Anti-cyclical funds: Silver, chips, AI – these contrarian funds bet against the market

Wer antizyklisch investiert, meidet teure Börsen-Hypes und sucht stattdessen gezielt nach unterbewerteten Qualitätsaktien. (Bild: Magnific AI)

Silber explodierte auf Rekordniveau, Öl fungierte als Inflationsschutz und Speicherchip-Aktien avancierten zu den Stars der KI-Rally. Doch die Börse zeigt immer wieder: Je größer die Euphorie, desto höher die Fallhöhe. Warum Anleger Gewinnern nicht blind hinterherlaufen sollten – und wie 2 antizyklische Fonds auf unterschätzte Unternehmen und vergessene Chancen setzen.

Wenn die Euphorie am größten ist

Die Börse liebt Gewinnergeschichten. Eine überzeugende Story zieht Kapital an, steigende Kurse locken weitere Anleger an – und irgendwann entsteht eine Eigendynamik. Doch genau darin liegt die Gefahr: Je erfolgreicher ein Trend wird, desto größer ist das Risiko, dass Anleger nicht mehr die Gegenwart bewerten, sondern eine perfekte Zukunft einpreisen.

Die jüngsten Beispiele reichen von Edelmetallen bis hin zu Rohstoffen. Silber etwa schien auf dem Weg in eine neue Ära. Die Argumente waren überzeugend: Die Solarindustrie benötigt große Mengen des Edelmetalls, auch Elektromobilität und Digitalisierung erhöhen die Nachfrage. Gleichzeitig sorgten Inflationsängste und Zweifel an der Stabilität des US-Dollars für zusätzliche Käufe.

In der Folge explodierte der Preis bis auf über 120 US-Dollar. Doch dann kam die Ernüchterung. Die US-Notenbank blieb länger restriktiv als erwartet, der Dollar gewann an Stärke und spekulative Positionen wurden aufgelöst. Zusätzlich reagierten industrielle Abnehmer auf den hohen Preis und suchten nach Alternativen.

Die Folge: Der Silberpreis korrigierte massiv. Aktuell liegt der Kurs bei 58 US-Dollar. Die langfristige Investmentthese war damit nicht automatisch falsch. Aber Anleger hatten zeitweise schlicht zu viel für sie bezahlt.

Die nächste Übertreibung? Speicherchip-Aktien im Fokus

Nach Edelmetallen und Rohstoffen richteten Anleger ihren Blick auf den nächsten großen Wachstumstrend: Künstliche Intelligenz. Vor allem Speicherchip-Hersteller gehörten zu den spektakulären Gewinnern. Aktien von Unternehmen wie Micron Technology, Samsung Electronics oder SK Hynix profitieren vom Boom bei KI-Rechenzentren.

Die Geschichte dahinter ist zweifellos stark: KI-Anwendungen benötigen enorme Mengen an Hochleistungsspeichern. Besonders sogenannte High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM), die für moderne KI-Systeme entscheidend sind, erleben eine stark steigende Nachfrage. Doch genau hier ziehen einige Analysten Parallelen zu Silber.

Denn auch bei Halbleiteraktien besteht die Gefahr, dass Anleger nicht nur die aktuelle Gewinnentwicklung bewerten, sondern bereits viele Jahre perfektes Wachstum vorwegnehmen. Eine extreme Rally macht eine Aktie nicht automatisch schlecht. Aber sie erhöht die Fallhöhe.

Die Fomo-Kaskade: Warum Anleger häufig zu spät einsteigen

Die größten Fehler an der Börse entstehen selten durch mangelndes Wissen. Häufig sind es Emotionen, die Anleger teuer zu stehen kommen. Das Muster wiederholt sich seit Jahrzehnten: Zunächst steigt ein Markt, ein Rohstoff oder eine Aktie. Die ersten Investoren profitieren, die Medien berichten zunehmend darüber, Analysten erhöhen ihre Kursziele und immer mehr Anleger springen auf den fahrenden Zug auf. Die Kurse steigen nun oft schneller als die zugrunde liegenden Gewinne oder Fundamentaldaten. Irgendwann folgen Ernüchterung – und die Korrektur.

Genau hier schlägt die sogenannte Fomo-Falle zu. „Fear of Missing Out“, die Angst, etwas zu verpassen, verleitet Anleger dazu, Trends erst dann zu kaufen, wenn sie bereits weit fortgeschritten sind. Kommt es anschließend zu Rückschlägen, fehlt oft die Überzeugung, diese durchzustehen.

Besonders problematisch wird es, wenn Anleger unmittelbar zum nächsten Börsenstar wechseln. Aus Silber wird KI, aus KI werden Halbleiter, aus Halbleitern der nächste Megatrend. Statt Vermögen aufzubauen, rotieren sie permanent zwischen den jeweils populärsten Anlageklassen – meist genau zum falschen Zeitpunkt. Diese Fomo-Kaskade zählt zu den häufigsten Ursachen dafür, dass Anleger trotz vieler richtiger Markttrends am Ende hinter der Marktentwicklung zurückbleiben.

Gegen den Strom: Wie Contrarian-Investoren Chancen suchen

Wer diesem Muster entgehen möchte, muss nicht zwangsläufig gegen jeden Trend wetten. Oft reicht es bereits, dort nach Chancen zu suchen, wo die Mehrheit der Anleger gerade nicht hinschaut.

comdirect-logo

Advertisement

Buy ETFs & stocks easily. The test winner.

Germany's best online depot.

