Das Fonds-Duell: Acatis gegen Gané – wem gehört die echte Value-Event-DNA?

Im Performance-Vergleich erzielt Gané zwar die höhere Rendite, doch beide Mischfonds bleiben aktuell hinter der Peergroup zurück. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Einst machten Dr. Uwe Rathausky und J. Henrik Muhle den Acatis Value Event Fonds groß. Dann kam der Bruch. Heute führt Johannes Hesche den Milliardenfonds bei Acatis weiter – während Rathausky und Muhle mit Gané ihren eigenen Value-Event-Fonds aufbauen. Wer hat die bessere DNA? Das Fonds-Duell zeigt: Gané hat seit der Trennung die Nase vorn. Doch für ein uneingeschränktes Kaufsignal reicht das noch nicht.

Es gibt Fondsvergleiche, die sind nüchtern. Und es gibt Fondsvergleiche, die erzählen gleich eine ganze Branchengeschichte. Dieses Duell gehört zur zweiten Kategorie.

Auf der einen Seite steht der Acatis Value Event Fonds A (ISIN: DE000A0X7541). Ein deutscher Mischfonds-Klassiker, milliardenschwer und vielen Anlegern seit Jahren vertraut. Auf der anderen Seite steht der Gané Value Event Fund A (ISIN: DE000A3D05P5). Dahinter stehen Uwe Rathausky und J. Henrik Muhle – jene Manager, die den ursprünglichen Value-Event-Ansatz bei Acatis über viele Jahre geprägt haben.

 


Damit lautet die eigentliche Frage nicht nur: Welcher Fonds ist besser? Sondern: Wem trauen Anleger nach der spektakulären Trennung mehr zu – dem etablierten Acatis-Flaggschiff oder den ursprünglichen Köpfen hinter der Strategie?

Der Bruch: Aus Partnern wurden Konkurrenten

Am 12. Februar 2024 platzte die Nachricht in die Fondsbranche: Acatis beendet die Zusammenarbeit mit Gané beim Value Event Fonds. Die Fondsberatung durch Gané sollte am 31. März 2024 auslaufen. Für einen Fonds, der damals mehrere Milliarden Euro verwaltete, war das ein Paukenschlag.

 


Gané zeigte sich öffentlich überrascht. Rathausky und Muhle erklärten, sie hätten von der Entscheidung nicht direkt von Acatis, sondern aus der Presse erfahren. Acatis sah die Vorgeschichte anders. Als ein Grund wurde die zunehmende Wettbewerbssituation durch eigene Fonds von Gané genannt.

Wie auch immer man die Trennung bewertet: Für Anleger entstand eine ungewöhnliche Situation. Der alte Fonds blieb bei Acatis. Die alten Köpfe gingen zu Gané. Und plötzlich gab es 2 Produkte, die für sich beanspruchen konnten, die Value-Event-Idee fortzuführen.

Management-Duell: Johannes Hesche gegen Rathausky/Muhle

Beim Acatis Value Event Fonds steht heute Johannes Hesche im Zentrum. Er kam 2018 zu Acatis, ist Executive Partner und Leiter des Qualitativen Portfoliomanagements. Neben dem Value Event Fonds verantwortet er auch den Acatis Value und Dividende.

Sein Auftrag war alles andere als gewöhnlich: Hesche übernahm einen der bekanntesten vermögensverwaltenden Fonds im deutschsprachigen Raum – und das ausgerechnet inmitten der öffentlichen Trennung von Acatis und dem früheren Management.

Von einem Neustart wollte Hesche allerdings nichts wissen. „Keine Revolution“, könnte man seinen Ansatz überschreiben. Er sieht sich vielmehr als Bewahrer der bewährten Investmentidee – allerdings mit eigener Handschrift. Im Mittelpunkt stehen ein konsequenter Bottom-up-Ansatz, die Analyse von Geschäftsmodellen, harte Renditekriterien und ein ausgeprägtes Risikobewusstsein. Gegenüber dasinvestment.com beschreibt Hesche den Ansatz entsprechend: „Unser Ansatz ist ein reiner Bottom-up-Approach.“

Rathausky und Muhle stehen dagegen für die ursprüngliche Value-Event-DNA. Sie haben die Methodik entwickelt und über viele Jahre geprägt. Nach der Trennung von Acatis führten sie ihren Ansatz mit dem früheren Gané Global Balanced Fund weiter, der anschließend in Gané Value Event Fund umbenannt wurde.

Damit treffen 2 Seiten derselben Investmentgeschichte aufeinander: Acatis steht für die Fortführung der Strategie unter Johannes Hesche – Gané für die Rückkehr jener Manager, die die Value-Event-Philosophie ursprünglich entwickelt haben.

