Immer abhängiger von China – Last Exit Reformen! Der Hellmeyer der Woche KW22

 

Internationale Aktienmärkte feierten über das Wochenende neue Höchststände – von New York über Tokio bis Seoul. Doch Folker Hellmeyer warnt: Die Hoffnung auf eine Lösung des Iran-Konflikts, die die Rallye antreibt, steht auf wackeligen Füßen. Parallel dazu schlagen in Deutschland Industrieverbände Alarm, während die Abhängigkeit von China in strategischen Sektoren wächst. In der laufenden Woche stehen unter anderem die zweite BIP-Schätzung für die USA, der Economic Sentiment Index der Eurozone sowie die deutsche Inflation für Mai auf dem Programm.

Hellmeyer: Rekorde an den Börsen – aber auf welchem Fundament?

Zum Wochenauftakt gab es Rekorde an den Aktienmärkten: S&P 500, Dow Jones und Nasdaq 100 in den USA, der Nikkei in Japan sowie der Kospi in Südkorea schlossen auf neuen Allzeithöchstständen. Auch der Dax näherte sich historischen Bestmarken. Treiber dieser Bewegung waren Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung im Iran-Konflikt.

Diese Euphorie dämpft Folker Hellmeyer in seiner Analyse spürbar. US-Präsident Donald Trump sendete zunächst deeskalierende Signale, ruderte dann jedoch zurück. Parallel dazu führten die USA trotz einer zwischenzeitlichen Waffenruhe erneut Militärangriffe gegen den Iran durch. Das zentrale Hindernis für eine Lösung bleibt das iranische Atomprogramm, über das ein fundamentaler Disput fortbesteht. Die Marktbewegung preist nach Einschätzung des Analysten eine Entspannung ein, die in der Substanz noch nicht gesichert ist.

Geopolitische Hotspots: Iran und Ukraine als unterschätzte Risiken

Der Iran-Konflikt bleibt nach Hellmeyers Einschätzung das dominierende Risikothema für die globalen Finanzmärkte. Die Folgen einer weiteren Eskalation gingen weit über Öl- und Gaspreise hinaus: Auch die globale Ernährungssicherheit wäre betroffen. Als strukturell weniger anfällig identifiziert er dabei die USA, Russland und China – der Rest der Welt trüge bei einer weiteren Zuspitzung den Hauptteil des Kollateralschadens.

Kaum weniger brisant: die Lage in der Ukraine. Russland warnte öffentlich vor bevorstehenden Angriffen auf Kiew in einer Intensität, die den bisherigen Kriegsverlauf übertreffen könnte. Außenminister Lawrow führte dazu Gespräche mit der US-Regierung. Hellmeyer sieht auch dieses Risiko an den Märkten aktuell nicht angemessen eingepreist.

Rückblick Makroökonomie: Divergenz zwischen USA und Europa wächst

Die Datenlage der vergangenen Woche bestätigte das gewohnte Muster: Die USA präsentieren sich solide, Europa und Deutschland hinken hinterher.

In den USA fiel der Composite-Einkaufsmanagerindex mit 51,7 Punkten stabil aus und signalisiert weiterhin Wachstum. Kritisch ist allerdings das Verbrauchervertrauen nach dem Index der Universität Michigan, das auf den historisch tiefsten Stand aller Zeiten sank. Hellmeyer sieht dort jedoch einen politischen Bias und gewichtet den abweichenden Conference Board-Index höher, der zuletzt bei 92,8 Punkten lag. Zudem trübte sich die Stimmung in der Region Philadelphia dramatisch ein: Der entsprechende Aktivitätsindex fiel von plus 26,7 auf minus 9,4 Punkte.

In der Eurozone blieb das Bild gedämpft. Das Verbrauchervertrauen verbesserte sich marginal, verharrt aber auf schwachem Niveau. Der Handelsüberschuss schrumpfte spürbar – von zuvor 6,5 Milliarden auf zuletzt 3,5 Milliarden Euro. Die Verbraucherpreise bestätigten in der Endabrechnung ein Jahresplus von 3 Prozent.

Finanzmärkte: Anleiherenditen sinken – aber das Risiko bleibt

Parallel zur Aktienrally zogen sich die Renditen an den Rentenmärkten etwas zurück. Die zehnjährige Bundesanleihe handelt nun bei 2,95 Prozent, nachdem sie zuletzt die Marke von 3 Prozent überschritten hatte – ein Rückgang von rund einem Viertel Prozentpunkt. In Frankreich fiel der Renditerückgang noch stärker aus, was Hellmeyer angesichts der anhaltend angespannten Haushaltslage und der schwachen Konjunktur im Land für nicht nachvollziehbar hält.

Das Thema systemisches Risiko an den Rentenmärkten bleibe trotz der kurzfristigen Entspannung bestehen. Für Anleger bedeute das: Die Kuh ist noch nicht vom Eis.

Deutschland: Exporterwartungen – Abhängigkeit von China

Besonders besorgniserregend fielen die deutschen Daten aus. Das ifo-Barometer der Exporterwartungen sackte auf den tiefsten Stand seit April des vergangenen Jahres ab. Das stellt ein Problem dar, da das schwache Wachstum im ersten Quartal – ein Plus von rund 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal – maßgeblich auf stärkere Exporte zurückzuführen war.

