Die größte EU-Volkswirtschaft Deutschland führt das Ranking an. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion, Codex-Bildmodell)
Deutschland steht mit 45 Milliarden Euro an der Spitze. Irland und die Niederlande folgen mit 19,7 Milliarden und 16,9 Milliarden Euro. Platz 1 steht für den größten Leistungsbilanzüberschuss in Milliarden Euro unter den 27 EU-Ländern.
Grundlage sind die am 2. Oktober veröffentlichten Zahlungsbilanzdaten von Eurostat für das 2. Quartal 2026. Insgesamt weisen 11 EU-Länder einen positiven Saldo auf. Die Werte sind weder saison- noch kalenderbereinigt und vorläufig. Die 10 größten Überschüsse zeigen, wie unterschiedlich Warenhandel, Dienstleistungen und grenzüberschreitende Einkommen die Außenwirtschaft prägen.
Die Leistungsbilanz umfasst neben Waren und Dienstleistungen auch Primäreinkommen wie Kapitalerträge sowie laufende Transfers, die als Sekundäreinkommen erfasst werden. Die absoluten Beträge zeigen das Volumen der Überschüsse. Für Aussagen über ihr wirtschaftliches Gewicht wäre zusätzlich die jeweilige Größe der Volkswirtschaft zu berücksichtigen.
| Colour | Land | Leistungsbilanzüberschuss |
|---|---|---|
| 1 | Germany | 45,0 Milliarden Euro |
| 2 | Ireland | 19,7 Milliarden Euro |
| 3 | Netherlands | 16,9 Milliarden Euro |
| 4 | Dänemark | 13,2 Milliarden Euro |
| 5 | Sweden | 11,6 Milliarden Euro |
| 6 | Spain | 8,7 Milliarden Euro |
| 7 | Belgium | 1,7 Milliarden Euro |
| 8 | Finnland | 1,3 Milliarden Euro |
| 9 | Slovenia | 0,8 Milliarden Euro |
| 10 | Österreich | 0,3 Milliarden Euro |
EU-Länder mit den höchsten Leistungsbilanzüberschüssen im 2. Quartal 2026
Platz 10: Österreich – Warenüberschuss trifft auf Einkommenstransfers
- Leistungsbilanzüberschuss: 0,3 Milliarden Euro
Österreich erreicht gerundet 0,3 Milliarden Euro Überschuss. Die Oesterreichische Nationalbank weist den genauer ausgewiesenen Quartalswert mit 253 Millionen Euro aus. Gegenüber den 890 Millionen Euro im 2. Quartal 2025 fällt der Saldo kleiner aus.
Der Warenhandel liefert weiterhin einen positiven Beitrag von 1,535 Milliarden Euro. Bei Dienstleistungen steht dagegen ein Defizit von 367 Millionen Euro. Hinzu kommen gegenläufige Einkommensströme: Primäreinkommen tragen 193 Millionen Euro positiv bei, Sekundäreinkommen belasten mit 1,107 Milliarden Euro. Diese laufenden Transfers verringern den Überschuss aus anderen Bereichen erheblich.
Auffällig ist außerdem die unterschiedliche Zusammensetzung gegenüber dem 1. Quartal. Damals hatten die Dienstleistungen noch 5,761 Milliarden Euro Überschuss erbracht. Die Werte sind nicht saisonbereinigt; der Vergleich zweier benachbarter Quartale enthält daher auch saisonale Einflüsse. Für die Bewertung der Veränderung eignet sich deshalb zusätzlich der Vergleich mit demselben Quartal des Vorjahres.
Platz 9: Slowenien – Transport und Reisen tragen die Außenwirtschaft
- Leistungsbilanzüberschuss: 0,8 Milliarden Euro
Slowenien kommt auf 0,8 Milliarden Euro Überschuss. Der Septemberbericht der Banka Slovenije beschreibt eine Stärkung der Dienstleistungsexporte, insbesondere bei Transport und Reisen. Übernachtungsdaten ausländischer Gäste sprechen nach Einschätzung der Zentralbank für eine günstige Tourismussaison.
