschließend gewann er 2023 rund 25,6 Prozent, 2024 knapp 24 Prozent und 2025 rund 16,6 Prozent. Im laufenden Jahr liegt er bis zum 28. Oktober 13,14 Prozent im Plus.
Diese Zahlen zeigen die Wertentwicklung in Dollar, ohne Dividenden. Sie sind keine Ergebnisse des neuen ETFs. Auch die bis 2006 reichende Historie enthält Rückrechnungen. Der größte zwischenzeitliche Verlust betrug 56,16 Prozent. Gegen solche Rückschläge hilft auch keine gestrichene Verwaltungsgebühr.
Kostenlos für den Kunden heißt nicht ertraglos für die Bank
Die Finanzierung ist weniger rätselhaft, als die Null vermuten lässt. Bei einer Milliarde Euro Fondsvermögen entsprechen die Betriebskostenzuschüsse der Bank 800.000 Euro jährlich. Daraus können laufende Ausgaben bezahlt werden. Wie viel beim Anbieter übrig bleibt, ist nicht öffentlich ersichtlich.
Die Bank kalkuliert ihrerseits das Tauschgeschäft. Dabei können steuerliche Vorteile Spielraum schaffen: Synthetische US-Aktien-ETFs können unter entsprechenden Voraussetzungen Quellensteuerbelastungen vermeiden, die bei physisch investierenden Fonds auf Dividenden anfallen. ETF Stream beziffert diesen Vorteil für die Konstruktion bei der zugrunde gelegten Dividendenrendite auf rund 0,17 Prozentpunkte jährlich – vor Swap-Kosten.
Hier wird also kein Geld verschenkt. Ein wirtschaftlicher Vorteil wird zwischen den Beteiligten verteilt. Die Bank finanziert Betriebskosten mit; eine zusätzliche Quersubventionierung durch andere Janus-Henderson-Fonds ist nicht belegt. Ebenso wenig lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen eine Gewinnmarge herauslesen.
3 Euro Ersparnis sind noch keine Anlagestrategie
Für Anleger ist der Preiswettbewerb gut. Er zwingt die Branche, effizienter zu arbeiten. Nur sollten Kunden die Größenordnung im Blick behalten: Bei 10.000 Euro Anlagevolumen spart die Null gegenüber 0,03 Prozent TER 3 Euro jährlich. Eine ungünstige Handelsspanne beim Kauf kann diesen Vorteil sofort aufzehren.
Für Anbieter wird das Massengeschäft damit zur Frage der Größe. Wer kaum Gebühren verlangt, braucht enorme Volumina, günstige Vertriebswege oder andere Ertragsquellen. Das stärkt die großen Häuser und setzt kleinere Wettbewerber unter Druck. Bezahlt werden muss der Fondsbetrieb weiterhin. Nur lässt sich am Preisschild immer weniger ablesen, wer daran verdient.
Entscheidend sind die tatsächlich gelieferte Rendite nach Kosten und die Handelsbedingungen: Spreads, Orderentgelte und gegebenenfalls Kosten für den Währungsumtausch. Die Null gewinnt den Werbevergleich. Ob sie auch den Renditevergleich gewinnt, muss der ETF erst beweisen.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Der Beitrag USA ETF mit 0 Prozent Gebühren? Dieser Fonds verschärft den Preiskampf erschien zuerst auf ftd.de.