Genau das macht das Duell so spannend: Es geht nicht nur um zwei Fonds, sondern um die Frage, wer die ursprüngliche Value-Event-Idee heute überzeugender interpretiert.

Strategie-Duell: Value trifft auf Events

Die Grundidee beider Fonds ist ähnlich. Beide verbinden Value Investing mit Event-Orientierung. Gesucht werden Unternehmen mit attraktiver Bewertung, hoher Qualität und möglichst planbaren Cashflows. Dazu kommen Ereignisse, die zusätzlichen Wert freisetzen können: Übernahmen, Veränderungen der Kapitalstruktur, Sondersituationen oder besondere Entwicklungen bei Anleihen. Doch die Dosierung unterscheidet sich.

Der Acatis Value Event Fonds wirkt heute defensiver. Aktien, Anleihen und Liquidität werden breiter miteinander kombiniert. Die Aktienquote lag zuletzt bei rund 68,6 Prozent, die Rentenquote bei 27,8 Prozent. Gané geht offensiver zu Werke. Die Aktienquote lag bei rund 82,9 Prozent, während auf Renten nur etwa 15,3 Prozent entfielen.

Auch bei der Größe gibt es einen deutlichen Unterschied: Acatis verwaltet rund 4,39 Milliarden Euro, Gané etwa 1,32 Milliarden Euro. Kurz gesagt: Acatis verkauft Kontinuität unter neuer Führung. Gané verkauft die Rückkehr der alten DNA.

Portfolio-Duell: Acatis ruhiger, Gané mutiger

Ein Blick auf die größten Positionen macht die unterschiedliche Handschrift sichtbar. Beim Acatis Value Event Fonds finden sich unter anderem Alphabet, Roche, Amazon, SAP, Glencore, Schneider Electric, Brookfield, Berkshire Hathaway, Société Générale und ASML.

Das Portfolio wirkt global, liquide und qualitätsorientiert. Die großen Namen sind bekannt, die Geschäftsmodelle etabliert. Überraschungen sucht man hier eher bei der Gewichtung als bei der Auswahl der Unternehmen.

Gané setzt dagegen stärker auf spezielle Einzeltitel. Zu den größeren Aktienpositionen zählen Paycom Software, Credit Acceptance, Prosus, Ionos, Ulta Beauty, SAP, Nemetschek, Sika, Salesforce und Berkshire Hathaway. Das wirkt konzentrierter und weniger benchmarknah. Wer Gané kauft, kauft damit stärker die Überzeugungen von Rathausky und Muhle.

Die Fonds unterscheiden sich also nicht nur beim Namen, sondern auch beim Charakter: Acatis ist der ruhigere Klassiker. Gané die offensivere Managerwette.

Risiko-Duell: Mehr Chancen, mehr Schwankung

Wer auf Gané setzt, muss folgerichtig auch mehr Schwankungen aushalten. Beim Acatis Value Event Fonds lag die Volatilität über 3 Jahre bei rund 7,2 Prozent, der maximale Verlust bei etwa 10,6 Prozent. Das passt zum defensiveren Mischfondsprofil.

Gané schwankt hingegen stärker. Die Volatilität lag seit Auflage bei rund 10,3 Prozent, über ein Jahr sogar bei 12,3 Prozent. Der maximale Verlust seit Auflage betrug rund 12,2 Prozent. Das Beta zum MSCI World lag allerdings nur bei 0,49. Gané ist also offensiver als Acatis – aber keineswegs ein reiner Aktienfonds mit Vollgas. Der Risikopunkt geht dennoch an Acatis. Wer möglichst ruhig durch die Märkte kommen möchte, findet beim Klassiker das defensivere Profil.

Kosten-Duell: Gané deutlich günstiger

Bei den laufenden Kosten dreht sich das Bild. Der AcatisValue Event Fonds A verlangt rund 1,80 Prozent laufende Kosten. Beim Gané Value Event Fund A sind es lediglich 1,08 Prozent. Auch beim Ausgabeaufschlag hat Gané die Nase vorn: Laut Factsheet beträgt er in der betrachteten Anteilsklasse 0,00 Prozent, während Acatis mit bis zu 5,00 Prozent ausgewiesen wird.

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Allerdings gibt es einen Haken: Gané verlangt eine Performance Fee von 15 Prozent auf die entsprechende Outperformance. Acatis verzichtet in der betrachteten Anteilsklasse auf eine Erfolgsgebühr. Damit lautet das Urteil nicht einfach: „Gané ist billiger.“ Richtig ist vielmehr: Gané hat die niedrigeren laufenden Kosten, Acatis die einfacher kalkulierbare Gebührenstruktur.