Über 12 Monate erreicht der Leistungsbilanzüberschuss laut Bericht 3,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Er wird vollständig durch den positiven Dienstleistungssaldo getragen, während der Warenhandel erneut ein Defizit aufweist. Die internationale Nachfrage nach Dienstleistungen ist damit für die Außenposition besonders wichtig. Der Bericht nennt zugleich Preissteigerungen als einen erheblichen Einfluss auf das nominale Wachstum des Warenhandels. Steigende Handelswerte enthalten daher auch einen Preiseffekt.
Platz 8: Finnland – Warenhandel stützt den Überschuss
- Leistungsbilanzüberschuss: 1,3 Milliarden Euro
Finnland verbucht im 2. Quartal 1,3 Milliarden Euro Überschuss, nach 1 Milliarde Euro ein Jahr zuvor. Statistics Finland beziffert den Warenhandelsüberschuss des aktuellen Quartals auf 4 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr verbessert sich dieser Saldo um 1,8 Milliarden Euro.
Die Warenexporte wachsen nominal um 25 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro. Die Importe steigen um 19 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Dienstleistungen belasten dagegen mit einem Defizit von 2,2 Milliarden Euro, das sich gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Milliarden Euro vergrößert. Dabei fallen die Dienstleistungsexporte um 3 Prozent, während die Importe um 8 Prozent zulegen. Hinter dem positiven Gesamtergebnis stehen somit gegenläufige Entwicklungen im Warenhandel und bei Dienstleistungen.
Platz 7: Belgien – Dienstleistungen bleiben im Defizit
- Leistungsbilanzüberschuss: 1,7 Milliarden Euro
Belgien erreicht 1,7 Milliarden Euro Überschuss. Im gleichen Vorjahresquartal stand noch ein Defizit von 3,5 Milliarden Euro. Bei den Dienstleistungen bleibt der Saldo negativ, verbessert sich aber von minus 4,1 Milliarden auf minus 2,6 Milliarden Euro. Der gesamte Überschuss entsteht somit trotz dieses belastenden Teilbereichs.
The Nationale Bank van België erläutert, dass die laufende Rechnung Waren, Dienstleistungen und Einkommen gemeinsam erfasst. Sie verwendet die Zahlungsbilanz auch zur Analyse der Handelsbeziehungen und ihrer Finanzierung. Für Belgien ist deshalb besonders die Zusammensetzung relevant: Der positive Gesamtsaldo und die weiterhin negativen Dienstleistungen stehen für unterschiedliche Teile der Außenwirtschaft.
Platz 6: Spanien – Warenimporte belasten, Tourismus stützt
- Leistungsbilanzüberschuss: 8,7 Milliarden Euro
Spanien erzielt 8,7 Milliarden Euro Überschuss. Im 2. Quartal 2025 waren es noch 16 Milliarden Euro. Die Banco de España beschreibt für das aktuelle Quartal eine deutliche Verschlechterung im Warenhandel: Das Defizit wächst auf 18 Milliarden Euro, nach 9,7 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Warenexporte nehmen gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent zu, Importe dagegen um 9,8 Prozent.
Die Dienstleistungen wirken in die andere Richtung. Ihr Überschuss steigt von 30,6 Milliarden auf 33 Milliarden Euro. Davon entfallen 21,3 Milliarden Euro auf den Tourismus und 11,7 Milliarden Euro auf andere Dienstleistungen. Beide Bereiche liegen über ihren Vorjahreswerten. Der Reiseverkehr bleibt damit ein wichtiger Ausgleich für das Defizit im Warenhandel.
Für die Einordnung ist außerdem der Zeitraum entscheidend: Über die letzten 4 Quartale erreicht Spaniens Leistungsbilanzüberschuss 47 Milliarden Euro beziehungsweise 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die jährliche Perspektive zeigt die anhaltend positive Außenposition, während der einzelne Quartalswert den jüngsten Rückgang sichtbar macht.
