Im Mai meldeten viele Börsen weltweit Rekordkurse – allerdings nicht in allen Regionen gleichermaßen. Während Asien und Nordamerika wirtschaftliche Stärke demonstrierten, verharrt Europa in einer anhaltenden und strukturellen Schwächephase. Zugleich dominieren die geopolitische Konflikte wie jener im Iran oder in der Ukraine das globale Risikobild. Zu den wichtigsten Themen der laufenden Woche für Anleger zählen die US-Arbeitsmarktdaten, die Inflationszahlen der Eurozone sowie die weltweiten Einkaufsmanagerindizes.
Finanzmärkte: Rekorde an der Börse, aber Europa stagniert
Der Monat Mai endete an den internationalen Leitbörsen mit beachtlichen Höchstständen. Insbesondere die großen Indizes in den USA, darunter der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq, verzeichneten eine durchweg positive Entwicklung. Auch in Asien zeigten sich der Nikkei in Japan und der Kospi in Südkorea äußerst robust und verbuchten Gewinne. Europa hingegen partizipierte an dieser internationalen Rallye nicht im selben Maße und fiel im Vergleich zurück.
An den Rentenmärkten gab es bis Mitte Mai eine spürbare Versteifung, die kurzzeitig systemische Risiken in den Vordergrund rückte. Mittlerweile sind die Renditen jedoch wieder deutlich gesunken. Ein markantes Beispiel hierfür ist Frankreich, wo die Rendite für Staatspapiere um beachtliche 0,4 Prozent auf 3,55 Prozent zurückging. Dieser Rückgang entbehrt laut Folker Hellmeyer einer soliden Datengrundlage, da die Defizitentwicklung in Frankreich weiterhin prekär ist und sich die politische Lage nicht verändert hat.
Geopolitik und Energieversorgung als Taktgeber für die Wirtschaft
Die komplexe Lage im Nahen Osten, insbesondere der Konflikt rund um den Iran, bleibt ein wesentlicher Einflussfaktor für die weltweite Wirtschaft. Nachdem bis Mitte Mai eine Eskalation befürchtet wurde, sorgt nun ein erster Hoffnungsschimmer auf ein diplomatisches Abkommen für eine gewisse Beruhigung an den Aktienmärkten und Rentenmärkten. Dennoch sind zentrale Fragen, etwa zur sensiblen Atomenergie oder zur Kontrolle der Straße von Hormus, vollkommen ungelöst. Die Märkte nehmen hier möglicherweise eine Einigung vorweg, die noch längst nicht finalisiert ist.
Die aktuelle Stabilität der Weltwirtschaft ist zudem stark von der Freigabe strategischer Ölreserven abhängig. Von den weltweit rund 2 Milliarden Barrel umfassenden Reserven wurden bereits 400 Millionen Barrel freigegeben. Diese temporäre Maßnahme hält die Energieflüsse vorerst unter Kontrolle, stellt jedoch keine dauerhafte Lösung dar, da die Reserven nicht auf null reduziert werden können. Gleichzeitig warnt Hellmeyer eindringlich vor den Risiken im eskalierenden Ukrainekrieg. Die fortschreitende Eskalation birgt die Gefahr einer globalen Ausweitung, die von den Märkten derzeit vollständig ignoriert wird.
Ein Blick nach Asien zeigt laut Hellmeyer derweil einen pragmatischen Umgang mit der Energieversorgung: Japan kaufte zuletzt wieder russisches Öl, um seine Wirtschaft am Laufen zu halten. Die Energiepolitik bleibt somit ein zentraler Standortfaktor, der über Investitionen und die globale Konkurrenzfähigkeit entscheidet.
Makroökonomie: Große Divergenz zwischen den USA und Europa
Ein detaillierter Blick auf die fundamentalen Daten verdeutlicht die Kluft zwischen den großen Wirtschaftsräumen. In den USA verzeichnete das 1. Quartal ein annualisiertes Wachstum von 1,6 Prozent, was auf das Quartal heruntergebrochen etwa 0,4 Prozent entspricht. Auch die Stimmungsindikatoren deuten auf eine starke Konjunktur hin. So stieg der Einkaufsmanagerindex in Chicago massiv auf 62,7 Punkte, und auch in Richmond und Dallas verbesserte sich das wirtschaftliche Umfeld. Der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter kletterte im Monatsvergleich um beachtliche 7,9 Prozent, während die Einzelhandelsumsätze um 4,87 Prozent zulegten.
Interessant ist die Diskrepanz beim Verbrauchervertrauen: Während die Umfrage der Universität Michigan ein Allzeittief meldet, zeigt der Index des Conference Board einen robusten Stand von 93,1 Punkten. Dies könnte auf eine politische Färbung der Umfragen zurückzuführen sein. Zudem stieg der breit gefasste National Activity Index der Federal Reserve in Chicago, der 85 Einzelindikatoren bündelt, von minus 0,15 auf plus 0,14 Punkte an.