Genau darauf basiert der Contrarian-Ansatz. Antizyklisches Investieren bedeutet nicht, blind die größten Verlierer zu kaufen. Erfolgreiche Contrarian-Investoren suchen vielmehr nach Unternehmen, deren Kurse hinter ihrer tatsächlichen Geschäftsentwicklung zurückgeblieben sind. Entscheidend sind solide Bilanzen, robuste Geschäftsmodelle und attraktive Bewertungen.

Die Grundidee ist einfach: Während die Börse kurzfristig von Emotionen und Modetrends getrieben wird, setzen sich langfristig meist die Fundamentaldaten durch. Wer Qualitätsunternehmen kauft, wenn sie ungeliebt oder übersehen sind, erhöht die Chance auf attraktive Renditen – und reduziert gleichzeitig das Risiko, in die nächste Euphoriewelle hineingezogen zu werden. 2 Fonds verfolgen diesen Ansatz derzeit besonders konsequent. Sie investieren bewusst dort, wo die Erwartungen niedrig und die Bewertungen attraktiv sind – und meiden Bereiche, in denen bereits eine nahezu perfekte Zukunft eingepreist scheint.

TT Contrarian Global: Auf der Suche nach den vergessenen Gewinnern

The TT Contrarian Global (ISIN: DE000A3CRQ67) gehört zu den Fonds, die bewusst abseits der großen Börsentrends investieren. Der Ansatz stammt aus der Schule des Value- und Contrarian-Investierens: Kaufen, wenn die Mehrheit skeptisch ist – vorausgesetzt, die fundamentale Qualität stimmt.

Fondsmanager Jan David Meyer investiert nicht blind in gefallene Aktien, sondern sucht Unternehmen, deren langfristiges Potenzial vom Markt unterschätzt wird. Ein Blick auf das Portfolio zeigt die breite Streuung des Ansatzes: Zu den größeren Positionen gehören aktuell mit Samsung und SK Hynix 2 Unternehmen, die direkt vom KI-Boom profitieren. Die Fondsmanager setzen also nicht grundsätzlich gegen Megatrends, sondern versuchen, diejenigen Unternehmen zu finden, bei denen die Bewertung noch attraktiv erscheint.

Daneben finden sich klassische Value-Werte wie der brasilianische Energiekonzern Petrobras, der chinesische Technologiekonzern Lenovo oder der Goldproduzent Barrick Mining. Auch Nebenwerte spielen eine wichtige Rolle. Der Fonds nutzt zusätzlich ETFs auf europäische und amerikanische Small Caps – ein Bereich, der in den vergangenen Jahren deutlich hinter den großen Technologiekonzernen zurückgeblieben ist. Die Grundidee: Marktführerschaft ist nicht dauerhaft. Die Gewinner von heute müssen nicht die Gewinner von morgen sein. Genau darauf setzt der Fonds.

MFS Contrarian Capital Fund: Qualität kaufen, wenn sie unbeliebt ist

Einen etwas anderen Weg verfolgt der MFS Contrarian Capital Fund (ISIN: LU2864447680) des Vermögensverwalters MFS Investment Management.

Hier steht nicht nur die Bewertung im Mittelpunkt, sondern vor allem die Qualität eines Unternehmens. Fondsmanagerin Anne-Christine Farstad sucht nach Aktien mit einem asymmetrischen Chance-Risiko-Profil: Unternehmen, deren Kurse bereits stark unter Druck stehen, deren Geschäftsmodelle aber langfristig intakt sind.

Ein klassisches Beispiel war die Corona-Krise. Während viele Anleger davon ausgingen, dass Reisen dauerhaft leiden würden, investierte die Managerin in stark abgestrafte Unternehmen wie Booking Holdings oder Ryanair. Die Strategie war erfolgreich, weil der Markt ein extremes Negativszenario bereits eingepreist hatte. Heute setzt sie unter anderem auf etablierte Unternehmen wie Michelin, Deutsche Post DHL Group oder Veolia.

Auffällig ist die bewusste Abweichung vom Mainstream: Während der MSCI World stark von US-Technologieaktien dominiert wird, ist der Fonds deutlich zurückhaltender bei den großen KI-Gewinnern. Der IT-Anteil ist vergleichsweise gering, stattdessen dominieren Unternehmen aus Industrie, Konsum und Infrastruktur. Die Überzeugung dahinter: Gute Unternehmen können schlechte Börsenphasen überstehen – und werden langfristig oft belohnt, wenn die Stimmung wieder dreht.

Fazit: Nicht der Hype entscheidet, sondern der Preis

Silber, Öl und Halbleiteraktien zeigen ein wiederkehrendes Muster an den Märkten: Eine gute Geschichte kann zu einer schlechten Investition werden, wenn der Preis zu hoch ist. Für Anleger bedeutet das nicht, Megatrends grundsätzlich zu meiden. Künstliche Intelligenz, Digitalisierung oder Energiewende werden die Wirtschaft zweifellos verändern. Doch langfristiger Anlageerfolg entsteht selten durch das Hinterherlaufen der größten Gewinner.

Oft entstehen die besten Chancen dort, wo die Stimmung schlecht ist, Bewertungen niedrig sind und kaum jemand hinschaut. Denn an der Börse wechseln die Rollen regelmäßig: Aus den Außenseitern von heute können die Gewinner von morgen werden.

 

Disclaimer:
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.

The contribution Anti-cyclical funds: Silver, chips, AI – these contrarian funds bet against the market appeared first ftd.de.