Fonds-Duell – Frontier Markets: Redwheel vs. Morgan Stanley

Frontier Markets wie Vietnam oder Kasachstan bieten abseits der etablierten Schwellenländer ein enormes unentdecktes Wachstumspotenzial. (Bild: Magnific AI)

Vietnam statt China, Kasachstan statt Brasilien, Usbekistan statt Indien: Die nächste Generation der Schwellenländer wächst dort, wo viele Anleger noch gar nicht hinschauen. Genau hier setzt das nächste Fonds-Duell an. Der Redwheel Next Generation Emerging Markets Equity Fund und der Morgan Stanley NextGen Emerging Markets Fund suchen beide nach den Börsenstars von morgen – doch ihre Wege unterscheiden sich. Der eine setzt auf den strukturellen Aufstieg ganzer Volkswirtschaften, der andere kombiniert Länderanalyse mit konsequentem Stockpicking. Kurz gesagt: Redwheel spielt die Transformation, Morgan Stanley sucht ihre Gewinner.

Frontier Markets: Die nächste Wachstumswelle beginnt am Rand

Die großen Schwellenländer sind längst keine Geheimtipps mehr. China, Indien, Brasilien oder Taiwan gehören zum Standardrepertoire internationaler Anleger. Wer dort investiert, kauft etablierte Märkte mit bekannten Chancen – und bekannten Problemen. Die nächste Entwicklungsstufe der Weltwirtschaft könnte dagegen an anderen Orten beginnen: in Hanoi, Almaty, Nairobi oder Jakarta.

Vietnam ist dafür das vielleicht beste Beispiel. Internationale Konzerne verlagern Produktionskapazitäten ins Land, die Bevölkerung ist vergleichsweise jung, die Digitalisierung schreitet voran und eine wachsende Mittelschicht entdeckt Konsum und Kapitalmarkt für sich. Was heute noch nach Nischenmarkt aussieht, könnte in 15 oder 20 Jahren eine ganz andere Bedeutung haben.

In der Finanzwelt werden solche Länder häufig als Frontier Markets bezeichnet. Gemeint sind Volkswirtschaften, die noch nicht die Größe und Reife klassischer Schwellenländer erreicht haben, aber auf dem Weg dorthin sind. Für Anleger ist das verführerisch. Wer früh investiert, könnte vom wirtschaftlichen Aufstieg profitieren, bevor die Entwicklung vollständig in den großen globalen Indizes angekommen ist.

Doch die Börsen am Rand haben ihren Preis. Die Märkte sind klein und teilweise illiquide, politische Risiken höher, Währungen schwankungsanfälliger und der Zugang für internationale Anleger oft schwieriger. Ein ETF kann diese Besonderheiten kaum berücksichtigen. Genau deshalb ist in Frontier Markets die Auswahl des Fondsmanagers besonders wichtig.

Management-Duell: Frontier-Spezialist vs. globales Research-Team

Beim Redwheel Next Generation Emerging Markets Equity Fund (ISIN: LU2168044571) steht ein ausgewiesener Frontier-Markets-Spezialist an der Spitze. Das Team um James Johnstone und Victor Erch beschäftigt sich seit Jahren mit den kleineren und weniger beachteten Schwellenländern.

 


Der Ansatz ist ausgesprochen langfristig. Redwheel sucht nach Ländern, die einen ähnlichen Entwicklungspfad einschlagen könnten wie China, Südkorea oder Taiwan in früheren Jahrzehnten. Entscheidend sind weniger kurzfristige Konjunkturdaten als strukturelle Veränderungen: neue Produktionsstandorte, Urbanisierung, steigende Einkommen, Infrastrukturinvestitionen und wachsender Rohstoffbedarf.

Die Manager wollen möglichst früh erkennen, wo sich die nächste wirtschaftliche Wachstumsmaschine entwickelt. Dafür recherchieren sie vor Ort, sprechen mit Unternehmen und Politikern und versuchen, Veränderungen zu identifizieren, bevor sie für den breiten Kapitalmarkt offensichtlich werden.

Das Engagement in Usbekistan passt perfekt zu diesem Ansatz. Redwheel beteiligte sich 2026 als Cornerstone-Investor am Börsengang des Uzbekistan National Investment Fund. Das Beispiel zeigt, wie früh das Team bereit ist, auf Reformen und die Öffnung bislang wenig entwickelter Kapitalmärkte zu setzen.

Morgan Stanley verfolgt eine etwas andere Philosophie. Der Morgan Stanley NextGen Emerging Markets Fund (ISIN: LU0118140002) kombiniert Top-down-Analyse mit Bottom-up-Stockpicking. Zunächst werden die Länder analysiert: Wachstum, Währung, Staatsfinanzen, Bewertungen und Anlegerstimmung spielen eine Rolle. Erst danach geht es auf die Ebene der einzelnen Unternehmen.

