Stromversorgung in Rechenzentren: Hier setzt die neue Kooperation mit Nvidia an. (KI-Symbolbild: ftd.de-Redaktion, Codex-Bildmodell)
Neubiberg – Infineon baut sein Geschäft mit der Stromversorgung für künstliche Intelligenz aus. Der Halbleiterkonzern mit Hauptsitz in Neubiberg arbeitet mit Nvidia an der nächsten Generation von Rechenzentren. Wie lange der Investitionszyklus der Chipbranche trägt, bleibt die Gegenfrage.
The FactSet-Konsens bei finanzen.net enthält Kursziele zwischen 50,00 und 124,00 Euro. Wie viel davon bis Ende 2027 plausibel ist, hängt sowohl vom Gewinn als auch von der Bewertung ab. Unsere 3 Szenarien machen diese beiden Annahmen getrennt sichtbar. Faktenstichtag ist der 24. Oktober 2026 um 14.16 Uhr (MESZ).
Der reguläre Xetra-Schlusskurs vom Freitag, dem 23. Oktober 2026, lag laut historischer Xetra-Kursreihe von onvista bei 48,67 Euro. Gegenüber dem ungerundeten Vortagesschluss von 49,885 Euro entspricht das einem Minus von 2,44 Prozent. Dieser reguläre Freitagsschluss ist am Wochenende die letzte abgeschlossene Börsensitzung.
Wie hat sich der Infineon-Kurs zuletzt entwickelt?
The historischen Xetra-Kurse bei Investing.com zeigen bis zum 23. Oktober einen Verlust von 7,10 Prozent über eine Woche. Über 2 Wochen beträgt das Minus 17,31 Prozent, über 4 Wochen 14,18 Prozent. Der Kursrückgang fällt damit in eine Phase, in der Infineon zugleich neue Schritte im Geschäft mit Rechenzentren vorstellt.
Die Berechnung teilt den Endschlusskurs durch den jeweiligen Startschlusskurs, zieht 1 ab und multipliziert das Ergebnis mit 100. Die Tabelle zeigt reine Kursrenditen ohne Dividenden.
Infineon: Kursentwicklung bis 23. Oktober 2026
| Zeitraum | Startschlusskurs | Endschlusskurs | Kursveränderung |
|---|---|---|---|
| 1 Woche | 52,39 Euro am 16. Oktober 2026 | 48,67 Euro | minus 7,10 Prozent |
| 2 Wochen | 58,86 Euro am 9. Oktober 2026 | 48,67 Euro | minus 17,31 Prozent |
| 4 Wochen | 56,71 Euro am 25. September 2026 | 48,67 Euro | minus 14,18 Prozent |
Betrachtet wird die Namensaktie der Infineon Technologies AG auf Xetra, Kürzel IFX, Handelswährung Euro, ISIN DE0006231004.
Aktuelle Kursziele der Infineon-Aktie
Jefferies-Analyst Janardan Menon bestätigte am 29. September Buy und 96,00 Euro. Er erwartet starke Chipnachfrage und sieht Infineon unter seinen Favoriten für das Gewinnjahr 2027. Zugleich rechnet er mit einem Höhepunkt des Branchenzyklus im 4. Quartal und verweist auf mögliche Bewertungsrückgänge vor diesem Wendepunkt.
The UBS-Studie von Francois-Xavier Bouvignies vom 25. September bleibt bei Neutral und 64,00 Euro. Der Analyst erwartet für die anstehenden Zahlen wenig Überraschung und einen positiven Grundton beim ersten Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027.
Berenberg-Analystin Tammy Qiu argumentierte am 8. September längerfristig: Der Investitionszyklus dürfte über 2028 hinausreichen. Sie bestätigte Buy und 100,00 Euro. Die 3 September-Studien liegen vor der neuen Nvidia-Mitteilung. Ihre öffentlich zugänglichen Berichte nennen keinen ausdrücklichen Kurszieltermin; sie sind deshalb keine präzisen Jahresendprognosen für 2027.
Datierte Analystenziele für die Infineon-Aktie
| Institut | Kursziel | Urteil | Studie und Kernaussage |
|---|---|---|---|
| Jefferies | 96,00 Euro | Buy | 29. September 2026; guter Gewinnausblick, Zyklusrisiko |
| UBS | 64,00 Euro | Neutral | 25. September 2026; wenig Überraschung bei Jahreszahlen erwartet |
| Berenberg | 100,00 Euro | Buy | 8. September 2026; längerer Investitionszyklus erwartet |
Prognose: Wo steht die Infineon-Aktie 2027?
