Boston Scientific Share: Historic Valuation Low – Good Entry Opportunity?

Medizinische Geräte sind ein strukturell wachsender Markt. (Foto: Magnific.com, photoroyalty)

Boston Scientific ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Medizintechnikbranche. Der Fokus liegt auf minimalinvasiven medizinische Geräte, die in der Kardiologie (67 Prozent), Endoskopie (14 Prozent), Urologie (12,5 Prozent) und Neuromodulation (6,2 Prozent) zum Einsatz kommen. Durch eine konsequente Innovationsstrategie ist es Boston Scientific gelungen, ein hoch spezialisiertes Produktportfolio aufzubauen. Die Beständigkeit des Konzerns resultiert aus der tiefen Integration der Produktpalette in die Arbeitsabläufe von Krankenhäusern und OP-Zentren.

Die jüngsten Ergebnisse haben die Aktie auf ein historisches Bewertungstief von einem price-earnings ratio von 15 gedrückt. Die künftige Investmentthese stützt sich auf die jahrzehntelange Beständigkeit, das internationale Netzwerk und die strategische Positionierung hin zu chronischen Erkrankungen, welche im Zuge der alternden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Kann diese Investmentthese halten?

Aktie weiter auf Talfahrt: Gesenkter Ausblick bremst die Erwartungen

Zu Jahresende 2025 lag die Aktie noch knapp über 100 US-Dollar. Doch seither befindet sich der Aktienkurs auf Talfahrt. Bereits mit den letzten Q4-Zahlen trübten „schlechtere“ Ergebnisse in den Kernmärkten der Kardiologie das Bild. Ein organisches Wachstum von 15,8 Prozent im Gesamtjahr wurde als unzureichend abgestraft. Auch das 1. Quartal 2026 verlief grundsätzlich solide. Das organische Umsatzwachstum lag bei 9,4 Prozent.

Der Störfaktor lag in der Prognosesenkung für das Gesamtjahr 2026. Während ursprünglich ein organisches Umsatzwachstum von über 10 Prozent erwartet wurde, geht das Management nun nur noch von 6,5 bis 8,0 Prozent aus. Auch die Gewinnprognose wurde von 3,46 US-Dollar auf 3,38 US-Dollar korrigiert.

Erhebliche Wachstumsbremsen in den Kernmärkten

Im Details bereiten einzelne Entwicklungen den Anlegern Sorgen. In der Kardiologie-Sparte verzeichnet das Vorzeigeprodukt WATCHMAN, ein Implantat zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern, mit einem Wachstum von 11 Prozent, eine geringere Nachfrage als prognostiziert. Die Abschwächung resultiert aus einem starken Vorjahresboom bei kombinierten Eingriffen.

Zusätzlich wurde das Geschäft mit Einzelimplantaten durch externe Engpässe bei Klinik-Kapazitäten und gekürzten Arzthonoraren in den USA ausgebremst. In der Elektrophysiologie, also jener Bereich, der sich mit elektrischen Störungen des Herzens befasst, verliert Boston Marktanteile an Konkurrenten wie Medtronic, Johnson & Johnson und Abbott Laboratories.

In der Urologie-Sparte stockt das Wachstum mit einem Prozent, da die passenden Produkte fehlen, um das Sortiment zu komplettieren. Für den Vertrieb kein ideales Umfeld, weshalb Urologie-Vertriebsmitarbeiter das Unternehmen verlassen haben. Diese Krise nutzt vor allem die chinesische Konkurrenz, um sich aggressiv Marktanteile in der Urologie-Sparte zu sichern.

 


Positiv hingegen verlief das Wachstum im Bereich der Neuromodulation. Dazu zählen implantierbare oder energiebasierte Geräte, die Nervensignale verändern, um chronische Schmerzen, Bewegungsstörungen wie Parkinson oder wirbelsäulenbedingte Nervenschmerzen zu behandeln. Das hochmargige Segment verzeichnete ein Umsatzwachstum von 15 Prozent, stellt jedoch nur ein Randsegment dar.

Maßnahmen des Managements

Das Management will die Schwäche in der Elektrophysiologie durch die Produktpipeline und den Ausbau der Mapping-Plattform (ein Navigations- und Visualisierungssystem für das Herzkatheterlabor) lösen. Bis 2027 soll mit neuen Kathetersystemen die Technologieführerschaft bei der Herzverödung (PFA) zurückerobert werden. Für die Urologie-Sparte sind rund 100 neue Vertriebsmitarbeiter vorgesehen und frische Zulassungen sollen wiederum die Sortimentslücke schließen.

Zwischen Innovationsdruck und Wachstumschancen

Boston Scientific steht unter einem stetigen F&E-Druck, um den Markt nicht an den Wettbewerb zu verlieren. Hinzu kommt, dass die Lösungen von Boston nicht die Akutmedizin betreffen und daher die Umsatzentwicklung stark mit Marktzyklen korreliert. In Krisen fließt das Geld in die Akutmedizin, während Eingriffe im Bereich der Präventivmedizin gestrichen oder hinausgezögert werden.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Dennoch ist Boston in einem strukturell wachsenden Markt tätig, der von der alternden Bevölkerung profitiert. Die jüngste Übernahme von Penumbra zu einem EV/Sales-Multiple von 7,5 unterstreicht die strategische Ausrichtung des Managements auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Penumbra ist mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar Marktführer im Bereich der mechanischen Thrombektomie und Schlaganfallbehandlung. Die Akquisition dürfte im Jahr 2026 rund 7 Prozent zum anorganischen Umsatzwachstum von Boston beitragen.

Der künftige Erfolg von Boston Scientific hängt somit maßgeblich am Management. Es gilt die milliardenschwere Penumbra-Übernahme reibungslos zu integrieren, das Vertriebsteam strategisch zu stärken und die richtigen Zukunftsinvestitionen in die Produktpipeline zu tätigen. Wer vom Management überzeugt ist, kann Boston Scientific aktuell zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 erwerben.

 

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