Der wirtschaftliche Aufholprozess und neue europäische Lieferketten machen Osteuropa-Aktien für Anleger zunehmend attraktiv. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)
Osteuropas Börsen haben 2025 ein Feuerwerk abgebrannt. Doch hinter dem Kursrausch steckt mehr als nur eine Spekulation auf billige Aktien: Polen, Tschechien, Ungarn und die Balkanländer profitieren vom europäischen Aufholprozess, neuen Lieferketten und steigenden Investitionen. 4 Fonds zeigen, wie Anleger die Region gezielt ins Depot holen können.
Osteuropa ist nicht mehr das, was es einmal war
Osteuropa war lange die Börsenwette auf Russland. Öl, Gas, Banken – dazu ein kräftiger Schuss politisches Risiko. Wer damals einen Osteuropa-Fonds kaufte, bekam häufig sehr viel Moskau ins Depot. Doch diese Welt ist Geschichte. Der Krieg in der Ukraine hat das Anlageuniversum auf brutale Weise verändert.
Russische Aktien verschwanden aus den großen Schwellenländerindizes, westliche Anleger verloren den Zugang zum Markt, Fonds mussten Positionen abschreiben. Aus der einstigen Großregion wurde ein deutlich kleineres, aber auch europäischeres Aktienuniversum. Und genau darin liegt heute der Reiz.
Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Griechenland und Teile des Balkans sind längst keine billige Werkbank Westeuropas mehr. Sie werden zu einem wichtigen Bestandteil der europäischen Industriearchitektur. Batterien, Halbleiter, Maschinen, Energie und Zulieferer entstehen zunehmend dort, wo die Absatzmärkte liegen: vor der Haustür Europas.
Der geopolitische Trend spielt der Region dabei in die Karten. Produktion wird aus Asien näher an Europa herangerückt. Lieferketten werden resilienter. Unternehmen investieren in neue Kapazitäten. Und Staaten pumpen Milliarden in Infrastruktur und Verteidigung. Osteuropa ist damit nicht mehr nur eine Wette auf niedrige Bewertungen. Es ist eine Wette auf Konvergenz.
Polen wird zum Schwergewicht
Der größte Profiteur dieser Entwicklung ist Polen. Das Land ist längst zu groß, um noch als exotische Nebenwette durchzugehen. Die Wirtschaft wächst deutlich schneller als die Eurozone, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und Milliarden aus europäischen Förderprogrammen fließen in Infrastruktur und Modernisierung.
Dazu kommt die geopolitische Lage. Was früher ein Standortnachteil war, wird angesichts der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur zum Investitionsargument. Polen baut seine Streitkräfte massiv aus und dürfte auch als Logistik- und Industriestandort für den Wiederaufbau der Ukraine eine wichtige Rolle spielen.
Tschechien ist hingegen die solide Variante. Eine hoch entwickelte Industrie, niedrige Arbeitslosigkeit und eine vergleichsweise stabile wirtschaftspolitische Ausgangslage machen das Land zum defensiveren Teil des osteuropäischen Aktienuniversums.
Ungarn ist dagegen die Wette mit dem größeren Fragezeichen. Die Wirtschaft kommt nur schleppend voran, gleichzeitig könnten eine Entspannung im Verhältnis zur EU und die Freigabe eingefrorener Fördermittel für einen Kursschub sorgen.
Die Börsen sind billig – aber nicht mehr unentdeckt
Im vergangenen Jahr machte die Region auf sich aufmerksam. Der maßgebliche Index für osteuropäische Schwellenländeraktien schoss um rund 75 Prozent nach oben. Warschau, Budapest und Prag erklommen neue Höchststände. Solche Zahlen sind verführerisch – und gefährlich. Denn nach einem solchen Börsenjahr sollte niemand automatisch die Rendite der Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben. Der bessere Blick geht auf die Bewertung. Und dort sieht Osteuropa weiterhin interessant aus.
The price-earnings ratio liegt vielfach nur im niedrigen bis mittleren Zehnerbereich. Der globale Aktienmarkt kostet dagegen mehr als das Doppelte. Gleichzeitig lockt die Region mit Dividendenrenditen von teilweise mehr als 4 Prozent. Die Story lautet also nicht: Osteuropa ist gestiegen. Sie lautet: Osteuropa ist gestiegen – und trotzdem noch vergleichsweise günstig. Allerdings hat der Anleger dafür einen Preis zu zahlen: Konzentration.
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Wer einen Osteuropa-Fonds kauft, kauft eben nicht den europäischen Aktienmarkt im Breitformat. Banken dominieren viele Portfolios. Dazu kommen Energie, Rohstoffe, Industrie und Konsum. Die Entwicklung einzelner Großbanken oder Rohstoffkonzerne kann deshalb schnell über Wohl und Wehe eines gesamten Fonds entscheiden.
4 Fonds für die neue Osteuropa-Wette
Trigon New Europe Fund – der Value-Jäger
The Trigon New Europe Fund (ISIN: LU1687403367) ist eine der interessanteren Varianten für Anleger, die Osteuropa nicht über einen starren Länderindex kaufen wollen. Fondsmanager Mehis Raud verfolgt einen aktiven Value-Ansatz und sucht nach Unternehmen, deren Börsenwert aus seiner Sicht nicht zum wirtschaftlichen Potenzial passt. Das Anlageuniversum reicht dabei deutlich über Polen, Tschechien und Ungarn hinaus. Auch Rumänien, die baltischen Staaten, Griechenland, die Türkei und weitere Länder der Region können ins Portfolio gelangen.