 


Das Anlageuniversum ist bewusst weit gefasst. Mindestens 70 Prozent des Vermögens müssen in Aktien aus Emerging und Frontier Markets investiert sein. Dabei darf der Fonds ausdrücklich auch Länder berücksichtigen, die noch nicht zu den klassischen Schwellenländern gehören, deren Kapitalmärkte aber als kommende Wachstumsmärkte gelten.

Das Duell lautet deshalb: Redwheel sucht die nächste große Wachstumsstory. Morgan Stanley sucht die besten Unternehmen innerhalb dieser Story.

Portfolio-Duell: Strukturwandel gegen Stockpicking

Die unterschiedlichen Philosophien werden beim Blick ins Portfolio sichtbar. Redwheel setzt auf Unternehmen, die unmittelbar vom wirtschaftlichen Aufstieg ihrer Heimatländer profitieren. Zu den größeren Positionen zählen unter anderem Credicorp, First Quantum Minerals, Impala Platinum, GEK Terna, der National Investment Fund of Uzbekistan, die vietnamesische Military Commercial Joint Stock Bank, BRAC Bank, Amman Mineral und Halyk Bank.

Das ist kein klassisches Emerging-Markets-Portfolio mit den üblichen Indexschwergewichten. Rohstoffe, Banken, Infrastruktur und Konsum spielen eine wesentlich größere Rolle. Redwheel setzt damit auf die reale Wirtschaft: auf Fabriken, Minen, Stromnetze, Häfen, Banken und eine wachsende Mittelschicht. Auch geografisch geht das Team bewusst dorthin, wo die großen Indizes bislang kaum hinschauen. Indonesien, die Philippinen, Kasachstan, Vietnam, Usbekistan und kleinere europäische Märkte gehören zum erweiterten Spielfeld.

Morgan Stanley setzt ebenfalls auf diese Länder, konzentriert sich aber stärker auf einzelne Unternehmen. Zu den größeren Positionen zählen Credicorp aus Peru, International Container Terminal Services von den Philippinen, Grupo Cibest, die slowenische NLB Komercijalna Banka, Kazatomprom aus Kasachstan, Banca Transilvania, die ägyptische Commercial International Bank, Halyk Bank, Safaricom und Buenaventura.

Auffällig ist die hohe Gewichtung von Banken. Das hat System: Wenn Volkswirtschaften vom Entwicklungsland zum Schwellenland aufsteigen, steigt meist auch die Kreditdurchdringung. Banken können deshalb überproportional vom wachsenden Wohlstand profitieren.

Der Unterschied ist subtil, aber entscheidend: Redwheel investiert in die Transformation ganzer Volkswirtschaften. Morgan Stanley sucht die Unternehmen, die aus dieser Transformation besonders viel herausholen können.

Risiko-Duell: Die Börsen am Rand sind nichts für schwache Nerven

Frontier Markets bieten höhere Wachstumschancen – aber auch höhere Risiken. Ein Regierungswechsel, eine Währungskrise oder eine Änderung der Kapitalverkehrskontrollen kann die Kurse erheblich bewegen. Dazu kommt die geringere Liquidität. Was an der Wall Street kaum auffällt, kann an einer kleinen Börse einen erheblichen Kursschub oder Kurssturz auslösen.
Interessant ist deshalb der Blick auf die tatsächliche Schwankung der beiden Fonds.

Beim Redwheel lag die Volatilität zuletzt bei 15,59 Prozent über ein Jahr, 13,22 Prozent über 3 Jahre und 14,62 Prozent über 5 Jahre. Der maximale Verlust über 5 Jahre betrug rund 16,9 Prozent.

Morgan Stanley kam auf 14,52 Prozent über ein Jahr und 13,13 Prozent über 3 Jahre. Über 5 Jahre lag die Volatilität allerdings bei deutlich höheren 16,25 Prozent. Der maximale Verlust erreichte in diesem Zeitraum fast 39 Prozent.

Das ist bemerkenswert. Morgan Stanley war kurzfristig nicht volatiler als Redwheel. Über den längeren Zeitraum mussten Anleger allerdings einen erheblich größeren Rückschlag verkraften. Auch die Sharpe Ratio spricht für Redwheel: Über 5 Jahre kommt der Fonds auf rund 1,47, Morgan Stanley lediglich auf 0,08. Wer Frontier Markets kauft, kauft also zwangsläufig Risiko. Die Frage ist vielmehr, wie viel Rendite ein Fondsmanager dafür liefert.

