Die weltweiten Krisen und Kriege bestimmen weiter das Bild. Das Bemühen um diplomatische Annäherung am Rande der UN-Vollversammlung war nicht sehr erfolgreich. Die Energiepreise bleiben ein unberechenbarer Risikofaktor für die Wirtschaft, während die globale Zinswende die Anleihemärkte massiv unter Druck setzt. In der laufenden Berichtswoche blicken Märkte und Anleger insbesondere auf den US-Arbeitsmarktbericht für September, die neuen Inflationsdaten aus Deutschland und der Eurozone sowie auf wichtige Stimmungsindikatoren aus China.
Rückblick: Geopolitik und die Belastungsprobe für die Makroökonomie
Die diplomatischen Bemühungen auf der UN-Generalversammlung zur Entschärfung der Krisen in der Ukraine und im Iran haben kaum zählbare Ergebnisse geliefert. Stattdessen bestimmen weiterhin Eskalationsrisiken das globale Bild. Diese Spannungen wirken sich unmittelbar auf den Energiemarkt aus, der als zentraler Antriebsriemen der Weltwirtschaft fungiert. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent liegt aktuell bei 106 US-Dollar pro Fass, wobei eine weitere Eskalation diesen Wert rasch nach oben treiben könnte.
Besonders kritisch ist die Lage bei Destillaten wie Diesel. In den USA wurden kürzlich historische Höchststände von 6,50 US-Dollar pro Gallone erreicht. Da globale Raffineriekapazitäten durch Zerstörungen schrumpfen, verschärfen sich die Engpässe massiv. Regionen ohne ausreichende eigene Kapazitäten oder Marktzugänge, wie etwa Europa, sind davon besonders negativ betroffen. Dies belastet unter anderem den Euro spürbar, der moderat unter Druck steht.
Die Börsenlage: Zinsdruck trifft auf erstaunliche Resilienz der Finanzmärkte
Der durch hohe Energiepreise ausgelöste Inflationsschub zwingt die Notenbanken zu weiteren Zinserhöhungen, was die Refinanzierungskosten für Unternehmen drastisch steigert. Während kurzfristige Zinsen das Umlaufvermögen belasten, schießen besonders die langfristigen Zinsen in die Höhe, die für Investitionen und den Erhalt des Kapitalstocks entscheidend sind. Die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen haben mittlerweile besorgniserregende Niveaus erreicht.
In Deutschland liegen die Renditen bei über 3,6 Prozent und damit so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Frankreich verzeichnet mit etwa 4,70 Prozent den höchsten Stand seit 2008, während Japan mit 3,10 Prozent ein Hoch seit 1996 markiert. Auch in Großbritannien überschreiten die Renditen die Marke von 5,30 Prozent. Im Kontrast dazu operiert China bei einer Rendite von lediglich 1,67 Prozent nahe dem Allzeittief, was verdeutlicht, dass die Zinskrise primär westliche Industriestaaten trifft und Systemrisiken birgt.
Trotz dieser Eintrübung zeigen sich die internationalen Aktienmärkte erstaunlich widerstandsfähig. Der MSCI World erreichte Mitte August erneute Höchststände, gestützt durch solide Unternehmenserträge und Effizienzsteigerungen durch die Anwendung von Künstlicher Intelligenz. Der Wendepunkt könnte jedoch näher rücken, da große Kapitalgeber angesichts der fundamentalen Risiken zunehmend Liquidität bevorzugen.
Analyse der Wirtschaftsdaten: Zwischen US-Stärke und europäischer Konsumflaute
Die jüngsten makroökonomischen Indikatoren zeichnen ein durchwachsenes Bild. In den USA sprang der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft von 56,5 auf starke 58,4 Punkte. Der US-Immobilienmarkt zeigt mit 684.000 verkauften neuen Wohnimmobilien auf das Jahr hochgerechnet unerwartete Dynamik. Auch in Europa signalisieren die Einkaufsmanagerindizes Erholungen; der deutsche Wert kletterte auf 53,8 Punkte.
