Die Lage im Iran-Krieg wechselt zwischen martialischer Rhetorik, Attacken und Gesprächsansätzen, die Märkte haben sich mittlerweile an das Spiel gewöhnt. Die Eurozone meldete letzte Woche verbessertes Wachstum, während das BIP in den USA enttäuschte. Sorge bereitet angesichts der hohen Staatsschulden die Entwicklung an den Rentenmärkten. Die aktuelle Woche steht neben der dominierenden Geopolitik insbesondere im Zeichen der neuesten US-Arbeitsmarktzahlen. Außerdem stehen unter anderem Industriedaten für Deutschland im Fokus, sowie die US-Handelsbilanz.
Geopolitik als dominierender Faktor für die Wirtschaft
Die geopolitische Lage bleibt äußerst angespannt und überlagert zunehmend klassische Wirtschaftsdaten. Der Konflikt im Nahen Osten sorgt weiterhin für erhebliche Unsicherheit an der Börse. Zwar gab es nach deutlichen militärischen Drohungen der USA zuletzt wieder Signale für diplomatische Gespräche, doch die Skepsis der Marktteilnehmer bleibt groß.
Folker Hellmeyer mahnt in diesem Zusammenhang zur Vorsicht, da die potenziellen Folgen einer Eskalation für die globale Versorgungskette dramatisch sein könnten. Dies betrifft nicht nur die Ölversorgung und Flüssiggas, sondern auch energieintensive chemische Produkte und Düngemittel.
Gleichzeitig nehmen die Spannungen im Ukraine-Krieg neue Formen an. Berichte über den ukrainischen Angriff auf ein iranisches Schiff deuten darauf hin, dass sich die beiden Konfliktherde miteinander vermengen könnten. Eine solche Ausweitung stellt für die globale Ökonomie ein erhebliches Risiko dar, das von den Finanzmärkten derzeit möglicherweise unterschätzt wird.
Währungsmarkt: Die Schwäche des japanischen Yen
Der Blick auf die internationalen Finanzmärkte offenbart signifikante Verwerfungen am Devisenmarkt. Die Bank of Japan hat vergangene Woche ihren Leitzins unverändert bei 1 Prozent belassen. Bei einer Preisinflation von 1,7 Prozent bedeutet dies weiterhin einen real negativen Zins von minus 0,7 Prozent.
Diese Geldpolitik trifft auf massive Ausgabenprogramme und geplante Steuersenkungen der japanischen Regierung, was das Haushaltsdefizite drastisch ausweiten dürfte. Der japanische Yen reagierte darauf mit massiver Schwäche.
Für Europa ergeben sich aus der Stärke des Euro – auch gegenüber dem US-Dollar – gravierende Nachteile im internationalen Wettbewerb. Seit Januar des vergangenen Jahres wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar um rund 13 Prozent auf. Auch gegenüber dem japanischen Yen haben sich die Rahmenbedingungen für europäische Exportunternehmen spürbar verschlechtert. Europa trägt eine enorme Währungsbürde, obwohl die Eurozone wirtschaftlich hinter anderen Regionen zurückbleibt.
Systemische Risiken an den Rentenmärkten
Ein zentrales Thema der aktuellen Analyse sind die globalen Rentenmärkte, die zunehmend in den Fokus rücken. Die geopolitischen Herausforderungen erfordern weltweit massive Investitionen in Rüstung und Verteidigung. Diese Ausgaben sind jedoch rein konsumtiver Natur und generieren keine nachhaltigen volkswirtschaftlichen Folgeeffekte.
Dies führt zu einem gefährlichen Zusammenspiel aus steigenden Zinsen und historischen Schuldenständen. Die USA verzeichnen mit 4,70 Prozent das höchste Renditeniveau seit dem Jahr 2023, während Japan mit 2,83 Prozent den höchsten Wert seit 1996 erreicht. Auch in Großbritannien, Frankreich und Deutschland klettern die Renditen für Staatsanleihen auf langjährige Höchststände.
