ETF und Fonds Polen: Europas unterschätzter Wachstumsstar – so können Sie profitieren

Rasanter Aufstieg: Polen entwickelt sich zu einer dynamischen Industrienation und attraktiven Anlageregion in Europa. (Foto: Freepik KI Suite)

Polen ist längst mehr als ein günstiger Produktionsstandort für deutsche Unternehmen. Das Land wächst dynamischer als viele westliche Volkswirtschaften, die Börse in Warschau zählte 2025 zu den stärksten Märkten weltweit. Banken, Energie, Einzelhandel – die Story stimmt. Doch wer investiert, muss Volatilität aushalten. Welche ETFs und Fonds passen zu welchem Anlegertyp?

Zwischen Aufholjagd und Eigenständigkeit

Polen hat in den vergangenen 20 Jahren eine bemerkenswerte wirtschaftliche Transformation durchlaufen, die selbst Skeptiker beeindruckt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hat sich dem westeuropäischen Niveau deutlich angenähert, die Industrie ist wettbewerbsfähig und der Binnenkonsum robust. Diese Entwicklung spiegelte sich 2025 deutlich an der Börse wider. Auf Jahressicht legten die Indizes um 24 Prozent zu.

Die wichtigsten Indizes sind der WIG20, der die 20 größten und liquidesten Unternehmen an der Warschauer Börse umfasst, sowie der MSCI Poland, der 16 polnische Standardwerte bündelt. Beide Indizes zeigen eines klar: Polens Kapitalmarkt ist stark konzentriert. Finanzwerte und Energie dominieren. Das schafft einerseits Transparenz, birgt aber auch Klumpenrisiken.

Banken und Energie als Schwergewichte

Die PKO Bank Polski ist der größte Einzelwert im MSCI-Index und das finanzielle Rückgrat des Landes. Die Zahl der Kunden liegt bei mehr als 12 Millionen, der Staatsanteil bei knapp 30 Prozent, die Marktstellung ist entsprechend stark. Die Aktie hat sich seit Anfang 2023 mehr als verdreifacht und notiert nahe am Allzeithoch. Der Gewinn wächst zweistellig und die Dividendenrendite liegt bei knapp 6 Prozent. Doch Banken bleiben zinssensibel und politisch exponiert.

Der zweitgrößte Wert ist der integrierte Energie- und Chemiekonzern Orlen S.A. Der Staat hält rund die Hälfte der Anteile. Orlen profitiert von hohen Cashflows, einer starken Position im Raffinerie- und Tankstellengeschäft sowie einer ambitionierten Dividendenpolitik. Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell von Ölpreisen, Regulierung und dem kostspieligen Umbau in Richtung erneuerbare Energien abhängig.

Mit Dino Polska existiert zudem ein wachstumsstarker Binnenkonsumwert, der die Modernisierung des Landes widerspiegelt. Das Unternehmen expandiert konsequent in kleineren Städten und ländlichen Regionen, arbeitet hocheffizient und gilt unter Investoren als polnischer „Compounder“.

ETFs: Der einfache Zugang – mit unterschiedlichen Akzenten

Polen pur: Der iShares MSCI Poland

Wer gezielt auf die polnische Volkswirtschaft setzen möchte, für den ist der iShares MSCI Poland UCITS ETF (ISIN: IE00B4M7GH52) die richtige Wahl. Dieser bietet einen direkten, liquiden Zugang. Der ETF bildet den MSCI Poland physisch ab und bündelt damit die wichtigsten börsennotierten Unternehmen des Landes in einem einzigen Instrument.

Inhaltlich spiegelt der Fonds die Struktur der polnischen Wirtschaft nahezu 1 zu 1 wider. Den größten Block stellen mit rund 46 Prozent Finanzwerte, gefolgt von Energieunternehmen, Konsumtiteln und Grundstoffwerten. Anleger investieren damit sehr konzentriert in die tragenden Säulen der polnischen Ökonomie. Die Dividendenerträge werden thesauriert und automatisch wieder angelegt, was langfristig einen Zinseszinseffekt erzeugt.