The FactSet-Schätzungen umfassen am 24. Oktober 26 Kursziele mit einem Mittelwert von 87,088 Euro. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Abstand von 78,94 Prozent zum Freitagsschluss. Ein gemeinsamer genauer Endtermin der Ziele ist nicht ausgewiesen. Für das am 30. September 2027 endende Geschäftsjahr erwarten 25 Analysten im Mittel 2,84 Euro Gewinn je Aktie.
Diese Schätzung ist keine Unternehmensprognose. Die separat als reported bezeichnete Gewinnreihe liegt bei 2,43 Euro. Wir verwenden durchgehend die erste Reihe mit 2,84 Euro; daraus folgt beim aktuellen Kurs ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,14.
Unser Modell bezieht sich auf den 31. Dezember 2027 und bewertet den Gewinn des dann abgeschlossenen Geschäftsjahres 2027. Die Grundrechnung lautet Gewinn je Aktie mal KGV. Die Gewinnfaktoren und Bewertungsbänder sind redaktionelle Annahmen, keine historischen Normalwerte.
Der Basisfall setzt 2,84 Euro Gewinn und ein KGV von 16 bis 20 an. Das ergibt 45,44 bis 56,80 Euro. Das Band liegt um die Bewertung am Stichtag. Der Gewinn müsste die Konsensschätzung erreichen; ein großer zusätzlicher Bewertungsaufschlag ist in diesem Fall nicht vorgesehen.
Im Bull-Fall liegt der Gewinn 15 Prozent über dem Konsens, ungerundet bei 3,266 Euro je Aktie. Ein KGV von 24 bis 28 führt zu 78,38 bis 91,45 Euro. Dafür müssten bessere Gewinne und eine höhere Zahlungsbereitschaft für diese Gewinne zusammenkommen, etwa bei anhaltend hoher Nachfrage nach Stromversorgung für Rechenzentren.
Der Bear-Fall unterstellt einen um 25 Prozent niedrigeren Gewinn von 2,13 Euro und ein KGV von 12 bis 15. Daraus folgen 25,56 bis 31,95 Euro. Dieser Belastungstest verbindet eine Gewinnenttäuschung mit sinkenden Bewertungen, wie sie bei einer Abschwächung des Chipzyklus auftreten könnten.
Für die Szenarien vergeben wir keine Eintrittswahrscheinlichkeiten. Alle Zwischenwerte bleiben ungerundet; erst die Modellkurse werden auf 2 Nachkommastellen gerundet. Der starke Abstand zum mittleren Analystenziel zeigt, wie viel eine höhere Bewertung zum optimistischen Kursbild beitragen müsste.
Szenarien für die Infineon-Aktie 2027
| Szenario | Kurskorridor 2027 | requirements | Risiken |
|---|---|---|---|
| Bull | 78,38 bis 91,45 Euro | Modellgewinn 3,2660 Euro je Aktie; Eigenes KGV-Band 24 bis 28; 31. Dezember 2027, Gewinnbasis Geschäftsjahr 2027 | Gewinnwachstum über Konsens und höhere Bewertung erforderlich |
| Basis | 45,44 bis 56,80 Euro | Modellgewinn 2,84 Euro je Aktie; Eigenes KGV-Band 16 bis 20; 31. Dezember 2027, Gewinnbasis Geschäftsjahr 2027 | Konsensgewinn und Bewertung nahe dem Niveau zum Stichtag erforderlich |
| Bear | 25,56 bis 31,95 Euro | Modellgewinn 2,1300 Euro je Aktie; Eigenes KGV-Band 12 bis 15; 31. Dezember 2027, Gewinnbasis Geschäftsjahr 2027 | Niedrigerer Gewinn und sinkende Bewertung wirken zusammen |
Nvidia-Kooperation setzt bei Stromwandlung im Rechenzentrum an
Am 21. Oktober stellte Infineon die vertiefte Zusammenarbeit mit Nvidia für 800-Volt-Gleichstromarchitekturen vor. Im Mittelpunkt stehen Zwischenbuswandler (Intermediate Bus Converter, IBC), die die hohe Versorgungsspannung auf ein niedrigeres Niveau für nachgelagerte Stufen bringen. Infineon setzt dafür auf Galliumnitrid, kurz GaN. Das Halbleitermaterial soll schnelles, verlustarmes Schalten ermöglichen.