Im Gegensatz zu früheren Hochzinsphasen sind die heutigen Staatsverschuldungsquoten jedoch ungleich höher. Die USA liegen aktuell bei 125,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Japan sogar bei über 204 Prozent. Auch in Frankreich und Großbritannien haben sich die Quoten drastisch erhöht. Diese Kombination aus hohen Zinsen und extremer Verschuldung birgt das Risiko einer systemischen Krise, die an der Börse momentan weitgehend ignoriert wird.
Makroökonomie: Rückblick auf die vergangenen Tage
Die US-Notenbank ließ in der vergangenen Woche die Zinsen erwartungsgemäß in der Zielzone von 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert. Allerdings ändert sich die Kommunikation, und weitere Zinserhöhungen werden vor dem Hintergrund potenziell steigender Rohstoffpreise ernsthaft erwogen. Die amerikanische Wirtschaft wuchs im 2. Quartal laut ersten Schätzungen um 1,5 Prozent, was unter den Erwartungen lag.
Hier ist jedoch mit Revisionen nach oben zu rechnen, da der verwendete Deflator mit 6,3 Prozent außergewöhnlich hoch angesetzt war. Die USA bleiben dank Energieautarkie, Strukturreformen und starkem Verbrauchervertrauen der wirtschaftliche Outperformer der westlichen Welt.
Europa hingegen präsentiert ein durchwachsenes Bild. Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone wuchs im Jahresvergleich um 1 Prozent, bei einer moderaten Inflation von 2,9 Prozent. Deutschland bleibt mit einem Wirtschaftsrückgang von minus 0,2 Prozent und einer steigenden Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent das Sorgenkind der Region.
The Hellmeyer of the Week: Key Takeaways at a Glance
- Geopolitik: Die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine drohen zu verschmelzen und gefährden die globale Rohstoffversorgung massiv.
- Währungen: Der starke Euro belastet die europäische Exportwirtschaft enorm.
- Rentenmärkte: Historisch hohe Staatsschulden treffen auf gestiegene Zinsen und schaffen das Potenzial für eine systemische Krise.
- Weltwirtschaft: Die USA bleiben der Wachstumsmotor, während Deutschland ökonomisch weiter den Anschluss verliert.
Ausblick: Diese Daten bewegen die Finanzmärkte in dieser Woche
In dieser Berichtswoche stehen zahlreiche Termine an, die für Anleger von hoher Relevanz sind. Am Dienstag wird die Handelsbilanz der USA veröffentlicht, bei der ein leicht reduziertes Defizit von 73 Milliarden US-Dollar erwartet wird.
Der Mittwoch steht im Zeichen der Einkaufsmanagerindizes. Für Deutschland wird ein Wert von 51,2 Punkten für die Gesamtwirtschaft prognostiziert, für die Eurozone werden 51,9 Punkte erwartet. In den USA deutet der ADP-Beschäftigungsbericht mit voraussichtlich 70.000 neuen Arbeitsplätzen auf eine weiterhin robuste Expansion hin.
Am Donnerstag folgen die deutschen Auftragseingänge der Industrie, die dank staatlicher Rüstungsaufträge leicht um 0,2 Prozent wachsen sollen. Die Einzelhandelsumsätze der Eurozone werden ebenfalls mit einem moderaten Plus von 0,2 Prozent erwartet. Den Abschluss bildet am Freitag der viel beachtete US-Arbeitsmarktbericht, bei dem 83.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft und ein leichter Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,3 Prozent prognostiziert werden.
Fazit für Anleger
Die aktuelle Gemengelage erfordert von Investoren ein hohes Maß an Wachsamkeit. Die reine Betrachtung isolierter Wirtschaftsdaten reicht derzeit nicht aus, um die Dynamik an der Börse zu verstehen. Die Geopolitik bleibt das alles bestimmende Zentrum, das sowohl die Realwirtschaft als auch die Finanzmärkte in Atem hält. Behalten Sie insbesondere die Entwicklungen an den globalen Rentenmärkten im Blick, da sich hier signifikante systemische Risiken aufbauen.
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Disclaimer:
This article is based exclusively on the transcript of the broadcast "Hellmeyer der Woche", calendar week 18. The content is for journalistic information and does not constitute investment advice.
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