Das Fonds-Duell: Kann aktives Management den Welt-ETF schlagen?

Die historische Wertentwicklung über 10 Jahre offenbart einen deutlichen Renditevorsprung des High Conviction Funds gegenüber dem breit gestreuten Weltindex. (Bild: Magnific AI)

Im Fonds-Duell treten diesmal zwei völlig unterschiedliche Anlagephilosophien gegeneinander an. Auf der einen Seite steht der iShares MSCI ACWI UCITS ETF – günstig, breit diversifiziert und der Inbegriff des passiven Investierens. Auf der anderen Seite der DWS Global Equity High Conviction Fund, den DWS-Starfondsmanager André Köttner mit einer konzentrierten Auswahl seiner besten Ideen steuert. Wer gewinnt: der Weltindex oder der Stockpicker?

Der Weltmarkt ist breit – aber längst nicht ausgewogen

„Einfach den Weltmarkt kaufen“ gilt seit Jahren als Königsweg für Privatanleger. Genau das verspricht der iShares MSCI ACWI UCITS ETF (ISIN: IE00B6R52259). Der zugrundeliegende Index umfasst Aktien aus Industrie- und Schwellenländern und bildet damit die globale Wirtschaft so umfassend wie kaum ein anderer Aktienindex ab.

Doch der Schein trügt. Denn obwohl mehr als 2.000 Unternehmen enthalten sind, bestimmen inzwischen wenige US-Technologieriesen den Takt. Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta dominieren die Entwicklung des Index. Wer heute den Weltmarkt kauft, investiert damit stärker denn je in die Magnificent Seven. Das ist die stille Ironie des passiven Investierens: Der ETF kauft Unternehmen nicht, weil sie besonders attraktiv bewertet sind oder überdurchschnittliche Wachstumsaussichten besitzen. Er kauft sie, weil sie bereits groß sind. Marktkapitalisierung ersetzt die Analyse.

 


Genau hier setzt aktives Management an. Ein Fondsmanager kann bewusst gegen den Index investieren, Titel über- oder untergewichten und Chancen erkennen, bevor sie im Index überhaupt relevant werden.

Management-Duell: André Köttner gegen den Algorithmus

The DWS Global Equity High Conviction Fund (ISIN: LU0826452848) wird seit 2013 von André Köttner verantwortet. Er zählt zu den bekanntesten Aktienfondsmanagern der DWS und steuert unter anderem auch die Milliardenfonds DWS Vermögensbildungsfonds I sowie den DWS ESG Akkumula. Sein Investmentansatz trägt den Namen bereits im Titel: High Conviction. Statt hunderte Aktien zu halten, investiert Köttner gezielt in jene Unternehmen, denen er langfristig das größte Potenzial zutraut. Qualität geht vor Quantität.

Im Mittelpunkt stehen internationale Wachstumsunternehmen, globale Marktführer sowie Firmen mit überdurchschnittlichen Chancen in den Schwellenländern. Der Fonds ist als Artikel-8-Produkt gemäß SFDR klassifiziert und berücksichtigt Nachhaltigkeitsmerkmale.

 


Der iShares MSCI ACWI UCITS ETF verfolgt dagegen einen völlig anderen Ansatz. Hier entscheidet kein Fondsmanager, sondern ausschließlich das Regelwerk des Index. Unternehmen werden nach ihrer Streubesitz-Marktkapitalisierung gewichtet. Emotionen, Prognosen oder persönliche Überzeugungen spielen keine Rolle. Dieses Duell ist deshalb mehr als ein Produktvergleich. Es ist ein Wettstreit zwischen menschlicher Analyse und algorithmischer Konsequenz.

Portfolio-Duell: Konzentration gegen maximale Diversifikation

Der Blick auf die Portfolios offenbart 2 Welten. Beim DWS-Fonds entfielen zuletzt fast 50 Prozent des Vermögens auf die 10 größten Positionen. Dazu gehören unter anderem Taiwan Semiconductor, Alphabet, Samsung Electronics, Booking Holdings, Arista Networks, Microsoft, Meta Platforms und Total Energies. Das Portfolio setzt klare Schwerpunkte auf Halbleiter, künstliche Intelligenz, digitale Plattformen und Asien. Auffällig ist insbesondere die starke Gewichtung asiatischer Technologieführer wie TSMC und Samsung – ein Bereich, den viele globale Fonds eher untergewichten.

Der iShares MSCI ACWI ETF verteilt sein Vermögen dagegen auf mehr als 2.000 Unternehmen. Dennoch entfallen auch hier rund 23 Prozent auf die 10 größten Positionen. Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet dominieren das Portfolio ebenso wie den Weltindex. Der Unterschied liegt also nicht in den Unternehmen selbst, sondern in ihrer Gewichtung. Während der ETF Größe belohnt, investiert Köttner nach Überzeugung.

Risiko-Duell: Wer aktiv entscheidet, lebt gefährlicher

Beide Produkte investieren weltweit in Aktien und gehören damit grundsätzlich zur gleichen Risikoklasse. Dennoch unterscheidet sich die Art des Risikos erheblich. Der ETF bildet den Markt nahezu 1 zu 1 ab. Fällt der Weltaktienmarkt, fällt auch der ETF. Steigt er, steigt der ETF mit. Anleger erhalten keine aktive Steuerung – dafür aber auch keine Fehlentscheidungen eines Fondsmanagers.