In Europa präsentiert sich hingegen ein gegenteiliges Bild. Zwar stieg der Economic Sentiment Index leicht auf 93,5 Punkte, er bleibt damit aber dramatisch weit von der neutralen Marke von 100 Punkten entfernt. Deutschland meldete eine unerwartet niedrige Inflationsrate von 2,6 Prozent, wobei ein mögliches Auslaufen des Tankrabatts künftig für einen neuen Sprung nach oben sorgen könnte. Die Arbeitslosenquote sank in Deutschland leicht auf 6,3 Prozent durch die Schaffung von 10.000 neuen Jobs. Dennoch bleibt das Niveau kritisch und erinnert an die Hochphasen der Corona-Krise. Frankreich gilt mit einem revidierten Wirtschaftswachstum von minus 0,1 Prozent im 1. Quartal neben Deutschland als der kranke Mann Europas.
Im starken Gegensatz dazu prosperieren die asiatischen Volkswirtschaften unvermindert weiter. In Japan stieg die Industrieproduktion um 2,3 Prozent und die Arbeitslosenquote liegt bei niedrigen 2,5 Prozent. Der japanische Einzelhandel verzeichnete zudem ein Plus von 2,1 Prozent. In China erhöhten sich die Gewinne der Industrieunternehmen im Zeitraum von Januar bis April um 18,2 Prozent, was den höchsten Wert seit Dezember 2021 markiert. Europa leidet hingegen unter massiven strukturellen Defiziten, weshalb die politische Führung in Berlin und die Verantwortlichen in Brüssel rasch handeln müssen, um eine Ertüchtigung des Leistungskörpers herbeizuführen.
Der Hellmeyer der Woche: Prognose und Termine für die Wirtschaft
Für die laufende Berichtswoche stehen wichtige Veröffentlichungen in der Makroökonomie an. In der Eurozone wird am Dienstag die Erstschätzung der Verbraucherpreise mit einem Anstieg von 3,2 Prozent erwartet. Zudem rücken die finalen Einkaufsmanagerindizes für die Gesamtwirtschaft stark in den Fokus. Hier wird für Deutschland ein Wert von 48,6 Punkten prognostiziert, was weiterhin eine Kontraktion der Wirtschaft anzeigt. Für die gesamte Eurozone fällt der Wert mit 47,5 Punkten noch deutlich schwächer aus, was massiv durch die negative Entwicklung in Frankreich nach unten gezogen wird.
Am Mittwoch wird in den USA der Arbeitsmarktbericht von ADP für die Privatwirtschaft mit 110.000 neuen Stellen erwartet, was die Stärke des US-Arbeitsmarktes unterstreicht. Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor dürfte mit 53,7 Punkten ein solides Wachstum ausweisen. Die Auftragseingänge für die Gesamtindustrie in den USA werden mit einem Plus von 4,6 Prozent im Monat erwartet.
Donnerstag folgt der Einkaufmanagerindex der Baubranche. Hier hat Europa besonders große Sorgen: Der Index lag zuletzt in der Eurozone bei 41,7 Punkten, in Deutschland bei 42,1 Punkten und in Frankreich bei bedenklichen 38,1 Punkten. Einzig Italien zeigt mit 44,8 Punkten eine etwas bessere Tendenz.
Am Freitag folgen die revidierten Daten für das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone für das 1. Quartal, für die ein marginales Plus von 0,1 Prozent erwartet wird. Den Abschluss bildet der offizielle US-Arbeitsmarktbericht, bei dem 85.000 neue Arbeitsplätze im Nicht-Agrarbereich bei einer konstanten Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent prognostiziert werden.
Key takeaways from the video
- Die internationalen Leitbörsen in Asien und den USA notieren auf Rekordniveau, während Europa stagniert und zurückfällt.
- Geopolitische Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine stellen unkalkulierbare Risiken für die globale Wirtschaft dar, die von den Märkten teils ignoriert werden.
- Die wirtschaftliche Dynamik in den USA und Asien bleibt hoch, unterstrichen durch sehr starke Arbeitsmarkt- und Industriedaten.
- Europa und insbesondere Deutschland leiden unter strukturellen Problemen und drohen durch fehlende Reformen massiv ins Hintertreffen zu geraten.
- Anstehende Daten zu Inflation, Einkaufsmanagerindizes und dem Arbeitsmarkt können die Richtung der Finanzmärkte in der laufenden Woche bestimmen.
Fazit und Ausblick für Anleger
Die aktuelle globale Situation erfordert von Anlegern eine äußerst genaue und kritische Analyse der ökonomischen Datenlage. Die USA, Japan und China beweisen ein hohes Maß an Resilienz und wirtschaftlicher Stärke. Europa steht hingegen an einem kritischen Punkt und verliert zunehmend den Anschluss. Bleiben umfassende Strukturreformen aus, drohen weitere Desinvestitionen und ein schleichender Kapitalabfluss aus Europa und Deutschland. Dies würde unweigerlich die Steuereinnahmen sowie die privaten Einkommen und den allgemeinen Wohlstand drastisch belasten.
Für Investoren ist es essenziell, die Entwicklungen an den Zinsmärkten, die Inflationsdaten und die geopolitischen Ereignisse engmaschig zu verfolgen, um auf plötzliche Veränderungen an der Börse reagieren zu können. Der Ruf nach echten Handlungsmaximen, die der wirtschaftlichen Realität entsprechen, wird lauter – es bleibt abzuwarten, ob die Politik in Berlin und Brüssel diesen Weckruf rechtzeitig hört.
The economic overview with current assessment short and concise – only here at Hellmeyer of the Week.
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Disclaimer:
This article is based exclusively on the transcript of the broadcast "Hellmeyer der Woche", calendar week 18. The content is for journalistic information and does not constitute investment advice.
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