Auf der Stimmungsseite zeigte sich ebenfalls kein Aufhellungssignal: Der ifo-Geschäftsklimaindex legte minimal auf 84,9 Punkte zu, das GfK-Konsumklima verbesserte sich auf minus 29,8 Punkte – beides weiterhin Werte, die Hellmeyer als historisch schwach und als klares Misstrauensvotum gegenüber der Wirtschaftspolitik einordnet. Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft verharrt mit 48,6 Punkten im kontraktiven Bereich. Bei den Erzeugerpreisen zeigte sich die Iran-Krise erstmals deutlich: Nach minus 0,2 Prozent im Vorjahresvergleich sprangen die Preise auf plus 1,7 Prozent.

Hinzu kommt eine strukturelle Warnung: Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung dokumentiert die wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von China. Bei Antibiotika liegt der Abhängigkeitsgrad bei über 70 Prozent, bei bestimmten Seltenen Erden bei 100 Prozent. Gleichzeitig warnt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) vor einer weiteren Erosion des Geschäftsmodells. Hellmeyer sieht darin ein systemisches Risiko und fordert entschieden eine wirtschaftspolitische Wende: Solange keine wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen für Produktion in Deutschland geschaffen werden, seien weitere Verlagerungen ins Ausland – und damit eine Vertiefung der Abhängigkeiten – programmiert.

Key takeaways from the video

Geopolitics

  • Iran-Konflikt noch nicht gelöst: Aktienmärkte preisen eine Deeskalation ein, die nicht gesichert ist
  • Ukraine-Konflikt eskaliert – Russland warnt vor einer neuen Angriffsdimension auf Kiew
  • Bei weiterer Ausweitung beider Krisen tragen die USA, Russland und China die geringsten Schäden

Financial markets

  • Deutschlands Exporterwartungen auf tiefstem Stand seit April 2025
  • Die Abhängigkeit von China in kritischen Sektoren erreicht strukturell bedenkliche Ausmaße
  • Die Chemieindustrie warnt vor weiterer Erosion des Geschäftsmodells

Economic climate

  • Rentenmärkte haben sich kurzfristig entspannt, das systemische Risiko bleibt jedoch präsent
  • Japan zeigt moderates Wachstum; Deutschland bleibt Schlusslicht unter den großen Industrieländern
  • US-Verbrauchervertrauen sendet widersprüchliche Signale – Conference Board-Index vs.  Michigan-Index

Hellmeyer's outlook for the reporting week

Am Mittwoch folgt zunächst der Richmond Fed Composite Index, dem keine große Signalwirkung beigemessen wird.

Mehr Aufmerksamkeit verdient der Donnerstag: Für den Economic Sentiment Index der Eurozone – quasi das ifo-Pendant auf europäischer Ebene – wird ein Rückgang auf 92,8 Punkte erwartet, nach 93,0 Punkten zuvor. Die neutrale Marke liegt bei 100 Punkten. Ebenfalls am Donnerstag werden in den USA die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter erwartet, mit einem Plus von 3,5 Prozent im Monatsvergleich nach plus 0,8 Prozent. Die zweite BIP-Schätzung für die USA auf annualisierter Basis soll den vorläufigen Wert von minus 2,0 Prozent bestätigen – was einem Quartalswachstum von rund 0,5 Prozent entspräche.

Am Freitag richtet sich der Blick nach Deutschland: Die Importpreise dürften deutlich angezogen sein, die Prognose lautet plus 5,3 Prozent nach plus 2,3 Prozent im Vormonat. Die saisonal bereinigte Arbeitslosenquote wird bei 6,4 Prozent erwartet, die Zahl der Arbeitslosen soll um 10.000 steigen – die Aufwärtstendenz setzt sich fort. Die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise für Mai werden mit einem Jahresanstieg von 2,9 Prozent erwartet – ein vor dem Hintergrund der Rohstoffpreisentwicklung noch vertretbarer Wert. Den Abschluss bildet der Chicago-Einkaufsmanagerindex, für den 50,3 Punkte prognostiziert werden, nach 49,2 Punkten zuletzt.

Fazit und Ausblick für Anleger

Die Analyse der aktuellen Hellmeyer-der-Woche-Ausgabe mahnt zur Vorsicht gegenüber der oberflächlichen Markteuphorie. Die Rekordjagd an den Börsen spiegelt eine Hoffnungsprämie wider – keine konjunkturelle Realität. Solange weder der Iran-Konflikt noch die Ukraine-Krise nachhaltig entschärft sind, bleibt das geopolitische Risikoumfeld hoch.

Für Anleger gilt: Globale Diversifikation bleibt das Gebot der Stunde. Die strukturellen Schwächen des deutschen und europäischen Wirtschaftsraums sprechen gegen eine Übergewichtung inländischer Industriewerte. Regionen mit günstigeren Energiekosten, stabiler Infrastruktur und klarer Investitionspolitik – allen voran die USA – bieten mittelfristig ein robusteres Fundament. Ob Deutschland den nötigen wirtschaftspolitischen Kurswechsel vollzieht, wird in den kommenden Quartalen zur entscheidenden Weichenstellung für den Standort.

The economic overview with current assessment short and concise – only here at Hellmeyer of the Week.

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Disclaimer:
This article is based exclusively on the transcript of the broadcast "Hellmeyer der Woche", calendar week 18. The content is for journalistic information and does not constitute investment advice.

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