 


Die Wertentwicklung der vergangenen Jahre war eindrucksvoll, allerdings auch ausgesprochen schwankungsanfällig. Auf ein Jahr mit über 50 Prozent Rendite folgten Phasen der Stagnation oder deutlicher Rückschläge. Über einen Zeitraum von 5 Jahren betrachtet hat sich das eingesetzte Kapital dennoch verdoppelt. Mit 0,74 Prozent ist die Gesamtkostenquote für ein Einländer-Investment moderat, aber nicht günstig im globalen Vergleich.

Dieser ETF eignet sich für Anleger, die eine klare Überzeugung für Polen mitbringen und bereit sind, zwischenzeitliche Kursbewegungen im zweistelligen Bereich auszuhalten. Wer hier investiert, setzt bewusst auf Konzentration – und damit auf Chancen und Risiken.

Osteuropa ohne Russland: Breiter aufgestellt mit Amundi

Deutlich breiter aufgestellt, wenn auch weiterhin mit einem starken Polen-Schwerpunkt, ist der Amundi MSCI Eastern Europe ex Russia UCITS ETF (ISIN: LU1900066462). Der ETF bildet einen Index ab, der Osteuropa ohne Russland umfasst. Polen macht rund 70 Prozent des Index aus, hinzu kommen Ungarn und Tschechien.

Inhaltlich bedeutet das: Auch hier bleiben Banken der dominierende Sektor, ergänzt um Energie- und Versorgerwerte sowie ausgewählte Konsumtitel. Anleger erhalten somit ein regionales Konvergenz-Investment, das auf den wirtschaftlichen Aufholprozess Mittel- und Osteuropas setzt.

 


Mit einer Gesamtkostenquote von 0,50 Prozent ist der Fonds günstiger als der reine Polen-ETF und für Sparpläne geeignet. Die Performance der vergangenen Jahre war ausgezeichnet: Nach deutlichen Rücksetzern im Jahr 2022 folgten starke, zweistellige Zuwächse. Über 3 Jahre summiert sich das Plus auf deutlich über 100 Prozent. Gleichzeitig liegt die Volatilität spürbar über dem globalen Durchschnitt und der maximale zwischenzeitliche Verlust war erheblich.

Der Amundi-ETF ist somit eine Lösung für diejenigen, die nicht ausschließlich auf Warschau, sondern auf die gesamte Region setzen wollen. Allerdings sollten sie sich bewusst sein, dass Polen weiterhin das Schwergewicht bleibt und regionale politische Risiken nicht vollständig verschwinden.

Aktive Osteuropa-Fonds: Mehr Flexibilität, mehr Kosten, potenziell mehr Alpha

Wer nicht ausschließlich auf passives Index-Investment setzen möchte, findet mit dem Avaron Emerging Europe Fund und dem Trigon New Europe Fund spannende Alternativen. Beide Fonds investieren in „Emerging Europe ex Russia“ und gewichten Polen nur zu rund einem Drittel.

Statt blind einen Index nachzubilden, setzen die Manager auf gezieltes Stock-Picking in der gesamten Region, um Chancen auf Outperformance bei gleichzeitig reduzierter Volatilität zu nutzen. Damit sprechen die Fonds insbesondere Anleger an, die eine breitere Diversifikation jenseits von Warschau suchen, ohne auf Wachstumsperspektiven der Region verzichten zu müssen.

Der Avaron-Ansatz: Breite Streuung mit ESG-Fokus

The Avaron Emerging Europe Fund (ISIN: EE3600108866) verfolgt einen aktiven, benchmark-unabhängigen Ansatz. Neben Polen zählen Griechenland, die Türkei, Rumänien und kleinere Märkte zu den Kernregionen des Fonds. Portfoliomanager Peter Priisalm kombiniert defensive Konsumwerte mit zyklischen Finanzwerten, die strukturelles Wachstum und Cashflow-Stärke vereinen.

Zu den größten Positionen gehört Coca-Cola İçecek, der führende Abfüller von Coca-Cola-Produkten in der Türkei und Zentralasien. Das Unternehmen profitiert von starkem Bevölkerungswachstum, zunehmender Kaufkraft und einer dominanten Marktstellung in defensiven Konsumgütern. Solche Werte bieten Stabilität, gerade in volatilen Märkten.

