Vergangene Woche überraschte der US-Arbeitsmarktbericht mit einem Stellenrückgang – andere US-Kennzahlen sprechen hingegen für wirtschaftliche Stärke. Im Irankrieg bleibt die Lage fragil, während die Situation zwischen Russland und der Ukraine weiter eskaliert. Die Finanzmärkte bleiben von all dem unbeeindruckt und operieren nahe der Höchststände. Bei Edelmetallen ist eine Konsolidierung festzustellen. In der aktuellen Woche schauen Anleger unter anderem auf die US-Inflationsdaten, das Federal Budget der USA sowie die Handelsbilanz der Eurozone.
Finanzmärkte und Geopolitik: Die Analyse im Hellmeyer der Woche
An den internationalen Aktienmärkten hält die ausgeprägte Widerstandskraft unvermindert an. Zahlreiche Indizes bewegen sich weiterhin in direkter Schlagdistanz zu neuen Rekordhochs. Die Börse zeigt sich von den Anfechtungen aus Geopolitik und durch Wirtschaftsdaten bislang weitgehend unbeeindruckt.
Ein kritischeres Bild herrscht an den Rentenmärkten. Bei den Staatsanleihen stehen die Renditen in Japan (knapp 2,8 Prozent) sowie in Großbritannien und Frankreich an kritischen Ausbruchskanten. Zwar gibt es phasenweise Entspannungszeichen, doch von einer nachhaltigen Beruhigung kann keine Rede sein. Es bestehen weiterhin systemische Risiken für die Staatsfinanzen dieser Nationen.
Bei den Edelmetallen hat die Bodenbildung Form angenommen. Der Goldpreis stieg nach einem vorübergehenden Rücksetzer unter die Marke von 4.000 US-Dollar wieder auf über 4.300 US-Dollar an. Auch Silber verdeutlichte seine Erholung und kletterte nach Tiefs unter 55 US-Dollar kurzfristig auf über 64 US-Dollar. Bitcoin durchläuft ebenfalls eine Bodenbildung, lässt allerdings die Dynamik der Edelmetalle vermissen.
Auf geopolitischer Ebene bleibt der Iran-Konflikt ein zentraler Belastungsfaktor. Die Lage an der Straße von Hormus präsentiert sich weiterhin fragil. Iran und Oman haben besprochen, wie künftig die Verkehre gleitet werden sollen. Eine grundlegende Einigung zwischen den USA und dem Iran steht jedoch aus.
Teheran knüpft Vereinbarungen an das Ende von Bedrohungen, den Stopp der Blockade sowie Reparationszahlungen. Diese Forderungen stellen Washington vor erhebliche Hürden. Zudem sind die US-Waffenarsenale stark beansprucht, was den Handlungsspielraum verengt. Unterdessen verschärft sich der Ukraine-Krieg weiter, was vor allem für Europa erhebliche wirtschaftliche Risiken birgt.
Wirtschaft und Standort Europa: Energieversorgung im Brennpunkt
Für die europäische Wirtschaft stellt die Energieversorgung die entscheidende Lebensader dar. Die aktuellen Daten zu den Gasfüllständen mahnen zur Vorsicht. In Deutschland liegt der Speicherstand bei rund 47 Prozent, während für die Wintersaison ein Zielwert von über 80 Prozent erforderlich ist. Auch die Eurozone hinkt mit knapp 58 Prozent den Zielvorgaben hinterher.
Erschwerend kommt hinzu, dass ab dem Jahr 2027 der Import von russischem Flüssiggas vollständig gestoppt werden soll. Aktuell steigen die Einfuhren von russischem LNG in Ländern wie Frankreich jedoch noch an. Angesichts des enormen Energiebedarfs der vierten industriellen Revolution gerät die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa zunehmend in Gefahr.
Parallel dazu steht die deutsche Wirtschaftspolitik unter Druck. Die aktuellen Reformvorschläge zur Steuerpolitik stoßen beim Bund der Steuerzahler auf scharfe Kritik. Eine hohe Staatsquote von rund 50 Prozent und eine stärkere Belastung von Leistungsträgern drohen laut Hellmeyer die soziale Marktwirtschaft weiter auszuhöhlen. Dies gefährdet den Wohlstand sowie die innere Stabilität des Landes.
Makroökonomie: Gemischte Signale aus USA, Eurozone und China
Die makroökonomischen Daten der vergangenen Woche vermitteln ein vielschichtiges Bild. In den USA überraschte der offizielle Arbeitsmarktbericht negativ, da 23.000 Stellen abgebaut wurden, während Experten einen Zuwachs von 80.000 Stellen erwartet hatten. Der Vormonatswert wurde zudem von 57.000 auf 20.000 Stellen nach unten korrigiert. Der ADP-Report meldete hingegen einen Beschäftigungsaufbau von 44.000 Stellen in der Privatwirtschaft.
Starke Signale kamen hingegen von den Einkaufsmanagerindizes. Der Index für die Gesamtwirtschaft stieg im Juli auf 54,5 Punkte. Der ISM-Index verbesserte sich von 53,3 auf 55,6 Punkte und unterstreicht die fundamentale Stärke der US-Wirtschaft. Das US-Handelsbilanzdefizit verringerte sich leicht auf 73,6 Milliarden US-Dollar.