Beim DWS-Fonds ist das anders. Einzelne Investmententscheidungen wirken sich deutlich stärker auf die Entwicklung aus. Mit knapp der Hälfte des Vermögens in den 10 größten Positionen kann Köttner den Markt klar schlagen – oder zeitweise deutlich hinter ihm zurückbleiben. Die 3-Jahresvolatilität lag zuletzt bei rund 14,2 Prozent gegenüber 11,7 Prozent beim ETF. Der Preis für die höhere Renditechance ist also eine etwas stärkere Schwankung.

Kosten-Duell: Der ETF startet mit Vorsprung

In kaum einer Disziplin ist der Sieger eindeutiger. Der iShares MSCI ACWI UCITS ETF kostet lediglich 0,20 Prozent pro Jahr. Für ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio inklusive Schwellenländer ist das kaum zu unterbieten. Der DWS Global Equity High Conviction Fund verlangt in der Retailtranche dagegen laufende Kosten von rund 1,58 Prozent. Hinzu kommt ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent, der allerdings häufig rabattiert wird. Damit startet der ETF jedes Jahr mit einem deutlichen Kostenvorteil. Aktives Management muss diese Differenz erst einmal verdienen.

Performance-Duell: Köttner liefert Alpha

Genau das ist André Köttner in den vergangenen Jahren gelungen. Über ein Jahr erzielte der DWS-Fonds eine Wertentwicklung von 43,06 Prozent, während der iShares MSCI ACWI ETF auf 20,69 Prozent kam. Auch über 3 Jahre setzte sich der aktive Fonds mit 85,12 Prozent deutlich vom ETF (60,28 Prozent) ab. Über 5 Jahre beträgt der Vorsprung 101,58 Prozent gegenüber 72,12 Prozent. Besonders bemerkenswert ist der langfristige Vergleich. Auf 10-Jahres-Sicht legte der DWS-Fonds rund 251 Prozent zu, während der ETF auf rund 204 Prozent kam (Stand: 03.08.2026).

Diese Zahlen zeigen: Aktives Management kann den Weltmarkt durchaus schlagen. Entscheidend ist allerdings die Qualität des Stockpickings. Köttners Fokus auf Halbleiter, Plattformunternehmen und asiatische Technologieführer hat sich bislang ausgezahlt. Ob diese Outperformance dauerhaft Bestand hat, bleibt offen. Wer sich für den DWS-Fonds entscheidet, investiert nicht nur in globale Aktien – sondern vor allem in das Urteilsvermögen seines Fondsmanagers.

Transparenz-Duell: Einfachheit oder Überzeugung?

Der ETF ist denkbar einfach. Anleger kaufen den Weltmarkt – ohne sich Gedanken über Managerwechsel, Stilwechsel oder Einzeltitel machen zu müssen. Der DWS-Fonds verlangt dagegen Vertrauen. Warum TSMC so hoch gewichtet ist. Weshalb Samsung wichtiger erscheint als Apple. Warum einzelne Unternehmen fehlen, obwohl sie im Index stark vertreten sind. All das sind bewusste Managemententscheidungen. Für aktive Anleger macht das genau den Reiz aus. Wer dagegen maximale Einfachheit sucht, dürfte sich mit einem ETF wohler fühlen.

comdirect-logo

Advertisement

Buy ETFs & stocks easily. The test winner.

Germany's best online depot.

Das Urteil: 2 Gewinner – für unterschiedliche Anlegertypen

Der iShares MSCI ACWI UCITS ETF bleibt eine hervorragende Basisanlage. Niedrige Kosten, maximale Diversifikation und hohe Transparenz machen ihn zum idealen Kerninvestment für langfristig orientierte Anleger. Der DWS Global Equity High Conviction Fund richtet sich dagegen an Investoren, die mehr wollen als den Durchschnitt des Weltmarktes. André Köttner hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass aktives Management auch im Zeitalter der ETFs Mehrwert schaffen kann. Dafür müssen Anleger allerdings höhere Kosten, stärkere Schwankungen und das Risiko aktiver Fehlentscheidungen akzeptieren.

Das Fazit des Fonds-Duells: Wer den Markt möglichst günstig kaufen möchte, bleibt beim ETF. Wer überzeugt ist, dass ein erfahrener Stockpicker die Gewinner von morgen früher erkennt als ein Index, findet im DWS Global Equity High Conviction Fund eine überzeugende Alternative. Punktsieg nach Performance: DWS. Punktsieg bei Kosten, Transparenz und Einfachheit: iShares. Die eigentliche Entscheidung fällt deshalb nicht zwischen aktiv und passiv – sondern zwischen dem Wunsch nach maximaler Einfachheit und der Hoffnung auf nachhaltiges Alpha.

 

Disclaimer:
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.

The contribution Das Fonds-Duell: Kann aktives Management den Welt-ETF schlagen? appeared first ftd.de.