Die weiter zunehmenden Spannungen im Iran-Konflikt sowie im Ukraine-Krieg belasten die globale Wirtschaftslage. Wenn die Trump-Regierung die angedrohten beispiellosen Sanktionen gegen den Iran realisiert, trifft das die gesamte Weltwirtschaft. Parallel dazu wachsen die systemischen Risiken an den Rentenmärkten, die von den Börsen bislang kaum beachtet werden. Anleger blicken in dieser Woche unter anderem gespannt auf den ZEW-Index für Deutschland, neue Einkaufsmanagerindizes für die führenden Wirtschaftsnationen und die Industrieproduktion in den USA.
Geopolitik und Börse: Verschärfte Lage im Iran und in der Ukraine
Die geopolitische Lage spitzt sich drastisch zu. Sowohl im Nahen Osten als auch im Ukraine-Konflikt nehmen die Spannungen spürbar zu. Aussagen über eine strikte US-Kontrolle der Straße von Hormus sowie angekündigte US-Sanktionen gegen den Iran bergen erhebliche Gefahren für die weltweite Energieversorgung. Solche Maßnahmen könnten die gesamte Wirtschaft in Geiselhaft nehmen, was an den Märkten derzeit noch nicht eingepreist ist.
Auch in Osteuropa setzt sich die geografische Ausweitung der Auseinandersetzung fort. Neue Sanktionspakete der Europäischen Union und eine harte Rhetorik der beteiligten Parteien erhöhen das Risiko einer weiteren Eskalation. Diese geopolitischen Entwicklungen stellen eine ernsthafte Belastung für die europäische Wirtschaft dar und bergen erhebliche Unsicherheiten für Anleger.
Rentenmärkte unter Druck: Systemische Risiken im Fokus
An den Anleihemärkten bahnt sich eine kritische Entwicklung an. In Japan stieg die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen auf 2,93 Prozent, was den höchsten Stand seit 1996 markiert. Diese Entwicklung ist jedoch nicht mit historischen Phasen vergleichbar. Das Recycling von Finanzmitteln aus dem globalen Süden in den Westen ist gestört, da diese Länder ihr Kapital verstärkt für den eigenen Infrastrukturbau benötigen.
Zusätzlich erzeugt die vierte industrielle Revolution mit Schwerpunkten auf künstlicher Intelligenz und Robotik einen enormen Finanzierungsbedarf. Das staatliche Finanzierungspotenzial steht somit in direkter Konkurrenz zu den Investitionen der Privatwirtschaft und des globalen Südens. Angesichts historisch hoher Staatsverschuldungen in Ländern wie den USA, Großbritannien oder Frankreich entsteht hier ein systemisches Risiko für die Staatsfinanzierung.
Finanzmärkte zeigen Resilienz trotz hoher Bewertung
Trotz der geopolitischen und rentenseitigen Gefahren präsentieren sich die Aktienmärkte überraschend widerstandsfähig. Der DAX und der Euro Stoxx bewegen sich weiterhin im Umfeld historischer Höchststände. Diese Stabilität lässt sich vor allem auf hohe Absicherungsstandards institutioneller Investoren zurückführen, die größere Korrekturen an der Börse bislang verhindern.
Auf den Edelmetallmärkten zeichnet sich nach einer massiven Korrektur eine Bodenbildung ab. Diese Entwicklung könnte die Basis für den nächsten Aufwärtsimpuls bilden. Bitcoin zeigt hingegen im Vergleich zu den Edelmetallen aktuell eine schwächere Dynamik.
Gemischte Konjunkturdaten aus den USA, der Eurozone und China
Die Makroökonomie der vergangenen Woche zeichnet ein uneinheitliches Bild der globalen Wirtschaft. In den USA brach das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan überraschend von 55,2 auf 51,0 Punkte ein. Der NFIB-Mittelstandsindex stieg hingegen von 97,4 auf 99,8 Punkte. Enttäuschend fielen die US-Einzelhandelsumsätze mit einem Rückgang von 0,6 Prozent im Monatsvergleich aus. Zudem belastet ein US-Haushaltsdefizit von 432 Milliarden US-Dollar im Juli die Staatsfinanzen.
Die Eurozone verzeichnete im 2. Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent im Quartalsvergleich und bleibt damit hinter anderen Regionen zurück. Positiv sticht jedoch ein Beschäftigungsrekord von über 176 Millionen Erwerbstätigen hervor. Die Handelsbilanz verbesserte sich zwar auf plus 1,8 Milliarden Euro, verdeutlicht jedoch strukturelle Einbußen bei der Wettbewerbsfähigkeit. Aus China kamen enttäuschende Daten: Die Industrieproduktion wuchs im Juli nur um 4,5 Prozent im Jahresvergleich, und auch der Einzelhandel blieb mit plus 0,6 Prozent hinter den Erwartungen.
Ausblick: ZEW-Index, Verbraucherpreise und Einkaufsmanagerindizes
In der laufenden Woche stehen wichtige Konjunkturtermine auf der Agenda der Finanzmärkte. Am Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht, wobei Analysten in ihrer Prognose von einem Anstieg des Sentiment-Index von 26,3 auf 30,0 Punkte ausgehen. Zeitgleich werden in den USA Daten zur Industrieproduktion erwartet, für die ein leichtes Plus von 0,3 Prozent im Monatsvergleich prognostiziert wird.
Am Mittwoch folgt die finale Berechnung der Verbraucherpreise für die Eurozone, die bei 2,9 Prozent erwartet wird. Der Donnerstag bringt den Philadelphia-Fed-Index, der nach einem extrem hohen Vorwert von 41,4 Punkten auf 25,0 Punkte fallen dürfte. Am Freitag rücken schließlich die Erstschätzungen der Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, die Eurozone und die USA sowie das Verbrauchervertrauen der Eurozone in den Blickpunkt.
The Hellmeyer of the Week: Key Takeaways at a Glance
- Geopolitische Risiken: Verschärfung der Konflikte im Iran und in der Ukraine bedroht die weltweite Energieversorgung und bremst die Wirtschaft.
- Gefahren am Anleihemarkt: Steigende Renditen und hohe Staatsverschuldungen bilden ein unbeachtetes systemisches Risiko für die Finanzmärkte.
- Resiliente Aktienmärkte: Hohe Absicherungsquoten professioneller Anleger stützen Börsenkurse wie den DAX nahe Allzeithochs.
- Edelmetalle vor Erholung: Nach Kursrückgängen auf rund 55 US-Dollar bei Silber und unter 4.000 US-Dollar bei Gold zeigt sich eine Erholung und Bodenbildung.
- Schwache Dynamik in China: Industrieproduktion und Einzelhandel verfehlen Prognosen und dämpfen globale Konjunkturaussichten.
Fazit: Was Anleger jetzt beachten müssen
Die makroökonomischen Rahmendaten bieten zwar kurzfristig eine solide Basis für stabile Märkte, doch die im Hintergrund schwelenden Risiken dürfen keinesfalls ignoriert werden. Insbesondere die Kombination aus geopolitischer Eskalation und steigenden Renditen an den Rentenmärkten birgt erhebliches Störungspotenzial für die Börse.
Anleger sollten in den kommenden Wochen weniger auf die verlockenden Höchststände am Aktienmarkt schauen, sondern die Entwicklungen bei geopolitischen Konflikten, den Staatsanleihen und den Rohstoffpreisen genau beobachten.
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Disclaimer:
This article is based exclusively on the transcript of the broadcast "Hellmeyer der Woche", calendar week 18. The content is for journalistic information and does not constitute investment advice.
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