Vom Index abweichen und gewinnen – funktioniert das? (Foto: Freepik, areefsalaeh)
ETFs standen lange für Disziplin, Demut und niedrige Kosten. Jetzt kommen sie plötzlich mit Meinung daher. Aktiv gemanagte ETFs versprechen das Beste aus 2 Welten: die Intelligenz des Fondsmanagers und die Effizienz des ETF-Mantels. Doch ist das ein echter Fortschritt – oder nur clever verpacktes Marketing?
Ein Widerspruch in 3 Buchstaben
Wenn ein Produkt jahrzehntelang für Passivität stand, wirkt sein plötzlicher Aktivismus zunächst verdächtig. ETF – das waren börsengehandelte Indexfonds, die stoisch einen Markt abbilden. Den MSCI World, den Dax oder den S&P 500. Kein Bauchgefühl, keine Prognose, kein Manager, der glaubt, es besser zu wissen als der Markt. Genau darin lag ihre Stärke. Breite Streuung, Transparenz, niedrige Kosten. Der Anleger bekam den Markt – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Umso überraschender ist der neue Trend. Aktiv gemanagte ETFs wachsen in Europa deutlich schneller als der Gesamtmarkt, auch wenn sie bislang nur einen kleinen Teil des ETF-Universums ausmachen. Das Prinzip scheint sich selbst zu widersprechen. Denn ETFs waren einst als Gegenentwurf zu aktiven Fonds gedacht. Jetzt holen sie genau das zurück, was sie eigentlich überwinden wollten: aktives Management.
Was aktive ETFs wirklich anders machen
Der Unterschied ist subtil, aber entscheidend. Während klassische ETFs einen Index 1 zu 1 nachbilden, dürfen aktive ETFs davon abweichen. Sie können einzelne Titel über- oder untergewichten, Aktien ganz meiden oder neu aufnehmen. Entscheidungen werden nicht mehr allein von Regeln getroffen, sondern von Research, Modellen oder Management-Überzeugungen.
Damit bewegen sich aktive ETFs zwischen 2 Welten. Sie sind günstiger als klassische Investmentfonds, weil sie ohne teuren Vertrieb auskommen und schlank strukturiert sind. Gleichzeitig sind sie teurer als passive ETFs, weil Analyse, Handel und Steuerung bezahlt werden müssen. Mit laufenden Kosten zwischen 0,2 und 0,4 Prozent wirken sie wie ein fairer Kompromiss – zumindest auf dem Papier.
Die Frage ist nur: Entsteht dafür auch ein Mehrwert?
Der Platzhirsch: JPMorgan US Research Enhanced Index Equity ETF
Der größte aktive ETF auf dem deutschen Markt ist rund 8,8 Milliarden Euro schwer und kommt von JPMorgan. Der JPM US Research Enhanced Index Equity Active ETF (ISIN: IE00BF4G7076) will den S&P 500 schlagen – mit leichter aktiver Abweichung und zusätzlicher ESG-Filterung (Environmental, Social und Governance). Nvidia, Apple und Microsoft gehören auch hier zu den größten Positionen. Die Branchenstruktur ähnelt stark dem Index, die Abweichungen sind bewusst begrenzt.
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Der Blick auf die Zahlen fällt nüchtern aus. Über 3 Jahre liegt der aktive ETF mit rund 63 Prozent Wertzuwachs exakt auf Augenhöhe mit einem klassischen S&P-500-ETF (iShares Core S&P 500 Ucits ETF). Über 5 Jahre gelingt ein kleiner Vorsprung: rund 105 Prozent Gesamtrendite gegenüber etwa 102 Prozent beim passiven Vehikel. Ein Vorteil, ja – aber einer, der kaum größer ist als die zusätzliche Gebühr von 0,13 Prozentpunkten pro Jahr. Aktivismus in homöopathischer Dosis.
Japan als Bewährungsprobe: Aktiv ohne Mehrrendite
Noch klarer zeigt sich die Problematik beim JPMorgan Japan Research Enhanced Index Active Equity ETF (ISIN: IE000QGWZZO0), währungsgesichert in Euro. Auch hier lautet das Versprechen: langfristige Mehrrendite gegenüber dem MSCI Japan. Auch hier setzt das Management auf leichte Über- und Untergewichtungen, gestützt auf Research und ESG-Kriterien.