 


Ebenfalls prominent vertreten ist die rumänische Banca Transilvania, Marktführer im Bankensektor Rumäniens, der von der wirtschaftlichen Aufholbewegung des Landes profitiert, solide Eigenkapitalquoten aufweist und kontinuierliches Kreditwachstum vorweisen kann. Ergänzt wird das Portfolio durch die ungarische OTP Bank, deren starke regionale Präsenz und Ertragskraft die zyklische Komponente stärkt.

Der Fonds verfolgt konsequent einen Bottom-up-Ansatz, analysiert Unternehmen nach fundamentalen Kriterien und achtet auf nachhaltige Geschäftsmodelle sowie attraktive Bewertungen. Als Artikel-8-Fonds integriert er ESG-Kriterien in den Investmentprozess. In der Vergangenheit gelang es dem Management, den Vergleichsindex zu übertreffen (5 Jahre: plus 160 Prozent) – und das bei geringerem Risiko und moderater Volatilität.

Die Outperformance hat jedoch ihren Preis: Die laufenden Kosten liegen spürbar über denen passiver ETFs, und der Erfolg hängt maßgeblich von der Expertise des Managements ab. Für langfristig orientierte Anleger, die an die Konvergenz Osteuropas glauben und gezieltes Stock-Picking schätzen, ist der Avaron-Fonds eine interessante Option.

Der Trigon-Ansatz: Value-Orientierung mit Konvergenz-Fokus

The Trigon New Europe Fund (ISIN: LU1530899142) verfolgt eine ähnliche Regionalausrichtung, legt aber einen stärkeren Schwerpunkt auf Value-Investments und die Konvergenz-Story Mittel- und Osteuropas. Auch hier entfällt etwa ein Drittel des Portfolios auf Polen, ergänzt durch Ungarn, Tschechien, Rumänien, das Baltikum sowie ausgewählte Frontier-Märkte. Ziel ist es, von der Annäherung der Bewertungs- und Einkommensniveaus an Westeuropa zu profitieren.

Investiert wird in Unternehmen mit robustem Cashflow, hoher Dividendenrendite und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen. Zu den größten Positionen zählen die polnische PKO Bank Polski, das kasachische Fintech Kaspi.kz, der polnische Versicherer PZU, der ungarische Pharmakonzern Gedeon Richter sowie die OTP Bank. Damit kombiniert Trigon Finanzwerte, defensive und zyklische Titel zu einem ausgewogenen Mix, der auf langfristiges Kapitalwachstum ausgerichtet ist.

 


In den vergangenen Jahren erzielte der Trigon-Fonds eine beachtliche Outperformance gegenüber vielen Vergleichsindizes (5 Jahre: plus 165 Prozent). Besonders überzeugend ist die Kombination aus hoher Rendite und vergleichsweise moderater Volatilität. Gleichzeitig müssen Anleger die höheren Kosten und das inhärente Manager-Risiko akzeptieren. Für Investoren, die eine aktive, selektive Herangehensweise an die Region bevorzugen, eröffnet Trigon damit eine vielversprechende Alternative zu passiven ETFs.

Chancen, Risiken – und die richtige Einordnung

Polen bietet strukturelles Wachstum, hohe Dividendenrenditen und die Fantasie eines fortgesetzten Aufholprozesses innerhalb Europas. Gleichzeitig ist der Markt stark konzentriert, politisch nicht frei von Einflussnahmen und volatil.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Für chancenorientierte Anleger mit langem Atem kann ein gezieltes Polen-Investment eine attraktive Beimischung sein. Wer breiter streuen möchte, wählt einen Osteuropa-ETF. Wer an aktives Stock-Picking glaubt, findet mit Avaron oder Trigon interessante Alternativen.

Eines allerdings sollte klar sein: Polen ist kein defensives Basisinvestment. Es ist ein dynamischer Markt mit Aufholpotenzial – und mit Schwankungen, die dazugehören. Wer diese aushält, könnte am Ende überdurchschnittlich belohnt werden.

 

Disclaimer:
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.

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