Cameco Aktie: Profiteur der Uran-Zeitenwende – steigender Bedarf eingepreist?

Fördermaschinen im Tagebau tragen Erde ab (Foto: Magnific.com, wirestock) Cameco und die Uran-Zeitenwende: Vieles ist noch nicht eingepreist

Neue marktbezogene Lieferverträge sichern Cameco höhere Erlöse und steigende Umsätze bei anhaltender Knappheit am Uranmarkt. (Foto: Magnific.com, wirestock)

Atomkraft galt in den letzten Jahrzehnten als ein Hochrisiko und wurde in Teilen Europas zurückgefahren. Deutschland schaltete 2023 seine letzten Reaktoren ab. Nun stellt sich zunehmend ein Umdenken ein. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen rief zur Renaissance der Kernenergie auf, denn der Energiebedarf ist hoch, während gleichzeitig Klimaziele erreicht und die Unabhängigkeit der Energieversorgung gesichert werden sollen. Uran ist ein wesentliches Puzzlestück.

Nachfrage explodiert, Angebot hängt strukturell hinterher

Die Nachfrage nach Energie nimmt seit der KI-Revolution unvorstellbare Ausmaße an. Atomkraft steht als eine der besten Optionen im Fokus. Bis 2040 dürfte sich der weltweite Uranbedarf nahezu verdoppeln. Rund 40 Länder wollen ihre Kernkraftkapazität verdreifachen und über 70 Reaktoren befinden sich bereits in Bau.

Neue Reaktorprojekte in Polen, Bulgarien, Kanada und mehreren US-Bundesstaaten sowie die Reaktivierung zahlreicher stillgelegter Atomkraftwerke treiben die Nachfrage nach langfristig gesicherten Uranlieferungen in der westlichen Welt an. Doch Prognosen zufolge wächst das Angebot bis 2040 nur um rund 14 Prozent. Es entsteht eine jährliche Lücke von fast 200 Millionen Pfund (übliche Handelseinheit für Uran), da Produzenten in den letzten Jahrzehnten vermehrt Minen stillgelegt haben, um den Preisverfall zu stoppen. Minen werden nur mehr reaktiviert, wenn die langfristigen Verträge auch lukrativ sind.

Cameco als das westliche Aushängeschild

Cameco erwirtschaftet rund 17 Prozent des weltweiten Urans und ist damit nach Kazatomprom der größte Uranproduzent der Welt und Nummer 1 im Westen. Mit den beiden kanadischen Uranminen McArthur River und Cigar Lake überzeugt Cameco mit besonders günstigen Betriebskosten von 22 beziehungsweise 24 US-Dollar pro Pfund Uran, während der Uranpreis über 80 US-Dollar notiert.

Für 2026 plant Cameco eine Uranproduktion von 19,5 bis 21,5 Millionen Pfund und Verkäufe von 29 bis 32 Millionen Pfund (globaler Bedarf 180 Millionen Pfund). Weitere Volumina werden nur zugesichert, wenn auch die vertraglichen Vereinbarungen attraktive Renditen gewähren. Die Lücke zwischen produzierter und verkaufter Menge wird durch Reserven, Zukäufe am Spotmarkt und Joint-Ventures geschlossen.

 


Das bekannteste Joint-Venture wurde mit Kazatomprom 1996 geschlossen. Cameco ist mit einer 40-prozentigen Beteiligung am Inkai-Bergwerk in Kasachstan Minderheitspartner und erhält Abnahmerechte. Im Inkai liegen die Produktionskosten bei 13 US-Dollar und damit nochmal deutlich unter jenen der kanadischen Uranminen. Cameco betrachtet das Joint-Venture als flexiblen Beschaffungshebel, der jederzeit aufgrund der geopolitischen Lage ausfallen kann. Die JV-Abnahmemenge taucht nicht als Produktionsmenge, sondern als Zukauf in Camecos Bilanz auf.