Performance-Duell: Gané hat seit der Trennung die Nase vorn

Hier wird es heikel. Die Langfristhistorie des Acatis Value Event Fonds ist stark. Doch diese Historie enthält eben auch die Jahre, in denen Rathausky und Muhle von Gané die Strategie prägten. Wer also die Zehnjahreszahlen des Acatis-Fonds feiert, feiert zu einem erheblichen Teil auch die alte Gané -Ära. Für den heutigen Vergleich zählt deshalb besonders die Zeit nach dem Bruch.

Aktuell zeigt sich: Der Acatis Value Event Fonds A kam über ein Jahr auf 0,4 Prozent, über 3 Jahre auf 11,6 Prozent und über 5 Jahre auf 13,1 Prozent. Im Kalenderjahr 2026 lag er bislang bei minus 0,7 Prozent. Der Gané Value Event Fund A kam seit Auflage auf 17,3 Prozent, über ein Jahr auf 2,1 Prozent und im Kalenderjahr 2026 bislang auf 1,6 Prozent. Rechnet man näherungsweise auf Basis der veröffentlichten Monatsrenditen seit März 2024, also seit der Trennung, liegt Gané klar vorn: rund 16 Prozent gegenüber etwa 10 Prozent bei Acatis. Das ist noch kein endgültiges Langfristurteil. Aber es ist ein erstes Ausrufezeichen.

Der kritische Punkt: Beide sind aktuell keine erste Wahl

So spannend dieses Duell ist: Anleger sollten sich von der Story nicht blenden lassen. Im Zweikampf steht Gané seit dem Bruch besser da. Im breiteren Vergleich sieht die Sache nüchterner aus. Beide Fonds konnten seit Auflage des Gané Value Event Fund den Sektor Mischfonds ausgewogen Welt nicht überzeugend hinter sich lassen. Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der großen Erzählung.

Der Acatis Value Event Fonds hat seit dem Bruch sichtbar an Glanz verloren. Gané hat zwar den direkten Vergleich gewonnen, liefert aber ebenfalls noch keinen Beweis, dass der Fonds im breiten Peergroup-Vergleich schon erste Wahl ist.

Auch aktuelle Peergroup-Rankings sprechen nicht für eine Spitzenposition: CAPinside führt den Acatis Value Event Fonds A in der Peergroup Mischfonds ausgewogen Welt nur auf Rang 1112 von 1191. Für den Gané Value Event Fund D wird Rang 1064 von 1117 ausgewiesen; einzelne andere Gané -Tranchen schneiden besser ab, aber auch hier entsteht kein klares Bild eines Peergroup-Leaders. Das relativiert das Duell: Gané schlägt Acatis seit der Trennung. Aber beide Fonds müssen erst wieder beweisen, dass Value Event nicht nur eine starke Vergangenheit, sondern auch eine überlegene Gegenwart hat.

Das Urteil: Gané gewinnt die Story, Acatis die Stabilität

Punktsieg für Gané – aber kein uneingeschränktes Kaufsignal. Nicht, weil der Acatis Value Event Fonds unter Johannes Hesche schlecht wäre. Sondern weil Gané seit dem Bruch mehr Zug, niedrigere laufende Kosten und die überzeugendere Kontinuitätsgeschichte auf seiner Seite hat. Gegenüber der breiten Peergroup bleibt aber auch Gané beweispflichtig.

Acatis punktet bei Größe, Stabilität, geringerer Volatilität und Plattformstärke. Johannes Hesche hat den Fonds nicht umgeworfen, sondern mit ruhiger Hand weitergeführt und eigene Akzente gesetzt – vor allem über Bottom-up-Selektion, Anleihen und Risikokontrolle. Für einen Spitzenplatz im Sektor reicht das derzeit jedoch nicht.

Gané punktet bei Managerkontinuität, aktiverer Aktienquote und jüngerer Performance. Rathausky und Muhle verkörpern für viele Anleger die ursprüngliche Value-Event-Handschrift. Ihr neuer Fonds ist die offensivere Antwort auf den Bruch.

Die Entscheidung hängt deshalb vom Anlegertyp ab. Wer einen großen, defensiveren Mischfonds sucht und Wert auf geringere Schwankungen legt, findet bei Acatis weiterhin einen nachvollziehbaren Kandidaten. Wer dagegen davon überzeugt ist, dass die eigentliche Value-Event-DNA mit Rathausky und Muhle zu Gané gewandert ist, bekommt mit dem Gané Value Event Fund die spannendere Wette. Denn am Ende geht es bei diesem Duell um mehr als Performance, Kosten und Aktienquote. Die alte Erfolgsgeschichte trug beide Namen. Die neue wird getrennt geschrieben.

 

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