MercadoLibre Aktie: Der Online-Marktplatz steuert auf langfristige Kapitalrenditen zu

Das Überschreiten der Umsatzmarke von zehn Milliarden US-Dollar unterstreicht das anhaltend starke Wachstum des lateinamerikanischen E-Commerce-Riesen. (Foto: Magnific.com, deepanishad08)

MercadoLibre hat mit den Zahlen zum 2. Quartal 2026 erneut bewiesen, dass die Wachstumsgeschichte aus unserem report von 2024 voll in Takt sind. Der Umsatz überschritt erstmals die Marke von 10 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 50 Prozent im Jahresvergleich. Dennoch honoriert der Markt die Zahlen nicht, da die operative Marge für künftige Kapitalrenditen unter Druck stehen. Wer die Strategie hinter den Zahlen versteht, erkennt darin keine Schwäche, sondern Opportunitäten. Es setzt sich der Burggraben fort, den wir bereits 2024 beschrieben haben.

Starkes Umsatzwachstum – Nutzerbindung vertieft

Der Nettoumsatz kletterte auf 10,17 Milliarden US-Dollar und stellt ein Gesamtwachstum von 43 Prozent (FX-neutral) dar. Das Commerce-Segment erreichte beim Bruttowarenvolumen (GMV) ein Plus von 36 Prozent (FX neutral) – getragen insbesondere durch Brasilien mit einem GMV-Wachstum von 57 Prozent, aufgrund von gesenkter Lieferkosten. Kurzzeitig belastet diese Maßnahme zwar die Margen, doch langfristig bietet sie MercadoLibre die nötigen Skaleneffekte.

Das Fintech-Segment Mercado Pago, das für 43 Prozent des Umsatzes steht, wuchs mit 47 Prozent nahezu genauso stark. Es zeigt sich eine klare Vertiefung der Nutzerbindung. Die monatlich aktiven Nutzer sind um 30 Prozent auf 88 Millionen gestiegen und Mercado Pago wird zunehmend zur bevorzugten Zahlungs- und Finanzlösung in Brasilien, Mexiko, Argentinien und Chile. Daneben wächst auch das Asset-Management-Volumen um 68 Prozent.

Ökosystem-Nutzer werden zum Kern der Strategie

Besonders interessant ist die Entwicklung der sogenannten Ökosystem-Nutzer. Das sind Kunden, die sowohl den Marktplatz als auch die Bezahlplattform Mercado Pago nutzen. Die Zahl der Ökosystem-Nutzer legte im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent zu und wuchs schneller als die Gesamtnutzerbasis. Nach Angaben des Managements generieren diese Kunden ein Vielfaches des Deckungsbeitrags eines Nutzers, der nur eine der beiden Plattformen verwendet, da sie in mehreren Kategorien und häufiger bestellen als auch mehr Geld bei Mercado Pago halten und Kredite intensiver nutzen.

Kreditgeschäft wächst rasant bei stabiler Qualität

Das Kreditportfolio von Mercado Pago wuchs im Jahresvergleich um 75 Prozent auf 16,4 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der ausgegebenen Kreditkarten stieg um 91 Prozent auf 2,6 Millionen Karten. Auch wenn diese Zahlen erstmal Sorge bereiten könnten, blieb die Kreditqualität stabil. Nur 7 Prozent der gesamten Kredite sind 15 bis 90 Tage überfällig. Bei den Kreditkarten liegt die Quote sogar nur bei 4,6 Prozent. Beide Werte liegen nahe historischer Tiefstände. Die Nettozinsmarge nach Verlusten (NIMAL) verbesserte sich von 18 Prozent im 1. Quartal auf 20,7 Prozent im 2. Quartal. NIMAL ist der zentrale Profitabilitätsindikator im Fintech-Segment, weil er mögliche Kreditausfälle berücksichtigt und damit nur die tatsächlich erzielten Zinsgewinne bewertet.

 


Warum die Marge weiter unter Druck steht

Während die operative Marge im 2. Quartal 2025 noch bei 12,2 Prozent lag, sank sie zuletzt auf 6,7 Prozent ab. Gegenüber dem Vorquartal mit 6,9 Prozent blieb sie jedoch nahezu stabil. Ursache für die Margenkompression ist eine bewusste Maßnahme des Managements, Gewinne in Wachstumsinitiativen zu reinvestieren. Dazu zählen die niedrigere Versandschwelle, Rabatte für Zahlungen über das brasilianische Sofortzahlungssystem PIX sowie günstigere Gebühren für Verkäufer.

Das Management investiert in Nutzerbindung für den Schwungradeffekt anstatt in kurzfristige Gewinne. Besonders stark bleibt weiterhin der operative Cashflow mit nun 5,7 Milliarden US-Dollar. Er wird aber aktuell durch stark wachsende Kreditgeschäfte gebunden, sodass MELI selbst einen bereinigten freie Cashflow in Höhe von 214 Millionen US-Dollar im 2. Quartal ausweist.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Bewertung bleibt moderat, Risiken nehmen zu

Nach dem Kursrückgang der vergangenen 12 Monate um rund 25 Prozent hat sich die Aktie weiter vergünstigt. Das erwartete price-earnings ratio (KGV) liegt nun bei etwa 45. Bei diesen Wachstumsraten besitzt das KGV jedoch kaum Gewicht. Kein Unternehmen dieser Größe konnte über einen so langen Zeitraum mit Wachstumsraten zwischen 30 und 50 Prozent glänzen und gleichzeitig Gewinne erzielen.

Aktuell wirkt MercadoLibre wie ein schlafendes Wachstumsmonster, das vom breiten Markt erst wieder als solches erkannt werden muss. Aktuell blickt der Markt auf die Risiken. Extern bleibt die starke Abhängigkeit von Brasilien und die allgemeine Unsicherheit in Lateinamerika ein Belastungsfaktor. Aus Unternehmenssicht gefällt einigen Marktteilnehmern die starke Kapitalbindung im Kreditgeschäft nicht, da es derzeit Margen als auch freien Cashflow belastet. Für wachstumshungrige Anleger führt auf diesem Niveau fast kein Weg an MercadoLibre vorbei.

 

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