Mit neuen Vertriebsformaten und gezielten Standorteröffnungen treibt Greggs die strategische Expansion im Food-to-go-Segment voran. (Foto: Magnific.com, jcomp)
Die Aktie der britischen Bäckerei- und Imbisskette Greggs hat eine Phase der Wachstums- und Bewertungskompression hinter sich. Nach Jahren starken Wachstums stellte sich eine Normalisierung ein. Wichtige Investitionen für die Zukunft tragen nun Früchte. Mit den Wachstumszahlen für das 1. Halbjahr 2026 löste Greggs den größten Kurssprung seit 5 Jahren mit einem Plus von 18,5 Prozent aus und nahm der Debatte über fehlendes Wachstum zunächst den Wind aus den Segeln.
Wer die Zahlen jedoch an der richtigen Vergleichsbasis misst, findet eine deutlich nüchternere Geschichte, als es die Kursreaktion vermuten lässt.
22,9 Prozent Gewinnwachstum trifft auf schwache Vergleichsbasis
Ende Juli veröffentlichte Greggs die Halbjahreszahlen für 2026. Der Umsatz stieg um 7,2 Prozent auf 1,1 Milliarden Pfund, der operative Gewinn kletterte um 22,9 Prozent auf 86,5 Millionen Pfund. Das sind beeindruckende Zahlen für eine schwache Wirtschaft und eine hohe bestehende Filialdichte. Der verwässerte Gewinn je Aktie übertraf mit 54,9 Pence die Erwartungen der Analysten um 10 Prozent. Die Aktie reagierte mit einem Plus von 18,5 Prozent. Ein Teil davon war technischer Natur, da die Aktie vor den Zahlen zu 13,9 Prozent leerverkauft war.
Die hohen Wachstumsraten beruhen zu einem guten Teil auf einer schwachen Vergleichsbasis. Das 1. Halbjahr 2025 war durch die Hitzewelle im Juni belastet. Greggs war darauf mit seinem damaligen Sortiment zu wenig vorbereitet. 2026 wurde frühzeitig reagiert und die Menükarte um mehr Salate und Iced Drinks erweitert. Aussagekräftiger ist daher der Vergleich mit H1 2024: Über 2 Jahre stieg der Umsatz in der Summe um 14 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Gewinn. Somit ist die Gewinnentwicklung im Wesentlichen an das Umsatzwachstum gekoppelt.
Marktanteilsgewinne und Shop-Expansion
Die flächenbereinigten Umsätze der eigenen Filialen legten um 2,1 Prozent und die Umsätze der Franchise-Filialen um 1,3 Prozent zu. Der Marktanteil konnte auf 8,7 Prozent aller Food-to-go-Shops in Großbritannien ausgebaut werden. Greggs betont weiterhin, dass Neueröffnungen zu keiner Kannibalisierung bestehender Shops führen, sondern die Besuchsfrequenz erhöhen, wenn die richtigen Standorte gewählt werden. Das Konsumentenverhalten werde laufend überwacht.
Zusätzlich sollen neue Formate wie Greggs Express an Tankstellen und in Supermärkten, kleinere Bitesize-Filialen sowie die erste Auslandsfiliale am Flughafen Teneriffa Süd weitere Hebel für die Expansion darstellen. Zum Ende des 1. Halbjahres 2026 zählt Greggs 2.773 Shops. Langfristig sollen es in Großbritannien 3.500 Filialen sein.
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Kostendisziplin und eingefrorene Dividende
Für 2026 peilt Greggs strukturelle Einsparungen von 11 Millionen Pfund an, wovon bereits 7 Millionen realisiert wurden. Die Investitionsausgaben laufen nun deutlich zurück, nachdem die Verteilzentren Derby und Kettering bald in Betrieb genommen werden. Derby soll bereits Ende 2026 eröffnet werden, Kettering soll Anfang 2027 folgen. Kettering wird noch stärker automatisiert sein als Derby und den Fokus auf Chilled- & Ambient-Produkte setzen. Beide verfügen über White Spaces, um künftig bis zu 3.500 Shops zu versorgen und zusätzliche Produktionslinien anbieten zu können.
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Mit der Inbetriebnahme von Derby 2026 und Kettering 2027 werden erstmals auch weitere Betriebskosten anfallen, weshalb das Management für 2026 trotz des starken ersten Halbjahres kein Gewinnwachstum erwartet. Andererseits verbessert sich der freie Cashflow wieder auf 6 Prozent. Anstatt eine Sonderdividende zu zahlen oder die Dividende zu erhöhen, entscheidet sich das Management dafür, die Mittel für den Schuldenabbau zu nutzen, da auch die Zinskosten steigen. Aktuell bietet Greggs nach dem Kurssprung eine Dividendenrendite von 3,6 Prozent.
Greggs Aktie: Einschätzung für Anleger
Wer in Greggs bereits vor dem Kurssprung investiert war, hatte einen günstigen Buy-in mit einer hohen Dividendenrendite von 4 Prozent. Nach dem Anstieg bietet Greggs noch eine Dividendenrendite von 3,4 Prozent bei einem fairen price-earnings ratio von 14. Die erste Kurseuphorie hat der Markt bereits wieder abgebaut. Chancen ergeben sich vor allem aus neuen Formaten, einer höheren Filialdichte und einer möglichen Konjunkturerholung. Die neuen Verteilzentren bieten durch stärkere Automatisierung und bessere Prozesse zusätzliches Margen- und Gewinnpotenzial. Hinzu kommt ein starkes Management, das langfristig und aktionärsfreundlich agiert.
Eine ROCE (Return on Capital Employed) von 20 Prozent rückt damit wieder in Reichweite. Für Anleger, die keine klassische Wachstumsstory suchen, bleibt Greggs ein solides Investment, in das über die kommenden Quartale schrittweise investiert werden kann, bis sich die strategischen Maßnahmen vollständig materialisieren und der Kurs wieder dauerhaft anzieht.
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.
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