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Die größten Positionen zeigen, wie breit die Idee interpretiert wird: Kaspi.kz, OTP Bank, Allegro.eu, Gedeon Richter und Jerónimo Martins gehören zu den Schwergewichten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds rund 24 Prozent im Plus, über 5 Jahre summiert sich das Plus auf etwa 154 Prozent.
Der Trigon New Europe ist für Anleger interessant, die Value, aktives Stock-Picking und ein breites Osteuropa-Verständnis kombinieren wollen.
Generali Central & Eastern European Equity – der Polen-Banker
The Generali Investments SICAV Central & Eastern European Equity (ISIN: LU0145471693) setzt dagegen stärker auf die klassischen Schwergewichte der Region. Polen macht fast 40 Prozent des Portfolios aus, Österreich knapp 19 Prozent. Die größten Positionen sind PKO Bank Polski, Erste Bank Group und OTP Bank.
Damit ist auch klar, worauf Anleger sich einlassen: Finanztitel machen fast die Hälfte des Fonds aus. Wer hier investiert, setzt also nicht nur auf Osteuropa, sondern in erheblichem Umfang auf die Ertragskraft seiner Banken.
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Bisher ging die Rechnung auf. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds rund 25 Prozent im Plus, über 5 Jahre bei etwa 133 Prozent. Die klassische Variante für Anleger, die auf Polen, Banken und europäische Konvergenz setzen.
Magna Eastern European Fund – der Comeback-Kandidat
Noch spannender wird es beim Magna Eastern European Fund (ISIN: IE00B3Q7LD52). Der Fonds ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark die Vergangenheit das Bild eines Osteuropa-Fonds verzerren kann. Vor 2022 gehörten russische Aktien selbstverständlich zum Anlageuniversum von Manager Stefan Böttcher. Der Krieg machte daraus eine Altlast. Russische Positionen wurden aufgrund von Sanktionen, Handelsbeschränkungen und fehlendem Marktzugang weitgehend auf null abgeschrieben.
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Das erklärt, warum die Fünfjahresbilanz mit rund 24 Prozent vergleichsweise schwach aussieht. Wer nur diese Zahl betrachtet, übersieht den Neustart der Strategie. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds bei rund 26 Prozent im Plus, über 3 Jahre hat sich der Fondspreis verdoppelt. Heute dominieren Banken und Finanzwerte. Hinzu kommen Energie, Rohstoffe, Industrie und Konsum. Zu den größeren Positionen gehören unter anderem Bank Pekao, Eurobank, Bank Piräus und Kazatomprom.
Ein Fonds für Anleger, die mit der schwierigen Historie leben können und auf einen längerfristigen Neustart setzen.
East Capital Balkans – die konzentrierte Balkan-Wette
Wer es noch spezieller mag, landet beim East Capital Balkans (ISIN: LU0332316016). Hier geht es nicht um Osteuropa im klassischen Sinn, sondern um den südöstlichen Teil der Region. Die Türkei, Griechenland und Ungarn bilden derzeit die Schwerpunkte. Dazu kommen unter anderem Kroatien, Rumänien, Slowenien, Serbien und Bulgarien.
Manager Jacob Grapengiesser setzt auf Unternehmen, die vom wirtschaftlichen Aufholprozess, Reformen, steigenden Investitionen und einer wachsenden Binnennachfrage profitieren. Die Performance macht den Fonds zu einem der auffälligeren Player im Segment. Über 5 Jahre liegt das Plus bei rund 180 Prozent, seit Jahresbeginn bei etwa 24 Prozent.
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Doch die Rendite gibt es nicht gratis. Rund 44 Prozent des Portfolios entfallen auf Finanzwerte. Zu den größten Positionen zählen OTP Bank, Piraeus Bank, Raiffeisen International, Koncar, Optima Bank und Theon International. Die 10 größten Positionen machen ungefähr die Hälfte des Fonds aus.
Und dann ist da noch die türkische Lira. Sie kann für Euro-Anleger zum Renditeverstärker – oder zum Renditebremsklotz werden. Denn selbst wenn türkische Aktien kräftig steigen, kann eine Abwertung der Lira gegenüber dem Euro einen Teil dieser Kursgewinne wieder zunichtemachen. Umgekehrt würde eine Stabilisierung der türkischen Währung die Rendite eines Euro-Anlegers zusätzlich stützen. Da die Türkei zu den wichtigen Märkten des Fonds gehört (rund 30 Prozent), ist das Währungsrisiko deshalb ein Faktor, den Anleger nicht unterschätzen sollten.
Der East Capital Balkans ist damit keine langweilige Beimischung. Er ist eine konzentrierte Wachstumswette auf Südosteuropa – mit entsprechendem Adrenalin-Faktor.
Fazit: Osteuropa ist mehr als nur eine Aufholwette
Die 4 Fonds zeigen, wie unterschiedlich Anleger auf Osteuropa setzen können: über Value, über den Polen-Schwerpunkt, über den Neustart nach dem Russland-Schock oder mit einer konzentrierten Balkan-Wette. Der langfristige Reiz bleibt der europäische Aufholprozess. Dazu kommen neue Lieferketten, steigende Investitionen und vergleichsweise günstige Bewertungen. Doch die Rally von 2025 mit rund 75 Prozent Plus ist keine Blaupause für die Zukunft.
Osteuropa bleibt deshalb eine Satellitenwette, kein Depotfundament. Wer die Region beimischen möchte, sollte sich der Konzentration auf Banken, einzelne Länder und Währungen bewusst sein. Dafür bekommen Anleger etwas, das an den großen Weltbörsen zunehmend knapp wird: vergleichsweise günstige Aktien mit strukturellem Wachstumspotenzial.
Disclaimer:
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.
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