Platz 5: Schweden – Kapitalerträge gleichen schwächeren Handel aus
- Leistungsbilanzüberschuss: 11,6 Milliarden Euro
Schwedens Überschuss erreicht umgerechnet 11,6 Milliarden Euro. Die nationale Veröffentlichung von Statistics Sweden weist für dasselbe Quartal 126,2 Milliarden schwedische Kronen aus, gegenüber 103,7 Milliarden Kronen im Vorjahr. Der Überschuss wächst trotz eines schwächeren Warenhandelssaldos: Dieser sinkt von 86,5 Milliarden auf 67,7 Milliarden Kronen.
Für Ausgleich sorgen Dienstleistungen und Primäreinkommen. Das Dienstleistungsdefizit verringert sich von 36,6 Milliarden auf 14 Milliarden Kronen. Zugleich steigt der Überschuss bei den Primäreinkommen von 76 Milliarden auf 100,9 Milliarden Kronen. Die Statistikbehörde führt den Anstieg der Leistungsbilanz insbesondere auf höhere Dividenden aus ausländischen Aktien und Investmentfonds zurück.
Sekundäreinkommen belasten das Ergebnis dagegen stärker: Ihr Defizit wächst von 22,3 Milliarden auf 28,4 Milliarden Kronen. Damit zeigt Schweden besonders anschaulich, wie Kapitalerträge die Gesamtbilanz stärken können, obwohl der reine Warenhandel weniger Überschuss erwirtschaftet als im Vorjahr.
Platz 4: Dänemark – Auslandsproduktion trägt zum Überschuss bei
- Leistungsbilanzüberschuss: 13,2 Milliarden Euro
Dänemark weist 13,2 Milliarden Euro Überschuss aus. Seine Außenwirtschaft wird stark von international tätigen Industriekonzernen geprägt. Eine Analyse von Danmarks Statistik zur Zahlungsbilanz beziffert deren Beitrag für das gesamte Jahr 2025 auf 531 Milliarden dänische Kronen. 2018 waren es 278 Milliarden Kronen. Der industrielle Beitrag übersteigt den gesamtwirtschaftlichen Überschuss, weil andere Bereiche, darunter Handelsunternehmen, negative Salden aufweisen.
Ein großer Teil des Anstiegs hängt mit Produktion außerhalb Dänemarks zusammen. Dieser Teil (Merchanting und Lohnveredelung), der im dänischen BIP enthalten ist, stieg von 78 Milliarden Kronen im Jahr 2018 auf 277 Milliarden Kronen 2025. Zugleich entfällt ein größerer Anteil des industriellen Überschusses auf große Konzerne: Die 10 größten tragen 68 Prozent bei, gegenüber 57 Prozent im Jahr 2018.
Die Statistik unterscheidet dabei zwischen dänischen Exporten und der Tätigkeit ausländischer Tochtergesellschaften. Die Produktion der Tochtergesellschaften zählt nicht zur dänischen Wirtschaftsleistung. Die daraus bezogenen Einkommen gehen jedoch in das dänische Nationaleinkommen ein. Für 2025 nennt die Behörde 71 Milliarden Kronen Einkommen aus Tochtergesellschaften im Ausland. Diese Struktur erklärt, weshalb die Leistungsbilanz weit über die Warenbewegungen an der Landesgrenze hinausreicht.
Platz 3: Niederlande – Exportvolumen wächst
- Leistungsbilanzüberschuss: 16,9 Milliarden Euro
Der niederländische Leistungsbilanzüberschuss beträgt 16,9 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 13,1 Milliarden Euro. Für den Güterhandel liefert die Statistikbehörde Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) zusätzliche Hinweise: Im Juni lag das arbeitstäglich bereinigte Exportvolumen um 3,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im Juli, also bereits nach dem hier verglichenen Quartal, hielt das Wachstum mit 2,1 Prozent an.