Konversionsanlage und Produktionsstandorte als Turbo

Um Uran überhaupt erst anreichern zu können, benötigt es Konversionsanlagen. Bisher war Russland mit Rosatom führender Brennelementehersteller. Die Sanktionen gegenüber Russland werten nun Camecos einzige Konversionsanlage strategisch weiter auf, da es in der westlichen Welt überhaupt nur 3 Konversionsanlagen gibt und Versorger gezwungen werden, auf westliche Brennelementanfertigung zurückzugreifen. Cameco kann nun als Systemanbieter die Preise diktieren.

Cameco ist auch hinsichtlich der Uranproduktionskapazitäten für die nächsten Jahrzehnte gerüstet. Derzeit sind 3 Produktionsstandorte von Cameco stillgelegt, welche reaktiviert werden können. Zusätzlich verfügt Cameco über Rechte an 2 noch unerschlossenen Uranlagerstätten in Australien.

Westinghouse macht Cameco zum integrierten Nuklearanbieter

Wie man sieht, ist Cameco weit mehr als ein Uranproduzent. Vom Abbau bis hin zur Anreicherungsoption reicht das Angebot, und umfasst nun zudem Brennelementfertigung und Reaktorservice. Mit der strategischen Neuausrichtung durch Westinghouse im Rahmen einer 49-prozentigen Beteiligung wurde das Geschäftsmodell deutlich erweitert. Westinghouse ist in margenstarken und wiederkehrenden Bereichen wie Brennelementfertigung, Wartung, Engineering und Modernisierung tätig. Zudem ist Westinghouse der einzige westliche Anbieter eines zertifizierten Reaktors der dritten Generation, des AP1000.

Weltweit sind bereits 6 AP1000-Reaktoren in Betrieb, weitere 24 befinden sich in Planung oder Bau. Für Cameco bedeutet dies, dass das Unternehmen zunehmend auch am Bau, Betrieb und gesamten Lebenszyklus von Kernkraftwerken verdient. Dadurch sinkt die reine Abhängigkeit vom Uranpreis, während das Geschäftsmodell langfristig breiter, stabiler und weniger zyklisch wird.

Veränderung in der Vertragsstruktur

Ein wichtiger Hebel liegt in der zukünftigen Vertragsstruktur. Während bisher bevorzugt Festpreisverträge mit Inflationsanpassung abgeschlossen wurden, welche zwar stabile, aber niedrige Erlöse sicherten, setzen Cameco und staatliche Abnehmer heute verstärkt auf marktbezogene Verträge. Dabei wird der Preis an Spot- und Terminmärkte gekoppelt und Unter- als auch Obergrenzen definiert. Derzeit liegt die Untergrenze im mittleren 70er-Bereich und die Obergrenze bei rund 150 US-Dollar je Pfund.

Die Mittelwertbetrachtung ergibt bereits 115 US-Dollar je Pfund und legt nahe, dass die Abnehmer bereit sind, deutlich über Marktpreis abzuschließen. Mit dem Auslaufen alter Niedrigpreisverträge entsteht für Cameco damit zusätzlicher Umsatzspielraum, während das Preisrisiko für die nächsten Jahre aufgrund der Knappheit überschaubar bleibt.

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Cameco als Wachstumsaktien für das langfristige Depot

Cameco verfügt durch den Angebotsengpass und seine strategischen Allianzen über mehrere Hebel für steigende Umsätze und Margen. Aufgrund der anhaltenden Knappheit dürften die Preise weiter steigen. Die Beteiligung an Westinghouse macht das Geschäftsmodell langfristig widerstandsfähiger und schafft zusätzliche wiederkehrende Einnahmen. Dennoch bleibt Cameco bewertungstechnisch schwer einzuordnen: Das price-earnings ratio von 75 wirkt auf den ersten Blick sehr hoch.

Der Rückenwind durch den wachsenden Energiebedarf, den massiven Ausbau der Kernkraft und die strukturelle Angebotsknappheit kann diese Bewertung jedoch schnell relativieren. Bereits ein Vertragspreis von 115 US-Dollar je Pfund würde das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 12 senken, ohne die weiter steigende Nachfrage einzupreisen. Cameco sollte daher weniger als kurzfristige Wette, sondern vielmehr als strategische Langfristinvestition betrachtet werden. Der Rohstoffzyklus bleibt dabei ein zentraler Risikofaktor.

 

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