In der Eurozone schrumpfte die Dynamik im Einzelhandel, dessen Umsätze im Jahresvergleich nur noch um 0,7 Prozent zulegten. Die Erzeugerpreise schwächten sich auf 4,6 Prozent ab, während der Einkaufsmanagerindex bei 52 Punkten notierte. Deutschland verzeichnete bei der Industrieproduktion im Jahresvergleich keine Veränderung, positiv zu werten ist ein Auftragsplus von 3,1 Prozent im Monatsvergleich.
In China verlangsamte sich der Anstieg der Verbraucherpreise auf 0,5 Prozent im Jahresvergleich. Gleichzeitig erzielte die chinesische Wirtschaft einen Handelsbilanzüberschuss von 112,5 Milliarden US-Dollar. Im ersten Halbjahr war China mit 128 Milliarden Euro der größte Handelspartner Deutschlands, wobei die deutschen Exporte dorthin um 9 Prozent einbrachen, während die Importe um 12 Prozent zulegten.
Darüber hinaus überzeugt China durch technologische Führungsstärke. Das Land belegt in 69 von 74 zukunftsweisenden Wissenschaftsfeldern die Spitzenposition, während die USA in 5 Feldern führen und Europa nicht vertreten ist. Passend dazu prüft Apple aufgrund von Lieferengpässen den Kauf von Chips aus China. Positive Signale kommen von Satellitendaten zum weltweiten Pflanzenwachstum: Die Grünflächen stiegen in den vergangenen 40 Jahren um 15 Prozent auf den Rekordwert von 68,2 Prozent der Landfläche. Der globale JPMorgan-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe signalisiert mit 52,1 Punkten solides Wachstum.
Prognose und Finanztermine: Der Ausblick bei Hellmeyer der Woche
Für die laufende Berichtswoche richtet sich der Blick auf wichtige Konjunkturdaten. Am Dienstag wird in den USA der Small Business Optimism Index der NFIB veröffentlicht, der zuletzt bei 97,4 Punkten lag. Am Mittwoch folgen die finalen Verbraucherpreise für Deutschland, für die eine Bestätigung von 2,8 Prozent erwartet wird, sowie die US-Verbraucherpreise, die den Prognosen nach von 3,5 auf 3,4 Prozent sinken sollen. Am Abend steht zudem das US-Bundesbudget für den Monat Juli an.
Der Donnerstag bringt die Daten zur Industrieproduktion der Eurozone, wo ein Rückgang von 0,9 Prozent im Jahresvergleich prognostiziert wird. In den USA werden die Erzeugerpreise erwartet, die voraussichtlich von 5,5 auf 4,9 Prozent nachgeben.
Zum Wochenabschluss am Freitag erscheinen die erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum der Eurozone sowie die europäische Handelsbilanz. In den USA stehen die Einzelhandelsumsätze und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan im Mittelpunkt. Rechnerisch ergibt sich für den US-Einzelhandel nach Abzug der Inflation ein reales Wachstum von gut 3,2 Prozent.
The Hellmeyer of the Week: Key Takeaways at a Glance
- Resiliente Aktienmärkte: Notierungen bleiben trotz geopolitischer Spannungen in der Nähe historischer Höchststände.
- Risiken an den Rentenmärkten: Renditen für Staatsanleihen in Japan, Großbritannien und Frankreich belasten das System.
- Erholung der Edelmetalle: Gold notiert wieder über 4.300 US-Dollar, Silber steigt über 64 US-Dollar.
- Energiefragen in Europa: Unzureichende Gasfüllstände gefährden die industriellen Rahmenbedingungen nachhaltig.
- Konjunkturgefälle: Die USA weisen gegenüber der Eurozone und Deutschland eine deutlich höhere Dynamik auf.
Fazit und Relevanz für Anleger
Die weltweite Konjunktur und die Finanzmärkte beweisen in einem herausfordernden Umfeld eine bemerkenswerte Widerstandskraft. Während makroökonomische Kennzahlen das Marktgeschehen begleiten, bleiben geopolitische Entwicklungen der primäre Taktgeber für Investoren.
Für Anleger empfiehlt sich weiterhin eine aufmerksame Beobachtung der Rentenmärkte sowie der Rohstoffpreise. Eine breite Diversifikation bleibt unverzichtbar, um von der Stärke der Aktienmärkte zu profitieren und sich gleichzeitig gegen geopolitische Unsicherheiten abzusichern.
The economic overview with current assessment short and concise – only here at Hellmeyer of the Week.
Would you like to start every week with Folker Hellmeyer? Simply subscribe to the ftd.de newsletter WEEKLY NEWS subscribe!
Disclaimer:
This article is based exclusively on the transcript of the broadcast "Hellmeyer der Woche", calendar week 18. The content is for journalistic information and does not constitute investment advice.
The contribution Deutschland muss zurück zum Leistungsprinzip! Der Hellmeyer der Woche KW33 appeared first ftd.de.