Vor allem Maschinen und Geräte wurden im Juli stärker ausgeführt. Auch chemische Produkte und Transportmittel legten zu. Das Importvolumen wuchs im selben Monat um 0,4 Prozent. Dabei wurden insbesondere mehr Maschinen und elektrotechnische Geräte eingeführt. Die realen Mengenbewegungen zeigen die Entwicklung des operativen Geschäfts und ergänzen den in Euro gemessenen Außenwirtschaftssaldo. Waren machen nach Angaben der Behörde etwa 3 Viertel der gesamten niederländischen Exporte aus; die übrigen Ausfuhren entfallen auf Dienstleistungen.
Platz 2: Irland – Hohe Exporte und abfließende Gewinne
- Leistungsbilanzüberschuss: 19,7 Milliarden Euro
Irland kommt auf 19,7 Milliarden Euro Überschuss, nach 14 Milliarden Euro im 2. Quartal 2025. Die irische Statistikbehörde Central Statistics Office (CSO) bestätigt den aktuellen Betrag. Ihre Aufschlüsselung zeigt, wie groß die gegenläufigen Transaktionen hinter diesem Saldo sind: Die Dienstleistungsexporte erreichen 136,9 Milliarden Euro, die Dienstleistungsimporte 133,1 Milliarden Euro. Aus dem Austausch von Dienstleistungen verbleibt damit nur ein vergleichsweise kleiner positiver Saldo.
Wesentlich stärker wirkt der Warenhandel. Den ausgewiesenen Warenexporten von 105,6 Milliarden Euro stehen Importe von 47,5 Milliarden Euro gegenüber. Gleichzeitig fließen erhebliche Einkommen ins Ausland. Für die gesamte Einkommensbilanz weist die Behörde ein Defizit von 42,1 Milliarden Euro aus. Die Nettoabflüsse von Gewinnen multinationaler Unternehmen betragen allein 46 Milliarden Euro. Diese Unternehmensgewinne erklären, warum hohe Exportwerte und ein deutlich kleinerer Leistungsbilanzüberschuss zusammen auftreten können.
Eine weitere Besonderheit ist die Beziehung zu den USA: Dort verzeichnet Irland beim Handel mit Waren und Dienstleistungen ein Defizit von 29,4 Milliarden Euro. Zusammen mit negativen Nettoeinkommen von 18,3 Milliarden Euro ergibt sich gegenüber den USA ein Leistungsbilanzdefizit von 47,7 Milliarden Euro. Der Überschuss gegenüber der gesamten Welt verdeckt somit sehr unterschiedliche Beziehungen zu einzelnen Handelspartnern.
Platz 1: Deutschland – Dividenden prägen die Monatsbewegung
- Leistungsbilanzüberschuss: 45,0 Milliarden Euro
Deutschland erzielt im 2. Quartal einen Überschuss von 45 Milliarden Euro. Gegenüber den 41,2 Milliarden Euro im gleichen Vorjahresquartal wächst der Saldo. Hinter dem Ergebnis stehen neben dem Warenhandel auch grenzüberschreitende Einkommen und Dienstleistungen. Wie stark einzelne Zahlungsströme den Verlauf beeinflussen, zeigt die Juni-Auswertung der Deutschen Bundesbank: Allein im letzten Monat des Quartals beträgt der Überschuss 19 Milliarden Euro, nach 8,9 Milliarden Euro im Mai.
Der Warenhandel steuert im Juni 17,3 Milliarden Euro bei. Entscheidend für den monatlichen Anstieg sind jedoch die Primäreinkommen, zu denen etwa grenzüberschreitende Kapitalerträge zählen. Ihr Überschuss wächst um 10 Milliarden auf 13,9 Milliarden Euro. Im Mai hatten hohe Dividendenzahlungen an ausländische Wertpapierbesitzer den Saldo gedrückt. Im Juni fällt diese saisonale Belastung geringer aus. Dienstleistungen weisen dagegen im Juni weiterhin ein Defizit von 7,2 Milliarden Euro auf.
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