Ein Blick auf das Konsumklima offenbart jedoch Risse. Der GfK-Index für Deutschland fiel von minus 26,8 auf schwache minus 30,6 Punkte, was auf eine erhebliche Zurückhaltung der Verbraucher hindeutet. Das Verbrauchervertrauen in der Eurozone gab ebenfalls auf minus 16,5 Punkte nach. In den USA zeigte das Konsumklima der Universität Michigan mit 48,1 Punkten historisch schwache Werte, während die Konkurrenzdaten des Conference Boards Resilienz signalisieren.
The Hellmeyer of the Week: Key Takeaways at a Glance
- Energie als Risikofaktor: Geopolitische Spannungen treiben die Ölpreise; Europa ist wegen fehlender Raffineriekapazitäten besonders verwundbar.
- Rentenmärkte im Stresstest: Die Renditen für Staatsanleihen erreichen in westlichen Ländern historische Höchststände, während China und die Schweiz unbelastet bleiben.
- Aktienmärkte am Limit: Die Börse profitiert noch von der KI-Anwendung und soliden Unternehmensgewinnen, doch das fundamentale Eis wird spürbar dünner.
- Konjunktur gespalten: Die US-Wirtschaft zeigt Stärke, während in Europa das schwache Konsumklima die konjunkturelle Erholung bremst.
Hellmeyers Ausblick auf die Berichtswoche: Fokus auf Inflation und Arbeitsmarkt
Am Dienstag richten sich die Blicke auf den Economic Sentiment Index der Eurozone, für den 99 Punkte nach zuletzt 98,4 Punkten erwartet werden. Zudem liefert der JOLTS-Report aus den USA mit geschätzten 7,24 Millionen offenen Stellen solide Indikationen zum US-Arbeitsmarkt.
Der Mittwoch bringt eine Flut an relevanten Daten, beginnend mit den Einkaufsmanagerindizes aus China. Der staatliche Index für das verarbeitende Gewerbe wird voraussichtlich auf 50,1 Punkte steigen, während der privatwirtschaftliche Index von RatingDoc bei starken 51,6 Punkten erwartet wird. Für Deutschland wird am selben Tag eine gestiegene Inflationsrate von 3,2 Prozent prognostiziert, was den anhaltenden Preisdruck durch teure Energie widerspiegelt. In den USA wird zeitgleich der ADP-Beschäftigungsbericht mit voraussichtlich 72.000 neuen Stellen nach zuletzt 38.000 veröffentlicht.
Am Donnerstag steht der US-Einkaufsmanagerindex des ISM im Fokus, für den ein leichter Rückgang auf 54,6 Punkte erwartet wird, sowie der starke Index von Standard & Poor’s mit 57,0 Punkten. Die Bauausgaben in den USA stagnieren voraussichtlich bei 0,0 Prozent.
Den Abschluss der Woche bilden am Freitag die Inflationsdaten der Eurozone mit einer erwarteten Teuerung von 3,6 Prozent. Der offizielle US-Arbeitsmarktbericht steht ebenfalls im Mittelpunkt: Analysten rechnen mit 84.000 neuen Stellen bei einer konstanten Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent.
Fazit für die Wirtschaft: Die USA dominieren, Europa gerät ins Hintertreffen
Die aktuelle Wirtschaftsdynamik verdeutlicht eine klare Zweiteilung der globalen Finanzmärkte. Die USA profitieren massiv von ihrer Energieunabhängigkeit und zeigen eine bemerkenswerte wirtschaftliche Resilienz. Europa hingegen verliert zunehmend an Boden und begibt sich in immer stärkere Abhängigkeiten, was fundamentale Verwundbarkeiten offenlegt.
Für Anleger bedeutet dies, dass Geopolitik und die Entwicklungen an den Rentenmärkten derzeit die absoluten Taktgeber für alle Anlageklassen sind. Die Widerstandskraft der Aktienmärkte trägt aktuell noch, doch das fundamentale Fundament wird zunehmend fragiler. Es macht daher Sinn, die Liquidität im Blick zu behalten und die anstehenden makroökonomischen Daten genau zu analysieren.
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Disclaimer:
This article is based exclusively on the transcript of the broadcast "Hellmeyer der Woche", calendar week 18. The content is for journalistic information and does not constitute investment advice.
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