Fed Leitzins aktuell: Zinsentscheid in den USA im Schatten der Iran-Krise

Gebäude der Federal Reserve in Washington, D. C. (Foto: Freepik, Sompong)

Washington – Die US-Währungshüter haben den Leitzins abermals nicht angetastet und bei der Spanne von 350 bis 375 Basispunkten belassen. Der Iran-Krieg hat die Geldpolitik der Federal Reserve nicht einfacher gemacht: Ölpreise auf Rekordhöhe, Inflation weit über dem Ziel und unsichere Konjunkturaussichten. Und als Kulisse noch der anstehende Wechsel an der Spitze der Notenbank.

“Die Entwicklungen im Nahen Osten tragen zu einer hohen Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten bei“, heißt es im Statement der Federal Reserve zum heutigen Zinsentscheid. Die Inflation ist hoch, was unter anderem auf den jüngsten Anstieg der globalen Energiepreise zurückzuführen ist.

In der zweiten Jahreshälfte 2025 hatte die Federal Reserve dreimal in Folge die Zinsen um je 25 Basispunkte gesenkt. Doch seit Januar 2026 ruht die Hand der Währungshüter. Der Leitzins liegt seitdem bei 3,5 bis 3,75 Prozent.

Unsicherheit bleibt hoch – Fed-Prognose sieht eine Zinssenkung 2026

Im sogenannten Punkt-Diagramm – zuletzt aktualisiert im März – erwarten die Gouverneure für 2026 im Median nur noch einen Leitzins von 3,4 Prozent. Das entspräche einer einzigen Senkung um 25 Basispunkte im gesamten Jahr.

Eine Reuters-Umfrage unter 103 Volkswirten, durchgeführt vom 17. bis 21. April, zeigt: 56 von 103 Ökonomen erwarten, dass der Leitzins bis Ende September unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent bleibt. Noch im frühen März hatte die Mehrheit auf eine Senkung bis Ende Juni gesetzt.

Inflation: 3,3 Prozent im März – weit entfernt vom 2-Prozent-Ziel

Der Inflationsschock ist real. Im März kletterte die US-Verbraucherpreisinflation auf 3,3 Prozent im Jahresvergleich – nach 2,4 Prozent im Februar. Die Energiepreise waren mit 12,5 Prozent der Inflationstreiber Nummer 1 im März. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel legte nur leicht auf 2,6 Prozent zu – aber selbst das liegt über dem Zielwert der Fed.

Die OECD hat ihre Jahresprognose für die US-Teuerung massiv nach oben korrigiert: Statt 3 Prozent erwartet sie nun 4,2 Prozent für 2026. Das liegt deutlich über der eigenen Fed-Prognose von 2,7 Prozent (PCE-Index), die beim März-Entscheid veröffentlicht wurde. US-Verbraucher sehen sogar noch höhere Preise: Für die nächsten 12 Monate hat die New York Fed einen Anstieg bei den Inflationserwartungen um 0,4 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent ermittelt.

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Ölpreise explodieren – US-Arbeitsmarkt sehr volatil

Die weltweiten Ölpreise sind infolge des Krieges um mehr als 50 Prozent gestiegen, was auch die Benzinpreise in den USA in die Höhe treibt. Lieferengpässe, steigende Transportkosten, Trump-Zölle: All das verteuert das Angebot und belastet die Kaufkraft.

Am Arbeitsmarkt gibt es zumindest einen Lichtblick: Im März entstanden 178.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft – Ökonomen hatten nur 60.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote ging von Februar auf März überraschend von 4,4 auf 4,3 Prozent zurück. Doch der Saldo schwankt stark: Im Februar waren noch 133.000 Jobs weggefallen.

Personalpoker um Powell-Nachfolge – Tillis macht den Weg frei

Jerome Powells Amtszeit als Fed-Präsident endet Mitte Mai. Trumps Kandidat für die Nachfolge, Kevin Warsh, stand bis vor Kurzem vor einer Hürde im Senat, da der republikanische Senator Thom Tillis die Bestätigung blockierte. Tillis forderte die Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Powell. Nun hat das Justizministerium eingelenkt und die Ermittlungen fallengelassen.

Tillis beendete daraufhin am Sonntag seine Blockade und kündigte an, Warshs Bestätigung im Bankenausschuss nun zu unterstützen. Zwar wies Warsh in seiner Anhörung zurück, Trump Zusagen zu Zinssenkungen gemacht zu haben, dennoch bleibt die Frage: Kann ein neuer Fed-Chef, der dem Weißen Haus nahesteht, glaubwürdig für Preisstabilität eintreten? In der Reuters-Umfrage sagten Ökonomen, sein Zeugnis habe ihre Prognosen nicht verändert. Die Märkte bleiben skeptisch.

Prognose des FedWatch Tools

Was sagen die Märkte? Laut FedWatch Tool der CME beträgt die Chance für eine Zinspause bei der nächsten Sitzung am 17. Juni 98,8 Prozent. Bei der darauffolgenden Sitzung am 29. Juli liegt die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Zinsspanne bei 94,6 Prozent. (Stand: 29. April, 20.15 Uhr MESZ)

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