Doch die Realität bleibt hinter dem Anspruch zurück. Über die vergangenen 3 Jahre erzielte der aktive Japan-ETF eine Wertentwicklung von rund 102 Prozent. Der passive Vergleichs-ETF auf den MSCI Japan (Xtrackers MSCI Japan UCITS ETF EUR Hedged) kam im selben Zeitraum auf etwa 104 Prozent. Der Unterschied ist nicht dramatisch, aber eindeutig. Aktiv war hier nicht besser, sondern minimal schlechter. Gerade in einem Markt wie Japan, der traditionell als ineffizient gilt, ist das ein ernüchterndes Ergebnis.
Index mit Meinung: Der Frankfurter UCITS ETF – Modern Value
Deutlich mutiger tritt der Frankfurter Modern Value UCITS ETF (ISIN: LU2439874319) auf. Er hält nur 25 Aktien, alle gleich gewichtet, und folgt einer klaren Philosophie: investiert wird in Qualitätsunternehmen mit starker Eigentümerstruktur, solider Bilanz und hohem erwarteten Total Shareholder Return. Der Ansatz ist regelbasiert, aber konsequent. Das ist kein Index-Schmusekurs, sondern ein konzentriertes Portfolio mit klarer Meinung.
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Zeitweise ging diese Rechnung auf. Seit seiner Auflage im Jahr 2022 konnte der ETF mit globalen Value-Strategien mithalten oder sie sogar übertreffen. Doch das veränderte Marktumfeld drehte das Bild. Über 3 Jahre kommt der Modern Value ETF auf rund 40 Prozent Wertzuwachs. Ein globaler Value-ETF, der den MSCI World Value Factor abbildet und seine Titelauswahl über die Wertfaktoren Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs zu künftigen Gewinnerwartungen und Unternehmenswert zu operativem Cashflow bestimmt (iShares Core MSCI World Value Factor), legte im selben Zeitraum etwa 61 Prozent zu. Noch deutlicher fällt der Rückstand auf Sicht eines Jahres aus: Während der Modern Value ETF leicht im Minus liegt, erzielte der MSCI World Value ein Plus von fast 24 Prozent.
Der Grund liegt weniger im Konzept als in der Zusammensetzung. Der Frankfurter ETF ist stark in Versicherungen, Gesundheits- und Softwaretiteln engagiert, während der globale Value-Index zuletzt von einem hohen Anteil an Technologie-, Finanz- und Industriewerten profitierte. Letztendlich entscheidet nicht die Philosophie, sondern der Markt.
Last but not least: die unterschätzten Kosten
Neben der Performance sollten Anleger einen weiteren Punkt nicht übersehen. Aktive ETFs sind häufig kleiner, weniger liquide und damit teurer im Handel. Die wahren Kosten entstehen nicht nur durch die laufende Gebühr, sondern auch durch Spreads – also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Gerade bei weniger gehandelten ETFs können diese Kosten die erhoffte Mehrrendite schnell auffressen. Aktiv sein heißt eben auch: genauer hinschauen.
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Fazit aktive ETF: mehr Schall als Rauch – mit Ausnahmen
Aktiv gemanagte ETFs sind keine Revolution, sondern eine Evolution. Sie sind der Versuch der Fondsindustrie, klassisches Management in ein modernes Gewand zu kleiden. In Einzelfällen kann das funktionieren – vor allem dort, wo die Abweichungen vom Index klar, diszipliniert und nachvollziehbar sind.
Doch viele Produkte bleiben im Niemandsland. Zu teuer für passiv, zu zahm für aktiv. Wer glaubt, mit aktiven ETFs den Markt systematisch zu schlagen, wird meist enttäuscht. Wer sie hingegen als gezielte Beimischung versteht, kann ihnen einen Platz im Portfolio einräumen.
Der ETF ist erwachsen geworden. Aber erwachsen zu sein heißt noch lange nicht, klüger zu handeln als der Markt.
Disclaimer:
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.
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