Markel Aktie: Ein Versicherer mit Berkshire-Hathaway-DNA

Markel bietet Spezialversicherungen unter anderem für maritime Risiken und Events. (Foto: Freepik, vectorjuice)

Auf den ersten Blick wirkt Markel wie ein klassischer US-Versicherer, der sich mit Nischenrisiken befasst. Doch Markel ist mehr als das, die Firma ist Versicherer, Investor und Unternehmenseigentümer in einem. Eine Kombination, die langfristig eine außergewöhnliche Kapitalverzinsung ermöglicht. Markel wird aufgrund einer ähnlichen Struktur, Unternehmenskultur und Kapitaldisziplin auch häufig „Mini-Berkshire Hathaway“ genannt. 

3 Kernthemen treiben den Erfolg von Markel

Markel basiert auf 3 voneinander abhängigen, aber eigenständig funktionierenden Geschäftsbereichen: Versicherung, Investments und Markel Ventures. Diese Struktur erzeugt einen selbstverstärkenden Kreislauf. Das Versicherungssegment generiert laufend Float (zinsloser Kredit in Form von Prämien). Der Float ist der stille Wachstumstreiber, denn er wird in Anleihen und Aktienbeteiligungen sowie Markel Ventures angelegt.  Wenn das Versicherungsgeschäft profitabel arbeitet, kostet der Float nichts und erzeugt zusätzlich Erträge.

Markel Ventures umfasst mehrheitlich übernommene Mittelstandsunternehmen, die oft ohne Nachfolge sind. Hier agiert Markel als Kapitalgeber mit langfristigem Fokus auf Cashflow. Die Kultur der Unternehmen bleibt hingegen unberührt. Markel Ventures liefert stabile Gewinne, und nicht marktbewertete Beteiligungen dienen als stille Reserven. Die erzielten Gewinne aus Investments und Markel Ventures fließen wiederum zurück und machen das Geschäft resilient. Schwächelt ein Bereich, fangen die anderen ihn auf. Gleichzeitig entsteht eine langfristige Zinseszinsspirale, wenn alle 3 Bereiche effizient arbeiten.

Das Fundament bildet die Spezialversicherung

Markel ist auf Spezialversicherungen fokussiert, bei welchen komplexe und schwer standardisierbare Risiken gedeckt werden. Dazu zählen unter anderem Veranstaltungen, maritime Risiken oder spezielle Gewerbeversicherungen. Der entscheidende Vorteil liegt in der Komplexität. Diese Märkte sind schwer skalierbar für neue Wettbewerber. Fachwissen und Underwriting-Disziplin sind entscheidend. Wer hier dauerhaft erfolgreich ist, schützt sich vor Preiskämpfen und Margenerosion. 

Die wichtigste Kennzahl ist dabei die Combined Ratio. Sie zeigt, ob mit dem Versicherungsgeschäft vor Kapitalanlage ein Gewinn erzielt wird. Markel lag in den letzten 5 Jahren bei etwa 95 Prozent (Ziel < 100 Prozent), während Wettbewerber auch 80 Prozent erreichten. 

Management und Unternehmenskultur

Markel ist stark kulturgetrieben. Das Management hält rund 1,6 Prozent der ausstehenden Aktien im Wert von über 420 Millionen US-Dollar. Auch Mitarbeiter werden mit vergünstigten Aktienoptionen bewusst an das Unternehmen gebunden. CEO Thomas Gayner ist bereits seit 1990 bei Markel. Für ihn steht nicht der Aktionär an erster Stelle, sondern der langfristige Nutzen für Kunden und Mitarbeiter.

Dieser Ansatz wirkt zunächst untypisch, hat sich aber als langfristig wertsteigernd erwiesen, denn der langfristige Fokus auf Skalierung führte zu einer jährlichen Rendite von über 12 Prozent über 30 Jahre. Wie auch bei Berkshire Hathaway sind Dividenden kein Thema. Hingegen werden bei attraktiver Bewertung Aktien aus dem Cashflow zurückgekauft. Markel steht auch für eine offene Fehlerkultur, weshalb ein Rückzug aus unrentablen Geschäftsbereichen konsequent umgesetzt wird, auch wenn dies kurzfristig belastet. 

 


Aktuelle Herausforderungen im Versicherungsgeschäft

Der Versicherungsbereich hatte in den letzten Jahren operativen Gegenwind. Besonders die Rückversicherung erwies sich strukturell als problematisch. Der Ausstieg aus schwachen Bereichen, Änderungen in der Führungsstruktur und klare Verantwortlichkeiten zeigen nun Wirkung. Weniger Größe und mehr Profitabilität. Zusätzlich mehr Verantwortung auf operativer Ebene. Es gibt bereits sichtbare Fortschritte durch bessere Underwriting-Disziplin, doch diese Neuausrichtung benötigt Zeit. Größere Erfolge werden in den kommenden Jahren sichtbar werden.

Finanzielle Robustheit und Bilanzqualität

Markel achtet auf eine gesunde Bilanz. Verschuldung wird bewusst niedrig gehalten. Liquidität und Kapitalstärke stehen im Vordergrund. Diese Struktur ermöglicht es dem Unternehmen, Krisen nicht nur zu überstehen, sondern gezielt zu nutzen. Denn in Rezessionen oder stürmischen Marktphasen kann Markel opportunistisch handeln und investieren, während andere gezwungen sind, den Gürtel enger zu schnallen. In einem zyklischen Versicherungsgeschäft ist das ein besonderer Vorteil.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Bewertung und langfristiges Renditeprofil

Markel wird aktuell nicht als Hype-Aktie gehandelt, doch günstig ist die Aktie mit einem price-earnings ratio von 18 auch nicht. Der Wertzuwachs über die nächsten Jahre wird durch alle 3 Bereiche entstehen: Den Ergebnissen aus dem Versicherungsgeschäft, den Wertzuwachs aus dem Investmentportfolio und den reinvestierten Cashflow in Markel Ventures. Für langfristige Anleger ist Markel eine interessante Ergänzung. Wichtig ist ein langer Atem. Markel ist kein Titel für schnelle Gewinne. Es ist ein Unternehmen für geduldige Aktionäre.

 

Disclaimer:
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