Kosten-Duell: Redwheel startet mit Rückenwind

Auch bei den Kosten hat Redwheel die Nase vorn – zumindest bei den hier betrachteten Anteilsklassen. Die JA-EUR-Anteilsklasse des Redwheel weist laufende Kosten von rund 1,25 Prozent auf. Allerdings ist diese Anteilsklasse institutionell geprägt und mit einer hohen Mindestanlage verbunden. Andere Anteilsklassen können spürbar teurer sein.

Beim Morgan Stanley NextGen Emerging Markets Fund liegen die laufenden Kosten der betrachteten A-EUR-Klasse bei rund 1,89 Prozent. Die Verwaltungsgebühr beträgt 1,60 Prozent, hinzu kommt ein möglicher Ausgabeaufschlag von bis zu 5,25 Prozent. Damit geht der Kostenpunkt an Redwheel. Das ist gerade bei einem Spezialfonds relevant. Denn aktive Frontier-Markets-Strategien müssen ihren Mehrwert erst einmal verdienen. Je höher die Kosten, desto größer ist die Hürde für den Fondsmanager.

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Performance-Duell: Morgan Stanley sprintet, Redwheel läuft Marathon

Und jetzt wird es spannend. Auf der Kurzstrecke hat Morgan Stanley die Nase vorn. Über ein Jahr kommt der Fonds auf ein Plus von 26,67 Prozent. Redwheel liegt mit 23,66 Prozent knapp dahinter. Doch über längere Zeiträume dreht sich das Bild dramatisch.

Auf 3-Jahres-Sicht erzielte Redwheel 60,15 Prozent. Aus 100 Euro wurden damit rund 160 Euro. Morgan Stanley kommt auf 49,18 Prozent. Noch deutlicher wird der Abstand über 5 Jahre. Redwheel legte um 151,91 Prozent zu. Aus 100 Euro wurden also rechnerisch rund 252 Euro. Morgan Stanley schaffte im gleichen Zeitraum gerade einmal 5,31 Prozent. Damit fällt das Performance-Urteil klar aus: Morgan Stanley gewinnt die Kurzstrecke. Redwheel gewinnt den Marathon.

Und genau das ist bei einem Investment in die nächste Generation der Schwellenländer entscheidend. Die große Investmentthese braucht Zeit. Produktionsketten werden nicht über Nacht verlagert, neue Mittelschichten entstehen nicht innerhalb eines Quartals und aus einem Frontier Market wird nicht über Nacht ein etabliertes Schwellenland. Redwheel scheint bislang besser darin gewesen zu sein, diese langfristige Entwicklung in Rendite zu übersetzen.

Urteil: Redwheel gewinnt – Morgan Stanley ist der Herausforderer

Beide Fonds setzen auf dieselbe große Idee: Die nächsten Emerging Markets von morgen sind die Frontier Markets von heute. Doch die Umsetzung ist unterschiedlich.

Der Redwheel Next Generation Emerging Markets Equity Fund ist die offensivere Wette auf den strukturellen Aufstieg ganzer Volkswirtschaften. Das Team sucht früh nach Ländern, in denen sich Produktionsketten verlagern, Infrastruktur entsteht, Rohstoffnachfrage wächst und eine neue Mittelschicht entsteht. Dazu kommen eine überzeugende Langfristperformance und die niedrigeren Kosten der betrachteten Anteilsklasse.

Der Morgan Stanley NextGen Emerging Markets Fund ist stärker über den klassischen Investmentprozess aufgebaut. Länderanalyse und Stockpicking werden miteinander kombiniert. Das Portfolio ist konzentriert und enthält zahlreiche interessante lokale Champions. Auf Jahressicht hat der Fonds zuletzt sogar die Nase vorn. Doch über 3 und insbesondere 5 Jahre ist der Abstand zu groß, um ihn zu ignorieren.

Das Fazit des Fonds-Duells: Redwheel gewinnt nach Performance, Kosten und langfristigem Rendite-Risiko-Verhältnis. Morgan Stanley bleibt der spannendere Herausforderer für Anleger, die stärker auf gezieltes Stockpicking und einen strukturierten Länderanalyse-Prozess setzen. Punktsieg für Redwheel.

Die eigentliche Botschaft des Duells geht allerdings über die beiden Fonds hinaus. Frontier Markets sind kein Ersatz für ein globales Aktienportfolio. Sie sind eine Wette auf die nächste Entwicklungsstufe der Weltwirtschaft – und damit eine Beimischung für Anleger, die bereit sind, hohe Schwankungen und politische Risiken auszuhalten.

Vielleicht stehen die heutigen Frontier Markets tatsächlich dort, wo China oder Südkorea vor einer Generation standen. Dann könnte die Börsengeschichte der nächsten großen Schwellenländer gerade erst beginnen.

Morgan Stanley sprintet. Redwheel läuft Marathon. Und bei einer Wette auf die Emerging Markets von morgen dürfte der längere Atem entscheidend sein.

 

Disclaimer:
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.

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