SpaceX Börsengang: Wirtschaftsmacht wie die East India Company vor 200 Jahren

Weltraum-Monopol von SpaceX: ahnlich wie im „Zeitalter der Segelschiffe“ (Foto: Magnific KI)

Cambridge/Hawthorne/Dublin – Die Vorherrschaft des Raketenentwicklers und Raumfahrtunternehmens SpaceX, das heute an die Börse geht, entspricht der einstigen wirtschaftlichen Macht der Handelsgesellschaften aus der Kolonialzeit, etwa der East India Company. Diese beherrschte in den 1820er-Jahren 72 Prozent des Warenhandels zwischen Asien und Europa. SpaceX kommt in der Raumfahrt auf 75 Prozent, haben Forscher der University of Cambridge und des University College Dublin ausgerechnet.

Eine immense Machtfülle

Der Ökonom Alessio Terzi von der University of Cambridge und der Historiker Stefano Marcuzzi vom University College Dublin haben die aktuellen Daten zu Weltraumgeschäften mit historischen Daten zu großen Handelsgesellschaften zwischen den Jahren 1500 und 1800 miteinander verglichen.

Ähnlich wie die Unternehmen des „Zeitalters der Segelschiffe“ agiere SpaceX nahezu völlig autonom, kontrolliere die Infrastruktur und nutze rechtliche Grauzonen aus, um Macht über einen Bereich auszuüben, der normalerweise den Nationalstaaten gehöre. Seit Jahrhunderten habe kein Unternehmen mehr einen solchen Einfluss auf die „strategische Transporttechnologie“ gehabt.

Letzter Monopolist Portugal

Der Anteil von SpaceX an der Nutzlastmasse, die den Orbit erreicht, übersteigt laut den Experten den Anteil des Seehandels um das Kap der Guten Hoffnung, der entweder von der Niederländischen Ostindien-Kompanie auf ihrem Höhepunkt in den 1710er-Jahren (72 Prozent) oder von der Französischen Ostindien-Kompanie in den 1750er-Jahren (19 Prozent) kontrolliert wurde.

Das letzte Mal, dass ein einzelnes Unternehmen eine vergleichbare Kontrolle über einen globalen Transportsektor hatte, war laut den Wissenschaftlern möglicherweise das Monopol der portugiesischen Krone über die Kaproute in den 1570er-Jahren. „Schwache internationale Regeln und geopolitischer Wettbewerb schaffen die Voraussetzungen dafür, dass ein Pionierunternehmen rasch Macht erlangt, die eigentlich den Staaten vorbehalten sein sollte“, so Terzi.

US-Regierung in der Zwickmühle

Die Gefahr laut den Experten: Regierungen werden in Bereichen der nationalen Sicherheit von einem privaten Unternehmen abhängig. „Die USA befinden sich in einer Zwickmühle. Eine Eindämmung von SpaceX würde Amerika im Wettlauf mit China bremsen, daher hat keine US-Regierung einen starken Anreiz, dies zu tun. Die gleiche Logik galt seinerzeit für die East India Company“, schlussfolgert Terzi.

Die Geschichte lehre, dass Macht und Ausbeutung so fest verankert würden, dass Staaten schließlich gezwungen seien einzugreifen, was im Fall SpaceX gewaltige Kosten verursachen würde. Und es brauchte viel Zeit. Es habe schließlich 2 Jahrhunderte gedauert, bis England die East India Company unter Kontrolle gebracht hätte.

 

Source: www.pressetext.com
(pte003/11.06.2026/06:10)

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