Data Center Dynamics berichtete am 22. Oktober, dass die Kooperation auf den 2025 vorgestellten Arbeiten an wartbaren Serverracks aufbaut. Die neue Architektur ergänzt bestehende Wechselstrom- und Gleichstromsysteme. Infineon liefert damit Technik für die elektrische Versorgung der Rechner, ein anderes Geschäft als die Rechenprozessoren selbst.
Für die Bewertung kommt es darauf an, ob sich dieser technische Bedarf in profitables Seriengeschäft übersetzt. Der Ausbau der Rechenleistung erhöht den Bedarf an geeigneter Stromversorgung. Wie viel Gewinn Infineon daraus erwirtschaftet, hängt auch vom Produktmix und den Fertigungskosten ab.
Stärkeres Rechenzentrumsgeschäft trifft auf eine Erholung im Auto
In the 3. Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Infineon 4,172 Milliarden Euro Umsatz und 797 Millionen Euro Segmentergebnis. Die Segmentmarge lag bei 19,1 Prozent. Das Quartal endete am 30. Juni.
Infineons Sparte Power & Sensor Systems liefert unter anderem Stromversorgungstechnik für Server und Rechenzentren. Sie erreichte 1,442 Milliarden Euro Umsatz und 24,9 Prozent Segmentmarge. Automotive, das Geschäft mit Halbleitern für Fahrzeuge, setzte 1,932 Milliarden Euro um. Hier stieg die Nachfrage unter anderem nach Mikrocontrollern, Smart-Power-Bauteilen und Ethernet-Produkten für softwaredefinierte Fahrzeuge. Zum Vorjahr legte der Umsatz allerdings nur um 3 Prozent zu, die Segmentmarge lag mit 18,4 Prozent unter dem Vorjahreswert von 19,8 Prozent.
Die Cashflow-Prognose zeigt die Kosten des Portfolioausbaus
The Unternehmensprognose vom August sah für 2026 rund 16,3 Milliarden Euro Umsatz und etwa 20 Prozent Segmentmarge vor. Der bereinigte freie Cashflow sollte 1,85 Milliarden Euro erreichen. Einschließlich der im Juli erworbenen Sensorsparte von ams Osram erwartete Infineon einen freien Cashflow von 0,9 Milliarden Euro.
Der Unterschied ist für die Finanzierung relevant und geht nur zum Teil auf den Erwerb zurück: Schon die frühere Prognose wies 1,65 statt 1,25 Milliarden Euro aus. Eine Kennzahl ohne den Erwerb bildet die Mittelbindung durch diesen Portfolioausbau nicht vollständig ab.
Das Kursziel verlangt deutlich mehr als den aktuellen Gewinnmultiplikator
Das mittlere FactSet-Kursziel von 87,088 Euro geteilt durch denselben Gewinnansatz von 2,84 Euro ergibt ein KGV von 30,66. Das ist eine eigene Vergleichsrechnung. Sie unterstellt den Instituten weder eine gemeinsame Bewertungsmethode noch denselben Zeithorizont.
Der Vergleich macht die Spannweite greifbar: Bleibt der Gewinnansatz unverändert, müsste ein deutlich höherer Multiplikator den Weg zum Konsensziel tragen. Alternativ müsste der Gewinn stärker steigen, damit derselbe Kurs mit einem niedrigeren Multiplikator vereinbar wird.
Ein konkretes Gegenargument liefert Menons Zykluseinschätzung: Trotz guter operativer Nachfrage können Bewertungen sinken, wenn der Markt bereits eine spätere Abkühlung erwartet. Für unseren Bull-Fall reicht es deshalb nicht, nur die Umsatzentwicklung zu betrachten. Auch die Richtung der Gewinnschätzungen muss stimmen.
Fazit: Die Jahresprognose wird zum nächsten Prüfstein
Für die DAX-Aktie Infineon ergibt unser Basisfall 45,44 bis 56,80 Euro zum Jahresende 2027. Die Chance liegt im wachsenden Bedarf an Leistungshalbleitern für Rechenzentren. Dagegen steht das Risiko, dass der Halbleiterzyklus die Bewertung bremst, obwohl das Unternehmen operativ weiter wächst.
Als nächsten Ergebnistermin nennt Infineons Finanzkalender den 10. November 2026. Die Jahreszahlen und der von UBS erwartete erste Ausblick 2027 erlauben dann einen Abgleich mit der aktuellen Gewinnbasis. Besonders aufschlussreich werden die Margenerwartung und der geplante Cashflow sein.
Disclaimer:
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